Bin die Neue 8-)

Dini, Sunday, 02.10.2011, 18:59 (vor 5434 Tagen)

Hallo zusammen,

ich bin 33 Jahre jung.
Meinen ersten Anfall hatte ich am 23.09.011. Von Seiten meines Mannes und von meiner Seite ist niemand, der unter Epilepsie leidet. Ich bin sozusagen die erste, die einen epileptischen Anfall hatte. Es war aus dem Schlaf heraus. Mein Mann fand mich zuckend, krampfend und mit Schaum vor dem Mund im Bett nach 5 Uhr früh vor. Ich weis von alle dem nichts. Ich kam erst im KH wieder langsam zu mir. Muß wohl über eine halbe Std. weg gewesen sein. Laut Aussage meines Mannes, mit dem Notarzt die Treppen aus dem 3. Stock unserer Wohnung runter gelaufen bin und in den Notarztwagen eingestiegen bin. Aber wie gesagt, kann mich nicht daran erinnern. Mein Mann hat mir später auch gesagt, dass er meinen Bruder, der im EG des Hauses seine Wgh. hat, zu uns in den 3. Stock geholt hat; und auf die Frage, wer er (mein Bruder) sei, habe ich wohl richtig gesagt, dass er einer meiner beiden Brüder sei. Wovovn ich nichts mehr weis, dass ich das gefragt wurde. So auch wußte ich nichts davon, dass mein Mann und mein Bruder mich weiter gefragt haben, ob ich wüßte, wer er (mein Mann) sei. Darauf meinte ich wohl, er sei mein andere Bruder. Ich wußte nicht, dass ich verheiratet bin, dass ich einen Sohn habe, geschweige denn, wie ich heiße oder was für einen Tag oder Monat wir haben. Alles weg. Mein Mann hatte verweinte Augen, an das kann ich mich als erstes wieder erinnern, als ich im KH zu mir kam.

Ist es mögl., das immer wieder kehrende, starke Kopfschmerzen, ein Vorbote sind, für einen epileptischen Anfall?
Denn 2 Monate zuvor hatte ich immer wieder, in unregelm. Abständen, starke Kopfschmerzen. Was sonst ungewöhnlich bei mir ist. Ich rauche nicht, trinke so gut wie keinen Alkohol und habe auch seit Dez. 010 bis Juli 2011 insgesamt 14 Kilo abgenommen.
Das letzte mal Kopfschmerzen vor meinem Anfall hatte ich 2 Wo. zuvor. Da kamen im Laufe des Nachmittags die Kopfschmerzen ganz leicht und wurden zum Abend hin so stark, dass ich spucken mußte. Dann waren sie kurzzeitig komplett verschwunden. Kamen aber wiede und ich mußte erneut brechen. Dann habe ich mich schon gegen 19 Uhr schlafen gelegt. Und am nächsten Tag war alles wieder in Ordnung. Als hätte ich nie was gehabt. Auch die Kopfschmerztablette, die ich wg. der Kopfschmerzen genommen hatte, half nichts. Was sonst immer der Fall war.

Danke für´s lesen, wenn ihr bis hierher gekommen seid.;-) :-D

Dini

Bin die Neue 8-)

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Sunday, 02.10.2011, 20:00 (vor 5434 Tagen) @ Dini

Hi!

Dann sag ich einfach erst einmal: "Herzlich Willkommen!"

Warum betonst Du, dass in der Familie Deines Mannes noch niemand Epilepsie hatte? Epilepsie ist schließlich ja nix ansteckendes (und je nach Art oft auch nix mit einem hohen Vererbungsrisiko, so überhaupt eines besteht). Fällt es ihm sehr schwer, mit Deinem Krampfanfall klar zu kommen?

Dass man nach einem Anfall/beim wieder Bewusstsein erlangen nach einem Anfall zwar ansprechbar, aber mitunter auch etwas desorientiert ist, ist nichts ungewöhnliches. Bin auch schon einmal in einen Krankenwagen eingestiegen, ohne mich daran erinnern zu können. Solche "Amnesien" sind vollkommen normal. Ich konnte nach einem Anfall auch einmal, bis ich ganz wieder da war, nicht einmal mehr auf die Frage meiner Mutter antworten, ob ich wisse, wer sie sei. Ich weiß nur noch, wie ich ratlos immer wieder den Mund auf und zugeklappt hab, weil ich irgendwie wusste, dass ich es eigentlich weiß. Ich hasse dieses Gefühl, zu Wissen etwas zu wissen ohne es zu wissen.

Kopfschmerzen können - wie epileptische Anfälle auch - von so ziemlich allem herkommen. Darüber werden Dich die Ärzte, von denen Du untersucht wirst, sicherlich noch informieren, wenn Du genug nachfragst. Ich persönlich - bin kein Arzt, also ist meine Meinung auch nicht fachlich aussagekräftig - würde aber bei einem einzigen Anfall in Deinem Alter erst einmal nur von einem Krampfanfall und nicht gleich von Epilepsie sprechen, so z.B. das EEG und andere Untersuchungen unauffällig sind.

Wie oft hast Du denn die Kopfschmerzen? Erst seit den zwei Monaten? Es gibt, wenn ich mich nicht irre, einige dokumentierte Fälle über Migränekopfschmerzen, die Anfälle triggern können bzw. vorboten sein - da kenn ich mich aber nicht so gut aus, da kann jemand anderes hier sicherlich besser was dazu schreiben.

Wie und warum hast Du denn die 14 Kilo abgenommen, wenn ich fragen darf? 14 Kilo über ca. 7-8 Monate hört sich auf jeden Fall nach einem gesunden und nachhaltigen Abnehmtempo an - und kein Nikotin und nur wenig Alkohol hat auch noch niemanden geschadet.

Gab's denn bei Deinen bisherigen Untersuchungen (MRT/EEG/Blutbild) eigentlich irgendwelche Auffälligkeiten?

Ciao und alles Gute

Huge

--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Bin die Neue 8-)

Dini, Sunday, 02.10.2011, 21:50 (vor 5434 Tagen) @ huge88
bearbeitet von Dini, Sunday, 02.10.2011, 21:53

Hallo huge88,

ich war der Annahme, dass Epilepsie hauptsächl. vererbbar ist.
Mein Mann und ich sind nun schon seit 9 Jahren verheiratet und lieben uns immer noch sehr. Daher war es für ihn sehr schlimm, mich so zu sehen. Zumal man als, ich sag jetzt mal "Zuschauer", nichts großartig machen kann. Und da mein Mann nicht wußte, was los war, ich dann auch nicht mehr wußte, dass er mein Mann ist, etc., das hat ihn völlig fertig gemacht.

Seit dem 27.9. nehme ich, laut Neurologen, (der auch in dem Krankenhaus, in dem ich war, einer der vielen Epilepsiezentren hat) Lamotrigin. Z.Zt. o-o-25 mg. Alle 10 Tage muß ich aufdosieren, dass ich eines Tages auf 100-0-100 mg komme.
Und dann immer wieder zu Kontrollterimen ins KH.

Wegen den Kopfschmerzen: wie gesagt, die hatte ich vor dem Anfall vor 2 Monaten die ersten paar mal, unregelmäßig. Da zuvor hatte ich sonst nie großartig Probleme mit Kopfschmerzen. Wenn ich, während dieser besagten 2 Monaten, Kopfschmerzen hatte, ware die dann auch innerhalb kürzester Zeit gleich so heftig, dass mir der Kopf nahezu explodierte. Zuvor hatte ich sonst nie solche argen Kopfschmerzen. Zumal sie sonst mit einem Aspirien immer wieder weggegangen sind. Und in diesen 2 Monaten half auch ein Aspirien kaum bis gar nicht mehr.

Und warum ich betone, dass ich nicht rauche und kaum trinke? So halt! ;-)
Abgenommen habe ich, weil ich bei meiner Größe von 170 cm zuuuuuuuuuu viel auf die Waage gebracht habe und noch etwas zu viel wiege. Habe jetzt noch rund 15 Kilo zu viel drauf.

