mein freund macht mir das leben schwer

sunshine_27, Tuesday, 08.11.2011, 20:27 (vor 5397 Tagen)

Hallo Ihr,

hatte vor ca 4 Jahren den ersten Anfall, der aber nicht mit Epilepsie diagnostiziert wurde. Bin vor ein paar Wochen "rückfällig" geworden und nehme nun Medis.
Die Situation macht mich zwar nicht glücklich, aber ich komm ganz gut damit klar glaube ich.

Mein grösstes Kopfzerbrechen bereitet mir eigentlich mein Freund. Er wusste von Anfang an, dass ich damals diesen Anfall erlitten hatte, und hat es gut aufgenommen, als wir uns kennengelernt haben. Allerdings ist er jetzt ziemlich überfürsorglich, frägt mich ständig nach meinem Befinden, beobachtet mich manchmal auf Schritt und Tritt und unternimmt auch in unserer gemeinsamen Freizeit immer weniger Ausflüge mit mir.

Der nächste Punkt, der mich irgendwie so verrückt macht, ist, dass er selbst Arzt ist und natürlich auch einiges über Epilepsie weiß. Neuro ist aber nicht seine Fachrichtung. Naja mich belastet einfach dieses Gefühl, dass er mich ständig analysiert und es für sich selbst medizinisch deutet, ohne dass er dann das Thema wirklich anspricht. Das macht mich manchmal innerlich ziemlich wahnsinnig und ich möcht einfach nur noch weglaufen. Einmal hab ich ihn in einem solchen Moment gefragt, dass er laut denken soll, und hat mir daraufhin ein Kompliment gemacht und die Situation überspielt. so kam mir das zumindest vor.

Hab ihn auch schon darauf angesprochen, dass ich es nicht in Ordnung finde, dass er mich so überfürsorglich behandelt und mich ständig mit seinem medizinischen Blickwinkel abcheckt. Er meinte dazu nur, dass er für mich da sein will und ich soll doch erstmal selbst mit der Situation klar kommen.. Dabei denk ich selbst aber, dass ich mit Epilepsie umgehen kann, meine größere Sorge ist einfach das Verhalten meines Freundes. Ich wünsche mir so sehr, dass wir einfach wieder eine normale Beziehung führen können ohne dass ständig etwas in der Luft liegt.
Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Wenn ja, wie hat sich das bei euch weiterentwickelt?

mein freund macht mir das leben schwer

kucka, Wednesday, 09.11.2011, 00:22 (vor 5397 Tagen) @ sunshine_27

hallo sunshine,herzlich willkommen
was mir sofort ins Auge springt ist: Dein Freund meint du solltest erst mal damit klarkommen. Du sagst,du kommst damit ganz gut klar. Lass dir nichts einreden von deinem Freund .Er spricht mit dir nicht darüber...! Sag ihm das sein Verhalten dei dir erst recht einen Anfall auslösen kann .Du musst ihm klarmachen,das sein Verhalten ohne Offenheit sowieso schlecht für eine Beziehung ist .Bestehe drauf,es ist deine Gesundheit .Als Arzt müsste er doch- offen-sein, schlepp ihn ins Epilepdiezentrum .Wenn er nicht will ,sollte dir das zu denken geben .
viel Erfolg....kucka

mein freund macht mir das leben schwer

heiko, Wednesday, 09.11.2011, 00:30 (vor 5397 Tagen) @ sunshine_27

Erfahrungen habe ich damit nicht gemacht, aber eine Vorstellung wie sich das ent-wickelt. Die übertriebene Fürsorge resultiert daher weil er Arzt ist, Dir aber trotzdem nicht so helfen kann wie er es möchte. Er versucht sich zu rechtferti-gen,solltest Du bei einem Neurologen in Behandlung so wäre es für ihn sogar eine Chance. Es sollte für ihn insgesamt eine Chance sich weiterzuentwickeln. Ich kann mich natürlich auch irren, es ist aber eine Möglichkeit und für ihn ist es insge-samt eine Möglichkeit.

