Gestern wieder Speech arrest, wer hat Erfahrung damit?
mezeg, München, Wednesday, 16.05.2012, 10:26 (vor 5206 Tagen)
hatte am Telefon mal vor ca. 3 Jahren ein Speech arrest in meiner Sprache, ich hörte nicht mehr dem Partner zu. Das war bevor die Epilepsie diagnostiziert wurde und eben vor der O.P. Dann beim langsamen Absetzen von Keppra war ich nach Stresstituation kurz unfähig etwas deutliches zu sagen, ebenfalls in meiner Sprache, aber ich wußte genau, was ich tat, wo ich war, nur Panik, dass es so bleiben könnte. Vor ein paar Woche während eines stressfreien Gesprächs in Deutsch konnte ich das gesuchte Wort weder in Deutsch noch in meiner Sprache finden, es kam nur eindringlich in Italienisch - dsbei kein Alltagswort -, dazu das Angstgefühl, es war aber keine Alterserscheinung. Und gestern, als ich die zwei kleinen Jungs von Landsleuten zum Logopäde begleitete, war ich kurz unfähig zu reden oder gar in Wörtern sei es nur "innerlich" zu denken, vielleicht gestammelt. Nur sehr klar merken, wie die zwei mich verwundert angeschaut hatten. Dann Übelkeit (kein Erbrechen), als ich den Jüngeren während der Stunde betreute - und normal sprach. Zu Hause wartete auf mich ein aufgeweckter fröhlicher 14-jähriger Gast, der mich sogar in seine "Musik" einweihte und es war alles vorbei und fröhlich-normal.
Meine größte Sorge ist nicht das Speech arrest an sich, auch wenn ich immer Angst habe, dadurch negativ aufzufallen, vielmehr die nagende Furcht, dass es nur der Vorbote eines richtigen Anfalls oder einer Absence sei, die unweigerlich nun kommen werden. Weiß jemand Bescheid? Kann ich hoffen, dass es bei diesen kurzen Sprachschwierigkeiten bleibt? Oder soll ich doch damit rechnen, die vor kurzem reduzierte Aufdosierung samt Risiken (2 Absences) wiederaufnehmen zu müssen?
Grüßen an allen "Kollegen" vom Neuling.
Aphasie / Dysphasie?
mezeg, München, Friday, 18.05.2012, 19:08 (vor 5204 Tagen) @ mezeg
versuche meinen Problem näher zu kommen. Hatte heute wieder beim fröhlichen Gespräch mit einem Freund. Zuerst eine "verschwommene Erinnerung", dann die Unfähigkeit, meine "Aussage" in Wörtern zu definieren, also nicht bloß stammeln, sondern den Gedanken zwar "fühlen" aber nicht in Wörtern präzisieren. Ich frage mich nun, ob es nicht mit dem Wortzentrum zusammenhängt. Bei der OP-Vorbereitung wurde ich informiert, dass das Sprachzentrum dabei beschädigt werden konnte und ich könnte danach feststellen, dass meine Redefähigkeit überprüft wurde. Bei Wikipedia wird von erworbene Aphasie mit Epilepsie gesprochen, ich weiß aber nicht, ob Aphasie von Epilepsie verursacht werden können, oder ob beide grundsätzlich zusammengehören. Hat jemand Erfahrung damit?
Aphasie / Dysphasie?
mascha, Friday, 18.05.2012, 19:17 (vor 5204 Tagen) @ mezeg
Hallo mezeg,
ich kenne das Gefühl, wenn man gerade am Erzählen ist, dann verliert man sein Wort, der Gedanke beginnt sich immer weiter zu entfernen...ich sage dann meistens: ehhhh...oh, Faden verloren.Manchmal kann ich da ansetzen, oft ist alles weg. Und oft bekomme ich dann einen kleinen Anfall. Es sind IMMER Themen, die mich emotional anrühren!!! Du schreibst, das es dir besser geht , wenn du mit Kindern zusammen bist. Es würde mich interessieren ob das andere auch kennen: Situationen in denen es deutlich besser geht und man weniger in Gefahr ist. Bei mir ist es , wenn ich auf dem Pferd sitze und durch die Natur reite.
Gruß mascha
Aphasie / Dysphasie?
mezeg, München, Saturday, 19.05.2012, 18:22 (vor 5203 Tagen) @ mascha
Hallo Mascha,
bei mir wird es auch konfus, wenn ich jemandem zuhöre. Oft fängt es mit einer "verschwommene Erinnerung", die mich voll in Anspruch nimmt, ich verliere den Boden unter den Füssen. Manchmal kann ich abwehren, durch die Mehrsprachigkeit (und das Alter...) wurde es mir von Fremden abgenommen, Freunde und Verwandschaft kennen mich aber zu gut. Allerdings ist es mir einmal passiert, im Gespräch mit einem eng Vertrautem und Freund, nebenbei unserem Familienarzt seit über 40 Jahren. Habe ihn erst am Tag danach gefragt, weder er noch seine Frau hatten etwas bemerkt, er hätte mich sonst al Arzt sofort angesprochen.
