"Wurschtigkeitsgefühl"

podi, Friday, 14.01.2011, 10:09 (vor 5695 Tagen)

(Österreichisch) auf Deutsch "Lustlosigkeit"
Schon vor 25 Jahren nach ein paar Stationären Behandlungen, hat mir (meinen Eltern) mein behandelnder Arzt dieses Gefühl nachgesagt. Und das hat sich seit dieser Zeit nicht geändert. Obwohl ich ständig versuche bei einer Sache zu bleiben, lässt oft nach kurzer Zeit die Konzentration stark nach. Das behindert natürlich den Tagesablauf enorm. Aber auch bei Tätigkeiten die ich wirklich gerne mache, schaffe ich es nicht lange dabei zu bleiben. Ich habe gehört, das das bei Epileptikern öfters vorkommt. Wie geht es euch damit, geht es hier auch anderen so?

"Wurschtigkeitsgefühl"

Musica, Friday, 14.01.2011, 15:51 (vor 5695 Tagen) @ podi

Hallo Podi, ich kann auch österreichisch.! Ich kenne so etwas in der Richtung. Ab und zu bringe ich meine eigenen Gedanken nicht zuneende.Es kommt vor,dass ich manchmal nicht nicht wirklich zuhöre.Das war als Kind in der Schule schlimm. Gegen Konzentrationsprobleme kämpfe ich auch.Un ich bin furchtbar vergesskich.Vergessen tue ich auch Ereignisse, an die ich mich erinnern müßte weil sie scön war. z.B.Familienfeeste. Letztere können wirklich vom Medikament sein. Aber auf die Idee, dass die anderen Probleme etwas mit Epi zu tun haben, bin ich eigentlich noch nicht gekommen. Ich halte mich dann eher für willensschwach oder desinteressiert. Servus, Musica

"Wurschtigkeitsgefühl"

Lerche, Friday, 14.01.2011, 17:33 (vor 5695 Tagen) @ podi

Hallo Podi!

Lust- bzw. Antriebslosigkeit kenn ich auch, ist bei mir aber’n bisschen anders: Ich schiebe vieles auf die lange Bank und fange gar nicht erst damit an, ob es nun wichtig ist oder nicht. So nach dem Motto „Was du heute kannst besorgen, geht auch noch übermorgen!“;-) (Sogar dafür gibt’s einen hochwissenschaftlichen Begriff: „Prokrastination“.)
Hab ich mich dann aber durchgerungen was anzufangen, finde ich KEIN Ende, wobei Aufwand und Nutzen meist in keinem guten Verhältnis stehen. Beispiel: Küche saubermachen. Der Herd sieht am schlimmsten aus, also fang ich damit an. Stunden später glänzt er wie gerade angeliefert:-) , aber der Rest der Küche sieht noch immer aus wie am Anfang:-( . Und so wird sie auch noch viele weitere Tage aussehen, denn zum Einen ist die Luft erst mal raus, zum Anderen ist es fast Mitternacht und ich muss am nächsten Morgen halb 5 aufstehen…
Gut – das ist sicherlich ne spezielle Macke von mir und hat bestimmt nix mit den Medikamenten zu tun. Diese lahmar…ige Antriebslosigkeit geht aber voll auf deren Konto, da bin ich mir sicher. Aber solange das die schlimmste Nebenwirkung bleibt, sollten wir sie hinnehmen.

VG
Uwe

Eine Frage noch, wenn du gestattest: Ist „Wurschtigkeitsgefühl" gesamtösterreichisch, oder lokaler Dialekt (Kärnten, Tirol usw.)?

"Wurschtigkeitsgefühl"

tanguera, Schweiz, Saturday, 15.01.2011, 14:37 (vor 5694 Tagen) @ podi

Hallo Podi,

ich kenne dieses Gefühl nicht im Bezug auf Alltag oder Dinge und Tätigkeiten, die man relativ schnell erledigen kann, sondern bei etwas "langfristigeren Angelegenheiten." Nach einer bestimmten Zeit lässt bei mir die Lust irgendwas weiter zu machen einfach nach.

Ich habe es aber nie mit Epilepsie in Verbindung gebracht, habe immer gedacht, "ich bin einfach so".
Mir fällt ein, dass ich auch bei Dingen, die sehr wichtig in meinem Leben waren, meistens zwei "Anläufe" gebraucht habe, um sie zu vollenden. Beim Führeschein musste ich zweimal anfangen, beim ersten Mal hatte ich nämlich irgendwann keine Lust mehr. Ebenfalls bei meinem Studium. Mein Ehrgeiz und Wille haben nachgelassen, und mit 26 wollte ich unbedingt ein Kind haben. Es ist passiert und grad anschliessend ein zweites. Mit 29 habe ich es bereut, das Studium nicht abgeschlossen zu haben, und musste dies mit zwei kleinen Kindern hinkriegen. Dabei hat mir vorher so wenig gefehlt...
In einer ähnlichen Situation bin ich auch jetzt - ich habe keine Lust mehr, meinen Job weiter zu machen. Dieses Gefühl habe ich schon seit ein paar Monaten. Ich habe vor, mich im Frühling für weitere Kurse an der Uni einzuschreiben (soweit es gesundheitlich geht), um die Kurse, die ich nach dem Abschluss noch machen wollte, endlich zu machen, und dann beruflich noch ein bisschen anderen Weg einschlagen...

So geht es immer mit mir. Meinst Du, es liegt an der Epilepsie? Ich glaube, es liegt an mir...

LG

tanguera

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Jubeln, lachen, tanzen - Der einzige Weg um sich zu retten.
(Alfred Selacher, (*1945), Schweizer Lebenskünstler)

"Wurschtigkeitsgefühl"

anonym, Monday, 17.01.2011, 19:34 (vor 5692 Tagen) @ tanguera
bearbeitet von anonym, Monday, 17.01.2011, 20:19

Hallo Zusammen,
in diesem Bericht möchte ich jetzt zu gerne einmal einklinken. Also in vielen diesen Berichten erkenne ich mich auch wieder. Oft habe ich auch zwei Anläufe gebraucht. Meine Prüfungen habe ich meistens erst in der Nachprüfung bestanden. Was den Alltag eben auch ziemlich aufhält, das ich immer wieder von vorne glaube, nicht den richtigen Zeitpunkt zu erwischen mein Leben zu verändern, dieser Schritt fällt mir ziemlich schwer.

Inzwischen versuche ich meine Kräfte besser einzuteilen, so das der Erfolg bald abzusehen ist. Ich schaffe es auch an Ergebnissen so lange herumzukorrigieren, das dann erst recht alles falsch wird.

Somit bestimmen also inzwischen nur Kleinigkeiten meinen Alltag, damit fahre ich am Besten.

Ich vermute mal das geht vielen so, die mit handicaps leben müssen.:-) Aufgaben die sich über einen längeren Zeitraum hinziehen, sind für mich eigentlich auch nicht gerade angebracht, weil ich oft dann mit in meinen Gedanken Tage vorraus geilt bin ohne die Basis erst herstzustellen. Quasi das Pferd falsch aufgezäumt habe.;-) oder vieles was liegen geblieben ist innerhalb eines Tages aufholen möchte, eigentlich ja auch ziemlich schräg.

Gruß
Corinna