Frust
Musica, Saturday, 16.04.2011, 12:13 (vor 5603 Tagen)
Hallo, momentan geht es mir psychisch sehr schlecht.Ich könnte ständig heulen und dazu höre ich mir noch senitmentale Musik an. Auslöser ist wahrsceinlich Stress in der Arbeit. Alle sind aber gleich überlastet. Ich komme aber überhaupt nicht mehr hinterher und ständig kommt was Neues. Das hat auch mit meiner Vergesslichkeit zu tun.Allmählich wird es unerträglic weil ich nicht nur zu viel Arbeit habe, sondern keinen Überblick mehr.Ich schäme mich, es soll keinr merken. Davon weiß allerdings niemand. Als Behinderte muß ich zur Entlassung 4 Fälle weniger führen. Ich habe ein eigenes Büro. Gestern Mittag hat ein Kollege ganz lieb gemeint, daß ich wenigstens einen Salat essen soll. Alle saßen am Tisch. Plötzlich überkam mich das Gefühl, gleich loszuheulen.Fühlte mich so unverstanden und Mitleid kann ich nicht ertragen.Ich gab meinem verfressenen Kollegen meinen Salat, stand auf und flüchtete, bemitleidete mich selbst unendlich, packte meine Sachen und ging heim. Was wollte ich damit erreichen? Anerkennung wünsche ich mir schon lange. Ich liefere ja auch sehr gute Arbeit. Und wie soll ich den Kollegen und meinem Chef am Montag begegnen? Freue mich auf jeden Rat. Mit dem Chef sprechen und um Entlastung bitten ist absolut erfolglos. Er hat es ja schon getan, tun müssen.
Frust
Anton, Saturday, 16.04.2011, 19:03 (vor 5603 Tagen) @ Musica
Hallo Musica,
Ich kann dich gut verstehen. Auf der Arbeitsstelle ist der Teufel los, zu Hause läuft es nicht nach Deinen Wünschen, der Blick in die Zukunft ist ungewiss. Vielleicht hast Du gerade die Mensis, das Ganze begießt Du mit sentimentaler Musik. Da ist selbst ein gesunder Mensch überfordert.
Die Annahme, nicht perfekt zu sein, anderen nicht zu genügen, hypersensibel zu werden, gehört zum Krankheitsbild Epilepsie. Der Arzt und Psychologe Maslow hat sich kurz vor dem Zweiten Weltkrieg Gedanken über die Bedürfnisse der Menschen gemacht und sie veröffentlich. Damals wurde er dafür belächelt. In einer Bedürfnis-Pyramide, auch Bedürfnishierarchie genannt, unterteilte er die für den Menschen „lebenswichtigen“ Dinge in 5 Punkte. Als Wichtigstes nannte er die existenziellen Bedürfnisse. Danach kommt die Sicherheit. Hätte man ihn ernst genommen, wäre es höchstwahrscheinlich nicht zum Ausbruch des Krieges gekommen. Damals hatten die 10 Mio Arbeitslosen nichts zu essen, viele nicht einmal eine Wohnung. Ohne diesen Mangel wäre der Kriegstreiber nicht gewählt worden. Als zweithöchstes Bedürfnis nannte er „Anerkennung, Lob und Ehre.“ Dir lässt man Lob zuteil werden, Du übersiehst es.
Du nimmst die guten Dinge nicht wahr und denkst an Negatives. Du stellst die Gutmütigkeit des Kollegen in Frage und unterstellst ihm, „Verfressenheit“. Wenn Du viel oder zuviel Arbeit hast, solltest Du es als Anerkennung sehen. Wenn Deine Kollegen es dir nicht zutrauten, würdest du tatenlos in Deinem Zimmer sitzen.
Du siehst als Einziges positiv die Qualität Deiner Arbeit. Am Montag solltest Du so tun, als wenn nichts gewesen wäre. Wenn dich jemand darauf anspricht, banalisierst Du und konterst, „einen schlechten Tag kann jeder mal haben, wo liegt das Problem?“ Wenn Du gefragt wirst, erwiderst Du: „Warum fragen Sie?“ Was meinst Du, wie geschockt der Fragende sein wird. Dem bleibt die Sprache weg. Hast Du es nötig, Deine Befindlichkeit zu erklären? Auf keinen Fall.
Du lebst von der Arbeit und nicht von Erklärungen. Du weißt, dass Du gut bist und anfallenden Verpflichtungen nachkommen kannst. Ich würde nicht mit dem Chef reden. Du dich selbst anklagen? Nein! „Wer sich verteiligt, klagt sich an.“ Dafür hast Du keinen Grund. Ich wünsche gute Besserung!
Viele Grüße
Anton
--
Die Informationen ersetzen auf keinen Fall die Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Bitte wenden Sie sich an ihren Neurologen!
Weitere Beiträge finden Sie in meinem Profil!
Bitte auf "Anton" auf der Kopfleiste klicken.
Frust
Musica, Saturday, 16.04.2011, 23:07 (vor 5603 Tagen) @ Anton
Danke!
