Wieder nicht geklappt
sandra79, Friday, 27.01.2012, 11:50 (vor 5317 Tagen)
Hallo alle zusammen
eigentlich wollte ich erst hier wieder schreiben,wenn auch mal was positiv ist,aber irgendwie haut das bei mir gar nicht hin
Dabei war ich seit Ende des Jahres schon richtig zuversichtlich das sich endlich mal etwas ändert.
2010 war ein richtig sch..* Jahr,aber ich schieb das einfach mal auf meinem Gemütszustand zurück (mein Vater ist in diesem Jahr gestorben und ich konnte ihn jeden Tag ein bisschen mehr beim Sterben zuzusehn,hat nicht unbedingt zur vorgeschriebenen Ruhe bei mir gesorgt)
2011 ging es immer besser,zwischendurch hatte ich sogar mal ganze anfallsfreie Monate
,das war vorher noch nie der Fall! Ab August ging es wirklich stätig Berg auf - klar komplett anfallsfrei noch nicht,aber da war so ungefähr einmal im Monat einer,und im November und Dezember gar keiner
!
Dieses Jahr fing auch super an...bis letzte woche,da bin ich gefallen - allerdings ohne zu krampfen - und vorgestern bin ich auf der Arbeit gefallen und hab mir die Lippe durchgebissen,ob ich dort gekrampft hab,oder ich nur doof gefallen bin,weiß ich nicht,ich war allein und auch schnell wieder "da"
.
Das doofe war nur,das meine Chefin mich noch gesehn hat und da wieder einen riesen Aufstand draus macht...sie versuchen mich seit fast einem halben Jahr mich geschmeidig zu entlassen,das ganze läuft schon über einen Anwalt
- nach sechs Jahren fällt denen auf einmal ein,das ich Epileptiker bin! Die beiden Chefs sind relativ neu und neue Besen kehren bekanntlich gut
.Sie haben allerdings nicht mit Gegenwehr gerechnet
.
So,ich glaub das war´s erstmal mit Wut,Trauer und Selbstmitleid
Ich wünsche euch einen schönen anfallsfreien Tag
LG
Sandra
Wieder nicht geklappt
Mondenkind, Friday, 27.01.2012, 13:52 (vor 5317 Tagen) @ sandra79
Hallo Sandra,
ich hoffe trotzdem, dass das Jahr 2012 ein tolles Jahr für dich wird, auch wenn es jetzt gerade nicht so gut angefangen hat.
Wenn du nach dem Umfallen vorgestern relativ schnell wieder fit und klar warst, würde ich das normalerweise eher auf einen Kreislaufzusammenbruch schieben, als auf die Epilepsie. Oder wie sieht es sonst bei dir nach einem Anfall aus??
Meine Frage: Hast du einen Schwerbehindertenausweis?? Ich denke der würde dir zustehen (also mind. GdB 50).
Denn wenn du einen Schwerbehindertenausweis hast (und eigentlich auch schon ab Beantragung) steht das Integrationsamt hinter dir und deine Chefs müssen dann dem Integrationsamt glaubhaft machen, dass sie deine Stelle (und nicht die eines Kollegen) kürzen müssen.
Ganz liebe Grüße von
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Wieder nicht geklappt
Anton, Friday, 27.01.2012, 23:43 (vor 5317 Tagen) @ sandra79
Hallo Sandra,
ich kann dich gut verstehen. Du bist fertig, weil sich die positive Phase nicht fortgesetzt hat. Habe es in dieser Forum lange selbst erlebt. Es macht kaputt und führt zu Depressionen. Die Unberechenbarkeit der Epilepsie wird bestätigt, sie ist hinterlistig, man kann nicht planen, es kommt immer wieder zu Enttäuschungen.
Ereignisse der Art, wie Du sie hattest, habe ich in der schlimmen Zeit „Reizfaktoren“ genannt. Wenn ich mir irgendwie diese Reize vom Hals schaffen konnte, ist es realisiert worden. Es war kein Freibrief, anfallsfrei zu bleiben, hat mir jedoch zeitweise den Rücken frei gehalten.
Gut, dass Du einen Rechtsanwalt zu Rate gezogen hast. Hoffentlich einen Fachanwalt, der im Arbeitsrecht fit ist. Noch besser wäre ein Anwalt, der seinen Spaß daran hat, den Arbeitgebern bei Unrecht die Leviten zu lesen. Wir stellen in Deinem speziellen Falle fest, dass Krankheit kein Kündigungsgrund ist. Es kommt allerdings darauf an, was Du beruflich machst. Du dürftest zum Beispiel in Gesundheitsberufen nicht arbeiten, sofern Kontakt zu Patienten besteht. Gleiches gilt für Kindergärten und Altenheime.