Heiko

mein freund macht mir das leben schwer

Mondenkind, Wednesday, 09.11.2011, 11:46 (vor 5396 Tagen) @ sunshine_27

Hallo sunshine27,

ich kann mir vorstellen, dass sich dein Freund gerade in einem tiefen Loch fühlt. Er selber ist Arzt (zwar kein Neurologe) und du bist "krank" und er kann dir nicht helfen.

Ich denke, dass es seine Zeit braucht, bis er damit zurechtkommt, da helfen nur Gespräche, nimm ihn mit, wenn du das nächste Mal zum Neurologen gehst. Vielleicht kann er dann dort auch noch einige Fragen klären, denn ich denke, die hat er.

Viele liebe Grüße :-)
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

mein freund macht mir das leben schwer

supermami2011, Köln, Thursday, 10.11.2011, 08:51 (vor 5395 Tagen) @ Mondenkind

Hallo,
ich weiß nicht ob man das mit deiner Situation vergleichen kann,aber ich habe das selbe Verhalten wie dein Freund an den Tag gelegt als bei meiner Tochter die ersten Anfälle begannen und das auch obwohl ich durch meinen Beruf Altenpflegerin mit dem Krankheitsbild Epilepsie vertraut war.
Sicher ist er Arzt und du denkst er müßte es besser wissen,aber warum müßte er das?
Er befindet sich in einer ganz anderen Situation,du bist schließlich nicht irgendeine Patientin sondern seine Partnerin die er liebt.
Ich hätte meine Tochter früher auch gerne 24 stunden am tag beaufsichtigt und wenn sie allein das haus verließ bin ich tausende Tode gestorben.
Mir ging es so das ich mir Angst machte das diese Krankheit so unberechenbar ist und ich mir immer Horrorzenarios ausgemalt habe was meiner Tochter alles passieren könnte,zbsp.wenn sie mitten auf der Strasse einen Anfall erleidet.
Das schlimme ist denke ich das man so hilflos ist und man den Menschen den man liebt beschützen möchte.
Und da hilft nur offen darüber zu reden,sich zu informieren.
Das habe ich mit meiner Tochter getan und wir haben gemeinsam gewisse Verhaltensregeln und Vorsichtsmaßnahmen besprochen und so bin ich viel gelassener geworden,aber es ist schwer loszulassen.
Du solltest ganz offen mit ihm über deine gefühle sprechen und ihm genau sagen was du willst und was nicht und hab aber auch ein bißchen Verständnis für Ihn.

mein freund macht mir das leben schwer

sandra79, Monday, 14.11.2011, 00:21 (vor 5392 Tagen) @ supermami2011

Hallo


ich habe auch sowas ähnlich erlebt,bzw erlebe es immer noch,allerdings mit meinen Eltern.Ich gehe eigentlich ganz locker mit der Epilepsie um,die "Nebenwirkungen" durch Arbeitgeber,Freunde und wie gesagt Eltern stimmen mich halt so aus einem mischwasch zwischen traurig,nervig und wütend.
Bei meinen Eltern hab ich sehr viel Verständnis für sie entwickelt,sie haben auch immer einen totalen Horror davor mich irgendwo alleine hingehn zu lassen,aber gut,dann lass ich sie halt mich z.b. zur Arbeit zu fahren,damit ich so wenig wie möglich alleine (in der Bahn) bin und gehe nur mit Begleitung weg,der zumindest bescheid weiss.

Deinen Freund möchte ich mit auf den Weg geben,das er vielleicht mal mit einem Kollegen spricht,er wird ihm sicherlich erzählen,das dein Inneres wichtig für deine Gesundheit bzw deine Anfälle sind.
Ich hatte z.b. letztes Jahr ein sehr schlechtes Jahr,mit mehreren schweren Anfällen in der Woche,ich denke es war,weil ich meinem Vater beim Sterben zugesehen hab.Ich beobachte es allerdings auch schon bei Situationen die mich beschäftigen,das ich anfällig bin oder zumindest "Aussetzer" hab.
Umgekehrt war im Urlaub wo ich mich richtig erholt und abschalten konnte,so richtig frei von allem war - da war ich wie neu für eine längere Zeit für meine Verhältnisse.Sag das deinem Freund das er dich lieber bei so etwas unterstützen sollte!!

Liebe Grüße

Sandra