Sagen oder nicht sagen?
Tanja_G, Saturday, 23.07.2011, 14:43 (vor 5505 Tagen)
Hallo Leute,
seit Kurzem habe ich einen Nebenjob im Kino. Ich habe nichts von meiner Epilepsie gesagt. Anfälle habe ich im Moment durchschnittlich einen grand mal im Monat. Ansonsten bin ich topfit. Ich wollte einfach nicht, dass die Leute mich mit irgendwelchen Vorurteilen kennenlernen.
Jetzt ist es aber so, dass da ein tolles Betriebsklima herrscht und sich alle wunderbar miteinander verstehen. Ich versteh mich auch mit allen sehr gut. Aber nun komm ich in den Konflikt. Ich bin gerade auf dem Weg mich mit ihnen anzufreunden. Aber Freunden sollte man doch erzählen, dass man Epilepsie hat oder?!? Gestern bin ich mit ihnen ausgegangen. Auf die Frage warum ich keinen Alkohol trinke habe ich geantwortet, dass ich Medikamente wegen einer Fußverletzung nehme. Die Fußverletzung habe ich wirklich, das wussten sie auch schon davor. Aber die Medikamente muss ich gar nicht mehr nehmen. Was hätte ich sagen sollen? Auf die Frage warum ich nie selber fahre sage ich immer, dass ich kein eigenes Auto habe.
Ich will eigentlich nicht, dass es der Personalchef jetzt schon erfährt. Er ist auch total nett, aber ich will, dass er es erst weiß, wenn ich ihn besser kenne. Ich kann nicht abschätzen ob er und vor allem der oberste Chef sauer sind wenn sie erfahren dass ich die Epilepsie verheimlicht habe. Obwohl ich ja durchaus das Recht habe nichts von meiner Epilepsie zu sagen, da es meine Arbeit überhaupt nicht beeinträchtigt. Außer ich bekomme echt mal einen Anfall an der Kasse. Aber das muss ja nicht passieren.
Wie soll ich mich also am besten verhalten?
Irgendwann werde ich es ihnen ja sagen müssen oder? Was denkt ihr wann?
Lg Tanja
Sagen oder nicht sagen?
Mondenkind, Saturday, 23.07.2011, 16:33 (vor 5505 Tagen) @ Tanja_G
Hallo Tanja,
ich hatte währende meines Studiums auch ein paar kleine Jobs. Dort habe ich es zweimal erzählt, das erste Mal ging es gut ("Ich hatte mal einen Unfall, dadurch habe ich auch Epilepsie, ich kenne mich also damit aus, wenn was ist"), das zweite mal habe es bereut (Ferienfreizeiten betreut, im zweiten Jahr, als die Anfälle wieder mehr wurden, sagte ich es der Leiterin, darauf sie: Oh, dann müssen wir mal schauen, ob du dann überhaupt noch mitfahren kannst...).
Danach war ich vorsichtiger und habe nichts mehr gesagt, so gut ich mich auch mit meinen Mitarbeitern verstand.
Das Thema Führerschein wurde auch oft angesprochen - meine Ausrede "Ich bin Student, dafür hatte ich bisher kein Geld"
Und als ich ihn dann schließlich machen durfte, war das auch kein Thema mehr (bis die Anfälle wieder tagsüber auftraten [aber das ist eine andere Geschichte...])
Und Alkohol? Ich kenne einige, die wenig oder keinen Alkohol trinken, auch wenn sie keine Epilepsie haben - warum muss man das eigentlich immer wieder entschuldigen??
Lieben Gruß
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Sagen oder nicht sagen?
Lerche, Saturday, 23.07.2011, 17:23 (vor 5505 Tagen) @
Tanja_G
bearbeitet von Lerche, Saturday, 23.07.2011, 17:42
Hallo Tanja,
ich nehm an, hier liegen die Meinungen weit auseinander; jeder hat halt andere Erfahrungen mit dem „outen“ gemacht. Die meinigen waren gut.
Versuch doch mal in Gedanken die Rollen zu tauschen: Du bist kerngesund und arbeitest mit jemandem zusammen, der plötzlich wie aus heiterem Himmel anfängt, unkontrolliert zu zappeln. Hast du schon mal einen Grand Mal gesehen? Schön ist anders… Du bist überrascht, hilflos, verstört und du weißt nicht, was du machen sollst. Und die Bilder verfolgen dich ewig.
Die Entscheidung, ob du Leuten, die du gern hast, so etwas zumutest – nicht den GM selbst, sondern nicht darauf vorbereitet zu sein – musst du schon selbst treffen.
Zu meinem „Lieblingsthema“ Alkohol: Meine Schwester hat keine Epilepsie und trinkt auch so gut wie nie Alkohol. Ihre Freunde/innen akzeptieren das und sie hat ne unüberschaubare Menge davon.
Tu’s Richtige.
VG
Uwe
Noch was: Ich mag außer Alkohol z.B. auch Porree und Sellerie nicht. Das wird höchstens als "mäklig" eingestuft. Aber wie kann es sein, dass z.B. Verzicht auf Fleisch "schick", Verzicht auf Alk dagegen unmöglich oder meinetwegen auch nur "unkuul"
ist ?!?!
Sagen oder nicht sagen?
Zwergii, Sunday, 24.07.2011, 23:46 (vor 5504 Tagen) @ Lerche
Versuch doch mal in Gedanken die Rollen zu tauschen: Du bist kerngesund und arbeitest mit jemandem zusammen, der plötzlich wie aus heiterem Himmel anfängt, unkontrolliert zu zappeln. Hast du schon mal einen Grand Mal gesehen? Schön ist anders… Du bist überrascht, hilflos, verstört und du weißt nicht, was du machen sollst. Und die Bilder verfolgen dich ewig.
Hallo - ich habe mir gerade deinen Eintrag durchgelesen und bin dann auf die Antwort von Lerche gestoßen . Das Zitierte oben - ich kann mich in dieses Geschehen hineinversetzten . Habe auch einen Grand-mal bei meinem Freund erlebt und es ist genauso wie Lerche es geschrieben hat . Über drei wochen habe ich jetzt gebraucht um richitg mit klar zu kommen bzw es zu verarbeiten . Ich sagte damals schon ich wünsche jeden das er sowas nicht sehen muss.Jetzt weiß ich wie es aussieht und was geschieht und kann besser mit der Situation um gehen . Ich kann es auch nur empfehlen dem Umfeld es zu sagen .
Was du am Ende tust ist natürlich deine Entscheidung . Gerade weil man nicht weiß wie die Arbeitsstelle drauf reagiert . Aber ich denke du machst es richtig .
Liebe Grüße
Sagen oder nicht sagen?
Musica, Saturday, 23.07.2011, 18:18 (vor 5505 Tagen) @ Tanja_G
Hallo Tanja, ich kann das auch gut nachvollziehen. Du hast ja eigentlich schon eine Lösung gefunden. Es ist Dir noch zu früh. Du bist gerade dabei, Dich anzufreunden. Da wirst Du sehen, wann Du es sagen kannst. Sicher sollst Du die Anfallswahrscheinlichkeit bedenken. LG, Musica
Sagen oder nicht sagen?
Green, Saturday, 23.07.2011, 22:36 (vor 5505 Tagen) @ Tanja_G
Hallo
nah du musst schauen was dich mehr belastet es zu sagen oder eben nicht.
Glaubst du die akzeptieren dich mehr wenn Sie dich länger kennen und du sagst es dann mit der Epi?
Man könnte es ja auch so sehen.wenn du es jetzt gleich sagst weist du wo du mit denen dran bist..und wenn sie dich dann ablehnen ist es auch nicht schön aber du hast auch noch nicht soviel Herzblut investiert und wirst nicht so enttäuscht.
Eine Möglichkeit wäre wenn sie dich mal wieder nach dem Alk oder Auto fragen sag doch einfach.hey Leute wollte noch sagen der Grund warum ich das bei mir so ist ich habe Epilepsie bin gut mit Medis eingestellt.....manchmal einmal im Monat Fall ich um aber das sieht nur schrecklich aus und ist es aber nicht.dann geh ich halt nachhause schlaf eine Runde(weis ja nicht wie das bei dir dann ist) und dann ist alles gut macht Euch keinen Kopf ......ich kann gut damit Leben wenn Ihr fragen habt traut Euch fragt mich dazu.
Das wäre ein Weg den du gehen könntest.
Green
Sagen oder nicht sagen?
Mystica
, Saturday, 23.07.2011, 22:57 (vor 5505 Tagen) @
Tanja_G
Hallo tanja!
im grunde ist es deine pflicht,den arbeitgeber von der epilepsie zu unterrichten.
zum einen geht es im wesentlichen um die versicherung des betriebes,zum anderen um die kunden und zum schluß um dich.
nun habe ich grundsätzlich immer von anfang an gesagt,daß ich epilepsie habe,hatte aber mit noch keinem arbeitgeber probleme.
für mich hpört es sich so an,als wenn du ein schlechtes gewissen hättest.Das ist kein vorwurf!
um dieses zu bereinigen,solltest du die wahrheit sagen und dir kann weiter nichts passieren.mit lügen kommst du nicht weit.wer dich mit epi nicht nicht akzeptiert,hat dich nicht verdient!
Vesuche es ruhig anzugehen,die sachlage zu klären-denke immer dabei:epileppi aber happy
LG,Mystica
Sagen oder nicht sagen?
Green, Saturday, 23.07.2011, 23:05 (vor 5505 Tagen) @ Mystica
Hallo Mystica
warum muss ich das sagen(Das mit der Versicherung mag ja sein)
aber....kein Diabetiker geht zum Arbeitgeber und sagt hey ich habe Diabetes und ich muss Spritzen oder Tabletten nehmen ich könnte ja mal einen Zuckerschock bekommen....
Oder jemand der einen Schlaganfall hatte und dann noch einen sagt och passen Sie auf ich könnte noch mehr davon bekommen.
Green
Sagen oder nicht sagen?
Mystica
, Monday, 25.07.2011, 15:43 (vor 5503 Tagen) @
Green
Tut mir leid,wenn du mich falsch verstanden hast!
Ich war jemand, der ca.31Anfälle im Monat in Richtung Grand Mal etc gekriegt hat.
Also alleine,damit mir jemand helfen kann, habbe ich es schon gesagt,ich schäme mich deshalb nicht.
Apropos Diabetiker und Schlaganfall:31 im Monat davon,ich sag nur :HALLELUJA!
Und dann sollte man wirklch überlegen,wer einem im Ernstfall hilft.Was tut man den anderen ohne Vorwarnung an.
Also meine Meinung bleibt die gleiche.Selbstbewußtsein gehört natürlich dazu.
Aber Leute,ihr seid nicht geistig behindert od.gehört in die Psychiatrie,sondern ihr habt eine Erkrankung,die das Nervensystem angreift!
LG,Mystica
Sagen oder nicht sagen?
Green, Monday, 25.07.2011, 21:22 (vor 5503 Tagen) @ Mystica
Hallo Mystica
ich gehöre auch zu den Leuten bei denen alle Wissen das ich Anfälle habe..da auch ich täglich Anfälle habe mit manchmal dauern die Epsioden 3 Stunden da kannste die Uhr nach stellen.
Ich fall halt nicht um sondern mach immer weiter was ich mache.
Letzten Freitag auf dem Wochenmarkt habe ich überall bekommen was ich immer einkauf obwohl ich es nicht so richtig mit bekommen habe oder Sprechen konnte die kennen mich alle wissen in solchen Situationen immer bescheid.Von daher kann auch ich es mir nicht erlauben nichts zu sagen ich sage es immer.
Aber ob man was sagt oder nicht hängt für mich von der Menge der Anfälle ab .
Und wenn man öfter Anfälle hat hat man mehr Übung es zusagen..finde ich....und mehr Leidensdruck......da die Wahrscheinlichkeit ja gross ist das was passiert.
Mystica und wieviel Anfälle hast Du jetzt noch welches Medi hat Dir geholfen?
GReen
Sagen oder nicht sagen?
Mystica
, Wednesday, 27.07.2011, 14:40 (vor 5501 Tagen) @
Green
hallo Green!
Ich kenne deine Anfälle,ich habe dan immer alles doppelt gekauft.