Im KH haben die Ärzte (die Stationsärztin, der Oberarzt und der Neurologe) festgestellt, dass es sich um einen epileptischen Anfall handelte. Zuerst war im "normalen" EEG nichts auffälliges. Im MRT haben sie was gesehen und auf Grund dessen ein Schlafetzugs-EEG gemacht, um ganz sicher zu sein! Und da hat man dann eindeutig gesehen, dass es ein Anfall war.

Dini

Bin die Neue 8-)

tanguera, Schweiz, Sunday, 02.10.2011, 22:09 (vor 5434 Tagen) @ Dini

Hallo Dini,

ich war der Annahme, dass Epilepsie hauptsächl. vererbbar ist.

Das habe ich auch gedacht, bis ich die Diagnose bekommen habe. Meine Reaktion war: "Nein, das kann nicht sein, bei uns in der Familie hat niemand Epilepsie." Ich war zu der Zeit um 1 Jahr älter als Du. Epilepsie kann man wirklich in jedem Alter bekommen...
Es gibt einige Epilepsieformen,die genetisch bedingt sind, es trifft jedoch nicht auf alle zu.

Mein Mann und ich sind nun schon seit 9 Jahren verheiratet und lieben uns immer noch sehr. Daher war es für ihn sehr schlimm, mich so zu sehen. Zumal man als, ich sag jetzt mal "Zuschauer", nichts großartig machen kann.

Schön, dass Du diese Unterstützung und Liebe Deines Mannes hast. Zu zweit meistert man so Einiges viel besser :-)

Ich wünsche Dir gute Besserung.

VG

tanguera

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Jubeln, lachen, tanzen - Der einzige Weg um sich zu retten.
(Alfred Selacher, (*1945), Schweizer Lebenskünstler)

Bin die Neue 8-)

Andre, Wednesday, 05.10.2011, 21:03 (vor 5431 Tagen) @ Dini

Hallo Dini
Epilepsie ist eine Erkrankung die Jeder jederzeit kriegen kann.
Man spricht erst von Epilepsie wenn mehrere Anfälle aufgetreten sind.
Es gibt mehr als 40 Formen und schwierig einen gutet Epileptologen zu finden.
Von wo kommst Du?
Meistens ist die Epilepsie mit Medikamenten gut zu behandeln.
Epilepsiezentrum aufsuchen mit Einweisung wenn keine Besserrung bzw häufige Anfälle auftreten.

Ok hoffe konnte Dir etwas helfen und man liest sich öfter
LG
Andre

Bin die Neue 8-)

koalabär5, Thursday, 06.10.2011, 03:15 (vor 5431 Tagen) @ Dini

hallo dini,

bei den starken Kopfschmerzen mit Erbrechen handelt es sich um schwere Migräne. Eine Migräne kann noch am nächsten Tag einen epileptischen Anfall auslösen. Aber nicht jeder, der einen epileptischen Anfall bekommt ist Epileptiker. Denn du musst wissen, dass jeder Mensch einen epileptischen Anfall bekommen kann, ohne Epileptiker zu sein. Vielleicht hattest du oder deine Brüder im säuglingsalter Fieberkrämpfe. Diese sind ein Zeichen für eine genetische Veranlage für Epilepsie, welche man aber deshalb nicht bekommen muss. Die ärzte werden dir gesagt haben, dass es sich bei dir um eine sogenannte Schlafepilepsie handelt.

