kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
Steffen_Moritz, Monday, 30.07.2012, 11:39 (vor 5131 Tagen)
Studienaufruf (genehmigt von der Redaktion von epilepsie-online)
Sehr geehrte Forumsmitglieder,
Im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie möchten wir die Wirksamkeit eines online-Selbsthilfeprogramms („Deprexis“) für die Behandlung von depressiven Verstimmungen bei Menschen mit einer Epilepsie untersuchen. Die Studie wird durchgeführt vom Epilepsiezentrum des Evangelischen Krankenhauses Alsterdorf (EKA; Dr. Katja Brückner) in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Klinische Neuropsychologie des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf (UKE). Die Therapieforschung ist auf die Mithilfe der Betroffenen angewiesen, um neue und aussichtsreiche Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen.
Die Datenerhebung verläuft anonym und ist für Sie kostenlos und unverbindlich.
Wie läuft die Studie ab?
Wir möchten das Selbsthilfeprogramm „Deprexis“ gegen eine Wartekontrollbedingung untersuchen. Nach dem Zufallsprinzip erhält die eine Hälfte der Teilnehmer für 9 Wochen einen kostenlosen Zugang zu „Deprexis“. Nach diesen 9 Wochen sowie 6 Monate später findet jeweils eine Nachbefragung statt. Die andere Hälfte der Teilnehmer bekommt am Ende der Studie ebenfalls einen kostenlosen Zugang, ebenfalls für 9 Wochen. Auch hier erfolgen 9 Wochen und 6 Monate nach Beginn des „Deprexis“-Programms Nachbefragungen. Somit wird allen Studienteilnehmern ein kostenloser Zugang zu Deprexis garantiert. Am Ende der Studie erhalten alle Teilnehmer zudem weitere Selbsthilfematerialien.
Was ist „Deprexis“?
Deprexis zielt auf eine Steigerung des psychischen Wohlbefindens und eine Reduktion depressiver Symptome ab. Die therapeutischen Inhalte umfassen eine Vielzahl an Themen, z.B. den Umgang mit negativen Gedanken, Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen und vieles mehr. Für die Nutzung des Deprexis-Programms sind keine speziellen Computerkenntnisse erforderlich. Das Programm ist daher auch für Menschen geeignet, die keine Erfahrung im Umgang mit Computern haben. Deprexis vermittelt jedem Teilnehmer persönlich relevantes und individualisiertes Wissen.
Genauere Informationen zu Deprexis finden Sie unter www.deprexis.de
Wer kann an der Studie teilnehmen?
Es können Personen an der Studie teilnehmen, die
1. an einer Epilepsie leiden
2. aktuell an depressiven Symptomen (z.B. Traurigkeit, Antriebslosigkeit) leiden
3. zwischen 18 und 65 Jahre alt sind
4. an keiner Demenz (z.B. Alzheimer), bipolaren oder schizophrenen Erkrankung leiden
5. keine ausgeprägten Suizidgedanken und / oder –tendenzen haben
6. sich einverstanden erklären, das Selbsthilfeangebot „Deprexis“ in eigener Verantwortung durchzuführen. Es kann sein, dass Sie persönlich nicht von dem Angebot profitieren. Obwohl es bisher keine Hinweise auf negative Auswirkungen gibt, können wir diese nicht endgültig ausschließen. Eine Probandenversicherung besteht nicht.
7. sich dazu bereit erklären, an einer Anfangs-, einer Folge- und einer Abschlussbefragung über das Internet im Umfang von ca. 30 Minuten teilzunehmen
Wir garantieren Ihnen, dass Ihre Angaben streng vertraulich behandelt und keinesfalls an Dritte weitergegeben werden. Genauere Angaben zum Datenschutz werden Ihnen vor Teilnahme an der Studie ebenfalls auf der Homepage präsentiert. Wenn Sie Interesse an unserer Studie haben, gehen Sie bitte auf folgende Webseite:
ww3.unipark.de/uc/deprexis/Epilepsie
Falls Sie Fragen zur Studie haben, richten Sie diese gerne an moritz@uke.de
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Arbeitsgruppe Klinische Neuropsychologie
Prof. Dr. phil. Steffen Moritz
Martinistraße 52
20246 Hamburg
GERMANY
moritz@uke.uni-hamburg.de
www.uke.de/neuropsych
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
thomas
, Monday, 30.07.2012, 13:04 (vor 5131 Tagen) @
Steffen_Moritz
Liebe Nutzer und Nutzerinnen des Epilepsie-Forums,
die Betreiber und die Redaktion von Epilepsie-Online unterstützt diese Studie.
