Antiepileptika und Schwangerschaft

Loona2, Wednesday, 15.06.2011, 17:33 (vor 5543 Tagen)

Hallo ihr Lieben,

ich bin 30 Jahre alt und habe seit 12 Jahren eine posttraumatische Epilepsie mit Grand mal Anfällen!
Bis zum letzten Jahr wurden einige Medis bei mir mehr oder weniger erfolglos ausgetestet!
Aktuell nehme ich Ergenyl chrono, Zebinix und Keppra mit sehr niedrigen bis schwach mittlerer Blutserumkonzentration!Damit bin ich seit 12 Monaten anfallsfrei :-)

Naja, jedenfalls bin ich nun nach langer Nutzen-Risikoabwägung in der 10. Woche schwanger :-D
Prof. Elger von der Epileptologie hat mich über die letzten Jahre hinweg immer sehr gründlich über die Risiken aufgeklärt und nun entschieden, dass ich mit Eintritt der Schwangerschaft Ergenyl von 600-0-600 auf 600-0-300 reduzieren soll! Das ist nun 4 Wochen her und hat problemlos funktioniert! :-)
Ich bin sehr glücklich über meine Schwangerschaft, aber mache mir natürlich auch Sorgen, ob mein Kind gesund ist!! :-( Mein Gyn. macht mir sehr viel Angst, obwohl bis jetzt alles ganz normal ist :-D
Ich habe nun in 3 Wochen den 1. Termin zum Feinultraschall :-| Auf der einen Seite sehe ich dem sehr positiv entgegen, mache mir aber trotzdem so meine Gedanken, was ist wenn....!? Ich würde mich sehr freuen, wenn es hier jemanden gibt, der schonmal ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder vielleicht sogar gerade in einer ähnlichen Situation ist!!!!

Viele liebe Grüsse Loona

Antiepileptika und Schwangerschaft

Sophie, Wednesday, 15.06.2011, 19:54 (vor 5543 Tagen) @ Loona2

Hallo liebe Loona!

Lass dich von diesem Gynäkologen nicht verrückt machen.
Jede Mutter macht sich so ihre Gedanken. Ich hatte auch Grand Mals und bin jetzt über 9 Jahre anfallsfrei:-)

Meine 2 Kinder sind gesund und sehr munter:-P
Wenn man Epi hat, ist man automatisch eine Risikoschwangere und es werden mehr Ultraschalluntersuchungen gemacht als "normal"

Ich war während der zweiten Schwangerschaft alle paar Wochen in einer Epilepsie Ambulanz, hatte laufend EEG´s und Ultraschalls, weil ich plötzlich wieder nach einer anfallsfreien Zeit ein paar leichte Grand Mals gehabt habe.
Die Epileptologen von der Epi Ambulanz waren eine große seelische Stütze und brachten die Anfälle zum Stillstand. Seither bin ich anfallsfrei.

Bei mir war´s genauso.....meine Gynäkologin machte mich mit den Nerven fertig, nachdem ich ihr erzählte dass ich einen Grand Mal hatte und wies mich sofort ins Krankenhaus ein.
Ich hatte wieder eine Ultraschalluntersuchung und wurde einige Tage stationär aufgenommen, weil ich ziemlich "ausgetrocknet" war.
Es war Sommer, sehr heiß....Ich musste viel trinken und bekam jeden Tag eine Nährstofflösung....
Dann machten sie noch ein Organscreening....in der 20. Woche.
Es war alles in Ordnung und die Ärzte beruhigten mich.

Nun war auch die Gynäkologin wieder ruhiger, im Befund stand nichts Auffälliges.

Und die Ärzte im Krankenhaus waren ständig in Verbindung mit den Epileptologen, welche auch nach der Geburt verständigt werden wollten.
Auch wurde ich nach der Geburt von meinem Epileptologen zuhause angerufen, wies mir und dem Kind geht und ob ich klar komme.
Das muss ich ihnen hoch anrechnen, ich glaub, es gibt nicht viele, die sich so bemühen.

Ich weiß, wie das ist und machte mir auch Sorgen.
Konzentrier dich voll auf dich und das Kind. Tu dir Gutes und vor allem, sprich mit dem Kind.
Auch wenns manche lächerlich finden, es hilft. Bau dir eine Verbindung zum Kind auf, Ungeborene spüren das, wenn man Kontakt zu ihnen hat....Eine Freundin von mir hat ihrem ungeb. Baby Geschichten vorgelesen.....tu einfach, was dir dein Bauchgefühl sagt und lass den Gynäkologen reden.....

Ich wünsch dir ganz viel Kraft und alles Gute.
Wenn du Fragen hast, dann schreib einfach wieder.

LG Sophie

Antiepileptika und Schwangerschaft

Loona2, Wednesday, 15.06.2011, 20:14 (vor 5543 Tagen) @ Sophie

Hallo Sophie,

Deine Antwort hat mich schon sehr beruhigt, danke Dir dafür ;-)
Ich finde das Sprechen mit dem Kind und Geschichten vorlesen ist eine sehr gute Idee, ich werde gleich damit beginnen!!!

Sag mal, musstest Du wegen der Anfälle oder wegen der Schwangerschaft an sich in Verbindung mit Deiner Epilepsie in die Epilepsieambulanz?

Ich wurde nämlich bisher nur 2 Mal von meinem Gynäkologen untersucht, einmal in der 6. Woche als die SS festgestellt wurde und dann wieder in der 9. Woche!
Der nächste Termin ist erst wieder in der 13.Woche :-| Dieser Mensch ist echt so unsensibel, aber ich kenne auch keine Alternative, meine frühere Gynäkologin ist leider verstorben :-(

In der Uni Bonn sagten die mir, ich solle nach dem 1. Feinultraschall, der ja in 3 Wochen ist, mal zur Kontrolle vorbei kommen!!

Und welche Medis hast Du eigentlich in Deinen Schwangerschaften genommen?
Und hast Du sonst noch irgendwelche Besonderheiten bei Dir festgestellt, als Du schwanger warst?

Viele liebe Grüsse Loona

Antiepileptika und Schwangerschaft

Sophie, Thursday, 16.06.2011, 23:07 (vor 5542 Tagen) @ Loona2

Hallo Loona!

Freut mich, wenn ich dich beruhigen konnte:-)

Ich musste so oft in die Epi Ambulanz, weil die Anfälle wieder anfingen.
Es kam vor, dass ein EEG nichts Epileptisches aufwies, aber trotzdem hatte ich einige Tage später einen Epi.
Ich nahm während dieser Schwangerschaft Lamictal 200-0-200 mg.
Das ist für Lamictal/ Lamotrigin (ist das Gleiche) eine nicht niedrige Dosis.

Ich hatte trotzdem ab und zu einen generalierten Epi.
Aber es hatte sich geändert. Ich hatte zu Beginn meiner Epi, vor ca.22 Jahren, immer Aufwach Grand Mals.
In der Schwangerschaft hatte ich einige Male abends einen generalisierten Epi, wenn ich auf der Couch lag.

Die Ärzte wollten die Anfälle unbedingt zum Stillstand bringen.
Die Dosis wurde auf insgesamt 600 mg erhöt.....
und doch hatte ich wieder einen...

Ich war damals ca. in der 32. Schwangerschaftswoche, als ich diesen hatte.

Lamictal wurde nicht mehr erhöht, der Epileptologe sprach sich mit einem Gynäkologen aus der Geburtsklinik ab.....dieser beharrte auf ein zweites Medi.
Rivotril 2mg abends.
...zu groß wär die Gefahr eines Sturzes oder Sauerstoffmangel während eines Grand Mals gewesen...
Seit diesem Zeitpunkt bin ich anfallsfrei:-)

Nach einigen anfallsfreien Jahren kann man Medis reduzieren und ich bin jetzt auf 400 mg Lamictal und 1 mg Rivotril.

Es geht mir sehr gut damit und ich führ ein schönes Leben.

Mein Großer ist bald 16 und während dieser Schwangerschaft war ich einige Jahre mit Tegretol anfallsfrei....

Mein Großer war ein Fußballer im Bauch und sehr lebendig.
Der Kleine, 9 Jahre, strampelte nicht so heftig, aber er drehte sich oft und es war witzig zu sehen, wie sich dabei ganz stark der Bauch bewegte..... dafür übernimmt er jetzt häufig das Kommando in der Familie.

Lass dir keine Schauermärchen über Geburten auftischen, es ist bei jeder anders und ich habs auch immer ohne jegliche Schmerzmittel ertragen.
Meine Geburten waren die schönsten Erlebnisse in meinem Leben:-)

Alle 4 Wochen Untersuchung bei deinem Gynäkologen ist okay.
Alle Epi Patienten sind aber Risikoschwangere und bei mir wurde jedes Mal ein Ultraschall gemacht.

LG Sophie