Wer kann mir helfen??? Epilepsie beim Partner

camilla, Tuesday, 06.09.2011, 21:45 (vor 5460 Tagen)

Hallo! Mein Mann hat seit seinem 17 lebensjahr 1-2 mal im Jahr einen epileptischen Anfall. Diese Anfälle passieren nur Nachts immer zwischen 02:00 und 03:00 Uhr. Es fängt an mit Schmatzen, dann versuche ich meinen Mann noch schnell auf die Seite zu drehen. Er ist da schon nicht mehr bei Bewustsein. Dann krampft er am ganzen Körper und beißt sich auf die Zunge. Nach ca. 30 Sek. hört das Krampfen auf, dann braucht er aber eine ganze Weile bis er zu sich kommt. Nach einer halben Stunde bekommt er so langsam mit was passiert ist....dann ist er sehr geschwächt, ist müde und morgens klagt er dann über Kopfschmerzen und Muskelkater. Die nächsten Tage hat er komische Wahrnehmungen, die er nicht erklären und nicht beschreiben kann. Kann mir vielleicht jemand helfen und erklären auf was ich achten sollte, oder wie ich meinem Mann besser helfen kann. Geht wirklich bei jedem Anfall etwas im Gehirn kaputt??? Sorry, ich bin total unwissend. Schlafe jede Nacht schlecht, da ich Angst habe....

Wer kann mir helfen??? Epilepsie beim Partner

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Wednesday, 07.09.2011, 11:06 (vor 5459 Tagen) @ camilla

Hi!

Erst einmal zur Beruhigung:
Bei Epilepsie geht bei einem Anfall meines Wissens gar nix im Kopf kaputt, außer der Anfall dauert so lange und ist so schwer, dass er akute Sauerstoffnot bekommt - was bei 30 Sekunden krampfen wohl kaum der Fall sein dürfte.
Manche Epileptiker werden vielleicht höchstens komisch, wenn sie bis zum Rand mit "tausend" Medikamenten vollgepumpt werden oder sich wegen der Krankheit extrem stark sozial isolieren/isoliert werden.

Dass man nach einem Anfall kaputt ist und einen Muskelkater hat, ist absolut normal. Das Bewusstsein wiederzuerlangen, dauert von Mensch zu Mensch unterschiedlich lange, auch wenn eine halbe Stunde wohl zu den längeren Dauern zählen dürfte, nach dem, was ich hier so gelesen habe. Vergleichs mit einem Systemneustart beim PC.

Wenn Du von komischen Wahrnehmungen sprichst, gehe ich einmal davon aus, dass er dann noch Auren im Nachhinein hat. Gibt durchaus Leute, bei denen das üblich ist. Von so lange anhaltenden, oder nach einem Anfall in kurzer Folge über Tage hinweg mehrere?, hab ich bisher aber nur selten gehört und keine Erfahrungen damit.

Kennt man bei Deinem Mann denn eine Ursache der Epilepsie oder zumindest anfallsbegünstigende Faktoren? Wenn man weiß, dass die Nachts in dem einen kurzen Zeitraum auftreten, wäre da sicherlich im Schlaflabor gute Ursachenforschung möglich. Und bei nur ein bis zwei Anfällen im Jahr kann man sicherlich, wenn man Tagebuch/Anfallstagebuch führt, die begünstigenden Faktoren eingrenzen, weil die dann im normalen Alltag alleine wohl kaum im ausreichenden Maß auftreten.

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

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camilla, Wednesday, 07.09.2011, 11:59 (vor 5459 Tagen) @ huge88

Liebe/Lieber huge88, vielen Dank für Deine Antwort. Die Ursache ist leider nicht bekannt....er hatte als Jugentlicher einen Unfall im Wasser auf so einer komischen Banane, die vom Boot gezogen wird. Durch einen Zusammenstoß mit seinem Vordermann ist er im Wasser ohnmächtig geworden und war lange Bewußtlos. Vielleicht ligt hier die Ursache?!
Jetzt vor einem Jahr hat man bei meinem Mann Diabetis festgestellt, vielleicht ligt es auch daran, dass er unterzuckert ist, aber ich hatte nach einem Anfall seinen Blutzucker gemessen und er lag bei 150.

Mein Mann hat ab und zu auch kleine Aussetzer (nachts), da Schmatzt er und will etwas sagen, ist aber alles verdreht und hört sich komisch an, wenn ich ihm morgens davon erzähle, weiß er von nichts. Hast Du soetwas schon gehört?

Letzte Nacht zeigte er auch aufs Fenster und sagte das der Billardtisch kaputt ist und er hätte ihn repariert. ---Wir haben keinen Billardtisch und ich kann mich auch nicht erinnern dass wir in den letzten 5 Jahren irgendwann Billard gespielt hätten....sind das auch kleine Anfälle???? Oder ist das einfach nur Schlafwandel???

Liebe Grüße camilla

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huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Wednesday, 07.09.2011, 12:15 (vor 5459 Tagen) @ camilla

Also einen erhöhter Blutzucker direkt nach einem Anfall hatte ich auch ein paar Mal nach meinen schwersten Anfällen, aber ich hab keine Diabetes.
Ich glaub, des liegt vor allem daran, dass der Körper bei einem Anfall einfach unheimlich viel Energie verbrennt und die Energiereserve, die er am schnellsten mobilisieren und verstoffwechseln kann ist für gewöhnlich Zucker - vor allem, weil er den bei "Sauerstoffmangel", wie man es ja auch nur zu gut vom Sport kennt, zu Milchsäure umwandeln kann. Daher kommt zum Teil ja auch der Muskelkater.

Wann war denn Dein Mann zuletzt beim Neurologen oder noch besser Epileptologen?
Die können vielleicht, wenn er Nachts äußerlich irgendwie verwirrt/desorientiert oder so wirkt, veranlassen, dass das näher untersucht wird. Gerade wenn man keine konkrete Ursache kennt, aber solche Auren/Anfälle häufig Nachts hat, ließe sich das wie gesagt sicherlich gut im Schlaflabor untersuchen und auf Grund dessen vielleicht auch seine Therapie(wird er denn mit Antiepilleptika behandelt?) verbessern.

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camilla, Wednesday, 07.09.2011, 12:25 (vor 5459 Tagen) @ huge88

Er nimmt keine Medikamente, da er für sich beschlossen hat, dass zweimal im Jahr übersichtlich ist.
Ein Freund bei mir aus der Schule, der hatte seine Anfälle immer, wenn er seine Tablette vergessen hatte.

Bei allem übel, finde ich gut das die Anfälle nachts sind, da weiß ich, ich bin da und kann helfen, tagsüber wenn er arbeitet, wäre schlimm.

Nun hatte mein Mann leider in diesem Jahr schon 3 Anfälle im Januar, Juli und August. Es scheint häufiger zu werden.

Aber wir sind Beide zur Zeit unter stess, wir haben ein kleines Baby und schlafen wenig.......

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huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Thursday, 08.09.2011, 09:02 (vor 5458 Tagen) @ camilla

Dann könnten die "gehäuften" Anfälle aktuell aber auch vom Schlafmangel kommen - gerade wenn der Körper sich sonst im Schlaf "abgreagiert".

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Andre, Sunday, 18.09.2011, 19:32 (vor 5448 Tagen) @ camilla

Dein Mann sollte es abklären lassen.Besonders wenn er Auto fährt bzw an Maschinen arbeitet ,obwohl nur nachts was passiert.
AM BESTEN IM KKH Bethel bei Bielefeld-weiß ja nicht wo ihr wohnt.
Es gibt immer Menschen die wollen alles wissen und fragen euch aus ,auch im KKH.
Bitte nur das sagen was ihr wollt---ob Dein Mann ein Führerschein hat geht keinen was an-jedoch später drüber nachdenken.
Es gibt Medikamente nur zur Nacht-vielleicht ist dann schon alles gut.
DAS EEG wird 24 St angeschlossen und meißt werden sie fündig und können geziehlt helfen.
Die Nebenwirkungen sind nicht so schlimm wie ein Anfall

LG ANDRE

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K_Lo, Monday, 12.09.2011, 20:56 (vor 5454 Tagen) @ camilla

Hallo Camilla,

ich kann dich sehr gut verstehen, mein Freund leidet ebenfalls an Epilepsie. Der letzte große Anfall war vor vier Jahren, als wir gerade zusammengekommen sind.
Ich werde diese Situation nie vergessen. Ich habe oft Angst, dass solch ein Anfall bald wieder auftritt. Ich weiß leider auch nicht wie man sich richtig verhalten soll. Mein größtes Problem ist, dass ich nicht ruhig dabei bleiben kann.
Mir ist heute aufgefallen, dass er für 30 Sek. gestarrt hat und dann was gesagt hat an das er sich nicht mehr erinnern kann.
Ich habe jetzt Angst das es ein Vorbote für einen Grand Mal war! Hast du da Erfahrung zu gemacht?

Viele Grüße

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HeinzGR, Chur, Friday, 16.09.2011, 23:16 (vor 5450 Tagen) @ camilla

Liebe Camilla,
Du sagst 1 - 3 Anfälle pro Jahr. Vergleiche mal die Daten, die Du sicher aufgeschrieben hast mit einem Mondkalender (in jeder Agenda ist Vollmond vermerkt). Siehst Du ev. einen Zusammenhang, dass x Tage nach / vor VM? Falls ja (ist bei mir eben auch so) kann ich nur doppelte Vorsicht mit anderen Einflussfaktoren raten. Diese sind jedoch sehr zahlreich und ganz individuell. Z.B. Alkoholverzicht, genügend Schlaf und kein Stress an den Tagen vor 'x' vor Vollmond.
Verhalten: Bei den meisten Anfällen kann man eben gar nicht viel machen. Meine Frau - sie war auch völlig unwissend als wir uns kennenlernten- macht das heute super: a) gar keine zusätzliche Aufregung, v.a. in Öffentlichkeit einfach Ruhe bewahren, unauffällig bleiben, b) physisch kannst Du Deinem Mann nur soweit Hilfe leisten, indem Du Sturzgefahren eliminierst, keine Kanten in Kopfnähe (sitzen od. liegen genügt), c) keinesfalls Getränke verabreichen, d) andere Leute beruhigen.
Ich habe mir einen Notfallzettel geschrieben, den ich bei Aufkommen einer Aura sofort aus meiner Hemdtasche zücke und der nächsten Person vorlege. Darauf steht u.a. "KEINE Massnahmen notwendig, kein Arzt erforderlich". Wurde kürzlich 4x unnötigerweise notfallmässig ins Spital eingeliefert, obwohl bereits im Krankenwagen wieder Bewusstsein erlangt und voll präsent. Kostete mich jedessmal eine happige Summe. Klar, Geld ist sekundär, Gesundheit first!