Aura, weil wieder emotional erpresst
mezeg, München, Wednesday, 11.07.2012, 10:14 (vor 5150 Tagen)
Hallo,
ich betreue ehrenamtlich seit fast einem Jahr das Mädchen L. im Rahmen eines Bildungsprojekts und kann die Gleichgültigkeit der Mutter ihr gegenüber und deren unverschämte Erwartungen mir gegenüber schwer ertragen. Weil sie mich im Dezember gewzungen hat, L. ins Schwimmbad zu bringen, obwohl ich das nicht darf, bekam ich eine Reihe Auras, woraus der Neurologe die Dosis erhöhte. Ich bekam Unterstützung von den Sozialarbeiterinnen.
Die Mutter bat mich nun darum, L. das Radfahren beizubringen. Das kann ich, hatte sogar bei einem Kurs für Erwachsene kräftig geholfen.
L. erzählte mir von ihrem Fahrrad, dass die Mutter aber aufpumpen sollte. Da war ich schon auf dem Hut und nahm Pumpe und Zange mit. Die Mutter holte aber ein Rad, dass nicht zu L. Erzählung passte: groß, Stange, zu hohen Sattel, also Rad von ihrem Bruder. Ich monierte es, besonders den Sattel, aber die Mutter hatte natürlich kein Werkzeug. Da machte ich den Fehler, L. zuliebe, das Rad mitzunehmen und es auf halber Strecke mit meinem Schloß festzumachen, um mit L. bei mir einen Satz Imbus-Schlüssel und Kriech-Öl zu holen.
Auf dem Rückweg zum Rad bekam ich eine Aura, kurz Unfähigkeit Wörter zu denken und auszusprechen, wußte aber, wo ich war und was ich tat. Aber Erschöpfung, ich hätte L. am liebsten nach Hause gebracht. Dann mit Kriech-Öl und Imbus doch mit viel Mühe - eingerostet - den Sattel runtergesetzt aber es war hoffnungslos. Ich mußte vor allem L. klar zu machen, wie sie ihren Helm auf- und zumacht, wegen der Stange rauf und runter geht, den Lenker halten sollte, die Bremsen betätigen sollte und ständig neben ihr laufen, klar, dass sie keine Chance hatte.
Zurück bei ihr gab sich die Mutter wie immer keine Mühe in den Hof rauszukommen und das Rad und meine Bemerkungen (!) in Empfang zu nehmen. Dann habe ich laut gesagt, dass ich den Sattel nicht wieder nach oben stelle und sie tat dann, als sie nicht wußte, dass dieses Rad definitiv nicht paßt, und das Rad von L. müßte sie doch aufpumpen. Ich schätze dazu, dass die Schläuche wegen langes Stehens kaputt sind.
Und ich bin heute mit einem schlimmen Albtraum erwacht: Mußte ein kleines defektes Rad auf einer 40 Km-Strecke probieren, als Schleife für mich kein Problem, aber es handelte sich um eine gerade Strecke, ich kam an in das Unbekannte, mußte das Rad durch mehrere gepanzerte Türe durchziehen (ich bin klaustrophobe), vergass es irgendwo, bekam keine Auskünfte, wo ich bin etc, stieg in einen Bus und landete nachts an ein verschneites Feld.
Ich wollte seit lange der Mutter meine Wut ins Gesicht schleudern, tat es wegen L. nicht. Heute morgen nehme ich das Handy: Ihre Nummer hat sie schon wieder (zum 4. Mal...) geändert. Meine Tochter sagt mir noch, wenn ich aufgebe, bestrafe ich nicht die Mutter sondern das Mädchen. Das hat mir den Rest gegeben. Der Projektleiterin habe ich auf Anrufbeantworter erklärt, dass ich es jetzt gesundheitlich nicht mehr hinbekomme und warum.
Und ich kann das Heulen weiterhin nicht unterdrücken.
Ich weiß, dass Ihr alle weitaus belastendere Probleme habt wie ich, aber ich mußte mich ausweinen. Die Tochter sagt immer, ich sollte mich deswegen nicht aufregen aber ich kann es seit der OP nicht mehr unterlassen.
mezeg
Aura, weil wieder emotional erpresst
mascha, Wednesday, 11.07.2012, 11:24 (vor 5150 Tagen) @ mezeg
liebe mezeg,
dein Bericht hat mich sehr berührt, ist es doch auch grade mein Thema.
