Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
nordlicht, Saturday, 19.11.2011, 18:52 (vor 5386 Tagen)
Hallo liebe Forengemeinde,
momentan mache ich eine Ausbildung zur Heilpädagogin und möchte über Epilepsien schreiben. Für mich ist es sehr wichtig, nicht nur irgendwelche sterile Fachliteratur und Internetinfos zu wälzen und zitieren, sondern mit Menschen in Kontakt zu treten, die selbst die besten Fachleute für dieses Thema sind- nämlich Euch.
Da ich selbst mit 18 einen Grand mal Anfall hatte, kann ich mich an viele Eurer Sorgen (was ist mit Arbeiten, Autofahren, Alkohol, Disco, Sport, Kinderkriegen, etc.) sehr gut erinnern.
Für mich stellen sich diverse Fragen:
Was wünschen sich Menschen mit Epilepsien von Mitmenschen/ der Gesellschaft?
Wo und wie sollte Aufklärungsarbeit für Aussenstehende erfolgen?
Was für Ideen könnte man verwirklichen, um Betroffenen das Leben zu erleichtern?
Welche Erfahrungen macht man, wenn man offen mit seiner Erkrankung umgeht?
Wie kann man die Gefahr, in der Öffentlichkeit plötzlich durch die Folgen eines Anfalls in Gefahr zu geraten minimieren?
Wo sind die größten Einschränkungen?
Einige der Antworten konnte ich mir schon aus den Forenbeiträgen erfahren, z.B. Probleme mit dem Arbeitgeber.
Ich würde mich sehr freuen, wenn Ihr mir mit Euren Erfahrungen und Ideen weiterhelfen könntet, selbstverständlich ist alles anonym und dient mir dazu, die komplexe Problematik, Sorgen und Nöte besser begreifen zu können.
Schon mal besten Dank
,
Sonja
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
Sanego, Saturday, 19.11.2011, 19:15 (vor 5386 Tagen) @ nordlicht
Ich würde gerne Auskünfte geben. Leider gibt es heir keine Austauschmöglichkeiten. Sonst würde ich Dir meine Emailadresse geben.
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
nordlicht, Saturday, 19.11.2011, 20:04 (vor 5386 Tagen) @ Sanego
Hallo Sanego,
Du kannst mir gerne eine Mal schreiben, wäre total klasse. Meine Adresse ist
sonja_nordlicht@freenet.de
Vielen Dank für Deine Mühe,
Sonja
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jess87, NRW, Sunday, 20.11.2011, 13:07 (vor 5385 Tagen) @ nordlicht
Was wünschen sich Menschen mit Epilepsien von Mitmenschen/ der Gesellschaft?
ich wünsche mir in manchen bereichen des lebens, genauso behandelt zu werden, wie jeder andere "normale" mensch auch. Kommt natürlich drauf an, wie das krankheitsbild epilepsie aussieht. aber mich hats "noch gut" erwischt, so denke ich und man kann epilepsie und epilepsie nicht immer über einen kamm scheren.
Welche Erfahrungen macht man, wenn man offen mit seiner Erkrankung umgeht?
jemand der sich nicht mit der krankheit auskennt, ist erstmals erschrocken drüber, wenn ich ihm von anfällen erzähle. oder einfach im allgemeinen davon berichte. kann sich wohl auch keiner so genau vorstellen, wenn ich von vorgefühle spreche, außer die die selbst epilepsie haben mit solchen vorgefühlen. sehr viele sagen dann aber auch zu mir, wie du hast epilepsie - merkt man dir gar nicht an. (positiv gemeint) aber im großen und ganzen haben meine mitmenschen schon ein großes interesse zu erfahren woher kann das kommen? und was passiert dann? jetzt werde ich ja auch Operiert evtl, da haben auch zb sehr viele verständnis für - aber trotzdem sorge!
Wie kann man die Gefahr, in der Öffentlichkeit plötzlich durch die Folgen eines Anfalls in Gefahr zu geraten minimieren?
- nichts alleine machen
- kein auto fahren
- nicht schwimmen gehen
solche dinge, denke ich
Wo sind die größten Einschränkungen?[/i]
ich muss regelmäßig meinen schlaf einhalten. kann nicht spontane dinge machen, disco oder lange abende. muss immer vorschlafen oder halt eben draufhin arbeiten. kino geht bei mir zb auch gaaaaaaar nicht. dann habe ich noch eine 2 jährige tochter, die schon manchesmal dinge machen muss (mittagsschlaf) damit ich, so egoistisch sich das anhört, einfach auch mal zur ruhe komme und "entspannen" kann.
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nordlicht, Sunday, 20.11.2011, 22:37 (vor 5385 Tagen) @ jess87
Hallo jess87,
vielen Dank für Deine so ausführliche Antwort! Man liest das so "nichts alleine machen", "kein Auto fahren" und man kann es nicht richtig fassen, weil es so hart klingt und für Dich die Realität ist.
Ich wünsche Dir eine ganz lange anfallsfreie Zeit oder noch besser- dass sie gar nicht mehr auftreten, auch wenn das vielleicht nur ein Wunsch bleibt.
Viele Grüße und eine gute Nacht wünscht
Sonja
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Maro, Monday, 21.11.2011, 20:57 (vor 5384 Tagen) @ jess87
Was wünschen sich Menschen mit Epilepsien von Mitmenschen/ der Gesellschaft?
ich wünsche mir in manchen bereichen des lebens, genauso behandelt zu werden, wie jeder andere "normale" mensch auch. Kommt natürlich drauf an, wie das krankheitsbild epilepsie aussieht. aber mich hats "noch gut" erwischt, so denke ich und man kann epilepsie und epilepsie nicht immer über einen kamm scheren.
Welche Erfahrungen macht man, wenn man offen mit seiner Erkrankung umgeht?
jemand der sich nicht mit der krankheit auskennt, ist erstmals erschrocken drüber, wenn ich ihm von anfällen erzähle. oder einfach im allgemeinen davon berichte. kann sich wohl auch keiner so genau vorstellen, wenn ich von vorgefühle spreche, außer die die selbst epilepsie haben mit solchen vorgefühlen. sehr viele sagen dann aber auch zu mir, wie du hast epilepsie - merkt man dir gar nicht an. (positiv gemeint) aber im großen und ganzen haben meine mitmenschen schon ein großes interesse zu erfahren woher kann das kommen? und was passiert dann? jetzt werde ich ja auch Operiert evtl, da haben auch zb sehr viele verständnis für - aber trotzdem sorge!
Wie kann man die Gefahr, in der Öffentlichkeit plötzlich durch die Folgen eines Anfalls in Gefahr zu geraten minimieren?
- nichts alleine machen
- kein auto fahren
- nicht schwimmen gehen
solche dinge, denke ich
Wo sind die größten Einschränkungen?[/i]
ich muss regelmäßig meinen schlaf einhalten. kann nicht spontane dinge machen, disco oder lange abende. muss immer vorschlafen oder halt eben draufhin arbeiten. kino geht bei mir zb auch gaaaaaaar nicht. dann habe ich noch eine 2 jährige tochter, die schon manchesmal dinge machen muss (mittagsschlaf) damit ich, so egoistisch sich das anhört, einfach auch mal zur ruhe komme und "entspannen" kann.
Wenn meine Tochter mal ausgeht, immer in einem Medaillon (Mit einem roten Kreuz verziert) worin ein Zettel steckt, Mit Medikation, Telfnr. und Name) für die Klinik oder Arzt, wenn sie umgekippt ist, und die Leute ganz erschrocken den Arzt oder die Ambulance rufen. Aber auch der Hinweis: Bitte nur etwas warten und der Patient fühlt sich wieder gut.
LG

Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
nordlicht, Tuesday, 22.11.2011, 14:12 (vor 5383 Tagen) @ Maro
Hallo Maro,
das mit der Kette ist ja eine gute Sache. Werde ich mir mal ansehen, das ist eine prima Lösung. Man hat damit eine kleine Freiheit zurückbekommen!
