Schule und Lehrer - Epilepsie
Hallo liebe User,
ich bin Epileptiker seit etwa 8 Jahren. Ich habe bereits verschiedenste Antiepileptika ausprobiert und werde aber nicht anfallsfrei. Mein Vorteil: Ich habe nur schlafgebunden Anfälle (wenn auch manchmal Grand-mal-Anfälle) bzw. in Aufwachphasen und bin dadurch gesellschaftlich eher unbeeinträchtigt bzw. es besteht kaum Gefahr bei mir, tagsüber einen Anfall zu bekommen. Nebenwirkungen nimmt man gerne in Kauf, wenn man nicht jede Nacht mit einem Anfall rechnen muss.
Ich bin Industriekaufmann, war bereits ein Jahr in Peru und habe einen Freiwilligendienst geleistet. Trotz meiner Epilepsie hab ich mich bisher nie davon abhalten lassen, Wege zu gehen die mir wichtig sind. Was mir gut tut, tut auch meiner Krankheitssituation gut. Ich stehe mitten im Leben und bin glücklich!
ABER:
Ich möchte studieren (Sonderpädagogik bzw. Psychologie oder Pädagogik) und mache deshalb gerade mein Abitur auf einer bayrischen Berufsoberschule nach.
Aufgrund meiner Anfallssituation fehle ich leider häufig in der Schule. Mir fällt es schwer bzw. es ist nervenaufreibend immer so viel nachzuholen. Stress fördert Anfälle aber ich möchte mein Ziel verfolgen und das Abi irgendwie durchziehen! Gott sei Dank war es nach mehreren Anfragen in der Schule dann möglich, zumindest nicht immer ein Attest holen zu müssen, wenn ich mal wegen eines Anfalls fehle. Ich habe ein Attest abgegeben, was meine Situation beschreibt. Das war schon mal das erste, wo die Schule anfangs noch "doof" getan hat.
Leider stehe ich in den Fächern Mathe und Deutsch sehr schlecht. Es besteht die Gefahr das Abi nicht zu schaffen. Gerade auch mit diesen beiden Lehrern habe ich irgendwie meine persönlichen Probleme. Ich bin unmotiviert mehr zu tun und beziehe glaube ich auch zu häufig alles auf meine Epilepsie. Dennoch bin ich mit 22 erwachsen genug, um mir nicht alles Gefallen zu lassen und Kontra zu geben, wenn Lehrer meinen mich von der Seite anmachen zu müssen. Ich möchte mein Abi natürlich nicht geschenkt haben, aber ich finde es nicht in Ordnung, dass man es einem schwerer macht, als es nicht ohnehin schon wäre. Ich muss vermutlich zu einer mündlichen Nachprüfung in Deutsch und den gesamten Jahresstoff wiederholen, weil ich ja so oft fehle. Ich fehle durchschnittlich alle 5-6 Tage mal. Alle anderen Lehrer bekommen es gebacken, mich auszufragen. Diese Lehrerin hatte auch schon des öfteren die Möglichkeit. Was mich am meisten daran stört ist, dass die Nachprüfung mit meinen Klassenkameraden an einem Tag diskutiert wurde, als ich aufgrund eines Anfalls die Schule wieder nicht besuchen konnte. Meine Klasse war hinter mir gestanden, meiner Meinung nach suchte die Lehrerin Bestätigung bei meinen Mitschülern, dass das alles doch gerechtfertigt wäre, schließlich würde ich so oft fehlen und hätte mehr Freizeit etc. Mein Klassenlehrer haut auch so Sprüche raus von wegen, wenn ich weiter so viel fehle, würde ich das Abi ja eh nicht bestehen.
Mir geht es in erster Linie nicht um eine Nachprüfung, da diese ja zu rechtfertigen wäre. Auch wenn andere Lehrer meine Situation vollstens nachempfinden können und Interesse an mir und meiner Epilepsie zeigen, sich in die Situation versuchen hineinzuversetzen und mich als normalen Schüler wahrnehmen, welcher ich ja auch bin. Mit guten und schlechten Noten, lebensfroh und mitten im Leben stehend.
Ich fühle mich diskriminiert und werde die Aussprache suchen. Vielleicht interpretiere ich auch zu sehr ins Negative. Dennoch zieh ich als Schüler immer den kürzeren. Die Lehrer die ich anspreche treten auch nicht als Pädagogen auf. Ich bin motiviert ihnen zu zeigen, was ich drauf hab. Ich möchte mir allerdings von diesen Menschen nicht Zeit stehlen lassen, indem ich das Abi vielleicht doch nicht schaffe. Ich wüsste auch nicht ob ich so ein Jahr nochmals bestehen würde. Ich mache viel für die Schule, aber es ist verdammt nervenaufreibend und stresslastig. Das Studium wird nicht einfacher, aber ich bin flexibel und befasse mich mit Themen, die mich ernsthaft interessieren und mir Freude bereiten!
Ich bin einfach verzweifelt und demotiviert. Leider weiß ich nicht, wie ich auf die Lehrer zugehen soll, die irgendwie mies mit mir umgehen. Ich bin weißgott kein Sensibelchen, aber ich werde das nicht so stehen lassen. Das ist unfair und diskriminierend. Am liebsten würde ich denen das so auch auf die Nase reiben, mitsamt meiner Emotionen diesbezüglich.
Könnt ihr mir vielleicht Tipps geben, wie ich am besten an eine Aussprache herangehe? Ich werde auch mal die Schulpsychologin um Rat fragen.
Liebe Grüße!
Euer -chevere- :)