Ich bin ein Mensch der lieber " aushält " statt an eigene Bedürfnisse zu denken.
Vor 5 Jahren starb mein Vater. Seit dem geht es mit meiner Mutter immer weiter bergab. Depressionen ( hatte sie immer schon ) und beginnende Demenz.
Ich habe noch 2 Geschwister aber, da ich dichter dran bin und wohne, leiste ich den Löwenanteil. Vor einem Jahr, stellte sich bei uns erste Erschöpfungszustände ein und wir versuchten uns zu entlasten. Sie lehnte ab :
Seniorenheim, Arzt, Medikamente, Essen auf Rädern, Putzfrau, Gärtner, Einkaufshilfe etc
Ich kann nicht mehr!! Meine Frage nun: wieviel muss eine Tochter für ihre Mutter leisten? Ich sorge quasi schon mein Leben lang für ihr Wohlergehen. War in der Familie immer dafür da, dass es allen gut geht. Ich habe selber einen Mann, 2 Kinder, einen Enkel, 2 Pferde, einen großen Garten, einen Haushalt und einen Minijob.
Insofern kann ich dich zu deiner Entscheidung nur beglückwünschen. Klar ist dabei erstmal ein Mensch auf der Strecke gebliebn aber wir können eh die Welt nicht von Kummer befreien. Aber mit gutem Beispiel voran gehen, denn wenn jeder darauf achtet, dass es ihm gut geht, geht es jedem gut
In diesem Sinne, das Leben ist ein Lernen.
Viele Grüße von mascha
Aura, weil wieder emotional erpresst
Mondenkind, Wednesday, 11.07.2012, 13:03 (vor 5150 Tagen) @ mascha
Hallo mascha,
Sie lehnte ab :
Seniorenheim, Arzt, Medikamente, Essen auf Rädern, Putzfrau, Gärtner, Einkaufshilfe etc
Ich kann nicht mehr!! Meine Frage nun: wieviel muss eine Tochter für ihre Mutter leisten? Ich sorge quasi schon mein Leben lang für ihr Wohlergehen. War in der Familie immer dafür da, dass es allen gut geht. Ich habe selber einen Mann, 2 Kinder, einen Enkel, 2 Pferde, einen großen Garten, einen Haushalt und einen Minijob.
Das kenne ich von der Oma meines Mannes, eigentlich eine ganz liebe, meinte, dass sie alles alleine hinbekommt. "C. kommt doch jedes Wochenende und macht meine Medikamente, P. und M. kommen mehrmals die Woche vorbei, das reicht doch".
Aber irgendwann ging es eben nicht mehr. Doch ins Heim?? Um Gottes Willen - nie im Leben. Also, was dann? Mein Schwiegerpapa informierte sich über Haushaltshilfen für Senioren aus den Oststaaten. Oma war zwar skeptisch (wir wussten ja ebenso wie sie nicht, was auf uns zukommt), aber sie akzeptierte.
Mittlerweile kommen seit fast 5 Jahren Frauen aus den Oststaaten zu Oma (je ca. 6 - 10 Wochen), mittlerweile wechseln sich quasi immer 3 ab und mit ihnen sind wir sehr zufrieden. Sie gehören, wenn sie da sind, quasi zur Familie. Wenn Oma zum Geburtstag eingeladen wird, ist klar, dass ihre Hilfe dann auch mitkommt.
Oder bei Geburtstagen oder Weihnachtsfeier bei Oma ist auch klar, dass sie mit bei uns am Tisch sitzt bzw. sie dann auch mal Pause hat und nicht wegen allem aufspringen muss, sondern dann auch wir mal was machen.
Mittlerweile geht es Oma nicht mehr so gut, und es wenn sich mein Schwiegerpapa und seine Geschwister damals nicht dafür entschieden hätten, würde Oma jetzt wahrscheinlich doch irgendwo in einem Heim sein. Aber so können sie Oma wahrscheinlich den Wunsch erfüllen, irgendwann zu Hause zu sterben.