Ich rate in Deinem Fall dringend von einem Schwerbehindertenausweis ab. Dann tritt ein, dass Du Deinen „Arbeitstag“ nicht bei den Arbeitgebern, sondern auf den Ämtern verbringst. Als Schwerbehinderter einen Job zu bekommen, ist fast unmöglich, es ist ein Kunststück. Wer meint, die Firmen sind gesetzlich verpflichtet, Schwerbehinderte einzustellen, täuscht. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie sich „freikaufen“ können und es auch machen. Wenn in den Stellenangeboten steht, „Bei gleicher Eignung werden Schwerbehindete bevorzugt“, erfolgt es nur, um einen sozialen Touch vorzutäuschen. Es ist leider nur zum Schein und entspricht nicht der Realität.
Du musst noch fast 35 Jahre arbeiten, wenn Du in dieser Zeit „Bettelgänge“ machen möchtest, ist der Ausweis das richtige Papier. Der Schwerbehindertenausweis würde nur einen Sinn machen, wenn Du verbeamtet oder im Öffentlichen Dienst tätig bist.
Oberste Priorität sollte die Gesundheit haben. Das Wichtigste wäre, die anfallsfreie Zeit fortzusetzen. Du solltest dich zuerst fragen, wie es zu den augenblicklichen Ereignissen gekommen sein könnte. Es gibt viele Möglichkeiten, sie solltest Du mit Deinem Arzt, besser Facharzt für Epileptologie, besprechen. Ich wünsche, dass sich die anfallsfreie Zeit bald wieder einstellt. Und wünsche dir gute Besserung.
Es grüßt dich herzlich
Anton
--
Die Informationen ersetzen auf keinen Fall die Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Bitte wenden Sie sich an ihren Neurologen!
Weitere Beiträge finden Sie in meinem Profil!
Bitte auf "Anton" auf der Kopfleiste klicken.
Wieder nicht geklappt
Green, Friday, 27.01.2012, 23:55 (vor 5317 Tagen) @ Anton
Hallo Sandra
auf alle fälle ist ein Schwervehindertenausweis nicht schlecht...allein für die Steuererklärung oder je nachdem für Ermässigungen im Schwimmbad/Bahncard/freies fahren in öffentlichen Verkehrsmittel usw. ES ist dann immer noch deine frei Entscheidung das beim Arbeitgeber vor zulegen....den das musst Du nicht ...Du kannst IHn haben ohne das ein Arbeitsamt/Arbeitgeber was davon weis.
Gruss Green
Wieder nicht geklappt
Musica, Saturday, 28.01.2012, 08:51 (vor 5316 Tagen) @ sandra79
Hallo Sandra, ich muß Anton was den Schwerbehindertenausweis angeht, leider sehr recht geben. Ich arbeite im Öffentlichen Dienst. Man kann mich zwar nicht entfernen, es gibt aber auch andere Mittel. Mein Behindertenausweis hat mir bisher ermöglicht zum halben Preis in Museen zu gehen. Mehr nicht. Lieben Gruß,Musica
Wieder nicht geklappt
sandra79, Saturday, 28.01.2012, 20:39 (vor 5316 Tagen) @ Musica
Hallo
also ich muss sagen,hier in diesem Forum zu sein und alles mit euch teilen zu können,tut wirklich sooo gut
Einen Schwerbehindertenausweis hab ich seit ca. 3 Jahren,zuerst waren es 50%,jetzt wurde er auf 60 % aufgestockt.Ich wollte ihn zuerst gar nicht,ich dachte er lenkt dann nur noch mehr auf meine "Unnormalität"
.Ich hab ihn eigentlich auch damals nur beantragt,für den Fall das es auf der Arbeit mal Probleme geben sollte...Was damals wirklich ein absurder Gedanke war.
Ich habe einen relativ bekannten Anwalt für Arbeitsrecht - die ersten zwei Schreiben,die an die Firma gegangen sind,hatten es wirklich in sich und alles wurde ganz kleinlaut.Das ist noch so eine Sache,die mich richtig auf die Palme bringt,alle sind so sch... freundlich zu mir,als wenn nichts wäre!
Mit dem Intreagionsamt stimmt auch,und es sieht keine Bedenken,mich weiter zu beschäftigen
Ich muss dazu sagen,es wurde nie eine Kündigung ausgesprochen,es sei ja alles zu MEINEM besten,sie seien nur um meine Gesundheit besorgt!
