Eltern akzeptieren Epi nicht

Medo, Thursday, 05.05.2011, 07:48 (vor 5584 Tagen)

Hallo,
wieso können Eltern meine Epi nicht akzeptieren ?
Ich habe nun schon 22 Jahre Epi und am Anfang kam von meinem Vater gleich die Warnung, ich solle bloß niemanden davon erzählen. Obwohl mein Vater selbst schon
mal drei Anfälle hatte und sein Bruder also mein Onkel so stark Epi hatte, dass er im Heim leben mußte. Auch sein anderer Bruder litt unter starken Ticks über die mein Vater sich immer lustig gemacht hat. Als meine Epi im Laufe der Jahre immer schlechter wurde und ich bis heute leider nicht anfallsfrei bin, habe ich mich vor 4 Jahren geoutet und jedem von meiner Epi erzählt. Das verstehen meine Eltern bis heute nicht. Weil meine Epi nicht operabel ist, meinten sie ich würde mich nicht genug darum kümmern, denn schließlich wäre ja die Medizin heute schon so weit, dass alles möglich ist. Damit kann ich ganz gut damit leben und habe mein Leben auch danach gerichtet. Ich bin glücklich verheiratet und habe drei völlig gesunde Kinder :-)
Jedes Mal wenn wir uns treffen oder telefonieren kommt immer wieder der gleiche Satz, ich solle doch mal zu einem anderen Arzt oder in ein anderes Krankenhaus gehen. Das nervt !!! Und ich habe ihnen auch gesagt, sie sollen das doch jetzt mal endlich akzeptieren, denn schließlich hat es auch jeder den ich kenne akzeptiert. Meine Schwägerin fragte meine Eltern mal, ob sie sich denn für meine Krankheit schämen würden. Aber sie hat keine Antwort bekommen.:-(
Ich weiß selbst, dass man sich als Eltern viele Sorgen macht aber sie sollen doch froh sein, dass ich so wie ich lebe glücklich bin.

So das mußte mal raus.

Wünsche Euch noch einen schönen sonnigen Tag !

LG Medo

Eltern akzeptieren Epi nicht

Mondenkind, Thursday, 05.05.2011, 10:18 (vor 5584 Tagen) @ Medo

Hallo Medo,

ich denke, es ist Angst, was deine Eltern haben und mit der sie nicht umgehen können / wollen.

Ich kenne das von der Nachbarin meiner Mutter.

Ihr Enkelkind hatte vor etwas einem halben Jahr (damals ein paar Monate alt) Fieberkrämpfe (und inzwischen leider auch epileptische Anfälle) und sie erzählte es meiner Mutter. Daraufhin meiner Mutter "ja, ich weiß, das ist schlimm, Mondenkind hatte ja früher auch Fieberkrämpfe..."

Darauf die Nachbarin so etwas wie "sag das bloß nicht meinem Sohn und seiner Frau!", was meine Mutter gar nicht verstand - und ich auch nicht.

Die Nachbarin kennt mich seit ich auf der Welt bin, ihr Sohn war damals mein bester Freund und sie hat ja auch an mir gesehen, dass ich mit der Erkrankung gut leben kann.

Lieben Gruß :-)
Mondenkind

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"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

Eltern akzeptieren Epi nicht

Heidi, Thursday, 05.05.2011, 11:51 (vor 5584 Tagen) @ Medo

Liebe Medo,

alle Achtung, Du hast Dich geoutet. Das kommt viel zu selten bei uns Epileptikern vor, obwohl das der allerbeste Weg ist ein ruhigeres Leben führen zu können. Die meisten haben Angst, verkriechen sich hinter irgend welche Lügen (was sehr fatal ist) oder verheimlichen u. verschleiern das ganze. Ich denk das wir Epileptiker hier gefragt sind und endlich reinen Wein einschenken sollten. Wir leben ja schliesslich nicht mehr im Mittelalter.
Deine Eltern sind in einer Zeit aufgewachsen, wo unsere Krankheit noch als Erbkrankheit und Geisteskrankheit aufgefasst wurde. Das geht nicht sooo schnell aus den Köpfen. Drück bei ihnen ein Auge zu. Du selbst bist ja auf dem richtigen Weg, dazu möchte ich Dir gratulieren ;-)
Liebe Grüsse
Heidi

Eltern akzeptieren Epi nicht

tanguera, Schweiz, Thursday, 05.05.2011, 13:15 (vor 5584 Tagen) @ Medo

Hallo Medo,

Ich weiß selbst, dass man sich als Eltern viele Sorgen macht aber sie sollen doch froh sein, dass ich so wie ich lebe glücklich bin.


Das ist doch das Wichtigste! Nicht jedem Menschen mit Epi geht es so wie Dir! Ich kann es verstehen, dass es Dir nicht egal ist, wie Deine Eltern darauf reagieren. Es wundert mich ein bisschen, dass sie auch nach so vielen Jahren damit nicht abgeschlossen haben.

Bei mir ist es mit Epi eine relativ neue Sache, meine Eltern wissen noch nicht so ganz, wie sie damit umgehen sollen. Je lockerer ich es Ihnen beibringe (ich gebe es zu, Einiges verschweige ich schon...), um so weniger Sorgen machen sie sich.

Ich habe jetzt über Ostern zum ersten Mal mit meiner Schwester darüber reden können (wir wohnen sehr weit voneinander). Ihre Reaktion: Wie ist es denn möglich, Du bist doch so klug...;-)
Ach, was soll's, ich habe ihr gesagt: Keine Angst ich bleib's auch...;-) Und meine Schwester hat vor vielen Jahren Krankenschwester gelernt... Siehst Du - Vorurteile kann man nicht so schnell aus Menschen's Köpfen austreiben.

Ich wünsche Dir alles Gute

tanguera

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Jubeln, lachen, tanzen - Der einzige Weg um sich zu retten.
(Alfred Selacher, (*1945), Schweizer Lebenskünstler)

Eltern akzeptieren Epi nicht

Franzi91, Niederbayern, Thursday, 05.05.2011, 21:42 (vor 5584 Tagen) @ tanguera

Hi,

ich hab mit meinen Eltern glück da sie beide voll hinter mir und meiner Krankheit stehen aber meine Oma lässt immer den tollen Spruch fallen "Womit hast ausgerechnet du diese "Behinderung" verdient....

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Gesundheit ist nicht alles aber ohne Gesundheit ist alles nichts...