Viele Grüße
Sonja
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Mondenkind, Monday, 21.11.2011, 09:17 (vor 5384 Tagen) @ nordlicht
Was wünschen sich Menschen mit Epilepsien von Mitmenschen/ der Gesellschaft?
Dass die Erkrankung wie jede andere chronische Krankheit (Diabetes, Rheuma etc.) anerkannt wird.
Wo und wie sollte Aufklärungsarbeit für Außenstehende erfolgen?
"Nebenbei", es gibt so viele (ob sinnig oder nicht, darüber lässt sich streiten) Fernsehserien bzw. Telenovela. Warum hat da nicht mal jemand Epilepsie?? Muss ja nicht unbedingt Grand Mal sein... "den" kennt ja so oder so jeder...
Und im Erste-Hilfe-Kurs sollte auch besser über die Epilepsie aufgeklärt werden. In meinem letzten Kurs (vor fast 5 Jahren...) wurde nur der Grand-Mal erklärt. Ich habe versucht (möglichst unauffällig) noch anderes zu erklären (ich war damals neu in der Firma und keiner wusste von meiner Epilepsie)
Was für Ideen könnte man verwirklichen, um Betroffenen das Leben zu erleichtern?
Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung.
Nein, im Ernst. Ich finde es schlimm, wenn man Angst hat, seinem Arbeitgeber von seiner Erkrankung zu erzählen (für die man ja nichts kann). Oder noch schlimmer, wenn man seinen Freunden nicht davon erzählen möchte aus Angst vor negativer Reaktion. Wofür sind Freunde denn sonst da??
Welche Erfahrungen macht man, wenn man offen mit seiner Erkrankung umgeht?
Zum Teil recht gute. Während des Studiums:
überwiegend positive, habe es beim Sport gesagt, bei Exkursionen oder beim Studentenjob in einer Fabrik - keine Probleme. 1 x "kein Problem, mein Bruder hat auch Epilepsie", 1 x "Seit einem Motorradunfall habe ich auch Epilepsie", 1 x "ich hatte früher auch Epilepsie, bin aber seit einer OP anfallsfrei", wurde nirgendwo ausgegrenzt.
Und dann...
2001 meldete ich mich zur Freizeitbetreuung an (das 2. Mal bei diesem Veranstalter), Anfälle traten wieder vermehrt auf, so dass ich es besser fand, etwas zu sagen - eben wie immer (muss dazu sagen, dass ich vorher schon jahrelang Freizeiten bei der katholischen Kirche betreut habe - und da gab es nie Probleme). Doch hier lief es anders. Erster Kommentar "Na, dann müssen wir mal schauen, ob du überhaupt noch mitfahren kannst".
Im Endeffekt kam heraus, dass wenn ich mitfahre, ich dann als "Minderjährige" mitfahre, sprich ich darf nicht mit den Kindern alleine sein, aber darüber ließ man die anderen Betreuer abstimmen - und sie entschieden sich 3:1 gegen mich...
Wie gesagt, war keine schöne Sache und danach habe ich gemerkt, dass Menschen auch negativ gegenüber der Epi reagieren können und ich beschloss in Zukunft keinem "Fremden" (vor allem Arbeitgebern) mehr von meiner Epilepsie zu erzählen.
Wie kann man die Gefahr, in der Öffentlichkeit plötzlich durch die Folgen eines Anfalls in Gefahr zu geraten minimieren?
Wie gesagt, durch Aufklärung. Viele denken bei Epilepsie gleich an den "Grand Mal", dass es noch viele andere Arten der Epilepsie gibt, die man zum Teil auch gar nicht als Anfälle wahrnimmt (z.B. Absencen), vor allem, wenn man sich nicht damit auskennt.
Wo sind die größten Einschränkungen?
Ich habe wenig bis keine Einschränkungen empfunden - außer dass ich kein Auto fahren durfte. Ich war und bin mit Freunden unterwegs (geht auch ohne Alkohol, finde dies aber nicht als Einschränkung).
Meine Freunde unterstützten und unterstützen mich, wo es nur geht - mit vielen von ihnen bin ich mehr als die Hälfte meines Lebens befreundet, sprich sie haben den Beginn und den Verlauf der Epilepsie mitbekommen und zu mir gehalten.