Gestern war es äußerst deutlich, der Freund merkte es auch sofort. Wir hatten uns seit der OP nicht mehr gesehen aber mit e-mail korrespondiert, er wußte Bescheid. Meinte am Anfang vom Gespräch, dass ich wie immer flüssig rede. Er fragte, ob ich noch einen Nebenjob hatte, dann kam mir eine "verschwommene Erinnerung" und ich konnte trotz fieberhaften Versuchen die Wörter nicht finden. Ich weiss, dass ich Tai Ji und Qi Gong "gefühlt" habe, konnte aber nur stammeln (wenn überhaupt). Der Freund blieb ruhig-freundlich und sagte "Lass Dir nur Zeit, ich gehe dabei zur Toilette". Dann war alles wieder in Ordnung.
Den Faden habe ich eigentlich nie verloren, wenn auch nicht mehr sinnig. Bei dem ersten (richtigen) Anfall ging es um Ricchi & Poveri, beim Arzt ging es um besondere Salatsorten. Bei mir sind es nicht unbedingt emotionale Themen, es kommt aber mit Zeitvezögerung NACH einer Emotion oder Stress. Der Neurologe meint, Anfälle / Auras erfolgen in der Relax-Phase.
Mir geht es immer besser, wenn ich abgelenkt bin und ich weiss ziemlich gut, was mic belastet, also in der Zeit danach ist Vorsicht geboten. Wie geschrieben, ist "gute" Ablenkung immer günstig. Als ich nach dem dritten Anfall ins Krankenhaus gefahren wurde, wurde mir übel, die Brechschale lehnte ich ab aber bat den Sanitäter mir irgendwas harmloses zu erzählen. Er fing sofort und mit absoluter Natürlichkeit über seine Erfahrungen als Tourist in Paris. Ich bin zwar "nur" Provinzlerin aber mit diesem Thema konnte ich sofort einsteigen und mitreden, die Übelkeit war vergessen.
Als Ablenkung ist mir auch Musik sehr wichtig, nicht immer die gleiche, je nach Stimmung. Auch ein Treffen mit netten Freunden, vielen Verwandten (leider nicht allen!), die sehr wohl über die Situation informiert sind. Es wird vielleicht auch darüber geredet, aber nur beiläufig. Habe mich auch bei der italienischen Konversation (Senioren) geoutet, es wurde mit Neugier, Interesse, Mitgefühl (aber keine Gefühlsduselei) aufgenommen. Unser gegenseitiges Verhalten ist jetzt vollkommen "normal", für mich immer Freude ohne Bedenken.
Das allerbeste Gegenmittel für mich ähnelt Deinem Ritt auf Pferd durch schöne Landschaft, mein "Pferd" (oder besser "Pferde") ist ein Drahtesel, ich bin begeisterte Genuß-Radlerin, routiniert, lange Strecken auch möglich (letztes Jahr insgesamt 9.1080 Km) aber nie mit rasender Geschwindigkeit, ich will doch die Landschaft sehen und genießen. Wozu Tabak, Alkohol, Drogen? Auf meinem Rad bin ich high, die Welt liegt mir zu Füßen. Darum hatte ich auch immer gesagt, dass ich es mir nicht verbieten lassen. Der Neuro-Chirurg, der mir den Schädel aufgebohrt hatte, radelt auch und sagte, bei temporaler Epilepsie sei das Risiko minimal, ein Anfall meldet sich sowieso vom Magen herauf, die Rolle der Lebensqualität darf nicht unterschätzt werden, Radfahren ist gesund! Und auf dem Rad hatte ich nie Probleme.
Ich bin heute 58 km geradelt, mit Foehn-Panorama über die Alpen, ich bin selig...
Streichle Dein Pferd für mich!
Mezeg
Aphasie / Dysphasie?
mascha, Monday, 21.05.2012, 15:02 (vor 5201 Tagen) @ mezeg
Hallo mezeg,
mhh, das hört sich alles etwas seltsam an. Hast du mit deinem Arzt über das Problem gesprochen ( mögliche Folge der OP ) ? Vielleicht haben diese Sprachstörungen gar nicht unbedingt mit der Epilepsie zu tun. Ich kenne mich da überhaupt nicht aus aber ich bin damals auch zu mehreren Ärzten gegangen und habe auch Alternative Geschichten in Anspruch genommen.
Kennen tu ich diese Ängste, die auftauchen , wenn man in der Öffentlichkeit Angst hat " dumm aufzufallen " Auch bei mir ist es meine Familie, die mich und meine Krankheit in und auswendig kennt und trotzdem hasse ich es ein Gespräch nur stockend und blockeiert beiwohnen zu können. Von den weggeschleuderten Kaffeebechern mal abgesehen. Dabei bin ich so gerne unter Menschen!
Und wie gesagt, allein in der Natur ist herrlich. Das ist ja irre was du mit dem Rad an Strecken fährst. Ich fahre auch viel und gerne Fahrrad aber DAS bekomme ich nicht zusammen. Hutab!
Und dann noch durch die Berge. Puh!
Auf jeden Fall finde ich es toll, wenn man sich von der Krankheit nicht ausbremsen lässt sonder trotzdem sich sein Leben schön gestalten, mit allen Möglichkeiten die man hat.
Herzliche Grüße von mascha
Aphasie / Dysphasie?
mezeg, München, Monday, 21.05.2012, 21:23 (vor 5201 Tagen) @ mascha
Hallo Mascha,
ich tippe auch auf eine Beschädigung des Sprachzentrums. Bei der OP-Vorbereitung sagte mir der Neuro-Chirurg, dass das Sprachzentrum geschädigt werden könnte
!
Als ich in der Nacht danach wach wurde, habe ich mich nach einer Weile daran erinnert und da ich bereits mit der Krankenschwester etwas deutsch gesprochen hatte, versuchte ich etwas französisch. Klappte auch. Der Zufall wollte, dass der Pfleger in der Früh Italiener war, also habe ich mich mit ihm in der Sprache unterhalten. Klappte auch. Also probeweise nur für mich etwas englisch. Auch machbar. Ich döste wieder, da kam der Chirurg und sagte lächelnd, dass alles entfernt werden konnte. Er muss bei der Gelegenheit sich nach meiner Sprachfähigkeit erkundigt haben, 4 Tage danach kam die Chefarzt-Visite und er stellte mich als "Französin mit fünf Sprachen" vor. Hsbe ihn sofort auf vier runtergefahren, aber wie hätte er sonst gewußt, dass ich vier Sprachen kann? Zweisprachig war es klar, aber über die anderen zwei stand natürlich nichts in meiner Akte, er war ihm also wichtig, sich nach meiner Sprachgewandtheit zu informieren.
Der Neurologe verstand sofort und sprach von "Speech Arrest", darüber nicht erfreut, aber nicht ratlos. Habe mich durch Internet etwas informiert, ich kann auf deutschen wie französischen Seiten jonglieren und bekomme so mehr Informationen oder die Bestätigung von den anderen. Aphasie kann sehr wohl in Zusammenhang mit Epilepsie auftreten. Da ich laut Bericht an einer "überhöhten Stressanfälligkeit" leide, kann wohl eben eine Stresssituation mit etwas Verzögerung zu diesen Sprachproblemen kommen. Es geht auch nicht darum, ein Wort vergessen zu haben, das ist ärgerlich aber normal. In solche Fällen gehen mir wie Wellen durch den Kopf und nehmen die Aufmerksamkeit für sie in Anspruch. Ich bleibe aber bei Bewußtsein und weiß, wo ich bin und mit wem aber ich wäre so gerne alleine, um dieser "verschwommenen Erinnerung" nachzugehen, was wahrscheinlich sowieso nicht möglich wäre.
Die Angst habe ich auch, fast Panik, wenn mich so eine Sprachstörung trifft. Ich versuche es zu kaschieren. Der Vorfall aber letzten Freitag mit diesem Radlerfreund hat mir aber Mut gegeben, er nahm es so normal an, als ob ich nur geniest hätte und sagte, ich soll mir doch nichts dabei denken.
Ich habe mich auch in der letzten Zeit zurückgezogen, weil ich eben nicht auffallen will und erklären müssen, was viele sowieso nicht begreifen können /wollen.
Die Radkilometer kommen zusammen, weil ich fast täglich fahre, nicht unbedingt sehr weit aber z.B. 28 km in meiner Wald. Und die Wohnung liegt geografisch sehr günstig. Dazu der Urlaub auf zwei Rädern in meiner Heimat, so lernt man sie am Besten kennen. Ich bin auch früher mit dem Rad zur Arbeit gefahren (aber nicht bei Schnee und Gleiteis) und überschritt eines Jahres die 14.000 Km-Marke. Das geht natürlich nicht mehr! Und "durch die Berge" fahre ich nicht, aber das Alpenvorland ist natürlich hügelig. Gestern bin ich 59 km geradelt, es gab mehrere Möglichkeiten abzukürzen, aber ich hatte einfach Lust, durch die Landschaft zu radeln. Heute 35 KM, zuerst zum Italienisch-Kurs in der Stadt, dann der jüngeren (schlanken) Tochter beim Shopping in der Stadt nachgeradelt. Die eine recht unangenehme Steigung habe ich zwar mit einem niedrigen Gang genommen, sie hat ihr Rad geschoben... Tut manchmal ganz gut zu sehen, dass man doch noch nicht soooooooooooooo alt ist!
Na ja, Leute aus meiner Provinz sind für ihre Granitschädel bekannt!
Dir auch viele Grüße
Mezeg