Lieben Gruß
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Aura, weil wieder emotional erpresst
mascha, Wednesday, 11.07.2012, 13:47 (vor 5150 Tagen) @ Mondenkind
Hi Mondenkind,
ganz ganz lieben Dank für deinen Bericht ( hatte ja nun nur indirekt mit unserem Thema zu tun )
Es ist doch sehr tröstend zu erfahren, dass man nicht alleine vor diesem Problem steht.
Das hört sich sehr gut an, was du da berichtest. Ich werde mich mal erkundigen. Sie wird es zwar auch nicht wollen aber da ich grade seit vorgestern in den Streik getreten bin, sind jetzt plötzlich alle gezwungen eine Entscheidung zu treffen. Eine sehr coole Erfahrung. So ist das mit dem " Staubaufwirbeln " man denkt immer alles bricht zusammen aber....es gibt Platz für Neuerungen, die evtl gar nicht schlecht sind. Bin gespannt wie es bei uns weiter geht. Ich merke, dass ich plötzlich viel mehr Energie habe, habe gestern voller Muße in MEINEM Garten gearbeitet, war heute morgen ganz in Ruhe und voller Genuss Reiten. Ich würde so gerne weiter mein Leben leben und nicht das meiner Mutter.
Kann mich mezeg nur anschließen, danke fürs Lesen und Eingehen auch auf artfremde Themen
Grüße von mascha
Aura, weil wieder emotional erpresst
Mondenkind, Wednesday, 11.07.2012, 13:59 (vor 5150 Tagen) @ mascha
Hallo Mascha,
kein Problem - muss aber auch mal sein
.
Wie gesagt, ich habe es in der Familie mitbekommen. Und ich kann nur sagen, dass wir sehr zufrieden damit sind (hatten nur einmal eine nicht ganz so gute... aber ok, das ist wahrscheinlich auch Ansichtssache).
Lieben Gruß
Mondenkind
--
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(George Bernard Shaw)
Aura, weil wieder emotional erpresst
mezeg, München, Wednesday, 11.07.2012, 15:44 (vor 5150 Tagen) @ mascha
Liebe Mascha und Mondenkind,
das Problem mit älteren Verwandten ist mir auch bekannt. Beide Großmütter hatten ganztags (und nachts) eine Hilfe, mit Vertretung für Wochenende und Ferien. Die Großmutter auf der Mutterseite war die schwierigere - wie vorher - hatte auch ihren Schlaganfall selber verursacht, weil sie ihre Medikamente nicht nahm, Ärzte sind doch alle blöd! Wir wohnten sehr nah und sie hatte von uns jeden Tag Besuch.
Die "väterliche" Großmutter wohnte direkt nebenan und war für uns das Idealbild einer Großmutter. Ihre Haushalthilfe war zwar "krachert" und selbstbewußt aber engagiert und gewissenhaft. Da sie keine Familie hatte, war es selbstverständlich, dass sie immer mitfeiert. Und da diese Großmutter immer eine gütige Frau war und christlich noch, bekam sie viel Besuch, Enkelinnen, Urenkel, Nachbanr, Gebetskreis usw. Sie ist "fast" zu Hause gestorben, die Haushälterin merkte, dass sie einen Schwächeanfall bekam, sie wurde ins Krankenhaus gebracht und operiert, sie wachte (92 Jahre) von der Narkose nicht mehr auf. Sie blieb auf jedem Fall in ihrer gewohnten Umgebung, im Bett, wo mein Großvater gestorben war, mit dem schnurrenden Kater auf ihren Füssen.
Mit meiner Mutter ist es anders. Sie zog (mit 79 Jahren!) in eine Wohnung, die meine jüngste Schwester gekauft hatte. Als ich die Wohnung sah, war ich entsetzt: langer Weg zum Supermarkt, erster Stock ohne Aufzug! Ein Jahr danach brach sie sich ein Bein und Alzheimer fing an. Die Schwester brachte sie dazu, ins Altersheim zu gehen. Sie hat alle Vollmachten in die Hand genommen, ich bin zu weit um einzugreifen und/oder effektiv helfen und sie macht es gut und einfühlsam, nichts zu sagen. Schlechtes Gewissen habe ich aber nicht. Nicht nur wegen der Entfernung aber auch weil diese Schwester durch ihre Nähe allerlei Vorzüge genossen hatte: Ganztagsbetreuung ihrer zwei Kinder, damit sie ganztags arbeitet, jedezeit Benützung von Fax, Telefon, Wohnmobil, Kreditgarantien seitens meines Vaters, das neue Auto meiner Mutter vollkommen übernommen, usw. Keine Kritik meinerseits: Ich war eben in der Ferne. Sollte allerdings diese Schwester mir schlechtes Gewissen einreden wollen, würde ich es aber erwähnen. Ich kann jetzt nur meiner Mutter schreiben, anrufen und täglich besuchen, wenn ich da bin.