So, dass war es soweit von mir.
Vielleicht noch eins: Vor rund 2 Jahren habe ich mich operieren lassen, seitdem bin ich anfallsfrei. Seit rund 2 Monaten darf ich auch (wieder) Auto fahren.
Wenn noch Fragen offen sind, kannst du sie mir ruhig stellen.
Liebe Grüße
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
nordlicht, Tuesday, 22.11.2011, 14:08 (vor 5383 Tagen) @ Mondenkind
Liebes Mondenkind,
hä? Ich hatte Dir schon geantwortet. Ist wohl weg, oder hast Du gestern was gelesen? Mein PC... Naja, egal.
Aber um nochmal darauf zurück zu kommen: Du hast völlig Recht- im TV könnte man das echt problemlos einfließen lassen, Soaps sollen doch das "normale" Leben wiederspiegeln und so wie es in der Lindenstrasse ja schon lange einen Rollifahrer (verzeih, ich weiß den Namen nicht mehr) gab, könnte man doch einen Protagonisten mit Epilepsien haben.
In Erste Hilfe Kursen erlebte ich auch schon Leute, die einem noch einen Holzkeil zwischen die Zähne (oder in Ermangelung an diesem irgend etwas anderes) schieben würden. Aber wenigstens haben die sich schon einmal in ihrem Leben mit dem Thema auseinandergesetzt, denke ich dann wieder.
Viele Menschen haben auch Angst zu helfen, weil die Rechtsfrage eine vermeintlich schwierige ist. Wobei ich auch schon von einem Arzt gehört habe, dass einem ein Fehler in Verbindung mit einer 1.Hilfe-Maßnahme von juristischer Seite seltenst zum Vorwurf gemacht werden würde (es sei denn, man handelt echt grob fahrlässig).
Alles alles Gute für Dich und super, dass Du wieder Autofahren darfst!
Danke,
Sonja
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
becks09, Monday, 21.11.2011, 15:38 (vor 5384 Tagen) @
nordlicht
bearbeitet von becks09, Monday, 21.11.2011, 15:45
Was wünschen sich Menschen mit Epilepsien von Mitmenschen/ der Gesellschaft?
- Ich finde es sehr schade,dass ich immer wieder zu hören bekomme "Epilepsie?das ist doch das,wo man umfällt und so zuckt oder?", deshalb wünsche ich mir,dass Leute zumindest aus meinem Umfeld damit mal näher beschäftigen,weil es eben nicht nur das ist sondern viel mehr.Von der Gesellschaft würde ich mir wünschen,"normal" behandelt zu werden!
[quote]Welche Erfahrungen macht man, wenn man offen mit seiner Erkrankung umgeht? [/quote]
Habe eigentlich gute Erfahrungen gemacht,muss dazu sagen,dass ich es noch nicht lange weiß,wird sicher noch die ein oder andere negative Sache in der Richtung geben.
[quote]Wie kann man die Gefahr, in der Öffentlichkeit plötzlich durch die Folgen eines Anfalls in Gefahr zu geraten minimieren?[/quote]
- die Leute mit denen man zu tun hat,über die Krankheit informieren,dass sie wissen,was im Notfall zu tun ist.
- Die Gefahr selbst minimieren,einen Anfall zubekommen, wenn man denn weiß,worauf man reagiert und dies eben versuchen zu vermeiden.
- Wenn man irgendwo alleine unterwegs ist,jemand bescheid sagen,wo man ist und wann man ca wieder kommt,falls wirklich was passiert.Mache ich zum Beispiel so,wenn ich joggen gehe,da ich dies alleine mache.
[quote]Wo sind die größten Einschränkungen?[/quote]
- In meinem Beruf, lerne Industriemechanikerin,meine Abschlussprüfung wird auf Grund der Epilepsie um ein halbes Jahr verschoben.
- Auto fahren
- Feiern,Alkohol.
Hoffe,dir mit meiner Antwort helfen zu können.