Sollten Sie/Ihr zu den angesprochenen Personenkreis gehören, bitte beteiligt Euch.
thomas
Die Redaktion
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
beatmeup, Saturday, 04.08.2012, 01:33 (vor 5126 Tagen) @ Steffen_Moritz
ich hab dran teilgenommen bis zu den letzten fragen ....
"was erwarten sie von deprexis ?" wtf ? das ist ne reine "wie gehts dir studie" und kann wie ich mein produkt am markt platzieren.
-----------------
@thomas
bist du ehrenamtlich oder auch ein "betroffener" ?
das ehrenamt sei dir honoriert, aber mach bitte nicht werbung für depressionsstudien, sofern nicht mal der zusammenhang zwischen epielspie und depression bestätigt ist.
dass man sich mit der diagnose unwohl fühlt, hat in vielen fällen nichts depressives. es ist einfach nur scheisse, wenn man sich einschränken "soll".
manche soldaten kommen "halbwegs" gesund aus kriegen und manch andere leiden danach an einem ptbs oder haben nur keine beine oder arme mehr.
manche menschen erleiden krebs, beginnen ne chemo un sagen für sich " das ist zuviel"
... ist das alles depression ?
... und danach sind alle anderen dran, die sich dachten sich unsterblich in jemanden verliebt zu haben glaubten und dann in herzschmerz landeten *depression* oder nicht profifußballer werden konnten, wie sie es sich als kind ausgemalt hatten *depression*.
manche können sich nicht mehr bewegen und schreiben trotzdem bücher und vergammeln nicht in eigen-isolation, auch wenn sie körperlich isoliert sind.
------------------
in meiner uni, wie in den meisten, wird sowas vergütet und nicht als kostenlos dargestellt. wer will denn von jemand etwas ? ich von denen oder die von mir?
jamba ähh ne deprexis *der erste monate ist kostenlos*
imho sollte die diagnose depression, nur gestellt werden, wenn man auf dem weg des lebens stolpert, ohne dass es einen grund gab und liegen bleibt. steine liegen überall, aber meistens tänzelt man drum herum und oft steigt man drüber, mag es kürzer dauern oder länger. man kann abrutschen, sich verletzen oder daran vorbei gehen, aber die erfahrung ist immer ein fortschritt, solang man nicht liegen bleibt und sich aufgibt. im fall von epilepsie würden antidepressiva, für mich, eine "aufgabe", ein liegen bleiben, bedeuten.
mir ist die diagnose epilepsie schon zu wider, weil sie so viele erscheinungsformen hat und nur ein überbegriff ist, aber depression schlägt das ganze um längen.
wie ich gegen usain bolt im sprint.
ps. wenn derjenige prof das wirklich erst meint, sollte er paar offenkundige studien päsentieren, bzw links, die das ganze untermauern könnten. aber bitte nich solche wie "wir haben 10 epileptiker befragt und hatten bei 5 depressionen festgestellt"
das wär reiner wissenschafts populismus.
ps. ich weiss die steine metapher ist total oll
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
beatmeup, Thursday, 09.08.2012, 03:04 (vor 5121 Tagen) @ beatmeup
seit tagen antwortet keiner.
das ziel dieser "studie" find ich sehr zweifelhaft. das ganze ist wie ne kaffeefahrt, keine belege, keine links zu wissenschaftlichen studien, nur das "versprechen", dass "deprexis" hilft , bzw ob "... ihnen deprexis geholfen hat", oder " was erwarten sie von deprexis ?"
ps. der arme prof, der seinen hintern dafür hergehalten hat
ich hoffe der account/name war ein fake, ansonsten lach ich mich zu tode.