Was Du vom "Streik" schreibst, kann ich nur zustimmen. Vernachlässigen braucht man sie nicht, aber nicht mehr so intensiv staubsaugen, Fenster putzen, aufwändig kochen, kompliziert einkaufen usw. wäre vielleicht hilfreich. Schließlich muss Deine Mutter realisieren, wieviel Arbeit und Mühe Du investiert. Vielleicht reicht auch für eine Weile eine intensivere Aushilfe mit Putzfrau, Pflegebesuche wie soziale. Damit gewinnt sie Zeit in ihrem Zuhause.
Ich muss sagen, dass ich mich vor dieser Zeit fürchte und dass es vielleicht gar nicht so schlecht wäre, im Atlantik zu den Langustinen unterzugehen.
Wenn die depressiven Phasen wieder vorbei sind, fahre ich aber wieder mit dem Rad durch den Wald und alles sieht heller aus!
mezeg
Aura, weil wieder emotional erpresst
Mondenkind, Wednesday, 11.07.2012, 12:45 (vor 5150 Tagen) @ mezeg
Hallo mezeg,
ich denke, es war die richtige Entscheidung, dass du einen Schlussstrich gezogen hast. Klar, wird das Mädchen traurig deswegen sein, aber es bringt nichts, wenn du immer an ihre Mutter denken musst, wenn du mit ihr etwas unternimmst. Das würde euer Beziehung dann auch nicht gut tun.
Die Aura zeigte ja ggf. schon, dass dir das ganze zu viel wird - und der Traum tat dann den Rest dabei.
Ich weiß, dass Ihr alle weitaus belastendere Probleme habt wie ich, aber ich mußte mich ausweinen.
Ist doch ok. Auch dafür sind wir da.
Lieben Gruß
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Aura, weil wieder emotional erpresst
mezeg, München, Wednesday, 11.07.2012, 15:54 (vor 5150 Tagen) @ Mondenkind
Hallo mezeg,
ich denke, es war die richtige Entscheidung, dass du einen Schlussstrich gezogen hast. Klar, wird das Mädchen traurig deswegen sein, aber es bringt nichts, wenn du immer an ihre Mutter denken musst, wenn du mit ihr etwas unternimmst. Das würde euer Beziehung dann auch nicht gut tun.
Die Aura zeigte ja ggf. schon, dass dir das ganze zu viel wird - und der Traum tat dann den Rest dabei.
Ich weiß, dass Ihr alle weitaus belastendere Probleme habt wie ich, aber ich mußte mich ausweinen.
Ist doch ok. Auch dafür sind wir da.![]()
Lieben Gruß
Mondenkind
Hallo Mascha und Mondenkind,
es tut mir sehr gut Euere Antworten zu lesen und meinen Kummer "niedergeschrieben" zu haben.
Besonders belastend ist die Bemerkung meiner Tochter: Ich bestrafe das Kind! Als ob ich die Schuld trage!
Dabei ist es ihre Mutter, die sie bestraft, durch ihre Gleichgültigkeit, Interesse wohl eher für ihr Schminken und Frisieren, mich unverschämt mit Aufgaben belasten, die sie selbst übernehmen könnte/sollte: Um ein Kind im Nichtschwimmer-Becken zu betreuen, muss kein Erwachsene selber schwimmen können. Und das Fahrrad ihrer Tochter selber aufzupumpen, damit es startklar ist, anstatt mir/ihr das Rad des Bruders "hinzuwerfen".
Als ich versuchte, L. auf dem Rad Ihres Bruders das Fahren beizubringen und somit hebenlief und sie hielt, kam eine ältere Dame vorbei, die ihr sagte: "Ja, man muss alles lernen", woran L. sofort von sich aus antwortete: "sie ist nicht meine Mutter, sondern meine Patin!" Dann sagte die Dame: "schön, dass jemand Zeit für Dich hat!"
Dieser Satz ist mir auch jetzt ein Trost.
Na, meine Gedanken klären sich langsam und die Projektleiterin wird sich nun einsetzen müssen. Eigentlich wäre viel mehr das Jugendamt als ein Bildungsprojekt hier von Nöten!
Danke an Euch!
mezeg
Aura, weil wieder emotional erpresst
Musica, Wednesday, 11.07.2012, 17:51 (vor 5150 Tagen) @ mezeg
Hallo mezeg, wer ist denn der Träger von dem Projekt? Und von wem wird es betreut und finanziert? Hört sich viell. komisch an, aber mit diesem Thema habe ich viel zu tun.
Aber was die Betreuung Deiner Mutter betrifft, kann ich Dir sehr gut nachfühlen. Meine Mutter ist vor 3 Monaten nach 10-jährigem Leiden mit 92 Jahren gestorben. Das Leid war auch meines und nicht selten erlitt ich einen Anfall aufgrund von Aufregungen. Sie war nur 120 km von mir weg. Trotzdem war ich da. Trotz eigener Familie, Haushalt,Beruf und ohne Führerschein. Ihre Demenz schritt fort, ich habe sie quasi ausgetrixt, indem ich ihr Leute schickte, die ich ihr zuvor vorgestellt hatte. So habe ich eine Frau bezahlt (kannte sie gut), die sie besuchte, sich mit ihr beschäftigte und vor allem zu schauen, wie nötig weitere Schritte sind. Bin selbst oft hingefahren. Allmählich wurde es aber gefährlich.Nachts kamen Anrufe, man habe sie irgendwo gefunden....nur 1 Bsp. Was tun aus der Entfernung, 120 km so nebenbei ohne FS sind gar nicht machbar. Letztendlich wurde ich ihre Betreuerin.Meine Schwester hat mir geholfen, sie in das Heim zu bringen. Wir haben sie überreden müssen, da hinein zugehen. Es war einfach fürchterlich und ich hatte ein unendlich schlechtes Gewissen. Aber was sollte ich machen? Meine Schwester hat übrigens nichts getan, ausser mich kritisiert und mir Vorhaltungen gemacht und mich daran gehindert, gleich das Richtige zu tun. Die Entscheidung war die Richtige. Es ging meiner Mutter gut. Sie wurde liebevoll betreut, umsorgt und beschäftigt. Ich kam und blieb so lange und so oft ich wollte. Es war für alle eine Erlösung. Warum existieren so viele Vorurteile gegen Seniorenheime? Lg,Musica
Aura, weil wieder emotional erpresst
Mondenkind, Wednesday, 11.07.2012, 18:49 (vor 5150 Tagen) @ Musica
Hallo Musica,
ich habe keine Vorurteile gegen Seniorenheime - im Gegenteil. Beide Omas von mir waren bzw. sind in einem Seniorenheim.
Die eine Oma wohnte mit ihrer Tochter, deren Mann und deren vier Töchter (damals etwa im Alter von 12 - 18 Jahren) in einem Haus und irgendwann wurde es ihr zuviel, so dass sie sagte, dass sie sich das neue Seniorenheim mal gerne anschauen möchte. Gesagt, getan - und sie war schließlich eine der ersten, die dort einzog - und dort bis zu ihrem Tod knapp fünf Jahre später wohnte.
Die andere hatte immer Vorurteile gegen ein Heim, wollte es sich auch gar nicht anschauen - doch dann fiel sie hin, hatte die Hand gebrochen und musste in der Zeit für 6 Wochen in dasselbe Pflegeheim. Plötzlich fiel ihr auf, dass dort viele sind, die sie kennt (sie hat a) schon immer in diesem Ort gelebt, b) steht das Pflegeheim da in der Nachbarschaft, wo sie bis wenige Jahre zuvor noch gewohnt hat). Plötzlich sagte ich: "Ich will nicht mehr nach Hause zurück". Meiner Mutter fiel ein Stein vom Herzen - dass was sie innerlich gehofft hat, hatte tatsächlich geklappt.
Und klar, läuft nicht immer dort alles so, wie man sich es selber vorstellt oder wünscht - aber das ist überall so und meine Omas sind bzw. waren dort sehr zufrieden und meine Eltern (bei beiden jeweils die Betreuungsperson) sind auch zu 80 - 90 % zufrieden.
Lieben Gruß
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Aura, weil wieder emotional erpresst
Musica, Wednesday, 11.07.2012, 20:36 (vor 5150 Tagen) @ Mondenkind
Hallo Mondenkind, Du hast gute Erfahrungen gemacht. Ich meine diejenigen, die keine Erfahrung haben und sich ein falsches Bild machen und auch noch darauf beharren.Das habe ich zu spüren bekommen, als ich meine Mutter in das Seniorenheim brachte. Meine untätige Schwester jedenfalls hat bald begriffen, dass sie auf dem Holzweg war. LG,Musica
Bildungsprojekt
mezeg, München, Thursday, 12.07.2012, 16:33 (vor 5149 Tagen) @ Musica
Hallo Musica,
bei dem Bildungsprojekt von der AWO geht es darum, Vorschulkinder im Jahr vor und nach der Einschulung zu begleiten. Ich schätze, dass es noch in der Experimentierphase liegt.
Wir sollten die Kinder jede Woche in ein Museum oder eine Bibliothek oder zum Sport begleiten und denen alles mögliches erklären (oder reinprügeln???) Ich lehnte es aber in dieser Form ab, weil die Eltern danach weder die Häufigkeit noch die Kosten weitertragen können, die AWO trägt für das Projekt schon Fahrt- und Eintrittskosten. Nichts gegen Bildung aber ich finde es wichtig, den Kindern beizubringen auch im Alltag die Augen aufzuhalten und zu entdecken, was es alles am Straßenrand gibt. Nahm z.B. L. das erste Mal durch den Wald, Eiche und Eicheln betrachten, Löwenzahn, der soviel Tieren schmeckt und auch Menschen im Salat. Dann die Farbmarkierung an Bäumen, die wohl gefällt werden, die eine Markierung war ein Specht, ich erklärte ihr, warum sie einen so langen Schnabel haben, um die Insekten aus dem Stamm zu holen, dass ein Baum als verloren gilt, wenn der Specht dran ist. Ich versuchte auch das Geräusch vom Specht zu imitieren, was sie viel besser nachmachte.
Oder am Flußufer Strömungen, Kieselsteine, Schwäne. Auch bei mir, wie man mit drei mit Wasser unterschiedlich gefüllten Gläsern und einem Messerrücken "Musik" machen kann. Oder Schiffchen aus Nusschalen mit Zahnstocher als Mast und einer selbstgezeichneten Segel aus Papier.
Natürlich habe ich sie auch zur "Bildung" begleitet: Schmetterling-Ausstellung, Schiffe, Dinosaurier, Sterne, Tierpark.
Auf der sportlichen Seite ihr das Schlittschuhlaufen beibringen, mir einen Tretroller beschaffen, den sie mit mir benützen darf (aber nicht behalten, damit er nicht verschwindet!). Der Streit fing an, als die Mutter insistierte, dass ich sie ins Hallenbad bringen soll, was ich nicht darf, "Sie war doch nie im Schwimmbad und wünscht sie es so sehr", und jetzt wo sie erwartet, dass ich L. das Radfahren beibringe aber mir nicht das passende Fahrrad zur Verfügung stellt, das L. wohl besitzt.
Ich vermute, dass das Projekt gezielt auf Migranten-Kinder setzt, wofür ich als Migrantin
nicht geeignet bin. Wurde mir vom Kindergarten gesagt, dass es wichtig ist, ihr vieles zu zeigen und ihre Neugier zu wecken. Dabei ist sie aufgeweckt, entdeckt gerne neues, auch wenn sie nicht sehr lange auf etwas bleibt, und recht "pflegeleicht": Nur erklären, warum dies und das so gemacht werden soll und dann akzeptiert sie. Sozusagen "begründete Autorität".
Bei ihr vermute ich eher, dass ein affektives Manko seitens der Mutter besteht. Sie wird zwar mit "Kitsch-Geschenken" überhäuft aber Zeit nimmt sich die Mutter viel zu wenig für sie.
Deswegen belastet es mich besonders für sie.
Viele Grüße
mezeg