LG Becks
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
nordlicht, Monday, 21.11.2011, 18:16 (vor 5384 Tagen) @ becks09
Hallo Becks,
vielen Dank für Deine Antwort!
Ja, ich finde das auch ziemlich erschreckend, dass Epilepsien nur als "Umfallen, zucken und Weggetreten-Sein" bekannt sind, obwohl es so viele Erscheinungsformen gibt. Und viele Menschen denken, dass es nur andere Leute oder nur bestimmte Personengruppen betrifft. Ich glaube, es gibt ettliche Vorurteile, die unbedingt mal ausgeräumt werden müssen. Aber das ist ja leider bei vielen Krankheiten und Beeinträchtigungen so...
Ich habe gelesen, dass ca. 5% aller Menschen einmal in ihrem Leben einen Krampfanfall erleiden. Das ist doch eine ganz schöne Menge, wenn man das mal auf die Weltbevölkerung umrechnet, oder!? Man sollte das echt schon ganz früh in die Bildung von Kindern mit einbeziehen, damit das ganz normal ist. So wie es z.B. auch kein Problem wäre, ALLEN Kindern in der Schule einige Gebärden beizubringen, um Gehörlosen die Integration zu erleichtern.
Gibt es nicht in den USA einen TV-Spot, indem ganz kurz und knackig ein kleiner Überblick über Epilepsien, verschiedene Anfallsformen und die wichtigsten 1. Hilfe- Maßnahmen berichtet wird? Ich meine, dass ich das mal irgendwo im Netz gesehen habe. Ja, es gibt echt noch viel zu tun und Foren wie dieses hier helfen echt, der Öffentlichkeit diese Thematik näher zu bringen. Sofern die Menschen das Interesse zeigen.
Viele Grüße,
Sonja
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
HeinzGR, Chur, Tuesday, 22.11.2011, 22:38 (vor 5383 Tagen) @ nordlicht
Liebe Sonja,
freut mich sehr, dass Du dieses Thema bearbeitest! Grundsätzlich stelle ich immer wieder fest: Die Öffentlichkeit denkt zu wissen, was Epilepsie ist und stellt sich darunter pauschal einen typisch tonisch-klonischen Krampfanfall vor (wie auch oft im TV gezeigt). - Darum erste Priorität der Info: Es gibt noch viele ANDERE Formen von Epilepsie!! Wie z.B. der meinen Art: Ich habe manchmal kurze, 2 - 6 minütige Absenzen, schneide ein paar Grimmassen, lache dabei und krabble mit den Fingern - und fertig! Nach 6 Minuten geht meine Arbeit als Buchhalter / Bürolist / Abteilungsleiter o.ä. weiter! Ginge weiter, wenn nicht meine letzten 3 neuen Arbeitgeber beim ersten Anfall (waren noch nicht aufgeklärt!) völlig unnötig (!) die Notfall-Ambulanz gerufen hätten. Die Folge daraus: Fristlose Kündigung mit div. Alibi-Argumenten.
Warum nicht aufgeklärt? Bei vorgängiger Infos wird man sofort mit div. Vorurteilen (Unfähigkeiten) etc. behaftet. Situationen / Fragen wie: "...können wir Sie kurz 5 Min. unbeaufsichtigt im Büro lassen??" schmerzen sehr und bestätigen die Unwissenheit der Leute, dass Epilepsie nicht zwingend mit Nachteilen behaftet sein muss! Mein Werdegang zum dipl. Betriebswirtschafter und stv. Abteilungsleiter bestätigen eine vorbehaltlose, gleichwertige Arbeitsfähigkeit! Dies gilt für die MEISTEN aller Epileptiker! Trotzdem bin ich heute arbeitslos, ausgesteuert und sehr traurig über das Verhalten der Leute!
P.S. Ich bin sehr gerne bereit ausführlicher Auskunft zu geben und unterstütze Sie bei einer vertieften Aufklärung der Öffentlichkeit!