Frust
Musica, Sunday, 17.04.2011, 18:07 (vor 5602 Tagen) @ Anton
Hallo Anton, damit Du nicht glaubst, daß ich den verfressenen Kollegen kränken wollte. Wir alle nehmen ihn auf den Arm.Er lacht mit. Er ißt immer, was wir nicht schaffen und spektuliert schon immer...übrigens ist er gertenschlank!Und meine Kollegen sind wirklich sehr lieb.Lieben Gruß,Musica
Frust
tanguera, Schweiz, Sunday, 17.04.2011, 09:43 (vor 5602 Tagen) @
Musica
bearbeitet von tanguera, Sunday, 17.04.2011, 09:49
Liebe Musica,
irgendwie kann ich Dich verstehen. Aber mit Dir gehen zumindest Deine Kollegen liebevoll um. Ich habe dazu noch Dauerstress mit meiner Kollegin, die mich im wahrsten Sinne des Wortes probiert zu mobben. Obwohl ich weiss, dass sie sich mit Ihrer Ausbildung und mit der Arbeit, die sie zu erledigen hat, mit mir nicht vergleichen kann, ist es trotzdem unangenehm. Wenn ich die Einzelheiten aufschreiben sollte, müsstest Du noch bis heute Abend meinen Beitrag lesen.
Die Situation hat am Freitag Nachmittag ziemlich eskaliert, sodass meine andere (aussenstehende) Kollegin zum Chef rannte... Weil wir vor hatten, am Abend das 15.Jubiläum der Firma zu feiern, wollte ich es nicht beachten. Nach einem Gespräch mit meine Mann (der sich sehr dem vom Anton ähnelte), werde ich sie nicht mehr beachten, nicht darauf zurückkommen und sie stets schön anlächeln...Gleichzeitig werde ich sie aber nicht mehr in Schutz nehmen, keine von ihren Fehlern akzeptieren.
Hättte ich diese verdammte Krankheit nicht, müsste ich die Medis nicht nehmen und hätte ich nicht diese Unsicherheit wie es gesundheitlich weitergeht, wäre ich viel stärker gewesen. So wie noch vor 2-3 Jahren.
Ich habe auch sehr viel Arbeit, muss die kompliziertesten Aufgaben bearbeiten. Dabei habe ich immer die Befürchtung, dass ich versagen werde, weil ich manchmal einfach nicht mag...Jedenfalls -Kopf hoch, alles wird gut!
Liebe Grüsse
tanguera
--
Jubeln, lachen, tanzen - Der einzige Weg um sich zu retten.
(Alfred Selacher, (*1945), Schweizer Lebenskünstler)
Frust
Musica, Sunday, 17.04.2011, 18:03 (vor 5602 Tagen) @ tanguera
Hallo Tanguera, danke Dir. Ich freue mich, daß Du mich so gut verstehst und scheinbar eine ähnliche Situation hast. Man hat etwas gelernt und viel dafür getan. Dann sowas...und die Unsicherheit und und und... Lieben Gruß und eine gute woche, Musica
Frust
bianca29j., eschwege, Sunday, 17.04.2011, 10:51 (vor 5602 Tagen) @ Musica
hallöchen ich bin bianca 29j.alt und bin ja schon bekannt...sag mal arbeitest du etwa in oder am 1.arbeitsmarkt??ich arbeite in einem geschützen arbeitsverhältniss und bekomme wegen der bestehenden auch wen nich schon 3 jahre anfallsfreiheit erreicht habe,beziehe volle erwebsminderungsrente....verstehe ja zum tiel dieses gedanken und gefühle,aber dennoch mensch mit einer epi.form und art,sollte meiner meinung seine eigene erwartungslatte nicht zu hoch schrauben....ausserdem sollte eine mensch mit einer epi.nach seinen eigenen regeln leben,natürlich kommt es auch auf die epi.form und art drauf an,aber dennoch es gibt schlimmeres und auch besseres,ausser die epi.
stress ist zb;mein grösster feind,aber ich weiss es haargenau und lebe und richte mich danach...
ich hoffe ich konnte dir helfen
herzliche und liebste grüsse
deine bianca
Frust
tanguera, Schweiz, Sunday, 17.04.2011, 12:44 (vor 5602 Tagen) @
bianca29j.
bearbeitet von tanguera, Sunday, 17.04.2011, 12:48
Hallo Bianca,
"aber dennoch mensch mit einer epi.form und art,sollte meiner meinung seine eigene erwartungslatte nicht zu hoch schrauben...."
Wieso denn nicht? Wo unterscheiden sich die Menschen mit Epi und die Menschen, die keine haben? Es gibt doch so viele Krankheiten... Meistens ist es die Psychik, die noch zusätzlich belastet wird, ob bewusst oder unbewusst.
Bei den Menschen ohne irgendwelche Krankheit ist es doch auch genauso, dass einige "eigene erwartungslatte nicht zu hoch schrauben...." sollten (und auch nicht Bedürfnis danach haben), einige dürfen nd wollen es...
Ich kann meine Erwartungslatte im Sport wirklich nicht hochschrauben, denn um das Haus herum kann ich nicht laufen, ohne ausser Atem zu sein... Der Fussballer Ronaldo kann es sehr wohl, obwohl er Epi hat...
Liebe Grüsse
tanguera
--
Jubeln, lachen, tanzen - Der einzige Weg um sich zu retten.
(Alfred Selacher, (*1945), Schweizer Lebenskünstler)
Frust
Musica, Sunday, 17.04.2011, 18:11 (vor 5602 Tagen) @ bianca29j.
Liebe Bianca, danke für Deine Antwort. Zu Deiner Frage apropos Messlatte.: Ich arbeite ganz normal wie alle. Weil ich behindert bin, etwas weniger. Aber den Rest muß ich genauso machen wie die Kollegen. Und das will ich auch.Und es soll gut sein.Einen lieben Gruß und einen schönen Abend, Musica