Ich habe natürlich mit meinem Arzt darüber gesprochen,er meint,wenn ich diesen Beruf nicht ausüben könnte,dann gäbe es auch keinen anderen!
Ich arbeite als Kassierin für eine größeren Discounter.Allerdings muss man ja mittlerweiler sehr flexibel sein.
Ein schönes Wochende noch
LG
Sandra
Wieder nicht geklappt
Green, Saturday, 28.01.2012, 20:52 (vor 5316 Tagen) @ sandra79
Hallo
Sandra
bist du nun gekündigt oder nicht? Und wenn nicht was ist den das Problem?
GRuss Green
Wieder nicht geklappt
sandra79, Sunday, 29.01.2012, 10:18 (vor 5315 Tagen) @ Green
Guten Morgen Green
nein, eine offizielle Kündigung wurde noch nicht ausgesprochen,allerdings meinte der Anwalt darauf wird es wohl hinaus laufen,sie winden sich wie Aale - es sieht ja auch weit aus besser aus,wenn ich kündigen würde,aber darauf können sie lange warten!!!!!!!
Es gab bisher einige Gespräche,wo mir dann vorgehalten wurde,dass ja alles so furchtbar gefährlich wäre,z.b. wenn ich fallen würde und ich Glas mit hinunter ziehen würde,oder spitze Kanten in der Nähe sind etc. Ausserdem, und das fand ich ja sowas von aberwitzig - würden die restlichen Kollegen pysisch unter mir leiden
.Auf mein Argument,das ich in anderen Berufen ja auch Kollegen hätte,wussten sie nichts zu sagen.
Naja,mal sehn was kommt,ich werd ihnen das auf jeden Fall so schwer und teuer wie möglich machen.Die Angst ist halt,nichts neues zu finden - wer nimmt uns denn schon so schnell,ich habe lange gesucht und viele Stellen hinter mir,aufgrund der Krankheit an sich,oder auch Nebenwirkungen von Medis
.
LG
Sandra
Wieder nicht geklappt
Mondenkind, Sunday, 29.01.2012, 12:05 (vor 5315 Tagen) @ sandra79
Hallo Sandra,
Es gab bisher einige Gespräche,wo mir dann vorgehalten wurde,dass ja alles so furchtbar gefährlich wäre,z.b. wenn ich fallen würde und ich Glas mit hinunter ziehen würde,oder spitze Kanten in der Nähe sind etc.
Oh, das kenne ich... ich hab mal während dem Studium Freizeiten betreut. In meinem ersten Jahr dort sagte ich nichts, war schon länger anfallsfrei... im zweiten Jahr dann traten die Anfälle wieder vermehrt auf, so dass ich wie bisher immer, der Leiterin sagte "ich wollte nur sagen, ich hab Epilepsie...", ihr Kommentar zurück "Na Mondenkind, dann müssen wir mal schauen, ob du dann überhaupt noch mitfahren kannst."
Es wurden Schauergeschichten erfunden. Ich hab einen Anfall, ein Kind sieht das und läuft vor Angst auf die Straße vor ein Auto - oder ich soll 1. Hilfe bei einem Kind machen, was natürlich Stress bedeutet (den Stress löst ja Anfälle aus...) und bekomme dann stattdessen einen Anfall...
Es gab viel Diskussion hin und her und im Endeffekt sollte ich, wenn ich mitfahre als "Jugendlicher" gelten, sprich ich durfte nichts mit den Kindern alleine machen, immer musste einer der anderen mit dabei sein... und dafür ließen sie dann die anderen Betreuer abstimmen, die sich 3:1 gegen mich entschieden... (von denen 3 im letzten Jahr mit mir Kinder betreut hatten).
Wie du siehst es gibt noch mehr so bescheuerte Leute auf der Welt.
Nach dieser Aktion bin ich im übrigen vorsichtiger geworden, wem ich von meiner Epilepsie erzähle und wem nicht...
Ich muss dazu sagen, dass ich seit 1994 Freizeiten der katholischen Kirche betreute, sprich die Betreuer dort haben zum Teil den Anfang meiner Epilepsie miterlebt und es war nie ein Problem. In den ganzen Jahren hatte ich zweimal einen Anfall während einer Freizeit - dann legte ich mich hin, schlief ein wenig und gut war. Die Kinder, die es sahen, bzw. die es interessierte erklärten wir auch, was los war und es gab nie Probleme.
Es geht also auch anders.
Lieben Gruß
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)