Freundl. Gruss, Heinz, 41, Schweiz
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
nordlicht, Wednesday, 23.11.2011, 07:20 (vor 5382 Tagen) @ HeinzGR
Guten Morgen HeinzGR,
es tut mir leid, was Ihnen in puncto Arbeitgeber widerfahren ist. Man denkt, dass das nicht sein kann und vor allem nicht sein darf. Aber welche Möglichkeiten gibt es, dagegen vorzugehen? Sicherlich könnte man mit einem Rechtsbeistand dagegen vorgehen. Aber will man sich wirklich in ein Arbeitsverhältnis klagen, viel Energie darauf verwenden? Ich bin mir nicht sicher, ob ich das schaffen würde.
Aussagen wie "Können wir Sie 5 min. unbeaufsichtigt im Büro lassen?" sind wirklich sehr verletzen, man fühlt sich als unmündig behandelt und vielleicht bekommt man auch das Gefühl, dass man auf anderen Ebenen (als z.B. die Arbeit an sich) genauer beobachtet wird? "Kann er/sie das überhaupt leisten?"
Vielen Dank für Ihr Angebot, ich habe sicher noch Fragen und werde mich rühren! Ich meinerseits wünsche Ihnen alles Gute bei der Suche einer neuen Arbeitsstelle und drücke die Daumen, dass sie dort auf Offenheit und Verständnis treffen,
Sonja
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
loewe.philipp, BaWü und Thüringen, Friday, 25.11.2011, 19:26 (vor 5380 Tagen) @ nordlicht
hallo nordlicht.
ich durchstöber gerade das ganze forum weil ich selber auf der suche nach vielen fragen bin.
deshalb bin ich auch bereit fragen zu beantworten.
Was wünschen sich Menschen mit Epilepsien von Mitmenschen/ der Gesellschaft?
in diesem fall kann man sich nichts wünschen. epilepsien sind ja nicht sichtbar.
ich hatte selber einen anfall in einem kino (nebenbei: twighlight. absolut beschissener film :D)
die personen neben mir haben überhaupt nicht reagiert, wollten mich sogar mit dem handy filmen, wurde mir danach erzählt.
ich hatte glück das vor mir zweu krankenschwestern saßen und mir geholfen haben.
so eine reaktion wünschte ich mir eigentlich gerne.
hilfsbereitschaft um es in einem wort zu sagen.
Wo und wie sollte Aufklärungsarbeit für Aussenstehende erfolgen?
aufklärungsarbeit ist sehr schwer. wie ich es oben schon gesagt habe sieht man es einem ja nicht an.
klar kann man sich belesen, bei ärzten liegen ja handzettel für alles aus aber der es nicht lesen will der macht es auch nicht.
was sehr sinnvoll wäre, wenn man in dem erstehilfe kurs für fahranfänger 5minuten darüber redet was man mit einem epileptiker machen soll wenn man es sieht. ein mal gehört, dann hat man es ja eine zeit im kopf.
Was für Ideen könnte man verwirklichen, um Betroffenen das Leben zu erleichtern?
das ist eine gute frage. aber ich habe keine antwort darauf.
ich hab zu viel verloren und wünsch mir mein altes leben wieder aber das kann mir keiner geben
Welche Erfahrungen macht man, wenn man offen mit seiner Erkrankung umgeht?
haha. mein lieblingsthema. jedem dem ich es erzähle glaubt mir es am anfang nicht.
ich bin 192cm groß und von natur aus ein kräftiger mann.
aber alle haben verständniss dafür wenn ich mich mal hinsetzen muss und pause brauch. viele vergessen es auch gerne wieder und erst nachdem ich es ihnen in erinnerung gerufen hab gehen die sehr gut damit um und geben einem zeit.
nur der arbeitsgeber nicht.
solange man keinen behindertenausweis hat wollen die von dir immer 100% leistung.
Wie kann man die Gefahr, in der Öffentlichkeit plötzlich durch die Folgen eines
Anfalls in Gefahr zu geraten minimieren?
personen die mehrere anfälle am tag/woche/monat haben können dir diese frage besser beantworten.
ich merk anfälle bis zu 2minuten davor. deswegen bring ich mich selber in sicherheit
Wo sind die größten Einschränkungen?
die nebenwirkungen und mit den nebenwirkungen zu leben.
die folge daraus das du dein leben auf einen schlag anderst leben musst.
nicht mehr wie früher weg zugehen wann und wie lange du willst.
du musst immer auf deinen körper achten
ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen
mfg philipp
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
nordlicht, Saturday, 26.11.2011, 08:47 (vor 5379 Tagen) @ loewe.philipp
Guten Morgen Philipp,
vielen Dank auch an Dich für Deine Mühe. Das Thema "Die Einschränkung des bisherigen bzw. normalen Lebens, sobald man von Epilepsie betroffen ist" teilen viele Menschen. Mehr auf den Körper zu hören, seine Gewohnheiten zu ändern, etc.
Und dass man es Dir nicht ansieht, was einerseits ja auch irgendwie gut ist, aber während eines Anfalls bei Dritten, die Dich nicht kennen erstmal zu Verwirrung führt "Huch, der saß doch eben noch hier und hat an seiner Apfelschorle genippt?!".
Leider habe ich von den Problemen mit dem Arbeitgeber nun auch schon häufiger gelesen.
Traurig finde ich Deine Beschreibung der Menschen im Kino. Zum Glück waren die Krankenschwestern da! Vielleicht ist das leider auch normal- so vele "Unwissende" oder Ängstliche auch rumlaufen, wenn nur eine/r bereit ist zu helfen, ist die Situation gerettet. Darum ist der Hinweis auf die Info innerhalb der 1. Hilfe Kurse wie von vielen anderen Forenmitgliedern auch echt gut. Die meisten Menschen machen einen Führerschein, somit ist der Kurs ja Pflicht.
Eine Verständnisfrage- mit den Nebenwirkungen meinst Du die sozialen Konsequenzen (Lebensführung, etc.), die körperlichen Auswirkungen oder auch Nebenwirkungen der Medikamente?
Vielen Dank,
Sonja
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
loewe.philipp, BaWü und Thüringen, Saturday, 26.11.2011, 10:48 (vor 5379 Tagen) @ nordlicht
hallo nordlicht
mit dem abschnitt meine ich beides.
die nebenwirkungen und mit den nebenwirkungen zu leben.
die folge daraus das du dein leben auf einen schlag anderst leben musst.
nicht mehr wie früher weg zugehen wann und wie lange du willst.
du musst immer auf deinen körper achten
sowohl die physische veränderung, als auch die psychische.
mein größtes problem ist es die ständige angst vor einem anfall.
anfallszeichen habe ich mehrere male in der woche.
mein vorteil ist das ich es ziemlich früh merke und mich dann schon auf den boden lege.
egal ob beim einkaufen, beim essen gehen oder in der arbeit.
mfg philipp
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
nordlicht, Saturday, 26.11.2011, 15:04 (vor 5379 Tagen) @ loewe.philipp
Hallo Philipp,
danke, dann habe ich Dich richtig verstanden. Ich wünsche Dir, dass Du trotz all der Einschränkungen, die Du durch die Epilepsie erfährst, weiterhin so aktiv am Leben teilnimmst, wie Du es beschrieben hast (ins Kino oder Essen gehen, etc).
Viele Grüße und ein schönes Wochenende
,
Sonja
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huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Saturday, 26.11.2011, 18:04 (vor 5379 Tagen) @ nordlicht
So - endlich finde ich Zeit, was zu antworten.
Was wünschen sich Menschen mit Epilepsien von Mitmenschen/ der Gesellschaft?
Ich persönlich würde mir wünschen, dass die wenigen Räume in unserer Gesellschaft, an denen unterschiedlichste Menschen neben der Arbeit oder der Familie noch zusammenfinden können, wieder mehr gesellschaftliche Anerkennung finden und Zulauf bekommen würden.
Damit meine ich z.B. die allgemeinen Sportvereine, die ja gar nix mit Epilepsie zu tun haben. Ich bezweifle, dass es ein besseres Mittel gibt, um Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern, als Menschen einen Raum zu bieten, an dem sie sich überhaupt erst einmal begegnen können.
Wo und wie sollte Aufklärungsarbeit für Aussenstehende erfolgen?
