Beziehung zu einem Epileptiker
Schusselchen, Sunday, 17.06.2012, 17:50 (vor 5174 Tagen)
Ich weiss nicht mehr so recht weiter. Führe seit etwa anderthalb Jahren eine Bez. mit einem Epileptiker. Seit dem wir zusammen sind, hat er keinen Anfall gehabt...war nur zweimal kurz davor. Ich helfe ihm wo ich kann, erinnere ihn Abends an seine Medizin, sorge dafür das er regelmässig isst...etc.
Wir haben uns aufrichtig liebgewonnen, und er wollte schon vor einiger Zeit - das wir zusammenziehen. Da ich mich aber erst frisch von meinem Ehemann getrennt hatte, bat ich mir Bedenkzeit aus. Okay, die ist rum - und ich sagte ihm , das ich sehr gern bei ihm einziehen würde.
Alles was gut, er freute sich riesig.....! Doch vor einiger Zeit bemerkte ich in seinem 'Verhalten eine Veränderung. Sprach ihn darauf an, worauf er mir sagte - zurückrudern wolle er nicht, ABER: er hätte Angst seine Freiheiten aufgeben zu müssen, das ich ja nur ihn als Bezugsperson hätte....etc.
Klar, alles normale Ängste die auch ein Nicht-epileptiker hätte. Er hat in seiner Wohnung eine spezielle Ordnung, vor allem im Kleiderschrank - sowas hab ich noch nie gesehen.....
Er hat bestimmte Rituale, von denen er keinen Deut abweichen will oder kann. Gut - so als Junggeselle schleift sich das ein oder andere ein. Frage mich allerdings, ist es tatsächlich nur das - oder hat er aufgrund seiner Erkrankung tatsächlich andere "Bedürfnisse" andere Prioritäten? Da er nicht so gerne mit mir über seine Krankheit spricht, bin ich auf andere Informationsquellen angewiesen - ich möchte einfach nur verstehen bzw. wissen, ob es in anderen Beziehungen - wegen der Epilepsie - auch zu Konfrontationen kommt?
Beziehung zu einem Epileptiker
mascha, Sunday, 17.06.2012, 18:01 (vor 5174 Tagen) @ Schusselchen
Hallo Schusselchen,
denk dir mal die Epilepsie weg! Dann das was an Fakten da ist, schaust du dir an, schreibe alle " Eigenheiten " deines Partners auf, die dir negativ auffallen. Nun schau ob du mit seinen " Macken " leben kannst und möchtest. Eins ist Sicher: beim Zusammenleben wird alles eher noch intensiver. Kommt auch darauf an ob nur er so penibel mit seinen Sachen ist, oder das auch von dir verlangt. Ich habe mir nach meiner 1. Ehe geschworen: ich verbiege mich nicht mehr für einen anderen Menschen. Ich fand für meinen Ex immer wieder Entschuldigungen warum er dies oder das macht. Fehler haben wir alle, die Frage ist: kann mann damit leben und wie weit findet Kommunikation statt. Gaaaaaanz wichtig. Teile ihm deine Ängste mit!
Gut überlegen! Ich wünsche dir viel Glück
Mascha
Beziehung zu einem Epileptiker
Schusselchen, Sunday, 17.06.2012, 18:04 (vor 5174 Tagen) @ mascha
Danke dir sehr, für diesen Denkanstoss....
Gruss
Schusselchen
Beziehung zu einem Epileptiker
Musica, Sunday, 17.06.2012, 21:03 (vor 5174 Tagen) @ Schusselchen
Halla Schusselchen, da kann ich Mascha nur bestätigen! LG,Musica
Beziehung zu einem Epileptiker
Green, Sunday, 17.06.2012, 21:03 (vor 5174 Tagen) @ Schusselchen
Hallo Schusselchen
Siehst Du das als deine Aufgaben an in einer Partnerschaft ...jemanden jeden abend an seine Medikamente ..ans essen usw. zu erinnern..sowas mach ich mit einem KInd oder? Wie hat er den vor dir gelebt? Das machst Du alles und dann ist er nicht bereit mit dir über seine Krankheit zureden? Um vertrauen zuhaben muss ich doch wissen wie manche Dinge ticken...wenn ich mir ein neues Auto anschaffe muss ich auch wissen wie es geht! Das wäre für mich in einer Partnerschaft auch wichtig das man wenigstens darüber redet.