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
Steffen_Moritz, Thursday, 09.08.2012, 11:44 (vor 5121 Tagen) @ beatmeup
Hallo beatmeup,
ich habe mich wg der Vorwürfe bereits mit dem Admin ausgetauscht. Ich finde den Tonfall Ihrer emails unangemessen. Kritik oder kritische Nachfragen sind selbstverständlich gestattet und sogar wichtig (keine Studie ist fehlerlos), aber es ist nicht in Ordnung zu beleidigen und Vorwürfe/Verdachtsmomente wie Gewissheiten darzustellen. Die Studie ist anders als von Ihnen implizit unterstellt keine (Phase-IV) Werbekampagne für deprexis sondern eine unabhängige und ergebnisoffene Studie. Es gibt positive Vorbefunde zu deprexis, die in Fachzeitschriften publiziert wurden, z.B. von mir dieses Jahr in Behaviour Research and Therapy. Hierbei handelt es sich aber um depressive Patienten ohne neurologische Probleme. Es fehlen somit Erkenntnisse, inwieweit Personen mit neurologischen Erkrankungen, die zusätzlich (komorbid) depressive Symptome aufweisen von diesem Programm profitieren können. Wenn wir das finden, so publizieren wir das. Wenn nicht: dann auch. Ich mache keine bezahlte Auftragsforschung und habe in früheren Jahren auch kritische Studien publiziert zu z.B. Klopfakupressur. Es ist meine Überzeugung, dass die Wissenschaft die Verpflichtung hat, sinnvolle aber auch weniger sinnvolle Angebote – insbesondere wenn sie mit Kosten verbunden sind wie deprexis - auf Effektivität zu überprüfen und entsprechend Empfehlungen zu geben.
Ich möchte noch kurz auf 2 Dinge eingehen, die Sie schrieben:
"sofern nicht mal der zusammenhang zwischen epielspie und depression bestätigt ist.": Menschen mit neurologischen aber auch körperlichen Problemen kommen in vielen Fällen mit der Erkrankung/Störung klar, andere jedoch nicht. Für diese Personen fehlen jedoch Hilfsangebote und wir wollen untersuchen (nochmals: ergebnisoffen), ob deprexis oder andere online-Programme die Versorgungslücke mit helfen können zu schließen. Wenn dem so ist, so müssten diese Programme speziell auf die neurologischen Probleme weiter angepasst werden.
zu dem Vorwurf: "keine links zu wissenschaftlichen studien, nur das "versprechen", dass "deprexis" hilft , bzw ob "... ihnen deprexis geholfen hat", "
Wir versprechen nirgendwo auf den Studienseiten, dass deprexis hilft. Die Frage nach der Wirksamkeitserwartung ist jedoch sehr wichtig, da Selbstwirksamkeit/Erwartung und somit auch der Plazebo-Effekt eine Zusatzwirkung entfalten könnte, die man kontrollieren muss.
Links zu wissenschaftlichen Untersuchungen sind unüblich, da diese einerseits nicht laienverständlich sind und auch keine Beeinflussung ausgeübt werden sollte (sog. Hawthorne-Effekt).
Ich bin gerne bereit über kritische Aspekte der Studie zu diskutieren, bitte aber um Verständnis, dass ich mich nicht verhöhnen lasse und respektvoll behandelt werden möchte, so wie ich Sie auch respektvoll behandele. Wenn sich Ihr Tonfall nicht ändert, so werde ich nicht zurückschreiben.
Herzlichen Gruß,
Steffen Moritz
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
Tablettenschlucker, Freiburg, Thursday, 09.08.2012, 12:47 (vor 5121 Tagen) @ Steffen_Moritz
Hallo an alle in diesem Thread,
ich habe nicht an dieser befragung teilgenommen, sondern nur alles durchgelesen
was hier geschrieben wurde.
In einem Punkt muss ich beatmeup recht geben:
der Grund dazu:
ich musst bevor ich EPI bekam Jahrelang eine Überdosis (damals noch nicht bekannt)
eines Medikamentes nehmen. Nach einigen Recherchen meinerseits, steht für mich
fest, ich habe EPI aufgrund dieses Medikamentes. Nur beweisen kann ich es nicht.
Also habe ich mich schlau gemacht, da es evtl um Regressansprüche gegangen wäre.
Meine Krankenkasse meinte zu mir ich muss ca. 1000 ebenso betroffene personen
finden dann wird das zur Kenntniss genommen und evtl eine Studie zu dem Thema
in Auftrag gegeben.
Ich denke wenn ich, um eine Studie auszulösen, 1000 Personen brauche, müssen in der
Studie an sich weit mehr befragt/ untersucht werden damit sie glaubwürdig ist bzw.
etwas klar untermauert.
Man sollte hier also nicht von einer "Studie" reden. Es handelt sich lediglich um
eine Befragung, welche anschließend ausgewertet wird.
