Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

Dragonheart, Thursday, 10.05.2012, 20:10 (vor 5212 Tagen)

Hallo alle zusammen,

ich mache in meinem Bio Leistungskurs eine Facharbeit über Epilepsie, da eine Freundin an dieser Krankheit leidet.
Jetzt habe ich mir als praktischen Teil überlegt Interviews zu führen, denn meine Leitfrage ist ob ein normales Leben mit Epilepsie möglich ist.
Ich würde mich freuen wenn mir Betroffene dieser Krankheit die Fragen:"An welcher Art von Epilepsie leiden Sie? "Welche Einschränkungen entstehen durch diese krankhiet ?" Wie gehen sie mit dieser Krankheit um ? und wie "normal" ist ihr Leben damit ? Welcher Altersgruppe gehören sie an: Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren, beantworten könnte. Meine E-Mail lautet schimmel-laura@web.de
Ich hoffe ihr könnt mir helfen und die Interviews werden anonym in die Facharbeit mit einfließen.
Bei Tipps zu anderen praktischen Teilen wäre ich auch sehr dankbar.

LG
Laura

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

podi, Friday, 11.05.2012, 18:21 (vor 5211 Tagen) @ Dragonheart

Wo findet die Arbeit denn statt?

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

beatmeup, Friday, 11.05.2012, 22:48 (vor 5211 Tagen) @ Dragonheart

An welcher Art von Epilepsie leiden Sie?

ich leide nicht, ansonsten bin ich idiopathischer epileptiker, sprich ursache unbekannt.

Welche Einschränkungen entstehen durch diese krankheit ?

keine, ausser dass ich eklige tabletten schlucke

Wie gehen sie mit dieser Krankheit um ? und wie "normal" ist ihr Leben damit ?

ganz "normal" bzw greift überhaupt nicht in mein leben ein, bis auf die tabletteneinnahme. je nach dem welchen neurologen oder epileptologen man konsultiert, bekommt man unterschiedliche ratschläge, jedenfalls gings mir so. entweder von ich darf nichts alleine machen, kein fahrrad fahren, schwimmen gehen, alkohol trinken, in die disco gehen und nach 10 uhr wach sein, oder bis ich durfte all das machen.

Welcher Altersgruppe gehören sie an ?

ich bin erwachsen :D

ps. für mich gilt in sachen epilepsie, je mehr meinungen desto besser ^^ dann kann man sich den richtigen für seine lebensart aussuchen, tabletten soll man eh schlucken :D aber das trifft wahrscheinlich nur auf mich zu.

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Saturday, 12.05.2012, 11:46 (vor 5210 Tagen) @ Dragonheart

Kleiner Tipp, von jemanden, der seine Facharbeit schon länger hinter sich hat und im wissenschaftlichen Bereich etwas zu Hause ist:
"Normal" ist die ungünstigste, existierende Messgröße, weil diese sehr stark von persönlichen Empfindungen und der eigenen Wahrnehmung von sich im Kontrast zum persönlichen Umfeld abhängt. Ein normales Leben hängt für manche vom empfundenen Glück ab, für andere davon, einen bestimmten Beruf ausüben zu können.
Auch ist das Gefühl von "Normalität" in unserem Fall mitunter davon abhängig, wie lange der letzte Anfall zurückliegt.(Wenn z.B. jemand nach zehnjähriger Anfallsfreiheit gerade wieder einen bekommt und dann auf's Auto verzichten muss, wird er sich vielleicht sogar stärker eingeschränkt fühlen, als jemand, der ein, zwei Anfälle pro Jahr gewohnt ist und eine gewisse Routine im Umgang damit entwickelt hat.)
Vielleicht solltest Du noch einmal überlegen, Deine Leitfrage z.B. etwas auf einen Teilbereich des Lebens zu spezifizieren und dort auch "Messgrößen" für den Durchschnitt zu ermitteln(so nach dem Motto bewerten Sie auf einer Skala von eins bis fünf). So könntest Du Kontrollfragen einbauen, um zu sehen, in wie fern, der Antwortende Dir bzw. sich selbst gegenüber ehrlich antwortet.

Auch wäre es hilfreich, wenn Du die Altergruppen nach Jahren einteilen würdest. Ein Erwachsener ist - gerade für die, welche bald 18 werden - oft ein Volljähriger, zehn Jahre später betrachten sie das Verhalten von volljährigen jedoch gar nicht mehr als Erwachsen, sondern eher als jugendlich naiv.

Die Frage, welche Einschränkungen entstehen, kann man vor dem Hintergrund der eigentlichen Fragestellung in meinen Augen so stehen lassen, umfasst sie sowohl Einschränkungen, die tatsächlich von Außen entstehen, als auch ganz normale Hindernisse, die nur schwerer zu überwinden scheinen, weil man sie auf die Krankheit zurückführt und sich damit selbst psychisch ein Stück weit einschränkt.

Was mir noch nicht ganz klar ist, ist wie ich die Frage

Wie gehen sie mit dieser Krankheit um?

verstehen soll. Bezieht sich das auf die Psyche(Verdrängung <-> ständige Angst davor), auf den persönlichen Umgang damit in der Gesellschaft(verschweigen <-> offensiv anderen davon erzählen) oder auf Alltagsstrategien(z.B. grundsätzliche Vermeidung von Schlafmangel <-> sicherstellen, dass man ausschlafen kann, wenn man eine Nacht durchmacht).

--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

mezeg, München, Sunday, 13.05.2012, 16:04 (vor 5209 Tagen) @ Dragonheart

Hallo Laura,

vor zwei Jahren mit Epilepsie konfrontiert. Nachts, nass im Bett (pfui!), am nächsten Tag vollkommen erschöpft. Da schämt man sich darüber zu sprechen. Als ich noch Zungenbiß erwähnte, sagte die Ärztin sofort: "Epilepsie! Sofort zum Neurologe!"

Fragen und Tests, EEG, Verhaltensregeln, MRT. Kehrtwende: Epilepsie von nussgroßem Menigeom provoziert. Besprechung in der Neurologie, Keppra, OP, Entlassung 7 Tage später. Eigene Versorgung als Alleinstehende.

Töchter bewußt nicht informiert.

Kontrolle drei Monate später, alles O.K.

6 Monate Keppra, dann "speech arrest", später Grand Mal (tagsüber). Bin im Bett aufgewacht, wohlig-warm, ausgeruht... aber wie denn ins Bett gekommen???

Dann Lamotrigin. Töchter per Mail informiert, da der Zustand sich wohl auch nicht mehr ändern werde. Die eine wollte Radfahren verbieten "ich könnte doch in eine Gruppe rasen!", die andere gefühlsvoll. Informiert habe ich nur sehr wenige nahestehende Leute. Man schämt sich, wegen etwas, das man nicht selbst verursacht hat: nicht Trinker, nicht Raucher, keine Drogen, genußvolles Sport, vernünftiges Essen. Blutwerte O.K., Herzfähigkeit laut Kardiologe 200%.

Auras, wieder Grand Mal.

wollte vorschriftmässig aufdosieren, mußte aber drei Tage aufgeben. Es ging einige Wochen wieder gut. Dann richtiger Anfall, zu Hause, in "gesicherter" Umgebung, zum ersten Mal nicht allein: Tochter äußerst beunruhigt, versuchte mich am Zungenbiss zu hindern... schmerzhaft. Ihr "schwarzes" Kommentar: "Um einen Epileptiker mitzuschleppen, ihm zwei Finger in den Mund stecken... und festziehen!".

Sie rief den Sanka, die ältere Schwester, mit dem sie seit Jahren keinen Kontakt hatte.

Ich erwachte mit sonderbarem Licht, vernahm einen Mann neben mir, dann mir gegenüber die Ältere mit weitaufgerissenen Augen, weiter links die Jüngeren mit intensivem Blick ("aber sie verstehen sie doch seit Jahren nicht, ist viel Zeit dazwischen vergangen?").

Dann sprach der Mann neben mir mit sanfter Stimme, sie fahren mich ins Krankenhaus. Sofortiges Gedanken "Nein, nur Aufdosierung, Tabletten parat und dann der Neurologe". Konnte aber zuerst nicht sprechen, stammelte nur, wie in meinen Gedanken eingesperrt, obwohl schlagartig wieder "Intelligenz" in den Augen. Ins Krankenhaus wollte ich nicht, aber um zu kämpfen war ich zu müde und gab nach. Mußte ich kämpfen um die Tabletten mitzunehmen.

Im Wagen wieder Übelkeit, ich bat den Sanitäter, etwas harmloses zu erzählen. Er fing übergangslos seine Erfahrungen in meinem Land zu erzählen, den anklopfen Anfall konnte ich mit Erfolg zurückdrängen.

Im Krankenhaus wieder Kampf.

Die Ältere ließ auf sich warten, und fuhr mich gleich an, das Radfahren sofort aufzugeben. Habe gedroht, aus dem fahrenden Auto zu springen, wenn sie nicht sofort aufhört. Nach dem Anfall ausgelaugt, wollte nur in Ruhe gelassen werden.

Auras wegen eines Kindes dessen Mutter drängte. Ich habe sie über Epilepsie informiert, in der Hoffnung, dass sie endlich Ruhe gibt. Das hat sie nicht berührt, also habe ich nachgegeben. Als allerdings der nagende Druck wieder kam, kamen eben wieder Auras.

Erst dann habe ich mich ausdrücklich dagegen gewehrt,bekam auch Hilfe im Kindergarten.

Aber wieder um 25% aufdosieren. Ging schief: quälende Schlaf belastende Mundtrockenheit, Absences, nicht mehr zu Hause: U-Bahn, Supermarkt. Hatte lange Angst, U-Bahn zu nehmen oder einzukaufen, weil ich mich nicht in Publikum blamieren möchte.

Aufdosierung um die Hälfte reduziert und um einen Schlafmittel gebeten, um hier und da eine Nacht durchzuschlafen. Ich werde zu einem Spezialisten verweist.

Was mich - wie wohl die anderen - besonders belastet, ist die soziale Akzeptanz. Für viele sind Epileptiker wohl geistesbehindert, gemeingefährlich und nicht mehr zu der erwartenten 120% Leistung fähig, also meiden. Mir wurden Kontakte in einem Verein verwehrt, "grob fahrlässig mit bedingtem Vorsatz", meinen Enkel darf ich nur unter Aufsicht der Eltern sehen.

Auch stetiges Mißtrauen oder Angst: kurzfristig mit einem Gedanken konzentriert, wird befürchtet, ich könnte eine Absence haben, "bist du "da"??". Ein beschriebenes Papier und es wird entsetzt gefragt "Hast DU es geschrieben??" Ich übe aus Spaß das Schreiben links, vollkommen leserlich aber nicht so eingenwillig wie normal.

Viele trauen sich nicht und ich wiederum schrecke immer mehr davon zurück: anrufen, anschreiben, anmailen. Für eine Antwort brauche ich oft Zeit. Kommt es aber zu "echtem" Kontakt, dann läuft es gut, ich freue mich. Mit Kindern vergesse ich am Schnellsten.

Habe einfach immer noch Schwierigkeit, mich nicht zu schämen, Epileptikerin geworden zu sein, mich nicht mehr psychisch erpressen zu lassen, auch nicht wenn ein Kind als "Waffe" dafür eingesetzt wird, Kontakte zum "Spreu" abzuhacken, und nicht zu sehr in die Isolation zu versinken, wozu ich sowieso immer geneigt war.

Und was ich auf keinem Fall akzeptieren werde: Auf das Radfahren verzichten!

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

sonnenhexer ⌂, Großostheim, Sunday, 13.05.2012, 17:44 (vor 5209 Tagen) @ Dragonheart

Hallo Laura,

ich hatte bei der Geburt Sauerstoffmangel und seitdem ein cerebrales Krampfleiden, welches der Epilepsie zugeordnet wird.
Ich nehme seit Geburt Mylepsinum, aktuell 5 Tabletten am Tag verteilt.
Meinen letzten Anfall hatte ich 1990, als mein damals betreuender Neurologe versuchte, die Medikamente abzusetzen, nachdem ich 7 Jahre anfallsfrei war.
Dieses ging in die Hose.
Meine Einschränkungen sind, dass ich keinen Alkohol und kein Nikotin darf, ich fahre Auto und arbeite "normal" in einem Büro. Ich habe das "normal" so in "" gesetzt, um zu zeigen, dass, je nach Ausprägung der Beeinträchtigung, man durchaus am Leben teilhaben kann und sein Geld verdienen kann.
Ich finde es schade, dass vielerorts die Akzeptanz noch nicht so da ist gegenüber Leuten mit Handicaps.
Inzwischen bin ich 39 Jahre alt.

Bei Fragen einfach fragen :)

Lieben Gruß

Michael

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

Dragonheart, Sunday, 13.05.2012, 21:24 (vor 5209 Tagen) @ sonnenhexer
bearbeitet von Dragonheart, Sunday, 13.05.2012, 21:27

Vielen lieben Dank schon mal für die Antworten :)

Durch die Antworten ist mir etwas besonderes aufgefallen und so würde ich gerne noch eine Frage hinzufügen und zwar:
Wie werdet ihr in der Gesellschaft aufgenommen von einer Skala von 1-10.

Lg Laura

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

mezeg, München, Monday, 14.05.2012, 10:00 (vor 5208 Tagen) @ Dragonheart

Hallo,

zur Bewertung der sozialen Kontakte von 1 bis 10 wäre es hilfreich, wenn Du die Legende dazu vorschlagen würdest, normal, mißtrauisch, ablehnend, unsicher, mit Angst oder so was.
Warum auch nicht eine Unterscheidung zwischen verschiedene Gruppen? Angehörige, nahe / gelegentliche Freunde, Kollegen, Arbeitgeber, Neurologe und/oder Hausarzt, Vermieter, Fremde, die vom Anfall uninformiert überrascht werden? Ich erlebe selber allerlei Schattierungen.

Vielleicht auch die eigene soziale Stellung als "Startpunkt": jung / alt, Alter, Geschlecht, Beruf, Wohnsitz, Vereinsmitglied, Deutsch oder Migrant (ich gehöre zur letzten Gruppe)?

Mezeg

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

mezeg, München, Monday, 14.05.2012, 19:23 (vor 5208 Tagen) @ Dragonheart

Hallo,

zu Deiner Bewertungsskala ist mir noch etwas eingefallen. Ist Multiple Choice möglich? In einer Gruppe können die Reaktionen vollkommen anders ausfallen. Beispiel: meine ältere Tochter, dominant, rechthaberisch, drohend - Note 8. Die Jüngere von der Lage selber sehr beunruhigt, vermutet viel schlimmer als effektiv aber sehr einfühlsam - Note 2. Wie soll ich dann meine nahe Verwandtschaft bewerten? Durchschnittswert? Ergibt 5, was keineswegs die Reaktionen richtig spiegelt.

mezeg

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

beatmeup, Thursday, 31.05.2012, 03:49 (vor 5191 Tagen) @ Dragonheart
bearbeitet von beatmeup, Thursday, 31.05.2012, 05:03

mich irritieren die fragestellungen bisschen, auch wenn ich schon drauf geantwortet habe.
ich vermisse bisschen die biologie.
wenn das eine biologische untersuchung ist, gehen die fragen voll dran vorbei. sie beziehen sich eher auf die emotionale stabilität und die psyche.
wenn das eine facharbeit über epilepsie im fach biologie ist, solltest du dich imho eher mit neurotransmittern, botenstoffen, ionenkanälen, genetik und elektrolyten beschäftigen und dich dann mit fallbeispielen beschäftigen, ausser wenn dein lehrer etwas anderes hören/lesen möchte. das hat dann aber nichts mit biologie zu tun. ^^

was ist denn das "genaue" thema ?

bitte sag nicht epilepsie. dann bist du don quijote.
darauf gibts keine allgemeingültige antwort, ebenso wenig wie auf, wie das gehirn funktioniert und wie daten im hirn abgespeichert werden oder was nach dem tod passiert oder wie das universum entstanden ist. "noch"

ps. die antwort auf das leben, das universum und die frage nach 6x9 lautet 42 :D
"frei nach sokr .. ähmm douglas adams "
in dem sinne "ich weiss, dass ich nichts weiss"

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

beatmeup, Thursday, 31.05.2012, 05:56 (vor 5191 Tagen) @ beatmeup

am einfachsten wär es, wenn du deine freundin aus der arbeit raushalten würdest.

in so einer arbeit wär es imho am besten "gerade" heraus nur die klischees hervorzuheben bzw zu bedienen, die man überall im inet findet. vielleicht läßt man noch gamma amino buttersäure (gaba) eeg muster und ca2+ rezeptoren auftauchen.
dann sollte eine gute note nicht schwer zu erreichen sein

*ich könnt kotzen bei dem, was ich schreibe*

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

mezeg, München, Thursday, 31.05.2012, 20:04 (vor 5191 Tagen) @ beatmeup

wegen Deiner Antwort kotzen bestimmt nicht, aber sich damit gut amüsieren, schon!:-D

Facharbeit über Epilepsie.. Hilfe für praktischen Teil

Musica, Thursday, 31.05.2012, 15:40 (vor 5191 Tagen) @ Dragonheart

Hallo Dragonheart, was würdest Du aus meiner provokanten Frage schließen:
"Warum gibt es eigentlich kein Forum für z.B. Asthmatiker o.ä." Lieben Gruß,Musica