Verzweifelt , Angst und keine Ahnung

Zerra, Thursday, 01.03.2012, 19:09 (vor 5283 Tagen)

Hallo,

ich möchte mich bei euch vorstellen. Ich heiße Saskia und bin die Mutti zweier ganz tollen Mädchen. Colien ist 8 Jahre und Melissa 1 Jahr alt.

Unsere kleine Melissa wurde sieben Wochen zu zeitig geboren nach einer etwas komplizierteren Schwangerschaft. Sie entwickelte sich ganz normal.
Im August 2011, da war sie 7 Monate alt, bekam sie ihren ersten Krampfanfall aber in Verbindung mit Fieber. Sie krampfte am ganzen Körper und hörte auf zu atmen, ich musste sie wiederbeleben. Nach dem ersten Krampf, krampfe sie ca. 30 Minuten später noch einmal aber diesmal ohne Atemstillstand.

Im Oktober, November und Januar folgten weitere Anfälle, immer kompliziert und auch ohne Fieber. Es viel uns auch immer häufiger auf, dass sie einfach aufhörte zu spielen, zu essen, zu lachen und kurz bis lang einfach so verträumt durch die Gegend schaute.

Im November hatte sie mehrere Anfälle und einer Dauerte fast eine Stunde. Erst fing der Mundwinkel an, das breitete sich dann schnell über die gesamte rechte Seite aus. Nach Diazepan krampfte sie das seitengleich und als der Notarzt eintraf, musste er noch einmal ein entkrampfendes Medikament spritzen.
Erst im November begann die weiterführende Diagnostik, Liquorpunktion, EEG, Schlaf-EEG und MRT.

Bei der Liquorpunktion zeigte sich eine Blut-Schrankenstörung.
Das MRT war gut.
EEG war gemischt, es gab Anhalte aber nix kongretes. Eine Funktionseinschränkung des hinteren rechten Hirnbereichs. Es zeigten sich rasche Aktivitäten.

Entlassung ohne Medikation!

Im Januar krampfte sie erneut. Ein EEG bei einer niedergelassenen Spezialisten ergab "Spikes" und rasche Folgen. Wie bekamen Orfiril. Seit dem bricht Meli jeden Morgen und jeden Abend über mehrere Stunden. Jetzt muss es abgesetzte werden. Sie wiegt nur 8,5 kg und ist recht klein aber super entwickelt. Sie isst allerdings nicht, sondern trinkt nur Milch.
Wir sind fix und fertig, erst im April sind wir zum 24h EEG Monitoring bestellt, bis dahin müssen wir uns durchwurschteln. Aber das Medikament will und werde ich nicht weitergeben. Sie hat schon eine entzündete Speiseröhre und eine Magenentzündung. Wenn man am Tag 8 mal bricht und zum Schluss nur noch Galle, dann ist das keine Leben. Aber es gibt keine richtigen Medis für so kleine Kinder.

Ich bin in einem absoluten Tief angekommen und an machen Tagen, denke ich, dass ich dem nicht gewachsen bin. Wie soll ihr Leben weitergehen? Wird sie behindert? Kann sie unbeschwert leben? Alles dreht sich und ich kann ihr nicht helfen, sie ist doch erst ein Jahr alt!!! Warum sie?

Noch nicht mal einen Namen für ihr Leiden haben wir! Epilespie ja aber welche Form!
Entschuldigt, dass es so lang geworden ist aber ich hoffe hier sehr auf nette, aufbauende Worte.

Verzweifelt , Angst und keine Ahnung

shennig, Thursday, 01.03.2012, 19:29 (vor 5283 Tagen) @ Zerra

Hallo Zerra,

ich bin jetzt 21 jahre alt. Epilepsie wurde bei mir erst 2001 festgestellt. Für meine Mutti war das eine "schlimme Nachricht". Wir wollten zur damaligen Zeit in den Urlaub fahren aber daraus ist nicht geworden. Ich lag ca.4wochen im KH.

Festgestellt wurde "Fotoepilepsie". Wie sollten wir damit Umgehen? Warum trifft es mich? All diese Fragen haben wir uns auch gestellt.
Nach einem ausführlichem Gespräch, mit dem behandeltem Arzt war es etwas einfacher für uns.

Das Medikament Orfiril hatte ich auch. Hab dieses auch nicht vertragen. Ich nehme im Moment Lamotrigin.
Dein Tochter wird bestimmt nicht behindert werden. Warum kommst du darauf?

Wenn du noch was wissen möchtest würde ich mich freuen, wenn du mir schreibst.

LG

Verzweifelt , Angst und keine Ahnung

Musica, Thursday, 01.03.2012, 19:30 (vor 5283 Tagen) @ Zerra

Liebe Zerra, es ist überhaupt keine Frage, daß Ihr verzweifelt seid. Du brauchst alle Kraft, die Du nur irgendwie auftreiben kannst. Aber das wirst Du tun. Für die eigenen Kinder wachsen bei Müttern ungeahnte Energien. Ich verstehe, daß Du ihr diese Medii´s nicht geben willst..Wenn sie mehr schaden als nützen. Aus den Augen darfst Du sie ja eso nicht lassen. Alle möglichen Untersuchungen stehen an. Es wird ein Ergebnis geben. Daran kann man sich neu orientieren und ärztl. Rat annehmen. Du sagst, sie ist sonst super entwickelt. Das ist ein guter Grund, sich zu freuen und eine berechtigte Hoffnung. Könnte ja auch anders sein. Eine Behinderung ist Epi auf jeden Fall, aber nur diese an sich.Da muß nichts mehr hinzukommen. Dein Kind ist noch so klein. Es gibt in der Zukunft sicherlich bessere Behandlungsmöglichkeiten als heute. Alles Gute und durchhalten. Lieben Gruß, Musica

Verzweifelt , Angst und keine Ahnung

Tanni, Varel, Friday, 02.03.2012, 08:51 (vor 5282 Tagen) @ Zerra

Hallo Zerra,
ich verstehe Dich und denke aber das man als Mutter (habe selbst zwei Kids) das schafft.
Kannst Du nicht in eine Reha/Kur überwiesen werden? Ich war aufgrund meiner Epilepsie in Bethel da gab es eine tolle Kiner Station. Dort waren viele Eltern mit ihren Kinder, und sogar Babys. Hat Dir das noch kein Arzt geraten oder Euch dorthin überwiesen?

Ich wünsche Euch viel Kraft und alles liebe,
Tanni

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Ich lebe jetzt und heute!

Verzweifelt , Angst und keine Ahnung

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Friday, 02.03.2012, 10:46 (vor 5282 Tagen) @ Zerra

Hallo!

In wie fern wurde denn bei Deiner Tochter - nach Auftreten der Nebenwirkungen - Leber- und Bauchspeicheldrüse z.B. per Blutbild und Ultraschall vom Kinderarzt kontrolliert? Laut Beipackzettel von Orfiril, hab ihn gerade mal gegoogelt, kann das Medikament sich besonders bei Kleinkindern längerfristig negativ auf deren Funktion auswirken - und die Gallenblase hängt ja quasi förmlich an der Leber und laut Beipackzettel ist Erbrechen eines der möglichen Symptome davon. Wenn eines der Organe nämlich beeinträchtigt sein sollte, könnte man dort vielleicht erst einmal die Ursache des Erbrechens behandeln, was ihr insgesamt helfen könnte(z.B. könnte sie dann wieder mehr zunehmen und dann könnte sich ihr Körper wieder besser selbst reparieren).

Wart ihr bisher nur in einfachen Kliniken oder auch schon einmal in einem Epilepsiezentrum oder einer sonstigen speziellen Fachklinik für Kinderneurologie?

Wenn der behandelnde Arzt von Deiner Tochter persönlich anruft bei einem der Epilepsiezentren anruft und richtig starken Druck macht, solltet ihr eigentlich schnellstens einen Notfalltermin ohne die sonst oft langen Wartezeiten bekommen - und wenn ihr ganz weit oben auf der Liste derjenigen landet, die sofort eingeschoben werden, wenn jemand seinen Termin kurzfristig absagt.
Gerade wenn, wie ich das Deinem Schreiben entnehme, die Blut-Hirn-Schranke sich nicht normal verhält, braucht es für die Einstellung einer möglichen Medikamentation(ist bei Kleinkinder allgemein ja schon ein großes Problem) Spezialisten, um allein schon einmal ein passendes Medikament auszuwählen.

--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Verzweifelt , Angst und keine Ahnung

Zerra, Friday, 02.03.2012, 13:44 (vor 5282 Tagen) @ Zerra

Hallo,

danke für die tollen Antworten!
Ich werde versuchen, einige Fragen zu beantworten. Melissa wird in der Uni Dresden behandelt und wir sollen an eine Epilepsie-Ambulanz angegliedert werden. Im April haben wir das EEG Monitoring, dass ist noch so ewig lange hin und dann stehen wir auch nur mit "Bleistift" drin.
Unsere Kinderärztin ist Neuropädiaterin und hat schon wild getobt!

Die Leberwerte sind okay aber Eisen stark verringert. Da bekommen wir jetzt Ferro sanol. Gegen das Erbrechen,.wir sind ja gerade in der Reduzierungsphase, bekommt sie Vomex. Da sie von Orfiril schon immer müde ist, schläft sie mit Orfiril und Vomex fast den ganzen Tag. Erst in 3 Wochen haben wir das Medi ausgeschlichen.

Heute nach dem Mittag waren wir draußen, da ist sie durch die Gegend gestapft und hat an einer Blume geschnuppert und gestrahlt. Sie hat den ganzen Vormittag gebrochen, fast 10 mal und trotzdem hat sie so viel Freude. Da sind mir einfach nur die Tränen gekullert. Weil ich es nicht ertrage, wie es ihr geht!!! Ich pack das nicht, ich habe schon Panik, wenn ich dran denke, dass sie am Abend 2,5ml Orfiril bekommt und dann bis ca 10 Uhr bricht und weint und erschöpft in meinen Armen einschläft...

Eine Kur hat uns noch niemand angeboten aber da werde ich nachfragen!
Ich habe Angst, dass sie behindert wird, weil Anfälle im Kleinkindalter böse Folgen hinterlassen können. Aber das wäre jetzt wohl das kleinere Übel.

Glaubt ihr, dass es die Zeit einfacher macht und ich damit umgehen kann. Gerade glaub ich nicht dran *volldeprie*.

Lg

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Green, Friday, 02.03.2012, 14:20 (vor 5282 Tagen) @ Zerra

Hallo

schau doch mal unter www.famoses.de dort wie hier auch findest du Adressen von Epilepsieberatungsstellen und oder SHGs.
Alles gute.

Green

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Musica, Friday, 02.03.2012, 21:43 (vor 5282 Tagen) @ Zerra

....einfacher erst, wenn eine Behandlung etwas bringt. Aber das wird der Fall sein und die Zeit arbeitet und man lernt, besser damit umzugehen. LG, Musica

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Nachtfee, Saturday, 24.03.2012, 00:07 (vor 5260 Tagen) @ Zerra

Hallo,
Habe gelesen dass ihr gegen das Erbrechen Vomex gebt. Hat mich sehr gewundert da Vomex bei Epi eigentlich kontraindziert ist da es über das zentrale Nervensystem wirkt!!!!! So wurde es uns vom SPZ gesagt als unsere kleine MagenDarm hatte.

LG

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keppra1000, Friday, 02.03.2012, 22:01 (vor 5282 Tagen) @ Zerra

Hallo Saskia,

hoffe dass es deiner kleinen schon besser geht. Ich habe ebenfalls von geburt an Epilepsie. Du hast geschrieben, dass deine kleine orfiril bekommt. Kannst du mir sagen, in welcher Dosis sie das bekommt? Frage das, weil dies doch ein Medikament mit vielen Nebenwirkungen ist. Ich habe soweit ich mich erinnern kann im Kindesalter das Medikament Mylepsinum bekommen, bevor ich im alter von ca 10 Jahren auf Resimatil umgestellt wurde. Was du beschreibst, dass Sie manchmal irgendwie abwesend wirkt, könnten sog. Absencen sein. Weis zwar nicht woher du bist, aber wenn es möglich ist würde ich Dir empfehlen mit der kleinen mal in ein gutes Epilepsiezentrum zu fahren, und sie dort mal ordentlich durchchecken zu lassen. Dafür würde ich Dir, wenn es nicht zu weit weg von Dir ist, das in Erlangen empfehlen. Ich selbst war mal für 4 Wochen in Bielefeld/Bethel, war aber nicht zufrieden damit. Das einzige was die mit mir gemacht haben, war ein Medikamenteneinnahmetraining (MET), und es wurde jeden zweiten tag Blut abgenommen um den Medikamentespiegel zu kontrollieren, aber das war alles. Du hast zwar was vom Hausarzt geschrieben, soweit ich mich daran erinnern kann, aber nicht ob Du mit deiner kleinen auch in Fachärztlicher Behandlung bist. Falls du das noch nicht bist, rate ich Dir dringend dazu. Denn nur vom Facharzt bekommst Du für die Kleine auch die nötigen Medikamente, und Überweisungen zu anderen Fachärzten. Jetzt wünsche ich erstmal deiner kleinen, Gute Besserung, und eine lange Anfallsfreie Zeit. Dir wünsche ich, da Dich deine kleine in der Zeit besonders braucht, viel Energie, Kraft und Ausdauer. Wäre schön bald wieder von Dir zu lesen, vor allem, dass es deiner kleinen viel besser geht. Bis dann?:-)

Verzweifelt , Angst und keine Ahnung

Zerra, Tuesday, 06.03.2012, 12:44 (vor 5278 Tagen) @ keppra1000

Hallo,

die Tageshöchstdosis beträgt 300mg aber wir sind schon gut mit der Reduzierung vorangekommen. Sie bricht davon andauernd. Jetzt müssen wir am 16.04. zum EEG Monitoring über 24h und dann hoffe ich, dass sie uns was anderes geben. Wir leben in Dresden und die Uni hat ne gute Ambulanz.

Meine Kia ist eine Fachärztin für Neurologie, Schwerpunkt Epilepsie. Sie kann alles machen! Es geht ihr besser, dank der Reduzierunv bricht sie weniger.

Lg

Verzweifelt , Angst und keine Ahnung

keppra1000, Tuesday, 06.03.2012, 13:12 (vor 5278 Tagen) @ Zerra

Hallo Zerra,

freut mich zu hören, dass Ihr gut mit der Reduzierung der Medikamente vorankommt. Habe mich im Internet nach den Nebenwirkungen von Orfiril erkundigt, und da war auch das Erbrechen aufgeführt. Und bei den einen einen wirkt sich Orfiril mit Gewichtszunahme, bei den anderen mit Gewichtsverlust aus. Aber es dürfte heutzutage kein Problem mehr sein, das Richtige Medikament für Deine kleine zu finden, wo es doch heute schon so viele Medikamente gegen diese Krankheit gibt. Hoffe es jedenfalls für Dich und Deine kleine. Denn erstens sind die Schmerzen für Deine kleine eine Qual, und zweitens ist es für Dich als Mutter auch nicht leicht Deine kleine immer so zu sehen.

Wünsch vor allem Deiner kleinen gute Besserung, und Dir viel Energie für die noch bevorstehende Zeit.

Lieben Gruß zurück. :-)