Gruß Lukas
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
Steffen_Moritz, Thursday, 09.08.2012, 13:37 (vor 5121 Tagen) @ Tablettenschlucker
Hallo Lukasz,
zunächst einmal tut es mir leid, wenn bei Dir infolge einer Fehlbehandlung schwere Nebenwirkungen aufgetreten sind.
Unsere Untersuchung ist eine wirkliche wissenschaftliche Studie, die ein sog. randomisiert-kontrolliertes Design hat, will heißen: Teilnehmer erhalten zufallsverteilt deprexis sofort oder verzögert (nach einem halben Jahr). Wir berechnen dann statistisch, inwieweit sich die Teilnehmer in der deprexis Gruppe überzufällig (= signifikant) verbessern im Vergleich zu den Probanden in der Wartekontrollgruppe (signifikant heißt, dass ein kleiner Unterschied zugunsten von z.B. deprexis nicht ausreichen würde, dass man die Behandlung empfiehlt). Beide Gruppen unterscheiden sich nicht bzgl. Alter, Geschlecht und Nebenbehandlung etc., so dass Unterschiede in der Symptomatik der Behandlung zuzuschreiben sind. Dieses Verfahren ist anerkannt, wobei keine Studie etwas für alle Zeit beweisen kann, sondern Ergebnisse immer durch weitere Studien erhärtet werden müssen.
Herzlichen Gruß, Steffen
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
mezeg, München, Saturday, 11.08.2012, 11:41 (vor 5119 Tagen) @ Steffen_Moritz
Hallo,
hatte mich an dieser Anfrage bis jetzt nicht beteiligt, nicht nur weil ich eine Weile abwesend war.
Daß bereits entwickelte Medikamente an (hoffentlich!) freiwilligen Probanten getestet werden müssen, ist mir klar. Mein Vater wurde nach der wenig wirkenden ersten Chemo gefragt, ob er bereit wäre, eine neue Form zu experimentieren.
Diese Anfrage kam von den bereits behandelden, somit gut bekannten Ärzten, ebenfalls unterstützt von unserem langjährigen Hausarzt und weiterhin sehr engen Freund, dessen Güte und Stärke seinen eigenen schweren Krankheiten gegenüber man nur tief bewundern kann. Ich sprach damals mit meinem Vater darüber und er sagte von sich aus, daß er mit diesem Versuch zumindest helfen kann, die Medikation zu verbessern.
Ich verstehe daher nicht, warum Sie Probanten über ein anonymes Forum suchen und nicht über entsprechenden Neurologen, die ihre Patienten je nach Gesundheits- und Gemütszustand sorgfältig und fürsorglich "selektieren", untersuchen und beraten können? Kann sich doch jeder bei Ihnen sogar unter falschen Voraussetzungen anmelden, Hauptsache Sie kommen auf die notwendige Anzahl? Dann könnte ich mich auch anmelden: 65 Jahre, fortgeschrittenen Alzheimer bei meiner Mutter, desöfteren Suizidgedanken, bis jetzt nur passiver Art (Würde ich wegspringen, wenn ein Schnellzug auf mich zurasen würde? Kümmert es mich, daß ich wohl ertrinken könnte, wenn ich weit in den Atlantik schwimme?). Alles könnte ich verschweigen, nur das Alter wohl nicht!
-
Mein Vater ist trotz neuer Chemo gestorben.
An einem ähnlichen Versuch würde ich mich trotzdem im ähnlichen Fall wohl beteiligen, wenn es wenigstens Anderen einer besseren Chance bringen würde, aber nur wenn es über qualifierzten, bekannten, vertrauenswürdigen Personen vorgeschlagen wäre. Nie auf der anonymen Weise!
mezeg
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
Musica, Saturday, 11.08.2012, 12:01 (vor 5119 Tagen) @ mezeg
Hallo mezeg, wirklich anonym ist die Anfrage ja nicht. Es wird niemand einfach eine Universitätsklinik mit nachvollziehbaren Personen recherchieren können. Allerdings ist es mir zu mühsam und die Tatsache, dass ich mir davon persönlich keine Entscheidungshilfen udgl. erhoffen darf, hindert mich. Über Internet sowieso nicht. LG,Musica
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
Steffen_Moritz, Saturday, 11.08.2012, 13:03 (vor 5119 Tagen) @
mezeg
bearbeitet von Steffen_Moritz, Saturday, 11.08.2012, 13:24
Hallo mezeg,
ich habe Verständnis für die Fragen, wäre aber dankbar, wenn diese offen gestellt werden und nicht mit hämischem Unterton bzw. kränkenden Unterstellungen. Ich diskutiere gerne mit Ihnen und finde es nachvollziehbar, dass die Studie kritisch hinterfragt wird, aber ich finde das man nicht jeder Frage gleich eine mögliche Antwort beistellt, die meine Redlichkeit in Zweifel zieht.