Ob seine Rituale was mit der Epilepsie zutun haben..wer weiss vielleicht seine Art damit fertig zuwerden....jedem sein Weg.
Egal ob es was mit der Epilepsie zutun hat oder nicht du musst dann damit leben....kannst du das willst Du das?
Mascha hat es so schön beschrieben..schau wie es Dir geht.....ob du bereit bist mit sowas zuleben.Hör auf Deinen Bauch.
Was meint er damit das du nur IHn als Bezugsperson hast?
Gruss Green
Beziehung zu einem Epileptiker
Schusselchen, Monday, 18.06.2012, 21:11 (vor 5173 Tagen) @ Green
Danke für diese Antwort: und ja, ich kann und will damit leben - mit all den Eigenarten.
Habe viel nachgedacht, und bemerke wie blöde meine Frage an Euch alle war.
LG Schusselchen
Beziehung zu einem Epileptiker
Green, Tuesday, 19.06.2012, 07:11 (vor 5172 Tagen) @ Schusselchen
Hallo
ich fand deine Fragen völlig normal. www.moses-schulung.de vielleicht interesant für Euch. Alles gute
Gruss Green
Beziehung zu einem Epileptiker
mezeg, München, Monday, 18.06.2012, 17:27 (vor 5173 Tagen) @
Schusselchen
bearbeitet von mezeg, Monday, 18.06.2012, 17:31
Hallo Schusselchen,
mit einem Epileptiker lebe ich nicht, ich bin eben die Epileptikerin (neuerdings). Und meine zwei Lebenspartner beschweren sich nicht, solange sie ihr Futter und Streicheleinheiten bekommen. Miaou!
Spaß beiseite. In Deinem Bericht fallen mir drei Punkte auf:
1) hast Du Dich wirklich von Deiner früheren Beziehung getrennt? Ich meine nicht gesetzlich, sondern emotional? Positive wie negative Gefühle? Willst Du Dir doch beweisen, dass die Probleme nicht an Dir lagen oder Deinem früheren zeigen, dass Du viel besseres gefunden hast? Ich würde auf jedem Fall darüber grübeln.
2) Dann der Glucken-Effekt. Als meine jüngere Tochter letztes Jahr von meiner symptomatischen Epilepsie erfuhr, benahm sie sich sehr feinfühlig, zartbesaitet, hilfsbereit. Aber mit der Zeit finde ich, dass sie zuviel Einfluß auf mein Leben nimmt und nehmen will. Keineswegs boshaft aber es reizt mich immer mehr. Ich bin doch nicht gaga!! Bin heute noch so gereizt, dass sie für etwas so insistiert hat, das ich sowieso angehen wollte, aber auf meiner Art! Ich könnte mir deswegen eine Abwehrreaktion seitens Deines Freunds gut vorstellen.
Habe gestern meine Tochter am Telefon ziemlich scharf abgewiesen und heute Telefon wie Klingel abgestellt, dazu zugesperrt und den Schlüssel stecken lassen. Ich bin doch mein Herr! Oder besser meine Frau??
Habe übrigens auch eine Schwester (nicht epileptisch, sondern bipolar, wohl degenerierte Familie
), die Obermacht auf andere nehmen will, nur weil sie helfen will und kann (meint sie!). Sie nervt mich unheimlich, will mich z.B. neuerdings in ihre Art der Religion "konvertieren". Ich habe dabei das Gefühl, sie schwirrt nur um mich herum, wie eine Scheißfliege!!
Könnte also Dein Bekannter eben fürchten, dass Du ihn zu sehr / zu nah bevormünden will? Und sich bewußt oder nicht etwas zurückziehen?
