Probezeit am Arbeitsplatz mit Epilepsie

Andre, Sunday, 23.01.2011, 21:03 (vor 5686 Tagen)

Hallo,hattet ihr Probleme aufgrund von Epilepsie am Arbeitsplatz?Habt ihr immer sofort die Erkrankung angegeben?In welchen Berufen seit ihr am arbeiten?
Ich hatte damals die Erfahrung in der ersten Ausbildung,dass meine nette Chefin nach einen Anfall versucht hatte mich loszuwerden.Jedoch war die Probezeit bereits vorbei und dass Arbeitsamt hatte mich an diese Fa vermittelt,somit wußten die bescheid. Die erste Ausbildung als Kaufmann im Einzelhandel hatte ich dort beendet.

Nunmehr arbeite ich als Pflegefachkraft

Wäre schön von Euch zu hören

Gruß Andre

Probezeit am Arbeitsplatz mit Epilepsie

Mondenkind, Monday, 24.01.2011, 10:37 (vor 5685 Tagen) @ Andre

Hallo Andre,

ich hatte bisher nur einmal Probleme, das war bei einem Praktikums während des Studiums.

Jahrelang betreute ich schon Kinder-Freizeiten, ich sah einen Flyer an der Pinnwand der FH und bewarb mich bei einem anderen Freizeit-Veranstalter. Das erste Jahr bin alles gut, ich hatte längere Zeit keine Anfälle gehabt, also warum sollte ich etwas sagen?

Dann tragen die Anfälle wieder auf. Ich sagte der Leiterin, dass ich Epi habe (so wie bisher immer, und hatte nie Probleme...), ihr Kommentar "Na Mondenkind, dann müssen wir mal schauen, ob du überhaupt noch mitfahren kannst...", sie wollte dann, dass ich wenn als "jugendlicher Betreuer" mitfahre, sprich wenig bis keine selbständige Verantwortung übernehme und immer einer der anderen Betreuer bei mir sein muss...

Zudem hatte sie Bedenken, dass etwas mit den Kindern (nicht mit mir...) passieren könnte, wenn ich einen Anfall habe. Das Haus war an einer viel befahrenen Straße und ein Kind könnte ja Angst bekommen und weg rennen (natürlich auf die Straße...) oder ich könnte einen Anfall bekommen, wenn ein Kind sich verletzt und ich Stress hätte (ich hatte das Gefühl, dass das das einzige war, was sie wusste, das Stress Anfälle auslösen kann, dass man bei mir nicht wusste, was die Epi auslöst, war ihr egal...).

Kurzum, sie ließ die anderen Betreuer abstimmen (wovon 3 schon im Vorjahr mit mir die Freizeit betreut hatten und sie entschieden sich 3:1 gegen mich...).

Seitdem bin ich etwas vorsichtig geworden, wem ich von meiner Epi erzähle und wem nicht.

Meinem letzten Arbeitgeber habe ich es auch erst gesagt, als die Anfälle wieder tagsüber auftraten und ich dann kein Auto mehr fahren durfte...
...eine Vertragsverlängerung habe ich trotzdem bekommen.

Jetzt bin ich zwar zurzeit arbeitssuchend, doch das hat nichts mit der Epi zu tun, ich betreute berufsvorbereitende Maßnahmen und die letzte ging an die Konkurrenz, so dass es mehrere Kollegen traf.

LG
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

Probezeit am Arbeitsplatz mit Epilepsie

tanguera, Schweiz, Monday, 24.01.2011, 13:49 (vor 5685 Tagen) @ Andre

Hallo Andre,

leider musste ich vor zwei Wochen am Arbeitsplatz eine schlimme Erfahrung machen, aus der ich mich bis jetzt noch nicht ganz erholt habe...:-(

Vor ca einem Jahr steckte unsere Branche ziemlich tief in der Krise drin, und es musste bei uns im Team zu einem drastischen Abbau kommen. Der eine Kollege wurde entlassen, zwei Kolleginnen mussten ihr Arbeitspensum reduzieren. Bei mir hat es geheissen, dass sie auf mich nicht verzichten können, und deshalb darf ich nicht reduzieren (wass mir eigentlich recht gewesen wäre...). Um den anderen gegenüber ein Zeichen der Loyalität zu setzten, soll ich jedoch mit dem Lohn runtergehen. Ich brauche keine Angst zu haben, sobald alles vorbei ist, bekomme ich einen deutlich höheren Lohn, somit ich so schnell wie möglich einen Ausgleich habe, und dieser Lohn bleibt mit dann auch weiterhin. Ich habe gewartet und gewartet... Und gesehen, dass uns wieder langsam besser und besser geht. Nach vier Monaten habe ich einen Lohnausgleich bekommen, aber keine Lohnerhöhung. Und ich habe wieder gewartet.

Im Januar haben wir eine neue Mitarbeiterin bekommen, somit war endgültig klar, dass es uns wieder gut geht...So habe ich in einem Gespräch nach der versprochenen Lohnerhöhung gefragt. Die Antwort hat mich schokiert! Unter dem Vorwand der Epilepsie und damit angeblich verbundenem Leistungsabbau bekomme ich keine! Wobei ich natürlich weiss, dass es so nicht stimmt. Ich habe Zugang zu den Computern von allen im Team und auch zu dem vom Chef und kann die einzelnen Tage durchgehen und mit meinem Tagespensum vergleichen... Ich spare meine Energie überall, wo es nur geht, mein Haushalt kommt wirklich zu kurz, nur um die Leistung beim Arbeiten nicht zu beinträchtigen.

Ich habe meine Stelle als "Nicht-Epileptikerin" angefangen und bin immer sehr offen mit der Krankeheit umgegangen. Das dies einmal gegen mich verwendet wird, damit habe ich nicht gerechnet.

Na, ja der Text ist ein bisschen länger geworden, aber ich bin froh, es ist mal raus :-)

tanguera

--
Jubeln, lachen, tanzen - Der einzige Weg um sich zu retten.
(Alfred Selacher, (*1945), Schweizer Lebenskünstler)