1/2 Jahr anfallsfrei Autofahren?
Sr.Steffi, Thursday, 14.04.2011, 18:19 (vor 5605 Tagen)
So, jetzt brauch ich dringend Hilfe.
Ich, Mama von (nur) 3 Kindern, habe jetzt nach 4 Jahren Erziehungsurlaub wieder angefangen zu arbeiten.
Im August 2010 hatte ich nach 4 Jahren anfallsfreiheit wieder einen Anfall.
Ausgelösende Faktoren bei mir: Schlafentzug (bei 3 Kindern passiert das öfter mal), Alkohol und Lösungsmittel.
Arbeite in der ambulanten Pflege (Krankenschwester) wo ich mit dem Auto zu meinen Patienten fahre.
Ich musste heute zum medizienischen Dienst meines neuen Arbeitgebers.
Dort musste ich angeben ob ich unter Epilepsie leide.
Die nette Ärztin kramte Ihre "topaktuellen" Unterlagen aus und meinte das ich 1 Jahr kein Auto fahren dürfe. Und da kann man nichts daran ändern.
Soweit ich auch durchs Internet informiert bin, ist es max 1/2 Jahr oder lieg ich da falsch?
Auch laut meiner Neurologin im August nur ein 1/2 Jahr.
So was ist jetzt richtig?
Ich hätte mich auf so ein Jobangebot bestimmt nicht beworben, wenn ich wüsste das ich kein Auto fahren darf.
Was sind Eure informationen?
Danke im voraus
1/2 Jahr anfallsfrei Autofahren?
Mondenkind, Thursday, 14.04.2011, 19:13 (vor 5605 Tagen) @
Sr.Steffi
bearbeitet von Mondenkind, Thursday, 14.04.2011, 19:49
Hallo Sr. Steffi,
nach neuesten Stand (2010) sieht die Fahrerlaubnis bei Epilepsie (Auszüge) so aus:
- Erstmaliger Anfall ohne sicheren Auslöser - Fahrerlaubnis nach 6 Monaten Anfallsfreiheit
- Erstmaliger Anfall mit eindeutigem auslösendem Faktor (z.B. ausgeprägter Schlafmangel) - Fahrerlaubnis nach 3 Monaten Anfallsfreiheit
- Epilepsie (mind. 2 Anfälle) - Fahrerlaubnis nach einem Jahr Anfallsfreiheit
Beim Auftreten eines Anfalls nach langjähriger Anfallsfreiheit sieht das ganze so aus:
- bei vermeidbaren Risikofaktoren (Schlafmangel o.ä.) - Fahrerlaubnis nach 3 Monaten
- bei erhöhtem Rezidivrisiko - Fahrerlaubnis nach einem Jahr
Es kommt jetzt darauf an, wie man es sieht:
So wie du es schreibst, war es ein eindeutiger auslösender Faktor (oder ein vermeidbarer Risikofaktor), d.h. du darfst theoretisch seit November wieder fahren.
Vielleicht sah es deine Neurologin aber auch als "erstmaliger Anfall ohne sicheren Auslöser" (wie lange warst du vorher anfallsfrei? Nimmst du noch Medikamente ein?), deshalb das halbe Jahr.
Die Ärztin vom medizinischen Dienst hat entweder noch die alten Bestimmungen des Autofahrens oder sie ist extrem vorsichtig und sagt lieber ein Jahr anfallsfrei, eben weil du auch für andere Menschen Verantwortung trägst.
Schau dir den Link mal genauer an, auch die Seite auf die von dort noch verwiesen wird, ist vielleicht nicht uninteressant (habe sie nur überflogen).
Im Endeffekt kannst du zwar auf diese Sache hinweisen, aber ob sie ihren Standpunkt ändert, weiß ich nicht. Vielleicht lässt sie sich ja auch auf ein Gespräch mit deiner Neurologin ein??
Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Glück, dass alles so verläuft, wie du es dir wünschst!
Lieben Gruß
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
1/2 Jahr anfallsfrei Autofahren?
Franzi91, Niederbayern, Friday, 15.04.2011, 16:08 (vor 5604 Tagen) @ Mondenkind
Ich durfte nach einem halben Jahr wieder fahren nachdem ich 2 GM hintereinander hattte aber ich wurde auch neu eingestellt und hatte jedes monat ein EEG um sicher zu stellen dass nichts fehlt und wenn ich fokale anfälle gehabt hätte wäre es sicherlich noch zu diskusionen gekommen ob ich fahren darf oder nicht
--
Gesundheit ist nicht alles aber ohne Gesundheit ist alles nichts...
1/2 Jahr anfallsfrei Autofahren?
Sr.Steffi, Friday, 15.04.2011, 18:12 (vor 5604 Tagen) @ Franzi91
Danke Franzi91,
nachdem ich jetzt auch mit einer Epilepsieberatung telefoniert habe, bin ich ein wenig beruhigter.
Aber sobald diese Bescheinigung vom arbeitsmedizienischen Dienst eintrifft, darf ich wahrscheinlich nicht mehr arbeiten.
Diese Ärztin kannte sich nicht aus, hat mir irgendwelche Unterlagen vors Gesicht geknallt, und "da stehts, schwarz auf weiß".
Nur das es verschiedene Richtlinien gibt und es auch auf die Arten der Anfälle und der Anfallsfreiheit ect. ankommt war Ihr egal.
Ich werde weiterkämpfen.
Ich hab mich zum ersten mal wie eine Behinderte gefühlt.
Sie möchte sich an mir nicht die Finger verbrennen, sollte doch etwas passieren.
Kanns ja auch ein bißchen verstehen, aber meine Zukunft hängt davon ab.
Und alternativen, wie z.B. EEG´s zu schreiben, hatte sie natürlich nicht.
Na ja, es gibt halt solche und solche. Aber was ich aus der Sache gelernt hab, der Spruch "ehrlich währt am längsten" zählt nicht.
Besser "Reden ist Silber, schweigen ist Gold!!!!"
Also, noch mal Danke
LG Steffi
1/2 Jahr anfallsfrei Autofahren?
Musica, Friday, 15.04.2011, 20:21 (vor 5604 Tagen) @ Sr.Steffi
Hallo Steffi, abgesehen vom Autofahren,mit "Reden ist Silber,Schweigen ist Gold" liegst Du nicht falsch. Von wegen alle Freunde,Kollegen und andere Mitmenschen können mit der Epi umgehen, wenn man es einfach nur sagt...Bla,bla!LG ,Musica
1/2 Jahr anfallsfrei Autofahren?
Franzi91, Niederbayern, Saturday, 16.04.2011, 00:03 (vor 5604 Tagen) @ Musica
Ich hab vor einem halben jahr meinen job verlohren wegen der Epi hab darauf hin meinem neuen Arbeitgeber nichts gesagt und erst später als ich ca nen monat gearbeitet hab was erzählt hatte dann einen riesen stress weil sie überhaupt nicht verstehen konnten dass ich nichts gesagt hab wie mans macht ists verkehrt 
--
Gesundheit ist nicht alles aber ohne Gesundheit ist alles nichts...
1/2 Jahr anfallsfrei Autofahren?
Musica, Saturday, 16.04.2011, 11:42 (vor 5603 Tagen) @ Franzi91
Liebe Franzi, genau wie Du sagst ist es. Hättest Du es gesagt und man hätte Dich "pseudoverstanden", hättest Du auch Stress.Man bekommt ja doch sein Stigma ab.Lieben Gruß und schönes Wochenende,Musica
1/2 Jahr anfallsfrei Autofahren?
anonym, Wednesday, 27.04.2011, 20:36 (vor 5592 Tagen) @
Sr.Steffi
bearbeitet von anonym, Wednesday, 27.04.2011, 21:32
Hallo sr. Steffi,
mit dem einem jahr auszeit in deinem beruf wärst du dann
sicherlich nocheinmal sehr gut davon gekommen, da du ja Dritte betreutst, und einen verantwortungsvollen Beruf hast, wie Krankenschwestern vermute ich mal, andere müssen da schon fast mal fünf jahre aussetzen je nach Verantwortung. Da kannst du ja fast froh sein das der medizinsiche Dienst nur Deine Fahrerlaubnis in Frage gestellt hat, da solche Berufe ihre eigenen Gesetze haben. Die ganz genaue Gesetzeslage in Deinem Beruf kenne ich allerdings auch nicht.
Lassen Alkohole wie in Desinfektionsmitteln es üblich ist in der Pflege wirklich vermeiden?! Damit gibt es ja also auch noch ein anderes Ausschlußkritirium, um diesen Beruf wieder ausüben zu können. Kompetente Hilfe in diesen Fragen findest Du auch hier, kann ich nur empfehlen.
www.epilepsie-arbeit.de
Kontakt:
NEA
Projektleitung : Peter Brodisch
Seidlstr. 4
80335 München
Tel. 089-53886630
epilepsie-arbeit@im-muenchen.de
Gruß
Corinna
corinnarohde@de-nrw.de
1/2 Jahr anfallsfrei Autofahren?
Sylviamaus, Monday, 02.05.2011, 13:28 (vor 5587 Tagen) @ Sr.Steffi
Hallo Sr.Steffi,
also ich habe den Führerschein auch seit knapp 5 Jahren, und muss dem Straßenverkehrsamt immer vorlegen vom Arzt ob ich weiter fahren darf oder nicht.Mein Arzt sagt das man mind. 1Jahr anfallsfrei sein muss um Auto zu fahren.
Naja wenn ich meinen Arzt nicht anlügen würde,dürfte ich wohl auch garnicht mehr fahren.Aber bin eine Epileptikerin die nur Anfälle bekommt wenn ich es provoziere.Naja ich hoffe ich finde hier jemanden der mich besser versteht.
LG Sylviamaus