Die Art deines Anfalls ist ein Grand-mal-Anfall. Dieser zählt zu den generalisierten Anfällen. Das heißt zuerst entspannt sich dein Körper. In diesem Zustand entleeren sich Blase und Darm. Anschließend kommt es zu Verkrampfungen. Hier kann nur noch der Notarzt helfen. Wenn dein Mann oder einer deiner Brüder bemerkt, dass du zusammenfällst und zum Beispiel vom Stuhl rutschst, soll er als erstes als zur Seite räumen, an was du dich verletzten kannst, dann muss er dich unbedingt in die stabile Seitenlage bringen,, auch sollte er dir etwas weiches, ein Kissen, ein Morgenmantel eben was grade da ist unter den Kopf legen und sofort den Notarzt verständigen. Auf keinen Fall darf er dir einen Mundkeil in den Mund schieben, da du brechen könntest. Ist dies der Fall würdest du - hättest du in einen Mundkeil im Mund - an deinem eigenen Erbrochenen ersticken. Also Finger weg vom Mundkeil. Übrigens gibt es Epilepsiehunde, diese zeigen an, wenn ein Anfall bevorsteht. Zum Beispiel macht so ein Hund deinen Mann wach oder holt ihn. Du bist mit Medikamenten noch nicht endgültig eingestellt, das dauert. Man probiert jetzt erst ein Medikament aus und prüft immer wieder wie du darauf ansprichst. Rechne damit, dass es schon ein bis zwei Jahre dauern kann bis du endgültig richtig eingestellt bist. Dann kannst du aber normal leben. Übrigens es ist völlig normal, dass man nach einem schweren Anfall nicht sofort alles weiß, aber es kommt wieder nach wie vor. Dass dein Mann geweint hat tut mir leid. Aber ich denke, er hat geweint, weil er nicht wußte, was das ist, was du hast und er sich so hilflos gefühlt hat. Übrigens Epilepsie selbst ist nicht vererblich, sondern nur die Veranlagung dazu. Aber auch ein Schlaganfall oder ein Unfall kann eine Narbe im Gehirn verursachen und dadurch Epilepsie. auf keinen Fall darfst du dich schämen oder minderwertig fühlen, du bist genauso viel wert wie jeder andere auch. Du hast nur ein Handicap. Auch wenn es schwer ist auf einmal damit fertig zu werden, hier ist deine ganze Familie gefordert. Sie sollten dich auf gar keinen Fall in Watte packen oder dich bevormunden, doch solange du nicht gut eingestellt bist, solltest du nicht auf Leitern steigen, oder dich in der Badewanne baden, wenn dein Mann nicht zu Hause ist. Sei bitte nicht ungeduldig. Das dauert jetzt etwas, aber wenn ihr es überstanden habt, dann werdet ihr euch bestimmt noch mehr lieben als jetzt. Und wenn es abgeschlossen ist, dann habt ihr einen Grund zum Feiern. Na wie wär das? Halte durch, es kannn nur noch besser werden:-P

Bin die Neue 8-)

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Thursday, 06.10.2011, 10:54 (vor 5430 Tagen) @ koalabär5

Entschuldige, wenn ich Dich hier kurz einmal verbal ausbremse, koalabär.

Die ärzte werden dir gesagt haben, dass es sich bei dir um eine sogenannte Schlafepilepsie handelt.

Zur Schlafepilepsie gehört deutlich mehr als ein Anfall aus dem Schlaf heraus und EEG-Auffälligkeiten im Schlafentzug.

In diesem Zustand entleeren sich Blase und Darm.

Muss nicht einmal zwingend beim Grand-Mal vorkommen.

Rechne damit, dass es schon ein bis zwei Jahre dauern kann bis du endgültig richtig eingestellt bist. Dann kannst du aber normal leben.

Auch wenn es bei manchen von uns etwas länger dauert, bis diese auf Medikamente gut eingestellt sind, fände ich persönlich es nett, nicht gleich den Teufel an die Wand zu mahlen. Wir wollen uns ja auch schließlich gegenseitig ein wenig aufbauen. Bei mir war damals meine Ersteinstellung ein Volltreffer und hat kein halbes Jahr gedauert und ich war damals mehrere Jahre vollkommen Anfallsfrei(das Wiederauftreten bei mir ist da wohl eher ein Zusammenspiel vieler Faktoren). Auch bedeutet Epilepsie nicht zwingend, ein "unnormales" Leben führen zu müssen - eventuelle Veränderungen sind ja immer von den persönlichen Umständen abhängig. Ich z.B. studiere trotz Anfällen und Medieinnahme(derzeit Umstellung) und hab bisher noch keine einzige Klausur wiederholen müssen/versemmelt - im Gegensatz zu den "Normalen". Viel "normaler" geht es ja kaum noch.

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil