Lamictal Dosiserhöhung?
gravel, Monday, 16.05.2011, 20:25 (vor 5573 Tagen)
Hallo Leute,
Ich habe seit 8 Jahren eine komplex-fokale Epilepsie (seit 3 Jahren anfallsfrei) und bin momentan 20 Jahre alt.
Ich nehme schon seit 4 Jahren 200-200mg Lamictal (von Hexal, jetzt ist es ein Generikum und nicht mehr von GSK hergestellt).
Seit einem Jahr habe ich
-starke Konzentrationsprobleme,
-mir geht es psychisch schlecht
- unter Umständen bipolar, aber eher Richtung Depression
- ich bin unzufrieden mit meinem Leben und fühle mich bestraft
- sehr pessimistisch
- ich hatte eine Panikattacke
- ich habe das Gefühl, dass ich verblöde (und Angst vor Demenz, Hirntumor oder ähnlichem)
- Leeregefühl im Kopf bis Gedankenflut, die unkontrollierbar ist
- ich mache alles unbewusster, aber komme trotzdem klar.
- ich denke langsammer
- Zahlenreihen kann ich mir nicht mehr so einfach merken
Ich habe vor Jahren einen IQ-Test gemacht und der war etwas über normal.
Ich bin im letzten Jahren immer schlechter in der Schule geworden, weil ich demotiviert war und mich nicht konzentrieren konnte.
Ich muss anmerken, dass ich schon seit Beginn der Epi etwas verhaltensunsicher und merkwürdig geworden bin. heute versuche ich es mit äußerster Gelassenheit und Entspanntheit auszugleichen
Könnte eine Aufdosierung helfen, damit Lamictal vielleicht etwas stärker gegen Depression und Derealationsgefühle wirkt.
Ich weiß nur nicht, warum sich das so verschlimmert. Sollte ich erst Mal zum Neurologen gehen und dann vielleicht zum Psychater? Ich möchte auf jeden Fall komplett durchgecheckt werden, damit ich weiß, was los ist.
Ich denke mir oft, es geht anderen dreckiger als mir, um nicht im Selbstmitleid zu versinken. Ich habe Jahre lang Negatives wahrgenommen, aber sofort als Schutzmechanismus verdrängt.
Lamictal Dosiserhöhung?
Johnny, Monday, 16.05.2011, 21:26 (vor 5573 Tagen) @ gravel
Hallo
Möcht etwas auf deine pschchischen Probleme eingehen. Du schriebst eventuell bipolar ? Das kann gut sein. Bin zwar kein Arzt und kann keine Diagnose stellen aber ich leide selber unter einer bipolaren Erkrankung mit Rapid cycling Verlauf was schneller Phasenwechsel bedeutet. Hab extrem viele Phasen im Jahr, letztes Jahr bestimmt an die 20. Sie gehen nahezu ohne freies Intervall ineinander über. Ich leide subjektiv auch uner den Depressionen stärker als unter den Manien. Richtige Manien hab ich nicht bin nur ziemlich überdreht und unkontrolliert. Angefangen hat alles ganz harmlos. Sofort nach meiner Schrittmacheroperation 2003 gings los. Wachte die Nacht auf und lief ziellos in der Gegend umher. Launisch im Sinne einer Zyklothymie (leichte Form der bipolaren Störung) war ich schon seit 1995. Es wurde immer schlimmer. 2005 landete ich das erste mal auf der Neuro. Epi hab ich seit 1982 wasr damals 8. Die staunten nicht schlecht dass es erst jetzt rauskam hab mich auch selbst behandelt. 2006 bekam ich die Diagnose bipolare affektive Störung. Das hab ich allerdings nicht Ernst genommen und die Psychopharmaka nahm ich auch nicht. Die Phasen wurden intensiver und die Depressionen steigerten sich bis hin zu Selbsmordgedanken. Zwischendurch aber symptomfreie Intervalle. Es wurde immer schwieriger das zu verbergen. Bei uns im Tiroler Ländle ist sowas eine Schande besonders wenn man auf der Psychiatrie landet wie ich letztes Jahr. War sogar auf der Geschlossenen. Musste die Medis nehmen die habens mir gespritzt. Hab immer wieder versucht mich selbst aus der Scheiße zu ziehen aber die Erkrankung war zu stark. Nun bin ich mit den Stunden bei der Arbeit zurückgegangen weil ich es nicht mehr packte. Hab Gdb von 90 %. Ich bin kein Arzt aber ich fühle mit dir und rate dir die Sache ernst zu nehmen. Will die keine Angst machen aber sowas kann beachtliche Formen annehmen. Hab nie auf die Psyche gehört auch schon weil der Vater damals, er ist Alkoholiker, dan Hahn zudrehte weil die Schwester zum Psychiater wollte weil sie Bulimie hat. Mach nicht denselben fehler wie ich und reagier drauf was die deine Psyche und Körper sagen bevor es immer schlimmer wird. Hoffe ich konnte dir mit meinem Erfahrungsbericht etwas helfen.
Grüße Johnny
Lamictal Dosiserhöhung?
gravel, Monday, 16.05.2011, 22:22 (vor 5573 Tagen) @
Johnny
bearbeitet von gravel, Monday, 16.05.2011, 22:51
Ja,
überdreht bin ich auch manchmal. Auch kann ich manchmal lachen, aber das variiert sehr stark. Entweder bin ich fröhlich. Manchmal auch unangemessen oder ganz emotionslos. Panikattacken mit Nervenzusammenbruch hatte ich 2 in meinem Leben.
Zu dem hatte ich letztes Jahr ein ganz komisches Ereignis, was ich vielleicht auf die Epi zurückschließen kann. Abends fange ich plötzlich im Sitzen an zu zittern, habe das Gefühl, dass ich nicht mehr denken kann, einen schnellen Herzschlag und vergrößerte Pupillen. Im stehen ging es etwas besser. Ich war im KH, aber die konnten mir auch nichts sagen.
Das ist auch ungünstig, weil ich seit meiner Epilepsie "etwas" verklemmt geworden bin. Es ist besser geworden. Ich muss jetzt eigentlich für den Führerschein lernen, aber habe dafür nicht mal die ausreichende Motivation, weil es mir einfach dreckig geht. Ich hatte schon vor einer Zeit 1 Monat frei und ab nächster Woche, 2 Monate bis zur Ausbildung. Ich hoffe, dass mir geholfen werden kann und ich wieder klar komme. (Ich habe nur verdammte Angst vor einer Abbauerkrankung. Das wäre für mich der einzige Grund Suizid zu begehen, weil es unheilbar ist. Familiär bin ich mit keinen Krankheiten vorbelastet.) Ich muss sagen, dass schon über den Tod und Suizid nachgedacht habe, aber unter normalen Bedingungen keinen begehen würde. dafür ist mir mein Leben doch zu lieb und ich würde es nicht wegschmeißen wollen.
Lese ich das... tippe ich eher auf Depression
Hier möchte ich darlegen, welche Symptome ich verspüre. Teilweise leicht, wie auch stark.
Allgemeiner Eindruck eines depressiven Menschen auf die Umwelt
- depressive Menschen sprechen oft leise und langsam, sie klingen eintönig
- sie haben oft einen ernsten Gesichtsausdruck, wirken erstarrt oder
verbissen
- sie bewegen sich oft kraftlos, schleppend oder unmotiviert (
Antriebslosigkeit)
- der Gang ist nach vorn gebeugt, die Schultern hängen
- sie ziehen oft den Kopf ein, sehen jämmerlich aus (ICH VERSUCHE ES BEWUSST ZU VERMEIDEN, WEIL ICH KEINE SCHWÄCHE ZEIGEN WILL)
- es hat den Anschein, als kann sich der Betroffene über nichts freuen
Stimmungen von depressiven Menschen
- sie sind bedrückt, traurig, verzweifelt
- sie haben ein andauerndes Elendigkeitsgefühl
- Minderwertigkeitskomplexe ( Man denkt, man ist nichts wert)
- hoffnungslos, Gefühl von Hilflosigkeit
- sie wollen sich verkriechen
(- lebensmüde Gedanken, nicht mehr aufwachen wollen, alles Sch...nur wenn es mir ganz dreckig ging)
- man sieht alles negativ
- das Leben scheint sinnlos, warum lebt man überhaupt?
- Hemmungen
- Schuldgefühle (eigentlich im Gegenteil. Ich fühle mich zu Unrecht vom Leben bestraft.)
- Schwinden des Selbstwertgefühls
- Interessenverlust
- Unruhe
- Gefühlslosigkeit
Die Hauptsymptome einer Depression sind:
- eine andauernd gedrückte Stimmung
- eine andauernde Freudlosigkeit
- ein Verlust von Interesse an Dingen, die den Erkrankten vorher interessiert haben
- eine grundsätzliche Antriebslosigkeit
Oft autretende körperliche Symptome
- Appetitverlust
es kann eine Appetitlosigkeit mit starkem Gewichtsverlust auftreten
gelegentlich Zunahme des Appetits (Heißhunger vor allem auf Kohlenhydrate, Schokolade)
starkes Bedürfnis nach sehr salzigen oder süßen Lebensmitteln, da der Geschmackssinn durch die Krankheit beeinträchtigt ist. Siehe auch unter Appetitlosigkeit (MAL HEIßHUNGER UND MAL KEIN APPETIT)
FORTSETZUNG FOLGT
Lamictal Dosiserhöhung?
gravel, Monday, 16.05.2011, 22:52 (vor 5573 Tagen) @ gravel
DIE FORTSETZUNG:
Atmung
- der Betroffene spürt eine Enge im Brustkorb
- der Betroffene verspürt einen Druck auf der Brust
- er atmet schwer, keucht oder atmet flach und kaum merklich
- Kloß im Hals (allerdings ist das Gefühl auch durch meinen großen Kehlkopf bedingt)
Augen
- völlig in Ordnung, brauche auch keine Sehhilfe
Blasenstörungen
- häufiger Harndrang (ja, meine Blase weckt mich schon morgens zwischen 6:00 und 8:00 auf)
Schlafstörungen
- Störungen beim Einschlafen (heute sehr selten, früher oft)
- als Flucht vor dem Leben: gesteigertes Schlafbedürfnis (etwas)
- frühes Erwachen am Morgen
- Startschwierigkeiten am Morgen (ja, auf jeden Fall. Am liebsten würde ich bis 10:00 liegen bleiben)
- siehe auch Schlaflosigkeit , Das Morgentief (SChlaflosigkeit hatte ich nur ganz ganz selten.)
- oft schlafe ich um 24:00 oder später ein und komme in der Woche immer auf 6-7 Stunden Schlaf
Herzbeschwerden
selten habe ich mal ein stechendes Gefühl oder einen Druck
Hals-, Nasen-, Ohrenbereich
- man verspürt einen Kloß im Hals
- der Hals ist wie zugeschnürt
- man fühlt ein Druckgefühl auf den Ohren
- schlechteres Hörvermögen (ohne körperlich nachweisbare Ursache) (ich höre schon lange schlecht und manchmal dauert es auch, bis ich gehörtes verarbeite)
- Der Mund ist trocken
Kreislauf
- Schwindelanfälle (beim Aufstehen). Manchmal war ich für ein paar Sekunden ganz down
Kopf- und Nackenbereich
- diffuse Schmerzen oder Druck
- Verspannungen im Schulter- oder Nackenbereich
Wie man es nimmt. Ich habe oft Rückenschmerzen und vor allen Dingen ein dauerhaftes ziehen im Nacken
Magen-Darm-Beschwerden
- gelegentlich Übelkeit
Vegetatives Nervensystem
- der Betroffene verspürt Hitzewallungen
- er errötet schnell
Zahnbereich
alles in Ordnung
Und
- Lust auf Sexualität, aber bin überhaupt nicht befriedigt.
- Man kann nichts mehr entscheiden (manchmal fällt es mir schwer)
- Die Angst, immer dümmer zu werden
- Man ist wie ausgebrannt
- Die Angst vor einer unheilbaren Krankheit (ja, habe ich. AUs dem Grund möchte ich mich komplett durchchecken lassen. Inkl. MRT, wenn das irgendwie möglich ist.
Lamictal Dosiserhöhung?
Musica, Monday, 16.05.2011, 23:30 (vor 5573 Tagen) @ gravel
Hallo Gravel, ich nehme Lamiltal. Die Nebenwirkungen sind Ängste, nicht einschlafen zu können. Ich habe oft schon morgens Angst, nicht einschlafen zu können. Momentan habe ich so eine Phase.Ich erhalten Zopiklon oder trimiparin. Man muß ja schlafen,leistungsfähig sein. Schlimmer sind Gedächtnisprobleme. Früher war ich eine selbstbewußte Frau, beruflich und persönlich erfolgreich. Heute traue ich mir nicht mehr viel zu, bin oft verunsichert. Ich glaube mich dauernd rechtfertigen zu müssen, fürchte michvor Fehlern, überspiele ständig.Ich habe ziemlich oft Orientierungsprobleme und kann nicht mehr rechnen. Häufig spreche ich nichts zu einem Thema, weil ich sozusagen die Vorgeschichte dazu nicht mehr weiß.Heute habe ich behauptet, meine Schuhe beim Schuster zu haben. Plötzlich standen sie da.Scham. Zum Glück sind das bei mir die einzigen Nebenwirkungen. Ich wünsche Dir alles Gute,lg, Musica
Lamictal Dosiserhöhung?
gravel, Tuesday, 17.05.2011, 08:19 (vor 5572 Tagen) @ Musica
Hallo Gravel, ich nehme Lamiltal. Die Nebenwirkungen sind Ängste, nicht einschlafen zu können. Ich habe oft schon morgens Angst, nicht einschlafen zu können. Momentan habe ich so eine Phase.Ich erhalten Zopiklon oder trimiparin. Man muß ja schlafen,leistungsfähig sein. Schlimmer sind Gedächtnisprobleme. Früher war ich eine selbstbewußte Frau, beruflich und persönlich erfolgreich. Heute traue ich mir nicht mehr viel zu, bin oft verunsichert. Ich glaube mich dauernd rechtfertigen zu müssen, fürchte michvor Fehlern, überspiele ständig.Ich habe ziemlich oft Orientierungsprobleme und kann nicht mehr rechnen. Häufig spreche ich nichts zu einem Thema, weil ich sozusagen die Vorgeschichte dazu nicht mehr weiß.Heute habe ich behauptet, meine Schuhe beim Schuster zu haben. Plötzlich standen sie da.Scham. Zum Glück sind das bei mir die einzigen Nebenwirkungen. Ich wünsche Dir alles Gute,lg, Musica
Ich würde auch nicht wechseln wollen, weil Lamictal super wirkt und die meisten anderen Medis nicht gewirkt haben oder starke psychische Nebenwirkungen hatten. Ich denke auch nicht, dass sich sowas mit einem Absetzen zurückentwickelt. Dafür ist es einfach zu sehr in der Psyche verankert. Vielleicht würde mir ja ein Antidepressivum helfen, nur muss man da auch was finden, dass nicht so viele Nebenwirkungen hat. Sicherlich ist es am Besten, wenn ich erst zum Neurologen gehe. Gedächtnisprobleme habe ich sowieso. Gerechnet habe ich seit einer Ewigkeit nicht mehr richtig. Kopfrechnen kann ich kaum noch und so komplexe Sachen müsste ich auch erst wieder versuchen zu lernen. Ich habe das Meiste aus der Schule vergessen.
Lamictal Dosiserhöhung?
Sophie, Tuesday, 17.05.2011, 22:15 (vor 5572 Tagen) @ gravel
Hallo Gravel!
Ich nehm auch Lamictal (Lamotrigin)400mg und Rivotril 1mg.
Seit ca. 22 Jahren hab ich Epi und seit über 9 Jahren bin ich anfallsfrei.
Über Nebenwirkungen kann ich mich nicht beklagen, einzig eine leichte Müdigkeit war da.
Vor ca. einem halben Jahr wurde die Dosis von 600 mg auf 400 mg reduziert. Mir geht es besser, weil ich mich "wacher" fühle.
Ich rate dir, eine Epi Ambulanz aufzusuchen. Wie es in Deutschland ist, weiß ich nicht, bin aus Österreich....
Hab mal was gelesen von sehr guten Epi Kliniken...
Ein EEG, CT, MRT sollte unbedingt gemacht werden....
Inwieweit deine "Nebenwirkungen" mit Lamictal zusammenhängen, weiß ich nicht, ich hab sehr guten Schlaf, aber ist eben bei jedem anders.
Mir ging es mit 20 Jahren sehr schlecht, hatte mehrere Aufwach Grand Mals in der Woche und wollte anfangs keine Medis nehmen....
konnte nicht akzeptieren.
Das änderte sich dann.....die Angst, ersticken müssen, war ganz schlimm.
Plötzlich kann man bei Bewusstsein nicht mehr atmen....dauernd zerbissene Zunge,.....
Ich kenn dieses Gefühl nur zu gut, wie du schreibst, ich war verzweifelt, gab auch meinem Körper schuld....
Aber ich hab mir immer gedacht.....ich schaff das....
Ich hab 2 gesunde Kinder, bin 42 und mir geht´s jetzt gut
Ja, Vergessenheit ist so eine Sache....
aber ich denke, andere Medis haben auch Nebenwirkungen.... doch das muss ein Neurologe entscheiden.
Ich löse regelmäßig ohne Probleme Sudokus und lese viel, allerdings bleibt nicht immer alles hängen,aber damit kann ich leben.
Vor 20 Jahren wär das unmöglich gewesen, ich hatte bei einem Epi ein Nahtoderlebnis und manches wurde ausgelöscht....naja, nicht allzuviel, aber ich kaufte mir Bücher und frischte mein "Rechtschreiben und Mathematik" auf....weil ich es so wollte.
Lass dich mal ordentlich durchchecken und beraten...
Vielleicht rede ich mich jetzt leicht, du hast so starke Nebenwirkungen, aber versuch, Epi nicht zu deinem Lebensmittelpunkt zu machen.
Ich habs auch getan, aber es gibt auch andere Sachen, die es verdient haben, meine Aufmerksamkeit zu bekommen.
Je mehr Aufmerksamkeit und Gedanken du deiner Krankheit gibst, desto stärker wird sie in dir verankert.
Das musste ich auch spüren.....
Mach dir nicht zu viele Gedanken, was du alles haben könntest, das bringt dich nicht weiter.....hör auf dein Gefühl..
Ich wünsch dir ganz viel Kraft, Willen und alles Gute.
LG
Sophie