Aufklärungsarbeit in jeglicher Hinsicht ist meiner Meinung nach immer eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sportvereine z.B. können einen Begegnungsort schaffen, mehr aber auch nicht. Wenn keine Menschen mit Handicaps dorthin, sondern in eigene Gruppen gehen, hilft selbst die beste Begegnungsstätte nichts.
Ob so etwas in die Schule gehört, ist natürlich eine Frage, über die man geteilter Meinung sein kann. Angesichts der statistischen Überlegung, dass in vielen Schulen wohl mindestens 1 von Epilepsie direkt Betroffener zu finden ist, halte ich dies jedoch durchaus für ein relevantes Thema.
Außerdem muss endlich mehr Aufklärung, und nicht nur die über Extremfälle, über die Medien geschehen, da die Zahl der von Epilepsie betroffenen sich nicht hinter z.B. denen der Altzheimerpatienten verstecken muss und eine über alle Alters- und Gesellschaftsschichten verstreute Gruppe umfasst. Dazu zähle ich übrignes auch, dass endlich das Stereotyp des "Grand-Mal/Komplex-Fokal = Epilepsie" aus einer ganzen Reihe von Arztserien verschwinden sollte.
Was für Ideen könnte man verwirklichen, um Betroffenen das Leben zu erleichtern?
Mehr Aufklärung & mehr mediale Präsenz des Themas.
Welche Erfahrungen macht man, wenn man offen mit seiner Erkrankung umgeht?
Solche und solche - ich persönlich überwiegend positive, auch dahingehend, dass die Leute nachfragen und mehr dazu wissen wollen oder anfangen zu erzählen, dass sie jemanden kennen, der so etwas in der Art hat, den sie sích aber noch nie getraut haben, irgendwelche tiefergehenden Fragen dazu zu stellen(z.B.: "Hast Du eigentlich während des Anfalls schmerzen?" - um eine der ungewöhnlichsten, die mir bisher gestellt wurden, zu nennen).
Wie kann man die Gefahr, in der Öffentlichkeit plötzlich durch die Folgen eines Anfalls in Gefahr zu geraten minimieren?
Kommt auf Deine Epi an, ob Du ein Vorgefühl hast und welche Öffentlichkeit Du meinst.
Wenn Du aus heiterem Himmel umkippst, wäre es vielleicht ganz geschickt, an der roten Fußgängerampfel nicht so dicht am Straßenrand zu stehen, dass Dir die Autos schon beinahe die Zehenspitzen überrollen.
Wo sind die größten Einschränkungen?
Dort, wo man selbst keinen Weg findet, seine persönlichen Einschränkungen zu umgehen. Ist wieder von der Epi abhängig und worauf Du besonders empfindlich reagierst.
Für mich z.B. ist es kein Problem, auf Alkohol bei Feiern zu verzichten, auch wenn ich gerne ein alk.-freies Bier oder alk.-freien Sekt mittrinke, so es den gibt.
Ich persönlich empfinde es am Hinderlichsten dabei, eine feste Freundin zu finden. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich irgendwie ständig welche kennen lerne, die jedes Wochenende durchmachen wollen ich bei zwei Nächten Party von 22:00 bis 04:00 Uhr nicht mithalten kann.
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe
nordlicht, Sunday, 27.11.2011, 14:43 (vor 5378 Tagen) @ huge88
Hallo huge88,
Deine Idee, weniger in "Extragruppen" für Betroffene und mehr in allgemeinen Institutionen wie Sportvereinen zu machen, ist gut. Dann redet man nicht über die Erkrankung, sondern hat die Chance, sich mit den Betroffenen direkt auszutauschen. Ich empfinde es auch immer leichter, einen Menschen selbst zu kennen, der aus eigener Erfahrung etwas über ein Thema berichten kann, weil es dann authentischer ist. So, wie man früher in der Schule Lehrern den Stoff besser abnehmen konnte, wenn er selbst mal in der Materie drin war.
Und wie Du schon sagtest- man traut sich dann evtl. auch Fragen zu stellen, die man einem Fremden nicht stellen würde.
Danke für Deine Hilfe,
Sonja