komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

Conny, Wednesday, 13.04.2011, 09:10 (vor 5606 Tagen)

Hallo und guten Morgen,

ich bin neu hier. Es geht um meinen Sohn (knapp 7) bei dem der Verdacht auf Epilepsie besteht. Das erste Mal wurde er vor 2 1/2 Jahren untersucht (stationär). Da EEG und Kernspin unauffällig waren, wurde das Schlafentzugs EGG fallen gelassen, also nicht mehr gemacht. Die "Anfälle" seien psychisch bedingt.
Ich bitte zu entschuldigen, wenn es etwas durcheinander geht.
Die "Anfälle" kündigen sich bei ihm mit Kopf- oder Bauchschmerzen, sehr häufig auch mit Deja vu Erlebnissen und Angstgefühlen an. Typischer Weise sieht es so aus, dass er über Bauchschmerzen klagt, kurz darauf "etwas sieht" und unheimlich Angst bekommt ("Mama ich habe A n g s t - das war schon mal, da standen auch die Schuhe da und die Tasche war so und dann kam der Max rein und dann ... .......") dann läuft er unvermittelt herum, nestelt an seinen Kleidern oder fasst sich an den Hals, manchmal sagt er dann noch er hätte Halsweh. Teils ist er ansprechbar, oft nicht mehr richtig, bekommt dann gar nicht mit was ich sage oder frage. Im Nachhinein fehlt ihm manchmal auch ein gutes Stück der Erinnerung was davor war, also dass wir z.B. am Vormittag im Gartencenter waren, oder später Grillen wollten. Während es "Anfalls" ist er auffallen blass und um den Mund herum bläulich, ganz blaue Lippen. Vor oder nach dem "Anfall" kommen Kopfschmerzen, selten mal dass er keine hat. Bauchweh immer. Sehr müde auch, schläft an solchen Tagen sehr viel, also legt sich immer wieder hin und schläft.
Wir müssen ihn nochmal untersuchen lassen, das ist klar. Ich hab mich in der hiesigen Uniklinik nur nicht ganz ernst genommen gefühlt, d.h. mir wurde das Ganze zu schnell abgetan. Zum besseren Verständnis der Ärzte muss ich noch kurz schreiben, dass mein Sohn eine um zwei Jahre jüngere kranke/behinderte Schwester hat und zum Zeitpunkt der Untersuchung der kleine Bruder gerade 4 Monate alt war - die "Anfälle" also ein Schrei nach Aufmerksamkeit wären.
Ich schreibe hier, weil ich einfach nicht weiter weiß oder einfach mal mit jemandem reden muss.. Wäre schön, wnn jemand antwortet. Ich habe allerdings nicht viel Zeit reinzuschauen.
Kennt jemand die geschilderten Symptome? Könnte es sich denn um epileptische Anfälle handeln? ich vergaß noch, dass er dann auch oft ganz verwirrt schein, auch wirres Zug redet: "Hundert Millonen müssen da warten...Kinder...da unten... dann bricht der Redefluss ganz ab und das oben beschriebene Umherwandern beginnt.
Eine Frage brennt mir in dem Zusammenhang ganz besonders unter den Nägeln, da ich dazu keine Informationen im Netz finden konnte: die "Anfälle" kommen gehäuft an ein oder zwei Tagen, also mehrmals, vier fünf Mal am Tag. Ein paar Wochen ist nichts, dann steht er morgens auf und ich sehe ihm schon an dass wieder etwas ist (er ist dann irgendwie anders), dann kommen auch schon die klagen Bauchweh oder Angst oder ihm sei "so komisch". Geht dann z.B. wieder schlafen, steht wieder auf, schreit auf einmal auf weil er etwas gesehen hat, wird unruhig, redet wirr, dann ebbt das irgendwann ab usw. Er bleibt aber den ganzen Tag irgendwie komisch, zwischendurch scheint er ganz normal, aber so insgesamt stimmt etwas nicht.
Ich dachte die Anfälle kämen einmal, vielleicht auch mal zweimal und dann war es das. Aber so 'den ganzen Tag'??
Klinikum sagte wie erwähnt vermutlich psychisch. Kennt sich dann vielleicht auch jemand damit aus? Gekrampft(?) hat er 1 x (hat sich am Einkaufwagen festgekrallt, ich konnte die Hände gar nicht lockern und dachte er würde vornüber kippen. Er war dabei tieflau, nicht nur um den Mund. Danach auch große Gedächtnislücke).
Das war nun leider sehr sehr lang. Vielen Dank wenn jemand bis hierher gelesen hat. Es hatte heute morgen eben wieder ein deja vu Erlebnis (sonst nichts, nur sehr blass) und ich hab ihn trotzdem in die Schule geschickt. Man mancht sich dann halt doch Sorgen.
DANKE

Conny

komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

tanguera, Schweiz, Wednesday, 13.04.2011, 11:33 (vor 5606 Tagen) @ Conny

Liebe Conny,

ich bin zwar kein Experte, oder kein "alter Hase", was Epilepsie betrifft, für mich hört es sich jedoch nach komplex fokalen Anfällen oder zumindest nach Auren.
Ich kenne sowas aus eigener Erfahrung- eben als Kind. Dabei habe ich nie noch eine zusäztliche bzw. besondere Aufmerksamkeit gebraucht. Ich hatte das Gefühl, immer genug Liebe von meinen Eltern zu haben, war sehr gut in der Schule, alle waren immer zufrieden mit mir. Diese Gefühle und Zustände kamen ausgerechnet immer dann, wenn ich entspannt, zufrieden war, oder mich auf etwas gefreut habe.

Der einzige Unterschied zu Deinem Sohn- ich hatte diese Zustände nicht so oft und ich konnte sie nie richtig beschreiben, weshalb meine Mutter vom Kinderarzt ausgelacht wurde und auf einen Kinderpsychologen verwiesen wurde.

Erst Jahre danach kamen sie wieder zurück, ich war zu der Zeit 33. Ich lies mich nochmals untersuchen - Epilepsie. (ich hatte zwar zwischendurch kürzere "Episoden" z. B. nach Geburten von meinen Töchtern- in denen ich auch ausgesprochen glücklich war..., sonst lief alles gut...)

Bei mir ist MRT auch unauffällig, beim EEG sieht man es jedoch - Temporallappenepilepsie. Lasse Deinen Sohn in einer Epilepsieambulanz oder in einer Epiklinik untersuchen. Ich habe irgendwo gelesen, dass bei so kleinen Kindern psychisch bedingte Anfälle eher selten sind.
Ein normales EEG beduetet noch nicht keine Epilepsie. Es ist immer eine "Momentaufnahme".

Alles gute für Euch beide

tanguera

--
Jubeln, lachen, tanzen - Der einzige Weg um sich zu retten.
(Alfred Selacher, (*1945), Schweizer Lebenskünstler)

komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

Conny, Thursday, 14.04.2011, 09:37 (vor 5605 Tagen) @ tanguera

Liebe Tanguera,

vielen, vielen lieben Dank für Deine Antwort.

Für mich ist der Eintrag hier nach langer Zeit der erst Schritt mich wieder an das Thema heran zu tasten, sprich ich wollte auch nichts weiter untersuchen lassen. Ich hoffe das nun nochmal in Angriff nehmen zu können.

Komisch war einfach, dass wir eigentlich nur zum EEG sollten, die Schwestern dann aber kam und sagte er müsse da bleiben, das EEG sei "nicht ganz unauffällig". Später, nach dem das ganze Umfeld erfragt wurde, hieß es dann sofort psychisch bedingt. Das Gefühl nicht ganz ernst genommen zu werden, und vor allen Dingen allein gelassen zu werden. Die Anfälle seien psychisch bedingt, wir sollten es nicht weiter beachten (um nichts zu verstärken). So weit so gut. Ab sofort nicht weiter beachtet, bis hin zu, dass ich tatsächlich glaubte mein Sohn würde sich alles nur einbilden. Es fehlte die Aufklärung - angenommen es sind tatsächlich psychogene Anfälle - worum es sich dabei eigentlich handelt. Einfach nur, nicht weiter beachten.
Kleine Hoffnung hatten wir auch, dass so alles einfach wieder verschwindet.
Das tat es nicht.
Der Hausarzt (Kinderarzt) tippte dann auf eine mögliche Migräne, die hat er selbst und bei uns liegt es auch in der Familie - es könnte ja also schon irgenwo sein, wenn die Klinik Ärzte eine Migräne auch kategorisch ausschlossen hatten. Aber die "Anfälle" kamen ja in regelmäßigen (oder unregelmäßigen) Abständen, Kopfweh, Bauchweh, Schlafbedüfnis, die "Aura" mit Blitze sehen, komischem Geschmack im Mund....
Ich zumindest nahm die Vermutung Migräne nur zu gerne an.
Vor einem Jahr circa, als mein Sohn wieder einmal Migräne hatte, kam dann das Erwachen. Er hatte sich hingelegt. Ich hörte ihn rufen. Als ich zu ihm kam saß er im Bett und war er am Würgen (so glaubte ich), schluckte dauernd und machte den Mund auf und zu. Ich fragte ob ihm schlecht sei, keine Reaktion. Er saß nur da und stierte vor sich hin, fingerte ein wenig an der Bettdecke herum, klappte dann wieder zurück und schlief weiter.
Schlecht geträumt, vielleicht doch ein wenig übel...
Ich begann dann doch einmal die Stichworte Migräne einerseits und andererseits Epilepsie einzugeben. An den Kleidern herumzupfen, das wirre Reden, dass er so "weg" ist, wie durch mich hindurchstiert, nacher nichts mehr weiß... und die vielen Male als ich meinte ihm sei schlecht (kauen, schlucken)...

Ich möchte es einfach nicht wahr haben. wenn wir ja wohl auch noch recht gut dran währen. Weiß auch nicht recht wie vorgehen. Zunächst wohl doch nochmal ins Klinikum. Gegen psychogen Anfälle hätte ich inzwischen auch nichts mehr, also nicht, das ich das wollte, die Vorstellung sie wären denn durch die (einstige) familiäre Situation bedingt finde ich auch schrecklich (dass alles so traumatisch für das Kind war?)
Kennt sich denn jemand mit psychogenen Anfällen aus?? Kann es dabei auch zu Verkrampfungen kommen (wie das eine Mal bei uns, das war wie ein einzige Verkrampfung, keine Zuckungen). Die Pupillenreaktion müsste doch erhalten sein? Ich konnte es nur einmal testen und bin mir da auch nicht sicher.


Vielen Dank fürs Lesen und Dir, liebe tangueara, und allen andern hier auch ALLES GUTE

Conny

komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

tanguera, Schweiz, Thursday, 14.04.2011, 12:40 (vor 5605 Tagen) @ Conny

Liebe Conny,

ich hoffe sehr, dass Dir noch jemand von hier antworten wird, denn ich kenne mich mit den Abläufen in Deutschland nicht so gut aus (bin in der Schweiz).
Ich würde doch darauf bestehen, oder mich selber darum kümmern, den Zwerg bei einem Spezialisten (d.h. bei jemanden, der sich auf Epilepsie spezialisiert) untersuchen zu lassen. Ein einziges EEG zu machen, ist mir da einfach zu wenig.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein 5 -7 jähriges Kind in der Lage wäre, so komplexe Handlungen vorzutäuschen. Ich bin kein Experte, sondern ganz normale Mutter von zwei ein bisschen älteren Kindern. Wenn sie sich etwas erzwingen wollen, dann spielen sie mal Bauchweh vor, oder sonst ein Wehwächen, aber keine Lichtblitze, wirres Zeug reden, an der Kleidung nesteln usw.

Und wie ich schon erwähnt habe, sind psychogene Anfälle bei den Kindern in diesem Alter extrem selten. Wenn schon, dann kommen sie erst später.

Liebe Grüsse

tanguera

--
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(Alfred Selacher, (*1945), Schweizer Lebenskünstler)

komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

Conny, Thursday, 14.04.2011, 14:27 (vor 5605 Tagen) @ tanguera

Liebe Tanguera,

vielen Dank nochmal.

Es wurden insges. drei EEGs geschrieben, das erste mit dem Ergebnis "nicht ganz unauffällig" (was auch immer das heißen soll), das 2. am nächsten Tag war ok, und zwei Monat später nochmal eines, war auch ok.
Also alles i.O. (oder...?)

Entschuldige, das wurde vorhin nicht so deutlich. Es war nicht nur das eine, und MRT war ja auch unauffällig.

Nachdem ich mich belesen habe, sieht alles nach fokalen, wie es sich so liest komplex fokalen Anfällen aus (ob jetzt echt oder psychogen) - wenigstens bin ich insgesamt ein wenig schlauer.

Er spielt nichts vor, nein, das ist so erschreckend wie er dann ist.

Gestern hatte er mehrere Deja vues (schreibt man das so?). Manchmal schreit er dann auch. Als ich einmal fragte weshalb er so schreit - ich dachte aus Angst, da er im Zusammenhang mit den Deja vues auch eine ganz große Angst beschreibt, und er klingt auch so panisch, - aber die Antwort war weil auf einmal der Hals so weh tut und manchmal auch der Bauch und dann der Kopf und dann wieder der Bauch. Das würde so hoch und runter gehen. Diese Erscheinungen gehen aber auch sofort wieder weg, also auch nur wenige Sekunden.
Gestern blieb es auch nur da bei. Ist eher selten, meist kommt eben noch mehr.

Ach ja. Jetzt wird es schon wieder so lang.


Ich glaub ich traue mich nicht nochmal zum Kinderarzt und insbesondere nicht ins Klinikum da so viel Zeit vergangen ist (warum sind Sie nicht schon früher gekommen usw.). Muss aber wohl :-(
Vielleicht kommen wir dort doch weiter. Wenn wir jetzt nochmal kommen.

Danke.

Liebe Grüße in die Schweiz

Conny

komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

Relaia, Friday, 15.04.2011, 00:39 (vor 5605 Tagen) @ Conny

Hallo liebe Conny,

sehr viel von dem, was du beschreibst, kenne ich sehr gut. Leider kann ich dir bei der Frage, ob Epilepsie oder psychogen auch nicht wirklich helfen. Denn auch diese "Leier" kenne ich sehr gut. Allerdings muss ich mich tanguera voll und ganz anschließen, dass psychogene Anfälle bei kleineren Kindern ziemlich selten sind. Panikattacken oder hysterische Anfälle (auch in psychopathologischem Ausmaß) kommen bei Kindern immer wieder vor, aber bei dieser komlexen Symtomatik spricht doch einiges für komlex fokale Anfälle und/oder Absencen.
Die Übelkeit und das Schwindelgefühl habe ich oft sehr stark. Manchmal geht das über viele Stunden. Und häufig dämmere ich so nach und nach weg. Lauf anfangs noch herum und kann verschiedene Dinge erledigen, bis mir immer schwindliger wird, das Dröhnen und Sausen in meinem Kopf immer stärker und ich immer mehr die Orientierung verliere und dann irgendwann meist gar nicht mehr ansprechbar bin. Oft kippe ich dann um und fange an zu krampfen. Häufig verspühre ich auch, kurz bevor ich umkippe, ein starkes Panikgefühl, das ich ansonsten in keiner anderen Situation kenne (ich bin an sich kein ängstlicher Mensch). Ich kann mir gut vorstellen, dass so ein Gefühl für Kinder sehr schlimm sein kann, v.a. weil man in dieser Situation auch so ausgeliefert und hilflos ist. Man kann ja nicht davon laufen und dieses unangenehme Gefühl hört auf. Mir hilft es dann oft, wenn jemand da ist, aber nur da ist. Noch schlimmer, als allein zu sein, ist jemand, der versucht mich bei Bewusstsein zu halten, ständig auf mich einredet und mich vielleicht auch noch berührt. Das wäre äußerst kontraproduktiv und hat sogar die Anfälle schon verstärkt und v.a. das unangenehme Gefühl kurz davor. Ich weiß, dass das für Außenstehende extrem schwer einzuschätzen sein muss, was helfen könnte und was eher schlecht wäre, weil es wahrscheinlich auch bei jedem etwas ander ist. Aber vielleicht kannst du ja herausfinden, wie du deinem Sohn in einer solchen Situation helfen kannst.
Was deine Frage mit den Episoden angeht: ich habe oft ein bis drei Wochen alle paar Tage Anfälle und zwischen den Anfällen fühle ich mich auch ziemlich mies(ständig Auren und sehr müde). Und dann habe ich wieder mehrere Wochen, manchmal bis zu zwei Monaten nichts und ich fühle mich total gut. Bis wieder eine neue Anfalls-Serie kommt. Vergangenen Dezember hatte ich manchmal bis zu drei Anfälle am Tag, den ganzen Februar hindurch gar nichts. Du siehst, das kann ziemlich schwanken.
Vor einigen Wochen gab es hier mal einen Thread "Psychogene Anfälle oder Epilepsie". Dort habe ich auch schon ziemlich ausführlich:-P :-D von dem Hin und Her zwischen Neurologen und Psychotherapeuten erzählt. Erst hieß es in der Notaufnahme Epilepsie, sie wollten EEG und MRT machen, haben jedoch in der Zwischenzeit ein paar Dinge erfahren, wodurch sie alle geplanten Untersuchungen gestrichen haben und mich mit der Vermutung "psychogene Anfälle" nach Hause geschickt haben. Psychotherapie hat, hinsichtlich der Anfälle,auch nach über einem halben Jahr nichts gebracht, Anfälle sind immer schlimmer geworden, bis dann ein anderer Neurologe meinte, das ist auf alle Fälle Epilepsie. Ein paar Monate später meinte ein wieder anderer Neurologe: MRT negativ (worüber ich sehr froh war), EEGs uneindeutig (was auch immer das heißt) oder negativ, bis auf eines, das während eines Anfalls aufgenommen wurde, also sagt er: vielleicht doch psychogen. Das ist ein ständiges hin und her und jeder der bisher vier Neurologen sagt etwas anderes. Ich habe mitlerweile das Gefühl, es hängt stark vom Arzt ab, ob eher eine psychische oder organische Ursache angenommen wird. Fast ein bisschen so, z.B. wie manche Ärzte schnell starke Medikamente verschreiben und andere lange auf Homöopathie schwören.
Ich hoffe ihr findet einen Arzt, der deinem Sohn helfen kann, unabhängig davon, was der dann diagnostiziert. Hauptsache es hilft deinem Sohn. Und wenn du das Gefühl hast, es hilft ihm nicht, dann traut euch ruhig, auch noch eine andere Meinung einzuholen. Immerhin ist eine adäquate Behandlung und Betreuung bei Kindern besonders wichtig.
Alles, alles Gute,
Relaia

komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

Conny, Friday, 15.04.2011, 09:58 (vor 5604 Tagen) @ Relaia

Liebe Relaia,

vielen Dank für die Beschreibung wie es bei Dir aussieht. Es klingt schon in wenig ähnlich. Meinem Sohn war nun nie übel, das dachte ich immer nur, da er dann so schluckt und den Mund so komisch bewegt. Sah für mich halt so aus als müsste er sich gleich übergeben. Ganz oft reagiert er in dem Zustand nicht auf mich, teils ein wenig, dass er so ein wenig den Kopf dreht (mir aber trotzdem nicht antwortet/nicht antworten kann). Neben dem Schlucken kratz, zupft.. er manchmal an seiner Kleidung herum, "kratzt" so mit der Hand über den Tisch.. Ich erinnere mich, dass ich ihm - ehe ich etwas darüber gelesen hatte - ganz oft die Hand (rechte ist es glaube ich immer nur) festhalten wollte.
Vielen Dank an der Stelle auch für den Hinweis da zu sein aber nicht drauf einreden oder festhalten (siehe oben - ich dachte halt Mensch, was zupft/scharrt er da so rum). Ich rede auch viel auf ihn ein: was ist mit dir? ist dir schlecht? hast du Kopfweh? Hörst Du mich? Hörst Du mich???? Habe auch versucht ihn (sanft) festzuhalten wenn er rumwandert - auch, weil er da so seltsam ist, nicht reagiert.. man möchte das einfach unterbrechen. Dabei dauert der Spuk nur wenige Skunden bis halbe Minute vielleicht (?). Diese geschätzte Zeitspanne bezieht sich auf den Zustand in dem er nicht mehr reagiert. Manchmal ist er noch längere Zeit gar nicht richtig da (aber ansprechbar), mal schneller wieder richtig orientiert und fast wie sonst.

Mein Sohn spricht und erzählt gerne (redet eigentlich den ganzen Tag :-)), er kann sich gut ausdrücken, Dinge gut beschreiben. Dass er "im Anfall" manchmal so wirres Zeug redet, irgendetwas unzusammenhängendes stammelt, nacher manchmal auch noch nicht richtig antworten kann, oft nicht mehr weiß was davor war, nicht erzählen kann was am Vormittag war (nicht mal Dinge wie Ausflug zu seinem Lieblingsspielplatz) - das passt einfach nicht zu ihm. Es gibt ja Kinder dehnen man alles aus der Nase ziehen muss, die sich schwerer tun etwas zu beschreiben (oder einfach nicht wollen).

An Panikattacken glaube ich auch nicht. Diese Angst die er beschreibt tritt gleichzeitig (oder kurz davor oder danach) mit einem Deja vu auf. Er beschreibt das so dass er etwas sieht was schon mal war, meist aus der konkreten Umgebung, dass alles so dastand wie gerade im Moment - die Schuhe standen genau so da usw. oder eine Szene - dass der oder der ins Zimmer kam und dann ans Fenster ging - wie schon mal. Und dann eben, fast gleichzeitig, bekommt er Angst. Sie ist, wie das Deja vu, gleich wieder vorbei. Eine Sekunden-Angst, Bruchteil einer Sekunde nur. "Komisch" fühlt er sich allerdings länger. Er ist auch sonst nicht ängstlich - im normalen Rahmen eben - mal Angst vor Gewitter oder so.

Gestern war er wieder ganz der alte. da fällt es mir dann schon schwer zu glauben, dass er etwas haben könnte. Heute morgend fand ich ihn wieder ein wenig - ich kann es nicht mal recht bschreiben - "anders". Ich muss gleich zu Schule, heute ist früher Schluss. Mal sehen..
Typischerweise sind es bei ihm ein, zwei Tage, eher nur einer, manchmal am übernächsten wieder und dann ein paar Wochen Ruhe. Schon seltsam alles (ich will nicht, dass er etwas hat :-( )

Leider muss ich nun los. vielleicht auch besser so :)

Vielen lieben Dank nochmal!!

Conny

komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

Relaia, Friday, 15.04.2011, 20:37 (vor 5604 Tagen) @ Conny

Hallo liebe Conny,

ich denke es ist selbsverständlich und jeder kann es verstehen, dass du hoffst, dass dein Sohn keine Epilepsie hat.
Vieles von dem, was du beschreibst, klingt aber leider stark nach komplex fokalen Anfällen. Die stereotypen Bewegungen (kratzen, kauen, schlucken, umherlaufen,...), dabei nicht wirklich ansprechbar, das wirre Reden danach und v.a. die Daja-vu-Erlebnisse.
Viele Epi-Symptome sind ja Folgen von Problemen in der Reiz-/Informationsweiterleitung zwischen verschiedenen Bereichen im Gehirn. Oft sind besonders der Thalamus und Hippocampus (mit)betroffen. Also zwei Bereiche, die für Informationsverarbeitung und -filterung, Bewusstsein und Erinnerung wichtig sind. Generell können auch andere Erkrankungen ähnliche Symptome auslösen. Allerdings würde man den überwiegenden Teil davon in MRT oder CT sehen. Und, ich nehme an, eine Gehirnerschütterung, Vergiftung oder das Gehirn betreffende Infektion (Borreliose?)hatte er auch nicht.
Es wird zwar seit ein paar Jahren kontrovers disskutiert, dass auch starke emotionale Beanspruchung/Belastung eine veränderte Reizleitung im Hippocampus und Teilen des Thalamus auslösen können, sozusagen als Ableit- und Schutzmechanismus oder Art Barriere, allerdings treten dann eher einzelne Symptome, oder zumindest z.B. nur das Bewusstsein oder nur die Motorik betreffende Symptome auf und nicht alle zusammen, so wie du sie beschreibst.
Sollte bei deinem Sohn nun doch eine Epilepsie festgestellt werden, hilft dir vielleicht der Gedanke, dass er dann endlich angemessen behandelt werden kann und außerdem treten epileptische Anfälle bei Kindern etwa 5mal (stimmt das? die genaue Zahl weiß ich nicht) häufiger auf, als bei Erwachsenen. Also ist die Chance gut, dass die Anfälle in der Pupertät, wenn sich das Gehirnn nochmal etwas umstrukturiert, wieder verschwinden.

Alles, alles Gute für dich und deinen Sohn und liebe Grüße,
Relaia

komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

Conny, Saturday, 16.04.2011, 07:41 (vor 5603 Tagen) @ Relaia

Liebe Relaia,

nochmal vielen, vielen Dank.

Es tut so gut das zu lesen. Auch wenn ich es nicht haben möchte und natürlich (noch) keine Diagnose steht. Doch sonst wird nur abgewiegelt ab: ach nee, da sei schon nichts oder geh´ halt mal zum Arzt.
Hier klingt das ganz anders, und hilft mir hoffentlich wirklich 'mal zum Arzt' zu gehen. Ich dachte, hoffte , hoffe immer noch es würde "einfach so" weg gehen.
Wenn er dann so einen "Anfall" hat, mache ich mir natürlich Vorwürfe, warum ich nicht schon längst...

Das Kuriose ist ja, dass er ein Mal beim Kinderarzt im Wartezimmer einen hatte. Ich war eigentlich mit seiner Schwester dort, er war von der Schule zu Hause geblieben da er morgens wieder über Bauchweh klagte (und er mir auch so nicht gefiel - weißt schon). Als er aufstand wusste er im Übrigen nichts von dem Arzt Termin, nicht dass es heute -mal wieder- um die Schwester gehen sollte. Das hat er inzwischen aber eh richtig eingeordnet. Die Anfangszeit war halt schwierig.
(ob das alles nun psychisch bedingt ist oder nicht ist aber eh eine andere frage)
Zurück zum Kinderarzt. Er spielte nicht wie sonst wenn wir dort waren, war auffallend ruhig, meinte mal Kopfschmerzen und ihm sei "komisch", stand dann unvermittelt auf, kaute ein wenig vor sich hin, setzte sich wieder, hörte mich nicht mehr.. ich lief zur Sprechstundenhilfe und sagte er hätte einen "Anfall", jedenfalls das, weswegen er schon im Klinikum war. Sie reagierte sofort und sagte wir sollten ins Sprechzimmer.
Der Kinderarzt kam, hallo und wie geht`s und nach der Schwester gewandt. Ich unterbrach ihm er solle sich mal den Jungen ansehen. Ja, ja.. naja er sei ja ganz normal, bisschen blass vielleicht und müde - wenig geschlafen? Das auch ja, aber - dann geschildert was eben war. Nun ja. Der Arzt wiegelte ab. Anfälle sähen eigentlich anders aus. Um mich zu "beruhigen" machte er ein paar neurologische Tests, d.h. das Kind sollte rückwärts gehen und mit geschlossenen Augen den Finger auf die Nase.
Dem Kinderarzt viel nur auf, dass er "unkooperativ" war. Meinte nochmal der sei ja furchtbar müde (mein Sohn war noch nicht richtig ansprechbar, müde wirkte er in der Tat aber auch). Kinderarzt lachte, ne ich soll ihn mal ins Bett packen und wenn er später je noch Kopfschmerzen bekommen sollte sei für ihn die Sache eh klar - nähmlich dass es sich um Migräne handele.
Diese Vermutung hatte der Kinderarzt ja schon früher. Inzwischen hatte ich aber mehr gelesen, eben dass Kopfschmerzen sehr wohl auch im Zusammenhang mit epilptischen Anfällen vorkommen. Und einige der Symptome die mein Sohn zeigt kommen bei Migräne NICHT vor. Sprachstörungen - doch, as gäbe es schon mal, so der Kinderarzt. Sprachfindungsstörungen, meines Wissens, keine (größeren) Gedächtnislücken. Warum wird er so blau (bläulich um den Mund und die Lippen), dieses Herumzupfen. Ich hab ja schon genug geschrieben. So alles zusammen eben.

Eine Vergiftung hatte er nie, Gehirnerschütterung keine diagnostizierte (er war zwei Mal stärker auf den Kopf gefallen - ca. 1/12 und knapp 3 Jahre alt), war nach den Stürzen aber ganz normal. Ehe jetzt einer meckert, Kinder fallen ja wirklich oft. War halt zwei Mal dass ich dachte ups, besser mal beobachten, er aber ganz normnal orientiert und alles war. Ich werde das trotzdem ein wenig im Gedächtnis behalten. Borelliose wüsste ich auch nicht. Die eine Zecke die er hatte/die ich bemerkte muss man ja sagen, da hatte er die "Anfälle" schon längst.

Nun sind hier Schulferien, es kommt Ostern. Ich werde eher nicht dazu kommen hier herein zu schauen.
DANKE Euch beiden die Ihr mir geantwortet habt.
Ich habe nun ja auch nur von mir (sohn) erzählt, gar nicht nach Euch gefragt. Ich wünsche Euch natürlich alles erdenkliche Gute.

Vielen, vielen lieben Dank nochmal

Conny

komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

tanguera, Schweiz, Saturday, 16.04.2011, 09:21 (vor 5603 Tagen) @ Conny

Hallo Conny,

ist es immer der selbe Kinderarzt gewesen? Voher will es wissen, wie alle Anfallsformen aussehen? Die Zustände Deines Sohnes passen auf komplex-fokale Anfälle wie in einem Lexikon zu. Aber das, was ich, Relaia oder auch Du fühlst ist nur eine Vermutung.

Gehe doch zu einem anderen Kinderarzt. Leider gilt es nicht nur bei uns "normal Sterblichen", dass wieviele Menschen, soviele Meinungen. Es ist oft auch bei Ärzten so. Ohne Deinen Sohn entsprechend zu untersuchen, wirst Du die Klarheit nicht haben.

Ich finde, es sind wirklich Untersuchugen wie zumindest ein 24-Stunden EEG und dann Langzeit EEG (mit Monitoring) angesagt, damit die "Anfälle" von Deinem Sohn richtig eingeordnet werden könnten.

Ich habe auch Anfälle wie Dein Sohn, sind jedoch kürzer (höschstens 1-2 Minuten). Es ist aber möglich, dass sich diese Anfallsform auch bis zu 20-30 Minuten hinzieht. Ich bin danach auch immer sehr müde und habe Sprachschwierigkeiten.
Dafür, dass es Epi sein könnte, spricht bei Deinem Sohn auch immer mehr oder weniger der gleiche Ablauf.

Ich wünsche Deinem Sohn viel Gesundheit und Dir gutes Durchhalten

LG

tanguera

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Jubeln, lachen, tanzen - Der einzige Weg um sich zu retten.
(Alfred Selacher, (*1945), Schweizer Lebenskünstler)