seit kurzem Epi bei Tochter (12)

Relaia, Sunday, 09.10.2011, 23:06 (vor 5427 Tagen) @ Mea

Hallo Mea,

ich bekam die Diagnose vor etwa einem Jahr und wollte und konnte auch längere Zeit nicht mit meinen Eltern darüber sprechen. Und ich bin 22 ;-) . Ich hatte oft das Gefühl, sie machen sich zwar viele Gedanken, verstehen aber meine Situation nicht so recht. Welche Unsicherheit und Umstellung die neue Situation für mich bedeutete. Außerdem wollte ich ihnen keine zu großen Sorgen machen, weshalb ich relativ wenig erzählte. Ok, ich bin erwachsen, aber deine Tochter kommt jetzt in die Pupertät und ich erinnere mich noch genau, dass man in dem Alter versucht so schnell wie möglich so unabhängig und selbstständig wie möglich zu werden und dazu zählt auch, das glaubte ich zumindest damals, nicht mehr über alles mit den Eltern zu reden (das ändert sich später aber wieder :-D )
Ich hab anfangs einfach erst etwas Zeit gebraucht, selbst damit zurecht zu kommen, bevor ich mit meinen Eltern darüber reden konnte.
Ich erinnere mich noch genau, als ich dass dritte Mal in der Notaufnahme gelandet bin und mich meine Eltern dort abgeholt haben. Der Arzt damals war sehr nett und verständnissvoll aber auch sehr rational. Vermutlich hat er auch mit meinen Eltern gesprochen. Ein paar Tage später hatte ich das erste Mal das Gefühl, meine Eltern sehen das nicht mehr so überemotional sondern etwas rationaler. Gleichzeitig hörte ich nicht mehr nur ständig die Forderung, ich solle jetzt endlich etwas dagegen tun, sondern meine Mutter fragte mich zum ersten Mal (zumindest wurde es mir das erste Mal bewusst), wie ich mich mit der Situation eigentlich fühle. Seitdem kann ich mit meinen Eltern darüber reden, weil ich das Gefühl habe, sowohl ich, als auch meine Eltern (reden nicht nur davon, sondern) haben es wirklich akzeptiert (was natürlich nicht heißt, dass ich nicht versuche etwas zu tun, dass es wieder besser wird, die Anfallshäufigkeit und/oder -stärke sinkt; aber ich glaube, es ist auch wichtig, dass man es nicht als furchtbaren Fremdkörper im Leben betrachtet, das macht alles nur noch schlimmer. Ich glaube es ist wichtig, die Situation zu akzeptieren, sie aber nicht einfach hinzunehmen und den Kopf in den Sand zu stecken. Es kann alles wieder besser werden! Und bei deiner Tochter ganz besonders. Oft verschwindet die Epilepsie nach der Pupertät wieder. Kopf hoch!
Ich wünsche euch alles Gute!


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