Hatte aber auch Anfälle,indenen ich ohne vorwarnung zusammensacke od. wie ei baum umfalle und mind.10 min am kramdfen war.
Hinterher hatte ich eine Aufwachzeit von etwa 45-50 min,bevor ich überhaupt jemanden wieder akustisch wahrgenommen habe.
Dann noch die schönem Anfälle mit Fluchttendenz,bei denen man ganz woanders wach wird und auch nicht weiß,wie man hingekommen ist etc.
ich konnte aufgrund der unterschiedl.Anfälle nicht medikamentös eingestellt werden,sodaß Bethel mir erst den Vagus-Nerv-Stimulator eingepflanzt hat.
Der brachte auch nichts.außer Stimmverlust.
ich habe mich im Juli 2007 für eine OP entschieden.Ich sagte mir damals,ganz od.gar nicht.15Jahre solche Anfälle reichen.
Ende 2008 habe ich das ganze jahr über nur 2 Anfälle gemacht und bin seitdem anfallsfrei.
Nehme noch Timonil,Phenydan und Zonegran.
LG,Mystica
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Mondenkind, Sunday, 24.07.2011, 11:20 (vor 5504 Tagen) @ Mystica
Hallo Mystica,
im grunde ist es deine pflicht,den arbeitgeber von der epilepsie zu unterrichten.
Das ist nicht ganz richtig.
Ich muss es dem Arbeitgeber sagen, wenn es ein Risiko bei der Arbeit ist, z.B. wenn ich Gerüstbauer wäre.
Wenn ich z.B. nur aus dem Schlaf heraus Anfälle habe, warum sollte ich es dann meinem Arbeitgeber sagen??
Bei Praktika habe ich es nach der einen schlechten Erfahrung nicht mehr gesagt - und als die Anfälle nur noch aus dem Schlaf heraus auftraten auch nicht.
Bei der Arbeit im Kino weiß ich nicht, was ich machen würde, denn was kann im Kino schwer passieren (außer, dass ich ggf. ein paar Kunden erschrecke...)??
Lieben Gruß
Mondenkind
--
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(George Bernard Shaw)
Sagen oder nicht sagen?
Lerche, Sunday, 24.07.2011, 19:06 (vor 5504 Tagen) @ Mondenkind
außer, dass ich ggf. ein paar Kunden erschrecke...)??
...für die das Kino da ist und von denen das Kino lebt. (und die Popcornhersteller)
Schön' Abend
Uwe
Sagen oder nicht sagen?
Mystica
, Monday, 25.07.2011, 15:51 (vor 5503 Tagen) @
Mondenkind
Wenn es nur harmlose Anfälle sind,ist es dein Ding.
Allerdings habe ich mit Pflicht nicht das gemeint,was auf dem Papier steht,sondern das,womit man sich wohler fühlt.
Als ich Bankkauffrau werden wollte hat mich in ganz Bremen übrigens keine Bank genommen,aufgrund Kundenkontakt!
Nun ,da ich das nicht werden wollte,fand ich das klasse!
Also ich hatte ständig anfälle gekriegt und dann habe ich mich wohler gefühlt.
In hannover gab es übrigens keine Arbeitsstelle,die mich deshalb nicht genommen hat!
LG,Mystica
Sagen oder nicht sagen?
Mystica
, Monday, 25.07.2011, 15:54 (vor 5503 Tagen) @
Mondenkind
Hast du deine anfälle selber schon mal auf video/dvd gesehen??
Weißt du genau,was mit dir passiert?
LG,Mystica
Sagen oder nicht sagen?
Mondenkind, Monday, 25.07.2011, 16:52 (vor 5503 Tagen) @ Mystica
Hallo Mystica,
Hast du deine anfälle selber schon mal auf video/dvd gesehen??
Ja, ich habe meine Anfälle auf Video gesehen - sie sind in Bethel aufgenommen worden und das Video dazu habe ich auch.
Weißt du genau,was mit dir passiert?
Aufgrund dessen, was mir die Ärzte erzählt habe, ja - und auch mein Mann oder Freunde haben mir vorher schon einiges erzählt.
Zurzeit bin ich fast 2 Jahre anfallsfrei. Ich habe mich im September 2009 operieren lassen - aber die Anfälle, die Aura vergisst man nicht...
Liebe Grüße
Mondenkind
--
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Sagen oder nicht sagen?
Engel, Sunday, 24.07.2011, 07:25 (vor 5504 Tagen) @ Tanja_G
Hallo Tanja
darf ich fragen seit wann Du an Epi leidest bzw wann wurde die Diagnose
gestellt?
Ich weiß es erst seit sehr kurzer Zeit,falle aber schon seit Jahren, zwar in
sehr unregelmäßigen Abständen um und krampfe,aber erst jetzt wurde die Diagnose
Epilepsie gestellt.Wenn ich umfiel nie in der Öffentlichkeit.
Ich war Verkäuferin(Kassirerin,Geringfügige Beschäftigung)bis Juni diesen Jahres.Mitte Mai und Anfang Juni
hat es mich dann doch auf Arbeit erwischt.Meine Kollegen (auch ein tolles Team)
erzählten mir hinterher,Ihnen wäre bald das Herz stehen geblieben.Sie hatten totale Angst um mich.Ich konnte es aber vorher nicht sagen,weil ich es nicht besser wusste.Von ganz oben kam dann die Anordnung ich müsse meine Austrittserklärung unterschreiben bis alles abgeklärt sei.Das hat mir den Rest
gegeben.Als ich die Diagnose erfuhr rief ich meine Chefin an un erzählte Ihr davon.Am Mittwoch rief Sie mich an und teilte mir mit,das wenn ich richtig auf
Medikamente eingestellt bin kann ich wieder anfangen.
. Sie kenne diese Krankheit,da Ihre Schwester darunter leidet und sie mit Medis heute auch wieder arbeiten kann.
Ich wünsche Dir für die Zukunft alles gute und Du wirst Dich schon richtig
entscheiden
L.G.Annett
Sagen oder nicht sagen?
Tanja_G, Sunday, 24.07.2011, 22:16 (vor 5504 Tagen) @ Engel
So jetzt kommt ein langer Text
Danke für eure Meinungen und Ratschläge.
Ich glaub jeder hat schon andere Erfahrungen mit Reaktionen gemacht. Ich hab da auch schon viel erlebt. Bisher bin ich relativ offen mit der Epilepsie umgegangen. Die Anfälle und die Diagnose habe ich seit 6 Jahren.
Dass ich keinen Alkohol trinken kann, macht mir nichts aus. Eigentlich sag ich auch immer, dass ich keinen will und nie was trink. Ich kenn sogar andere die nichts trinken, obwohl sie gesund sind. Aber am Freitag bei meinen neuen Kollegen habe ich mich aus irgendeinem Grund nicht getraut es zu sagen. Obwohl ich schon relativ selbstbewusst und willensstark bin (würde ich von mir behaupten). Aber in dem Moment war ich unsicher. Keine Ahnung warum. Meinen Führerschein habe ich, ich kann nur nicht mehr fahren. Daran habe ich mich gewöhnt. Vor den Chefs habe ich überhaupt kein schlechtes Gewissen, weil ich denke, dass ich mich nicht falsch verhalte. Ich habe nur Angst vor den Reaktionen, weil ich noch nie in so einer Situation war und mir der Job so Spaß macht.
Anfälle habe ich schon gesehen. Schaut natürlich nicht schön aus. Die Gedanken wie’s für die anderen besser wär hab ich mir auch schon immer gemacht. Ich denke, dass egal ob die Leute es wissen oder nicht, beim ersten Mal erschrecken sie sich und haben Angst und fühlen sich hilflos. Es macht einen Unterschied, aber bei den einen mehr und bei den anderen weniger. Bei meinen Erfahrungen kam's auch auf die unterschiedlichen Persönlichkeiten an, manche verkraften sowas mehr und manche weniger. Meine Familie und Freunde haben eine Weile gebraucht um sich daran zu gewöhnen. Ich habe schon vor es irgendwann im Kino zu sagen.
Die Anfallswahrscheinlichkeit ist bei mir immer ein bisschen unsicher. Manchmal hab ich sogar ein paar Monate gar keine. Aber meistens abends und vor allem wenn ich mich ausruhe. Also eher unwahrscheinlich an der Kasse oder vor Kunden. Höchstens eher beim Putzen oder Aufräumen. Aber eigentlich glaub ich eher nicht, dass ich beim Arbeiten einen bekomm. Ich habe fast nur noch daheim welche und darüber bin ich ziemlich froh.
Akzeptieren tun die meisten mich so oder so denk ich. Ich weiß halt nicht ob die Chefs denken ich wär ein Risiko oder so was. Weil ich hab Erfahrungen gemacht dass manche Epilepsie einfach nicht verstehen nur aus dem Grund weil sie die Krankheit nicht richtig kennen.
Zur Pflicht es dem Arbeitgeber zu sagen. Ich habe mich zuvor informiert, vor allem auch wegen meinem künftigen Beruf. Ich muss es nicht sagen, solange es keine Beeinträchtigung ist. Wie zum Beispiel das mit dem Gerüstbauen und Dachdecker und so was. Da spielt es bei der Versicherung eine Rolle. Ich finde auch unfair, dass bei Diabetes die meisten toleranter sind, was das sagen oder nicht sagen angeht. Aber ich glaub das liegt zum Teil am Bekanntheitsgrad der Krankheiten. Aber wem schadet es wenn es mich im Kino umhaut? Wahrscheinlich nicht mal mir selbst.
Selbst wenn ich Kunden erschrecke, ist zwar echt nicht schön und wär mir auch sehr unangenehm und ich hätte wahrscheinlich ein schlechtes Gewissen, aber ich glaub nicht, dass sie deswegen nicht mehr ins Kino gehen. Da wären sie sehr ‚Krankenfeindlich‘ und intolerant.
Ich glaub bei der passenden Gelegenheit werd ich es nach und nach den Leuten sagen. Und zu erklären wie die Krankheit ist. Oder? Ich glaub das ist das Beste. Danke für eure Hilfe
Sagen oder nicht sagen?
Kary, Monday, 25.07.2011, 09:39 (vor 5503 Tagen) @ Tanja_G
Hallo Tanja,
ich bin seit über 30 jahren super einghestellt,und weiss genau,wovon du redest!
es interssiert niemanden,wie deine einstellung ist und ob du anfälle hast-sprich keine!!
ich bin so verfahren:zeit meines lebens habe ich geschwiegen!!!!da mir etwas alkohol nichts ausmacht,ich es aber nicht so mag wegen dem geschmack,und ich ja niemandem rechenschaft schuldig bin wieso ich nichts trinhken mag,muss ich auch keine storys erfinden.Auch als ich anfangs der neueinstellung ich war grad mal 17jahre,da sagte ich keinem arbeitgeber was.ich sagte meiner freundin mit der ich zusammenarbeitet(die wusste bescheid),sie möge sagen,das die kollegen mich malne viertel stunde im pausenraum alleine lassen sollen,ich hab gradnen migräne anfall.hehe...und dann wars gut.
meist du ich hätte bock zeit meines lebens nur von sozi zu leben,weil man sich ja sonst nichts leisten kann.es hat ja niemandem geschadet.und mir auch nicht:)
also wenn dir dein job spass macht,und du keine probleme hast,ists hatltne kleine notlüge.Dir sagt man doch auch nicht alles als chef..oder???
lg
Sagen oder nicht sagen?
Musica, Monday, 25.07.2011, 16:34 (vor 5503 Tagen) @ Tanja_G
Hallo Tanja, da ist genau das, was ich Dir schon bei meinem ersten Eintag sagen wollte. Viel Glück, Musica
Sagen oder nicht sagen?
Tanja_G, Monday, 25.07.2011, 17:35 (vor 5503 Tagen) @ Musica
Ja du hast da alles auf einen Punkt gebracht
Sagen oder nicht sagen?
Severine, Monday, 25.07.2011, 22:10 (vor 5503 Tagen) @ Tanja_G
Da bin ich wirklich froh, dass ich schon seit einigen Jahren meine volle Erwerbsunfähigkeitsrente habe. Ich habe das früher schon zur genüge mitgemacht. Einmal gesagt, dann nimmt dich keiner, dann wieder nicht gesagt den Job bekommen - aber ein paar später auf Arbeit einen GM und schon aus fadenscheinigen Gründen gekündigt in der Probezeit. Das ist bei Epilepsie nur ein Spießrutenlaufen.
Heutzutage ist es aber viel schwieriger, dass man eine EU-Rente zugesprochen bekommt. Ich kenne viel von der Selbsthilfegruppe, die schwerste GM Anfälle haben, die aber von den Gutachtern als arbeitsfähig angesehen werden.
Sagen oder nicht sagen?
Jack, Tuesday, 26.07.2011, 22:34 (vor 5502 Tagen) @ Severine
Hallo Tanja
Ich hab beides miterlebt. Als Jugendlicher sagte ich es meinen "Freunden" weil ich auch im Jugendzentrum einen GM hatte natürlich vom Alk. Vom Chef einer angesagten Clique auf einmal zum Außenseiter nur wegen Epi. Da bin ich böse auf die Schnauze gefallen. Bei der Ausbildung und im Job, arbeite als med. techn. Fachkraft im Spital, machte ich es besser. Sagte es nur dem Verwaltungsdirektor. Ihm wars wurscht. Er sagte Sie machen gute Arbeit und das zählt egal ob mit oder ohne Epilepsie. Den Kollegen hab ichs verschwiegen man weiß ja nie wie die dann reagieren. Der Arbeitgeber bzw. der Chef sollte es schon wissen. Wie du dich entscheidest liegt natürlich alleine bei dir. Verpflichtet zu sagen bist du wenn du mit Gefahrengut arbeitest oder bei der Arbeit ein KFZ lenken musst. Sonst normal nicht weil ja niemanden gefährdest. Also überlege gut dann wirst du die richtige Entscheidung fällen. Wünsch dir viel Glück.
Grüße Jack
Sagen oder nicht sagen? Neues Ereignis:)
Tanja_G, Friday, 29.07.2011, 13:08 (vor 5499 Tagen) @ Tanja_G
Es ist im Kino so was zufälliges passiert. Ich hab es einer Person anvertraut, mit der ich mich auch außerhalb vom Kino getroffen habe. Er hat auch Epilepsie habe ich dann erfahren. Nur dass er komplett anfallsfrei ist. Aber keiner weiß es von ihm. Er trinkt keinen Alkohol, lügt aber immer warum er nichts trinkt. Er sagt nicht einfach er will nicht oder mag keinen Alkohol. Ich bin jetzt die einzige die es weiß. Obwohl er im Kino echte Freunde hat. Er hat mir auch geraten nichts zu sagen.
Jetzt steht mein Entschluss also endgültig fest. Vorerst zumindest sag ich nichts.
Lg Tanja
Sagen oder nicht sagen? Neues Ereignis:)
Mondenkind, Friday, 29.07.2011, 15:30 (vor 5499 Tagen) @ Tanja_G
Hallo Tanja,
Es ist im Kino so was zufälliges passiert. Ich hab es einer Person anvertraut, mit der ich mich auch außerhalb vom Kino getroffen habe. Er hat auch Epilepsie habe ich dann erfahren.
Mir ist das ganze auch schon mehrmals (insgesamt dreimal) passiert, dass ich es einer Person gesagt habe und sich herausgestellt hat, dass sie (oder ein naher Angehöriger) auch Epilepsie hat.
Aber so ungewohnt ist das nicht... Schließlich haben etwa 1 % der Menschen Epilepsie. Also wie viele haben Epilepsie, ohne das wir etwas davon wissen??
Lieben Gruß & ein schönes Wochenende!
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Sagen oder nicht sagen?
kucka, Tuesday, 25.10.2011, 02:06 (vor 5412 Tagen) @ Tanja_G
Hey Tanja....auch ich habe schlechte Erfahrungen gemacht,wenn ich es erzählte.Ich habe Grand Mal und auf meiner Arbeit weiss niemand das ich das habe.auch Nachbarn,Bekannte,keiner weiss was.Wenn man auf der Arbeit wüsste,was ich habe,hätte ich die längste zeit die Arbeit gehabt.Zu gefährlich. grüsse kucka