In aller Frühe

Mondenkind, Monday, 21.03.2011, 11:49 (vor 5629 Tagen) @ Musica

Hallo Musica,

ich lese gerade "Epi on board - ich glaub ich krieg ´nen Anfall" von Anja Zeipelt.

Hier ein Teilkapitel (Auf der Arbeit) daraus:

Sie arbeitete zu dem Zeitpunkt in einer Stoffabteilung und hatte gerade ein sehr gutes Geschäft mit einer Kundin gemacht

... ich hob siegessicher immer mal Daumen zu unserer Näherin, die mir ein paar Meter gegenüber saß, und ich freute mich schon darauf, ihr Gesicht zu sehen, wenn ich ihr den Betrag, den ich hier berechnete unter die Nase halten würde. Ich überlegte noch, wann ich mit meinem Chef über Provisionen reden könnte, da passierte es zum ersten Mal: Ich wusste nicht mehr weiter. Wir war bloß die Tastenkombination für das Eurozeichen? Keine Ahnung. Es war weg, aus meinem Hirn gepustet. Ich saß da un wartete, dass es zurückkam, aber es dachte überhaupt nicht daran. Das € war weg! Und ich konnte ja wohl kaum mitten im Dokument das Euro als Wort hinter die Zahlen schreiben. Verzweifelt wollte ich zu unserer Näherin gegen und sie um Hilfe bitten, da rannte ich zuerst einen Wagen mit Stoffmustern um und gleich danach kickte ich mit meinem Hüftknochen die Tischkante, die mir im Weg stand.

...

Die Krönung aber habe ich, dem Himmel sei Dank unbemerkt von Chef und Chefin, eines Mittags im Hochsommer gebracht. Es war auf der Arbeit. Das Telefon klingelte und eine Dame am anderen Ende des Apparates, fragte mich nach ihrem Kostenvoranschlag. Ich fragte die Dame, ob sie denn auch sicher sein, dass sie im richtigen Geschäft angerufen habe. Normalerweise wusste ich auch über die Kunden Bescheid, die in meiner Abwesenheit da waren, denn ich wurde stets per Schreiben darüber informiert. Aber ich hatte keine Notiz gefunden. Tanja hatte heute ihren freien Tag und so bat ich die Kundin, sich am nächsten Tag noch einmal zu melden. Die Kundin beschloss, tags darauf persönlich vorbeizukommen, um sich in Erinnerung zu bringen. Als sie dann vor stand, um mir klar zu machen, dass sie meine Kundin war, war ich überzeugt davon, dass diese arme Frau ein absolutes Problem hatte, denn ich hatte sie noch nie zuvor gesehen. Tanja sah mich entsetzt an und erzählte mir, dass ich diejenige mit dem klitzekleinen Problem war. Es war meine Kundin! Ich hatte eine komplette Verkaufsberatung vergessen und konnte mich erst Tage später wenigstens teilweise wieder daran erinnern.

Und? In manchen Dingen wiedergefunden?? Ich musste (nicht nur in diesem Kapitel) ein paar mal nicken, "ja, dass kenne ich auch".

Wie du vielleicht gemerkt hast, nimmt Frau Zeipelt die Dinge gern ein bisschen auf die Schippe und das ist es auch, was sie mit ihrem Buch schaffen will. Bei dem ganzen, den Humor nicht vergessen und ihn nicht verlieren, so wie sie in ihrem Vorwort schreibt: "Humor ist Medizin... uns wenn man über sich selbst lachen kann."

Viele liebe humorvolle Grüße :-D
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)


gesamter Thread: