Temporallappenepilepsie

Anton, Monday, 25.07.2011, 20:31 (vor 5503 Tagen) @ Claudia
bearbeitet von Anton, Monday, 25.07.2011, 21:35

Hallo Claudia,

auch Du verfügst über weibliche Intuition. Eine Komponente, die genauso sicher ist wie kompetentes Fachwissen. Du traust dich nicht. Kann ich gut verstehen.

Ich bin vor 5 Jahren operiert worden. Seither anfalls- und aurenfrei. Zwei Jahre nach dem Eingriff ist mir schon vorgeschlagen worden, die Medikamente zu reduzieren. Das habe ich auf Anraten anderer Ärzte nicht gemacht.

Ich nehme seit einem halben Jahr vor dem Eingriff Keppra (500 --- 500 mg) und Trileptal (450 ---450 mg). Bei dieser Dosis bin ich heute noch. Warum?

Andere Dinge haben die Reduzierung der Antikovulsiva nicht zugelassen. Ich hatte schwere Operationen zu überstehen. Es wurden starke Medikamente genommen. Ich habe alles überstanden, ohne Anfälle.

Mitte 2006 habe ich die Epilepsie-Operation am Temporallappen zum „verdienten Urlaub“ gemacht. War erst über 2 Wochen in der Epilepsie-Klinik und dann noch 4 Wochen in der benachbarten Reha-Klinik. Habe überall hilfreiche Informationen für die Zeit danach erhalten. Die Pflegemitarbeiter konnten mir Fragen beantworten, bei denen den Ärzten zu Hause die Spucke wegblieb.

Des Weiteren traf ich in beiden Kliniken Patienten, die postoperativ nicht anfallsfrei geblieben waren. Oft war es dazu gekommen, weil zu früh die Medikamente abgesetzt wurden. Oder weil sich der Patient unmittelbar nach der OP übernommen hatte.

Schon die fachgerechte Rückführung der Medikation ist ein für Körper und Seele nicht leicht zu verarbeitendes Ereignis. Wir wissen, dass der Spiegel mit reduzierter Tablettenmenge niedriger wird. Somit sinkt die Anfallsschwelle.

Wirkstoffe, die das Gehirn bisher überlistet haben, damit es nicht zu Anfällen kommt, fehlen plötzlich. Die Psyche des Patienten produziert Angst. Dieses schlechte Gespür, diese Unsicherheit, kann bewirken, dass es erneut zu Anfällen kommt.

Fazit: Das postoperative Ausdosieren der Medikamente muss sich im Kopf des Patienten abspielen. Seine hundertprozentige Überzeugung ist das A und O. Aus dem Grunde sollte man sich dieses Vorhaben von mindestens zwei voneinander unabhängigen Epileptologen bestätigen lassen.

Die Krankenkassen haben mit Beginn des Jahres die sogenannte Zweitmeinungsregelung eingeführt. Damit ist jeder Patient berechtigt, vor größeren Entscheidungen die Meinung eines weiteren Arztes in Anspruch zu nehmen.

Kurze Antwort auf Deine Frage: Ich würde noch mit dem Absetzen warten. Selbst wenn Du dich in fünf Jahren noch unsicher fühlst, ist es besser, sie weiterzunehmen, als Anfälle zu bekommen. Deine Medikamente sind wesentlich preiswerter als ein Rezidiv.

Liebe Grüße
Anton


PS.: Alle Untersuchungen zeigen, dass die Gefahr eines postoperativen Rezidivs groß ist. Auch aus dem Grund ist Vorsicht geboten.
http://books.google.de/books?id=aEOifhGEZUMC&pg=PA493&lpg=PA493&dq=postoperative+Anf%C3%A4lle&source=bl&ots=I1L-wArgFT&sig=5h3jiyiwwsv9PAQzItvd_zbioJs&hl=de&ei=nToiTMGiDYqZ_Qb2vZEj&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=2&ved=0CBkQ6AEwAQ#v=onepage&q=postoperative%20Anf%C3%A4lle&f=false
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http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/neurologie/?full=2525

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Die Informationen ersetzen auf keinen Fall die Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Bitte wenden Sie sich an ihren Neurologen!

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