3) Und dann seine Macken, pardon, Gewohnheiten. Für mich hat es, wenn überhaupt, nur randmässig mit Epilepsie zu tun. Solche übertriebene Ordnungsfanatiker sind mir immer suspekt. Keine Kreativität, Angst vor Neuem, Festklammern an was besteht oder noch schlimmer mal bestanden hat. Zugegeben etwas Ordnung und System muss schon sein, ärgere mich regelmässig, wo ich meine Brille schon wieder hingelegt habe (nicht im Kühlschrank), anstatt einfach ins Etui. Aber trotz allem liegt die Brille "logisch", meist einfach, wo ich sie zum letzten Mal benützt hatte. Aber sie immer in dieses Etui auf diesem Tisch in diesem Zimmer legen müssen??
P.S. mein (sehr) früherer Ehemann war auch von dem Typ... vielleicht bin ich nicht ganz unparteiisch
Auf jedem Fall nimmt Dir Zeit und treffe noch keine endgültige Entscheidung, z.B. Deine Wohnung noch nicht aufgeben, auch wenn Du immer bei ihm bist.
mezeg
Beziehung zu einem Epileptiker
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Monday, 18.06.2012, 20:59 (vor 5173 Tagen) @ Schusselchen
Ich glaube, so richtig von Herzen gerne reden nur wenige von uns Epileptikern über unsere Krankheit. Ich denk, es fällt uns eher unterschiedlich leicht/schwer, darüber zu reden, mit abhängig davon, wie gut wir damit zurechtkommen bzw. wie gerne wir uns damit selbst an unsere Krankheit erinnern wollen.
Ich persönlich empfände es zumindest als nervend, wenn sich jemand aus meinem persönlichen Umfeld darum kümmern, nachfragen oder sonstwie darauf achten würde, dass ich auch ja meine Medizin regelmäßig nehme. Würde die auch so nehmen aus reiner Routine, ohne dabei überhaupt an meine Epilepsie wirklich so richtig bewusst zu denken, im Gegensatz dazu, wenn mich jemand erinnern würde. Oder wenn mir jemand "helfen würde, wo er kann". Das empfände ich persönlich als bemutternd.
Aber statt jetzt viele Worte zu schreiben möchte ich lieber einmal ein paar Fragen in den Raum stellen, die Du hier nicht beantworten musst, wenn Du nicht willst, aber einfach einmal als Denkanstoß für Dich:
1) So wie ich Deinen Text lese, schränkt Euch seine Epilepsie nicht im Alltag ein. Er ist, bis auf die zwei Mal(ich gehe jetzt einmal Auren aus) fast anfallsfrei. Spielt für Dich seine Epilepsie in Eurer Beziehung vielleicht eine größere Rolle, als für ihn, bzw. als Du Dir selbst eingestehen willst? Und wieso fragst Du gerade hier nach seinen möglichen Bedürfnissen, anstatt mit ihm zu reden? Und wieso machst Du Dir überhaupt Gedanken um "besondere" Bedürfnisse von ihm als Epileptiker? Reicht Dein vertrauen in ihn nicht so weit, dass Du darauf vertraust, dass er Dir sagen würde, wenn ihm etwas fehlt?
2) Du schreibst, er hätte Angst, seine Freiheiten aufgeben zu müssen. Was meint er mit Freiheiten? Die Freiheit, einen traditionellen Männerfußballabend mit ein paar alten Kumpels auch einmal ohne Dich zu verbringen?
3) Du schreibst, in seinen Augen wäre er Deine einzige Bezugsperson. Wie kommt er zu diesem Eindruck? Hat er den Eindruck, dass Du zu viel an ihm "klammerst" oder hast Du in seinen Augen nur wenige freundschaftliche Kontakte, mit denen Du einmal etwas ohne ihn unternimmst?
4) Was meinst Du mit spezieller Ordnung? Was genau stört Dich daran? Will er die Ordnung wirklich nicht ändern, oder will er nur nicht, dass Du sie komplett auf den Kopf stellst( und vielleicht Deinem früheren Leben anpasst)?
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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil