Probleme in der Öffentlichkeit
Profiler, Weinheim, Monday, 16.04.2012, 21:36 (vor 5236 Tagen)
Hi @all,
Wenn ich mit dem Behindertenausweis ankomme, verschwindet meist das Lächeln des Gegenüber.
Die nächste Stufe ist dann, wenn ich mich mit der Epi "oute", gleich wird der Abstand grösser.
Zuletzt werde ich nach meinem Beruf gefragt und das Wort "Frührentner" macht den Rest!
Das durfte ich bei "Freunden", Bekannten, Nachbarn, Eltern der Mitschüler meiner Kinder, Beamten...usw. erleben!
Schade, doch ein weißer Rabe hat es schwer!
Habt ihr ähnliches erlebt?
LG Profiler
Probleme in der Öffentlichkeit
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Monday, 16.04.2012, 21:44 (vor 5236 Tagen) @ Profiler
Wo kommst Du denn groß mit dem Behindertenausweis an, bevor Du sagst, dass Du Epi hast? Also bei mir ist's wenn schon eher umgekehrt. Erst erfährt jemand von meiner Epi und je nachdem wie er reagiert/wie notwendig es ist, auch von dem Ausweis.
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Probleme in der Öffentlichkeit
Profiler, Weinheim, Monday, 16.04.2012, 22:11 (vor 5236 Tagen) @ huge88
Wo kommst Du denn groß mit dem Behindertenausweis an, bevor Du sagst, dass Du Epi hast? Also bei mir ist's wenn schon eher umgekehrt. Erst erfährt jemand von meiner Epi und je nachdem wie er reagiert/wie notwendig es ist, auch von dem Ausweis.
Das liegt doch auf der Hand!
Im Zoo, im Zug, im KIGA...denn das Zählt und wird auch eher toleriert!
Meine Krankheit geht erst mal niemand etwas an und wirkt oft abschreckend.
Die Personen die dich näher kennen, als auch deren Freunde usw. wissen das in der Regel, da sich sowas ja "rumspricht"!
Das beruht auf dem bekannten "Schneeballeffekt".
Also das sind meine Erfahrungen, wenn Du damit noch keine Probleme hattest, freut es mich für Dich!
Ich stehe zu meiner Krankheit, doch auf die Reaktionen Anderer habe ich meist keinen Einfluss.
LG Profiler
Probleme in der Öffentlichkeit
Mondenkind, Monday, 16.04.2012, 22:30 (vor 5236 Tagen) @ Profiler
Hallo Profiler,
Probleme mit / wegen meinem Schwerbehindertenausweis hatte ich nie (hatte bis letzten Sommer einen GdB von 80, plus G & B - seit August nur noch einen GdB von 50).
Was ich gemerkt habe, waren fragende oder überraschte Blicke, z.B. in der Bahn, so getreu dem Motto "Was die wohl hat? Man sieht ihr ja gar nichts an." Aber da stand ich dann drüber.
Lieben Gruß
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Probleme in der Öffentlichkeit
Green, Monday, 16.04.2012, 22:51 (vor 5236 Tagen) @ Profiler
Da fällt mir zu ein.... Ja und?
Dann ist das halt so. Manchem gefällt auch meine Jacke nicht oder wie ich meinen Kaffee trink.Mensch ich schau in die Gesichter dann und sag hab keine Angst ich hab auch keine und das wird schon...oder ich sag seh zwar nicht aus wie 1oo Prozent aber bin trotzdem kaputt.
Gruss Green
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Musica, Monday, 16.04.2012, 23:02 (vor 5236 Tagen) @ Profiler
Ja, kenne ich. Erstaunter, ungläubiger Gesichtsausdruck. Komisches Grinsen, am Schlimmsten aber Mitleid.Lg, Musica
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Nachtfee, Monday, 16.04.2012, 23:18 (vor 5235 Tagen) @ Profiler
Hi,
Was ich noch schlimmer finde wie Mitleid ist der Spruch: stell dich nicht so an früher ist man auch nicht wegen jedem Sch... Zum Arzt gegangen. Und der beste Spruch habe ich letzte Woche zum hören gekriegt. Mit einem kranken Mann setzt man ja auch keine Kinder in die Welt. Diejenige soll bloß froh sein, dass ich alle 3 Kinder dabei hatte und meine Antwort schlucken musste. Na ja Hauptsache das Mundwerk war offen und der Senf dazu gegeben.
LG
--
Wahrheit ist eine Fackel, die durch den Nebel leuchtet, ohne ihn zu vertreiben. -
Claude Adrien Helvetius
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Profiler, Weinheim, Monday, 16.04.2012, 23:58 (vor 5235 Tagen) @ Nachtfee
Hi,
zum Schluss noch ein Erlebnis, dass ich mit meiner Frau vor fünf Jahren hatte.
Wir saßen bei der Caritas einer "Tante"(Sachbearbeiterin) gegenüber.
Mitten im Gespräch meinte sie zu meiner heutigen Frau: "Sie werden den doch nicht
heiraten wollen, wissen sie überhaupt was sie sich damit antun?"
Ist wirklich passiert und wir regen uns jedesmal erneut auf!
Schon der Hammer, oder?
LG
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mascha, Tuesday, 17.04.2012, 12:05 (vor 5235 Tagen) @ Profiler
da habe ich auch eine nette Geschichte zu berichten. Wir wollten für meine große Tochter aus erster Ehe eine Namensänderung erwirken, als ich wieder geheiratet habe und meine 2. Tochter da war. Da sagt die vom Amt, sie sähe da keine Notwendigkeit, denn bei dem Altersunterschied(7 J ) würden die beiden eh nicht wie Geschwister aufwachsen. Und wenn alle gleich heißen sollen, dann könne ja auch mein Mann, ich und meine kleine den Namen meines Ex-Mannes annehmen...
Hammer oder?Aber deine ist auch nicht schlecht
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Profiler, Weinheim, Tuesday, 17.04.2012, 12:18 (vor 5235 Tagen) @ mascha
Die hatte bestimmt noch jede Menge Restalkohol vom Vortag oder dem Frühstück
im Umlauf!
Hast Du dich beschwert?
LG
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mascha, Tuesday, 17.04.2012, 12:45 (vor 5235 Tagen) @ Profiler
..ich glaube sie hatte einen halben Wald giftiger Pilze geraucht
nein, nicht beschwert. Habe sie nur gefragt ob DAS ihr Ernst ist oder sie gerade gescherzt hat.
Ich war etwas geplettet ob so viel Dämlichkeit!
LG
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mezeg, München, Saturday, 19.05.2012, 19:35 (vor 5203 Tagen) @ mascha
Was Beamten angeht, habe ich auch was zu erzählen, wenn auch unabhängig von Epilepsie.
Also war ich verheiratet mit zwei Töchtern und mein (deutscher) Ehemann fand eine hübschere und setzte die Scheidung durch. In meiner Heimat behält eine Frau immer ihren Mädchenname, der sich nie ändert. Sie kann also 5-mal heiraten, 2-mal verwitwet oder geschieden, sie heißt immer Frau GeburtsName verheiratete oder verwitwete oder geschiedene SoundSo.
Nach der Scheidung gehe ich zum Konsulat und weil ich zwei Kinder hatte, wird mir im Pass Frau GeburtsName, geschiedene SoundSo anstatt verheiratete SoundSo. So konnte ich den gleichen Namen wie meine Töchter behalten.
Sieben Jahre später brauche ich einen neuen Pass. Und diesmal hieß es, den SoundSo-Name darf ich nur behalten, wenn mein Ex-Mann dies ausdrücklich genehmigt... es war ihm eine besondere Freude dies eben nicht zu tun, obwohl der Name SoundSo so geläufig ist. Also wurde ich schlagartig wieder Frau Erstname! Sieben Jahren nach der Scheidung... Den deutschen Behörden mußte ich es erklären, sie waren fassungslos aber keineswegs unfreundlich. Die Kollegen kamen, um mich wegen der Namensänderung zu gratulieren... annehmend, dass ich wieder geheiratet hatte. Aber für die Töchter war es sehr unangenehm, einen anderen Namen zu tragen als ich.
Last not least... ich ging irgendwann viel später zum Konsulat wegen irgendetwas. Die Beamtin sagte, dass sie nun alles auf Computer archivieren, klopfte meine Daten ein und fragte dabei: "Sie haben Ihren Mädchennamen bei der Scheidung wieder angenommen?" Ich erzählte, wie mich das Konsulat dazu gezwungen hatte, dann sagte sie: "Ach, ja, das Gesetz war so. Aber es ist nun anders. Soll ich den Namen "SoundSo" wieder eintragen?"
Mein Mädchenname ist wirklich nicht original aber wieder eine Namensänderung??? Nie mehr!
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Mondenkind, Tuesday, 17.04.2012, 21:55 (vor 5235 Tagen) @ Nachtfee
Hallo Nachtfee,
Und der beste Spruch habe ich letzte Woche zum hören gekriegt. Mit einem kranken Mann setzt man ja auch keine Kinder in die Welt.
So einen Spruch musste ich, bzw. eher meine Schwiegereltern vor Jahren auch mal hören. Ich lag aufgrund erneuter Anfälle im Krankenhaus und Freunde von ihnen hatten es mitbekommen und fragten nach dem Grund. Meine Schwiegermama sagte es ihnen und dann kam auch der Spruch "Und die will euer Sohn vielleicht mal heiraten und mit ihr Kinder bekommen?"
Danach hielten sich meine Schwiegereltern dann zurück jemanden von meiner Erkrankung zu erzählen.
Ich muss dazu sagen, ich habe superliebe Schwiegereltern, komme sehr gut mit ihnen und dem Rest der Familie aus. Besser hätte es kommen können.
Lieben Gruß
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
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Profiler, Weinheim, Monday, 16.04.2012, 23:44 (vor 5235 Tagen) @ Profiler
Hallo da bin ich wieder,
ich werde nochmal das für mich Wichtige hervorheben und hoffe, dass ihr darauf
eingeht.
Das durfte ich bei "Freunden", Bekannten, Nachbarn, Eltern der Mitschüler meiner Kinder, Beamten...usw. erleben!
Da nützt in der Regel auch keine Konfrontation, ob sachlich oder sich selbst
veräppelnd, wozu ich bestimmt noch in der Lage bin
Doch es gibt Personen wo es Schade und oder von Nachteil für z.B. für meine Kinder ist, wenn z.B. deren Eltern keinen Kontakt mehr möchten, nachdem sie erfahren, wo der Vater arbeitet, oder was er "Schlimmes" hat!
Und das gilt auch für all die Anderen, s.o.!
Man kann das nun verharmlosen, "der soll doch denken was er will" oder es ebenfalls als echtes Problem sehen.
Mich interessiert euer Umgang damit, denn wenn der nähere Personenkreis schrumpft,
ist das schade, oder nicht?
LG und gute Nacht
Probleme in der Öffentlichkeit
mascha, Tuesday, 17.04.2012, 11:59 (vor 5235 Tagen) @ Profiler
Moin moin Profiler
ich habe keinen Ausweis, wollte ich nicht!
Es gibt wenige Menschen die um meine Krankheit wissen.
a) die , die Anfälle von mir miterlebten ( nur Familie!?)
b) sehr gute Freunde ( 2 ) einige Bekannte, weil ich eine Zeitlang dachte ich müsse " damit " an die Öffentlichkeit
c) Die die es erfahren haben , sich nicht trauen mich anzusprechen, weil sie es nicht von mir wissen
d) meinem alten Arbeitgeber habe ich es erzählt, dem neuen jetzt nicht!
Trotzdem nerven mich die Fragen total, z.B warum ich kein Auto habe ( waaaaaas, gar keinen Führerschein, warum das denn! ) oder , wie du hast keine Ausbildung??, Bist du mit deinem Job nicht etwas unterqualifiziert, warum trinkst du denn heute nix?
Bla bla bla ...manchmal weiche ich aus, habe mich auch schon beim Lügen erwischt. Ich stehe zu meiner Krankheit aber andere nicht. Das macht es so schwer.
Ich wünsche mir so ein unbeschwertes Leben wie möglich und dazu ist es gut Menschen um mich herum zu haben die denken ich sei gesund.
Liebe Grüße
Probleme in der Öffentlichkeit
Profiler, Weinheim, Tuesday, 17.04.2012, 12:33 (vor 5235 Tagen) @ mascha
Hallo mascha,
eine Antwort in der Form habe ich mir gewünsch! Danke
Die schlimmste Zeit war, als ich noch 120 Mitarbeiter betreute und ein Jahr lang alles Denkbare zu ertragen hatte!
Also da muss mir keiner erzählen, dass er keine negativen Erlebnisse hatte.
Außerdem hab ich die Krankheit "erst" seit 10Jahren und kann mich noch daran erinnern, als ich als Kind ein Mädchen kennen lernte, das auch Epi hatte.
Ich suchte nicht unbedingt näheren Kontakt zu ihr.
LG Profiler
Probleme in der Öffentlichkeit
mascha, Tuesday, 17.04.2012, 12:56 (vor 5235 Tagen) @ Profiler
Hallo Profiler,
Oh ha, so viel Verantwortung. Und habe von den 120 Mitarbeitern , viele davon " Wind" bekommen? Das muss die Hölle sein.
Als ich damals krank wurde, ich war wie gesagt 18, hieß es nur in unserer Familie :
Pssssst, keiner darf was davon erfahren..Meinen Eltern war das total peinlich. IHRE Tochter hat doch " sowas " nicht. Alle ihre Träume habe ich zerstört. Meine Mutter beobachtete mich permanent mit durchdringendem Blick und mein Vater ging raus, wenn es um DAS Thema ging. Das Schlimme: es ging nie um mich.
Meinen jetzigen Mann habe ich in meiner schlimmsten Phase kennengelernt. Er konnte gut damit umgehen, hat mich immer nur still in den Arm genommen, bis es besser wurde. Aber das andere davon erfahren war ihm auch nicht Recht.
Und dann soll man selber damit offen und locker umgehen??
Epilepsie ist nach wie vor eine Tabukrankheit. Ob das noch aus der Hitlerzeit stammt, wir wissen alle was da mit Epilepsiekranken gemacht wurde...
Wie stolz dagegen von einem Burnout gesprochen wird!!!
Probleme in der Öffentlichkeit
Profiler, Weinheim, Tuesday, 17.04.2012, 19:03 (vor 5235 Tagen) @ mascha
Hallo mascha,
Oh ha, so viel Verantwortung. Und habe von den 120 Mitarbeitern , viele davon " Wind" bekommen? Das muss die Hölle sein.
Das war das Thema des Tages und sprach sich rum wie ein Lauffeuer, doch das Schlimmste war, dass ich meiner komplexen Aufgabe nicht mehr gerecht werden konnte.
Mit einer hohen Dosis, war nichts mehr mit IT-Support und ich wurde nicht mehr für Ernst genommen, also langsam degradiert. Und hatte zuvor mit vielen Anwendern ein freundschaftliches Verhältnis gehabt.
Echt übel und das soll bloß Keiner erleben müssen!!
Als ich damals krank wurde, ich war wie gesagt 18, hieß es nur in unserer Familie :
Pssssst, keiner darf was davon erfahren..Meinen Eltern war das total peinlich. IHRE Tochter hat doch " sowas " nicht. Alle ihre Träume habe ich zerstört. Meine Mutter beobachtete mich permanent mit durchdringendem Blick und mein Vater ging raus, wenn es um DAS Thema ging. Das Schlimme: es ging nie um mich.
Das kann ich Dir nachempfinden, denn ich kenne das mit der "anständigen, spießigen und ordentlichen" Familie nur zu gut!
Wie peinlich, das darf keiner wissen, was sollen die Anderen über uns denken...?
Meinen jetzigen Mann habe ich in meiner schlimmsten Phase kennengelernt. Er konnte gut damit umgehen, hat mich immer nur still in den Arm genommen, bis es besser wurde. Aber das andere davon erfahren war ihm auch nicht Recht.
Meiner Frau hatte ich anfangs nichts gesagt und sie musste es am erstente Abend selbst erfahren und fragte mich später, ob ich ihr etwas sagen möchte!
Sie hat die Krankheit akzeptiert und steht zu mir.
Über die Jahre haben wir gelernt, dass diese Krankheit nach wie vor ein Tabuthema ist, dass die meisten Menschen abschreckt(balla balla, Dachschaden...)!
Und dann soll man selber damit offen und locker umgehen??
![]()
Das ist sehr schwer!!!
Wie stolz dagegen von einem Burnout gesprochen wird!!!
Das ist halt chic und trendy, so fleißige Leute haben es mit der Arbeit übertrieben!
Egal, Kopf hoch, weitermachen und nie den Humor verlieren, denn wir leben(vermutlich)
nur einmal!?
Probleme in der Öffentlichkeit
Musica, Tuesday, 17.04.2012, 19:21 (vor 5235 Tagen) @ Profiler
Wer von sich sagt er habe keine Probleme damit, die Krankheit zu zugeben, macht sich viell.ein Problem. Wer von den Mitwissern wird denn schon sagen, was er denkt???? Toleranz kann man ganz schön vortäuschen! Der viel gebräuchliche Satz, "ich stehe dazu" räumt doch den Defekt schon ein! Lg,Musica
Probleme in der Öffentlichkeit
Profiler, Weinheim, Tuesday, 17.04.2012, 19:29 (vor 5235 Tagen) @ Musica
Wer von den Mitwissern wird denn schon sagen, was er denkt???? Toleranz kann man ganz schön vortäuschen!
Das ist in der Regel auch so!
LG
Probleme in der Öffentlichkeit
Lerche, Tuesday, 17.04.2012, 21:13 (vor 5235 Tagen) @ Profiler
Is nich einfach mit uns, ...aber wie hätten wir's denn gern?!? Kein Mitleid, aber Verständnis, nicht zu fürsorglich sein, aber ein bisschen schon, Toleranz auf alle Fälle... wir können doch nicht davon ausgehen, dass die restlichen 99 oder was weiß ich wieviel % der Mitmenschen Pädagogik oder Psychologie studiert haben und alle so was wie... "Epileptikerversteher" sind. Die meisten von denen haben auch Probleme oder kriegen sie noch und mit manchen würd ich auch nicht tauschen.
Bis die Sache losging, wusste ich auch nicht, dass es so was überhaupt gibt. Und heute weiß ich z.B. immer noch nicht, wie ich mit manchen anderweitig Behinderten umgehen soll. Der eine Rollstuhlfahrer ist beleidigt, wenn ich ihm helfen, will, der andere isses, wenn ichs nicht tue... man weiß es vorher nicht.
Die Krönung war mal ein betagter Herr, dem ich mal meinen Platz im Bus anbieten wollte: "Bleib sitzen, oder seh ick so alt aus, Kleener!?"
Es ist wirklich nicht einfach....
Uwe
(30 %)
Probleme in der Öffentlichkeit
Profiler, Weinheim, Tuesday, 17.04.2012, 22:02 (vor 5235 Tagen) @ mascha
Hallo mascha,
Meine anfängliche Frage war:
Wenn ich mit dem Behindertenausweis ankomme, verschwindet meist das Lächeln des Gegenüber.
Die nächste Stufe ist dann, wenn ich mich mit der Epi "oute", gleich wird der Abstand grösser.
Zuletzt werde ich nach meinem Beruf gefragt und das Wort "Frührentner" macht den Rest!
Das durfte ich bei "Freunden", Bekannten, Nachbarn, Eltern der Mitschüler meiner Kinder, Beamten...usw. erleben!
Schade, doch ein weißer Rabe hat es schwer!
Habt ihr ähnliches erlebt?
Deine Antwort geht am besten auf meine Frage ein!
Danke und LG
Profiler
Probleme in der Öffentlichkeit
uta melle, berlin, Tuesday, 17.04.2012, 22:43 (vor 5235 Tagen) @ Profiler
Hi Profiler.
Kurze Einleitung mit Anekdote:
Ich habe seit meinem 14.Lj das Janz Sydrom (generalisiert, idiopathische, Juvenile myoklonische Epilepsie mit GM's und Myoklonien).
Als ich das erste Mal nach Feststellung der Diagnose in die Schule kam - als vollpubertärer Teenie in einer Kleinstadt, in der jeder Mitschüler schon gehört hatte, dass ich irgendwie "heftigst rumgespastet" hatte - trat ich vor die Klasse, erklärte allen, dass ich eine Epilepsie habe, was das für eine Krankheit ist, was passieren kann, wie ein Anfall aussieht - mit Spasmen und so, wie man mir beim Anfall helfen kann, welche Regeln ich zu befolgen habe (kein Alkohol, kein Führerschein machen solange ich medikamentös nicht richtig eingestellt bin, das ich mein Leben lang Medikamente nehmen muss etc.) und welche historischen Personen auch ein Epilepsie hatten (ich war schon immer eine kleine Angeberin). Anschliessend habe ich gefragt, ob noch jemand Fragen hat. Keiner hatte Fragen und ich wurde niemals gemobbt oder schief angesehen! Das bedeutet in der Jugendzeit unglaublich viel.
Inzwischen bin ich 43 Jahre alt und habe mein Vorgehen nicht verändert.
Was ich damit sagen will: Leute, die wegen deines Behindertenausweises oder wegen der Info über Deine Epilepsie von dir zurückweichen oder schräg gucken, wissen einfach nicht, was das ist und denken eventuell, dass du sie gleich anspringst 
Ich würde bei belanglosen Begegnungen einfach mit einem sanftem Lächeln oder einem freundlichen "na - ich fall Sie schon nicht gleich an..." reagieren. Bei wichtigen Begegnungen erkläre ich immer noch, was eine - bzw meine Form der - Epilepsie ist. Das funktioniert immer.
)
Probleme in der Öffentlichkeit
Profiler, Weinheim, Tuesday, 17.04.2012, 23:56 (vor 5234 Tagen) @ uta melle
Liebe uta melle,
ich freue mich über deinen schönen Beitrag, der ganz unterhaltsam rüberkommt!
Deine mutige Aktion, vor die Klasse zu treten um sie über Deine "Besonderheiten" zu informieren, hat dir sicher viel Ärger erspart! So, aber genug des Lobes
Ich erlebe derzeit bei meiner Stieftochter, wie schnell man zum Mobbing-Opfer "mutieren" kann. Sie ist ihrem Alter 3 Jahre voraus und dadurch mit ihren Mitschülern "inkompatibel".
Ich würde bei belanglosen Begegnungen einfach mit einem sanftem Lächeln oder einem freundlichen "na - ich fall Sie schon nicht gleich an..." reagieren. Bei wichtigen Begegnungen erkläre ich immer noch, was eine - bzw meine Form der - Epilepsie ist. Das funktioniert immer.
Wenn du den direkten Kontakt mit dem Gegenüber hast, ist das oft eine gute Strategie!
Falls ich nur eine ablehnende Haltung bemerke, werde ich nicht unbedingt die Fahne
schwingen, um mich zu outen.
Bei den "Freunden", die weiterhin komisch gucken, kann man durchaus auch mal die Freundschaft überdenken!
Deshalb hatte ich die "Freunde" ja schon mit Anführungszeichen versehen.
Das durfte ich bei "Freunden", Bekannten, Nachbarn, Eltern der Mitschüler meiner Kinder, Beamten...usw. erleben!
Doch da gibt es ja noch die in fett geschriebenen, bei denen mich eure Erfahrung
am meisten interessiert hätte!
Und am übelsten ist es Frührentner zu sein! No way
Das erzeugt erstmal Neid, "was macht der "faule Sack" zuhause...?!
Der hat doch das "gelobte Land" gefunden, usw.!
Nach einem halben Jahr zuhause wünscht man sich nur noch im alten Job arbeiten zu dürfen und können!
So long!
Probleme in der Öffentlichkeit
uta melle, berlin, Wednesday, 18.04.2012, 00:50 (vor 5234 Tagen) @ Profiler
Hi Profiler.
Danke!
Ja, ich denke "Besonderheit" ist ein guter Begriff und eine gute Sichtweise. Jeder Mensch hat Besonderheiten, auch Deine Stieftochter.
Vor 3 Jahren kam bei mir Brustkrebs dazu: beidseitige Amputation, Eierstockentfernung - beste Prognosen!
Seit der Diagnose ist mein gesamtes Umfeld extrem geschrumpft.
Die Menschen können mit Krankheiten nun mal nicht so gut umgehen. Ich habe durch die Epilepsie gelernt, mit Krankheiten umzugehen. So konnte ich schnell lernen, auch mit der neuen Krankheit umzugehen.
Aber: Viele andere Menschen haben das noch nicht gelernt, erfahren, durchlebt...
Mein wunderbarer Mann hat das auch erst lernen müssen. Männer können mit Hilflosigkeit ja auch nicht wirklich umgehen 
Die Nachbarn, Beamten etc ist es mir eigentlich egal, wie die reagieren - das kann ich für beide Krankheiten sagen.
Das mit der "Frührentner-Reaktion" verstehe ich. Ich denke, da mußt Du für Dich selbst Worte finden, die genau ausdrücken, was Dein Platz in der Gesellschaft ist.
Ich war mal Karrierefrau - und das mit großer Freude! Aufgrund der Entscheidung für Kinder und der daraus resultierenden gesundheitlichen Probleme konnte ich nicht mehr arbeiten. Das war der Alptraum für mich.Allein schon die finanzielle Abhängigkeit. Aber am schlimmsten war für mich "Hausfrau" als Berufsbezeichnung angeben zu müssen!
Das hat sich erst geändert, als ich verstanden habe, dass ich eine gute Mutter, eine halbweg-gute Hausfrau und eine echte Familienstütze bin. Und das alles trotz dem ganzen Krankheits-Mist.
Und wenn mir jemand schräg kommt, bin ich ziemlich offensiv. Egal, ob Freund, Nachbar, Beamter, Lehrer...
Also: Du hast ein Recht auf Deinen Frührentnerstatus.
Neider sind sehr dumm, denn dann beneiden sie Dich ja auch um Deine Epilepsie. Wirklich nicht klever!
Biete denen doch einfach einen Tausch an: Epilepsie mit Frührentnerstatus gegen Gesundheit.
Aber das wollen die dann doch nicht - oder? 
Und:
Ja, bin bin ein sehr unterhaltsamer Mensch. Ohne diese meine eigene Charaktereigenschaft hätte ich die letzten Jahre nicht überlebt. http://www.stern.de/lifestyle/leute/brustkrebs-die-schoenheit-ist-das-weiterleben-1517872.html
Probleme in der Öffentlichkeit
Profiler, Weinheim, Wednesday, 18.04.2012, 20:18 (vor 5234 Tagen) @ uta melle
Hallo uta,
Danke für deine schöne Nachricht!
Wie ich von dir und über dich lese, bist du eine sehr positive Kämpfernatur,
die sich niemals hängen ließ! Das freut mich für dich und ich wünsche dir
viel Glück und Erfolg für die Zukunft!
"Wenn die anderen glauben, man ist am Ende, so muß man erst richtig anfangen."
Konrad Adenauer
"Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche."
Che Guevara
LG Profiler
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uta melle, berlin, Tuesday, 17.04.2012, 22:50 (vor 5235 Tagen) @ Profiler
ach ja, lieber Profiler, was ich noch vergessen habe:
Bei den "Freunden", die weiterhin komisch gucken, kann man durchaus auch mal die Freundschaft überdenken!
Das ist eine Erfahrung, die ich durchaus machen musste - aber nie bereute!
Probleme in der Öffentlichkeit
mascha, Tuesday, 17.04.2012, 23:28 (vor 5234 Tagen) @ Profiler
n abend Profiler,
gerne,ich schrieb aus meinem Herzen!
Es ist traurig zu lesen was die Krankheit aus deinem Leben gemacht hat aber trotzalledem kommt so sehr viel Positives "rüber". Wie schön!
Als ich sie damals bekam, sagte ich immer, wenn ich dahinterkomme was die Anfälle auslöst, hört es auf!
Tja das Elternhaus....ich habe manchesmal darüber nachgedacht, wovor mich diese Krankheit bewahrt hat
und wie weit ich durch sie gekommen bin....was wäre aus mir geworden, hätte ich funktioniert??
Meistens trage ich den Kopf hoch!
Vielleicht haben wir mehrere Leben, wenn es so ist, wäre es wichtig aus jedem das Beste zu machen
Viele liebe Grüße von mascha
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beatmeup, Sunday, 20.05.2012, 06:05 (vor 5202 Tagen) @ mascha
nach dem feiern cola und energy drinks :P
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sandytimmy, Tuesday, 17.04.2012, 22:17 (vor 5235 Tagen) @ mascha
mich nervt auch das bild eines anfalls in der öffentlichkeit.
die denken alle man stürzt zu boden zappelt und krampft wie wild geworden, hat schaum vorm mund, beißt sofort auf die zunge und ist ein fall für den notarzt- als würde man daran sterben.
ich bin noch nie gestürzt, habe nur leichte spastiken in den händen und reagiere in gewissem maße noch auf komandos oder folge wenn man mich an die hand nimmt und der spaß ist nach 2-3 minuten vorbei, nicht mehr und nicht weniger.
ein typischer komplex fokaler anfall halt
sowas gibt es für die garnicht