Zu den Fragen:
"Daß bereits entwickelte Medikamente an (hoffentlich!) freiwilligen Probanten getestet werden müssen, ist mir klar."
Mögliches Missverständnis. Hier wird kein Medikament getestet; die Studie nimmt auch keinen Einfluss auf die aktuelle Behandlung.
"Ich verstehe daher nicht, warum Sie Probanten über ein anonymes Forum suchen und nicht über entsprechenden Neurologen, die ihre Patienten je nach Gesundheits- und Gemütszustand sorgfältig und fürsorglich "selektieren", untersuchen und beraten können?"
Dies machen wir ebenfalls. Es gibt verschiedene Rekrutierungsquellen, u.a. auch über das Epilepsiezentrum Alsterdorf sowie weitere niedergelassene Therapeuten. Depression ist jedoch eine Störung, die häufig mit Stigma und Scham einhergeht, weshalb sich viele Betroffene weder ihrem Behandler noch nahestehenden Personen anvertrauen. Nach neueren Schätzungen z.B. der WHO erhalten nur ca. 40% derjenigen, die eine Behandlung wg. Depression nötig hätten, eine professionelle Therapie. Neben Problemen auf der Angebotsseite wird hierfür in der Literatur immer wieder angeführt, dass viele Betroffene Ängste haben, über ihre Störung zu sprechen. Um die "Unbehandelten zu behandeln" sind anonyme online-Angebote eine mögliche Maßnahme. Ich forsche v.a. zu Zwang und Schizophrenie. Hier ist die Scham, sich in Behandlung zu begeben noch größer, so dass wir uns Kollegen versuchen diese Personen, die (noch) nicht bereit sind, den Fuß in eine psychologische Praxis oder gar Psychiatrie zu setzen, online zu behandeln.
"Kann sich doch jeder bei Ihnen sogar unter falschen Voraussetzungen anmelden, Hauptsache Sie kommen auf die notwendige Anzahl? Dann könnte ich mich auch anmelden: 65 Jahre, fortgeschrittenen Alzheimer bei meiner Mutter, desöfteren Suizidgedanken, bis jetzt nur passiver Art (Würde ich wegspringen, wenn ein Schnellzug auf mich zurasen würde?..."
Berechtigte Frage aber wieso der aggressive Tonfall ? online Studien sind in der Tat dem potenziellen Einwand behaftet, dass sich ja jeder anmelden könnte, ob erkrankt oder nicht und die Datenqualität damit vermindert sei ggü Studien mit Interview-basierten Fremdbeurteilung. Daher wenden wir und andere Forscher eine Reihe von statistischen Prüfverfahren an, die die Konsistenz der Antworten beurteilen (sog. Re-Test-Zuverlässigkeit, Homogeneitäts-Tests, Verwendung normierter Skalen zur Messung der sozialen Erwünschtheit, Offenheits-Skalen). In bisherigen Studien war die Datengüte und insb. wieder Wiedererreichungsquote sehr gut. In einer neuen wissenschaftlichen Arbeit (englisch), die ich gerne zugänglich mache ebenso wie unsere frühere Studie zu deprexis (einfach kurze email an moritz@uke.de) haben wir daher untersucht, ob man die Daten von Personen, die angehalten wurden eine falsche Identität anzunehmen von denen Personen unterscheiden kann, bei denen neben online Daten auch externe Interviews vorliegen. Dies kann man durchaus. Bei der ersteren Gruppe ist das Antwortmuster inkonsistent, v.a. über die Zeit.
"Mein Vater ist trotz neuer Chemo gestorben."
Das tut leid aber was wollen Sie mir sagen oder unterstellen? Mein Vater ist ebenfalls an Krebs (Thymusdrüse) gestorben als ich 4 Jahre alt war.
Herzlichen Gruß, Steffen (Moritz)
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
mezeg, München, Saturday, 11.08.2012, 18:06 (vor 5119 Tagen) @ Steffen_Moritz
ich wüßte nicht, was ich an Unterstellungen und Aggressivität geschrieben hätte. Nur ehrlich meine Bedenken geäußert. Wird das wohl als Kritik bewertet?
Sich anonym im Internet auszuweinen ist bestimmt für viele Depressive eine Hilfe. Ob sie aber dadurch die Energie finden, sich diesmal namentlich bei unbekannten Leuten zu melden, erlaube ich mir zu bezweifeln. Bin wohl selber nicht sehr "Internet-Gläubig"
Was meinem Vater angeht, wollte ich nur damit ausdrücken, daß er mit diesem Versuch trotz mangelnden Erfolg etwas positiv geleistet hat, was mich dazu bewegen würde, im gleichen Fall es auch zu tun.
P.S. mein Großvater war Neuro-Psychiater, ich bin nie ganz von der Problematik unberührt geblieben.
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
Steffen_Moritz, Saturday, 11.08.2012, 19:19 (vor 5119 Tagen) @ mezeg
Hallo mezeg,
wie schon geschrieben finde ich es wichtig Bedenken zu äußern. Die Bemerkung "Hauptsache Sie kommen auf die notwendige Anzahl?" finde ich jedoch unfair, da Sie weder mich noch meine Arbeit kennen. Da schwingt ein wenig auch das Bild vom herzlosen Forscher mit, der an Daten und nicht den Menschen interessiert ist. Ich möchte daher kurz etwas zum Impetus der Studie sagen: Ich bin klinischer Psychologe und forsche v.a. zu Zwang und Depression. Ich bin nach der Publikation einer Studie zu primärer Depression und online-Therapie von Kollegen aus der Neurologie angesprochen worden, die mich auf die besondere Versorgungsproblematik von Depression im Rahmen von MS und Epilepsie aufmerksam machten, da sich z.B. viele Psychotherapeuten unsicher fühlen und die Neurologen oft nicht die Zeit und die spezifische Qualifikation haben emotionale Probleme mit zu behandeln. Psychiatrische Konsile schaffen nur geringfügig Abhilfe. Ich mache die Studie freiwillig und neben meiner sonstigen Tätigkeit in der Psychiatrie und erhalte keine Gelder. Das muss man mir nicht glauben; ein Blick auf unsere Webseiten, wo man viele von uns geschriebene Behandlungsmanuale umsonst runterladen kann (z.B. www.uke.de/mkt oder www.uke.de/depression), mag aber dafürsprechen
zu "Sich anonym im Internet auszuweinen ist bestimmt für viele Depressive eine Hilfe. Ob sie aber dadurch die Energie finden, sich diesmal namentlich bei unbekannten Leuten zu melden, erlaube ich mir zu bezweifeln. Bin wohl selber nicht sehr "Internet-Gläubig""
Ja, den Zweifel kann man hegen, aber bei unserer letzten Studie zu deprexis haben immerhin 210 Menschen teilgenommen in nur 2 Monaten. Bei einer Studie zu Zwang, wo wir ein eigenes Selbsthilfemanual evaluiert haben, waren es 150 Personen, auch innerhalb weniger Monate. Wir sind da selbstverständlich nicht die Einzigen.
Jeder Betroffene ist anders. Ich selbst halte direkte Psychotherapie für das allerbeste, aber um die Unbehandelten zu behandeln, muss man manchmal ungewöhnliche Wege einschlagen, da die Schwelle für die meisten Betroffenen, sich einem Experten direkt zu offenbaren, sehr hoch ist. Das beginnt trivialerweise bei vielen damit, dass Befürchtungen bestehen, gesehen zu werden wie man in die "Klapsmühle" geht (wie viele es leider noch nennen).
Ich würde mich freuen, wenn ich den einen oder anderen überzeugen kann, dass es mir mit der Studie, die ich wie geschrieben mit Kollegen in der Neurologie durchführe, ein ehrliches Anliegen ist, welches helfen soll die Behandlungssituation von Betroffenen zu verbessern.
Herzlichen Gruß, Steffen (Moritz)
intellektuelle Neugier...
mezeg, München, Sunday, 12.08.2012, 15:06 (vor 5118 Tagen) @ Steffen_Moritz
Hallo Herr Moritz,
welcher Art von Fragen, Übungen und sonstige Ihr Programm enthält, konnte ich bis jetzt nicht ausmachen. Also habe ich mich durch Ihren Fragenbogen durchgeklickt, die e-mail-Adresse aber "vergessen". Dabei sind mir weitere Punkte / Fragen eingefallen:
Frage: Nehmen Sie andere Medikamente ein?
Welche Medikamente sind hier gefragt? Weiter zur Epilepsie-Behandlung und / oder Depression oder gar "normale", Zucker, Blutfette, Herz oder wer weiß was?
Frage: Ob man noch Auto fährt?
Wie soll man antworten, wenn man nie Auto gefahren ist? Die Aussage ist zur Auswertung irrelevant: Hier kann es keinen Unterschied davor / danach geben.
Frage über Wirkungen auf die Partnerschaft:
Wenn man "echter" Single ist?? Auch hier keine Änderung davor / danach
Frage über Wirkungen in der Berufstätigkeit:
Wie antworten, wenn man nicht / nicht mehr berufstätig ist?
Frage über Sexualität: s. Partnerschaft
Frage über Änderung des Erinnerungsvermögens:
Wie soll man gelengentliche von der Epilepsie verursachten Sprachstörungen einstufen?
Frage über die Einsatzmöglichkeit beider Händen:
Ist eine Hand nun nicht mehr so einsetzbar wie früher, auch noch im Vergleich zu der anderen Hand? Wie soll man angeben, dass z.B. die rechte nicht mehr so lenkbar ist, die linke aber gleich oder vielleicht als Ausgleich doch besser? Oder umgekehrt? Und wie läuft es bei Ambidextren?
Frage über Beleidigung, wenn es nicht nach dem eigenen Willen geht.
Warum gibt es nicht die Option "verletzt"?
Frage über Suizid:
Warum gibt es keinen Unterschied zwischen aktiven und passiven Suizid? Aktiv selber tätig werden, passiv bewußt echten Gefahren nicht mehr so ausweichen, eventuell sogar etwas damit spielen?
Ja, ich weiß, ich bin rebellisch, ein hoffnungsloser Fall. Manchmal aber sehr nützlich, um sich durch Probleme rauszuziehen.
mfg
P.S. und wenn ich den Fragebogen ausgefüllt und geschickte habe, weiß ich immer noch nicht, wozu ich mich verpflichtet habe und was auf mich zukommt.
meezg
intellektuelle Neugier...
Steffen_Moritz, Sunday, 12.08.2012, 19:54 (vor 5118 Tagen) @ mezeg
Hallo meezg,
"Ja, ich weiß, ich bin rebellisch, ein hoffnungsloser Fall."
Nein, rebellisch finde ich Sie nicht, eher nihilistisch und ziemlich unfreundlich. Ich bedaure, dass Sie sehr viel Energie darauf verwenden, ein redliches Anliegen, welches darauf abzielt die Versorgungssituation von Menschen mit Epilepsie zu verbessern, schlecht zu machen. Ja, in der Tat sind einige Fragen/Items unpräzise formuliert. Wie bei allen klinischen Studien erfolgt die Wirksamkeitsbeurteilung dieser Untersuchung über standardisierte und meist international gängige Instrumente. Ansonsten ist eine studienübergreifende Vergleichbarkeit nicht herzustellen. Wir haben daher nicht "Marke Eigenbau" verwenden können, sondern eingeführte Instrumente vorgegeben wie das "Beck Depressions-Inventar" und auch den sog. QOLIE, der Lebensqualität bei Menschen mit Epilepsie misst. In letzterem Bogen sind eine Reihe von problematischen Items, die aber nicht die Aussagekraft der Gesamtstudie unterminieren.
Ich melde mich jetzt ab. Ich danke dem Admin herzlich, dass ich meine Studie posten durfte und respektiere ansonsten, dass die Mehrheit der aktiven Teilnehmer dieses threads nicht bereit ist, sich auf respektvolle Art und Weise mit mir auszutauschen. Schwerwiegende Probleme zu haben berechtigt nicht zu schlechtem Benehmen.
Herzlichen Gruß,
Steffen Moritz
intellektuelle Neugier...
mezeg, München, Sunday, 12.08.2012, 22:40 (vor 5117 Tagen) @ Steffen_Moritz
Interessant... bis jetzt hat mich noch niemand als "nihilistisch und ziemlich unfreundlich" bewertet. Nicht bloß hier. Etwas schlecht machen zu wollen gehört auch nicht zu meinen Gewohnheiten. Ich möchte bloß verstehen.
Ich danke dem Admin herzlich, dass ich meine Studie posten durfte und respektiere ansonsten, dass die Mehrheit der aktiven Teilnehmer dieses threads nicht bereit ist, sich auf respektvolle Art und Weise mit mir auszutauschen. Schwerwiegende Probleme zu haben berechtigt nicht zu schlechtem Benehmen.
Schlechtes Benehmen ist mir auch nie nachgesagt worden. Direktheit natürlich schon.
Keine Sorge, ich melde mich nicht mehr
mezeg
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
beatmeup, Saturday, 11.08.2012, 03:06 (vor 5119 Tagen) @ Steffen_Moritz
das mit dem admin ist mir ... ***egal.
aber da SIE ja den hawthorne effekt schon mal zur sprache bringen. ist es dann nicht total sinnlos hier noch eine studie zu propagieren ? immerhin wissen alle von der studie, es sei denn es war ein ablenkungsmanöver um hier die reaktionen zu analysieren und sie einzubringen. das käme dem hawthorne effekt schon näher. letzteres fänd ich wirklich wissenschaftlich und geschickt.
irritierend ist, dass die deprexis seite sich ausschliesslich um depression dreht.
sollen da neue geschäftsfelder erschlossen werden ?
wie wärs mit einer komorbidiät von menstruierenden frauen und depression ?
bei der mentruation kennt man wenigstens den ursprung. bei vielen epileptikern ist das nicht der fall.
ich hoffe sogar, dass sie nicht mehr antworten
kostenlose Online-Studie zur Depressionsbehandlung
beatmeup, Tuesday, 10.09.2013, 01:34 (vor 4724 Tagen) @
Steffen_Moritz
bearbeitet von beatmeup, Tuesday, 10.09.2013, 01:52
@steffen moritz; @thomas
auch wenn es bislang keine lesbaren ergebnisse gab, denk ich mir, mich dennoch entschuldigen zu müssen.
der vorwurf, meinerseits , dass diese studie nur finanziell orientiert ist, war nicht gerechtfertigt und ziemlich, eigentlich mehr als, anmaßend.
Korellation von Depression und Ängsten
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Sunday, 12.08.2012, 11:40 (vor 5118 Tagen) @ Steffen_Moritz
Hallo Herr Moritz,
einmal ein paar rein fachliche Fragen bzgl. der Studie und Deprexis:
So wie ich das verstehe, zielt das Programm ja auf eine Hilfestellung für von Depression betroffene ab und zwar nicht nur mit dem Ziel den Kreis von nicht direkt in Behandlung befindlicher Patienten abzudecken, sondern auch, damit sich diesen die Möglichkeit bietet, darüber ihre Hemmschwelle, sich zu einem Arzt zu begeben, abzusenken.
Auf die Frage, ob und in wie weit bei Deprexis von Ärzten vorgetäuschte Teilnehmer verwendet werden können, um über gruppendynamische Effekte jemanden zu überreden, sich in professionelle Behandlung zu begeben, erwarte ich keine Antwort von Ihnen, wenn sie denken, dass eine solche zum derzeitigen Standpunkt eine Beeinflussung der Studienergebnisse mit sich ziehen könnten.
Was mich jedoch interessieren würde ist, in wie weit man sich bereits Gedanken darüber gemacht hat, wie möglichst sicher gestellt werden kann, dass über solche digitalen Angebote nicht von Ärzten gesellschaftliche oder kurzfristig persönliche Verunsicherung ausgenutzt werden können, um eigentlich nicht behandlungsbedürftige Menschen zu "überreden", eine Behandlung zu benötigen, was auf Kosten der eigentlich Behandlungsbedürftigen ginge (z.B. ist ja eine gewisse depressionsähnliche, wenn auch zeitlich begrenzte, Phase nach z.B. dem Tod eines nahestehenden Menschens vollkommen normal).
In wie weit sehen sie das Programm eigentlich auch als einen Zustatz zu einer konventionellen Therapie, um Patienten im Bedarfsfall möglicherweise so eine Art zusätzlichen 24h/7days Zusatzansprechpartner anbieten zu können?
Meiner Einschätzung und persönlichen Erfahrung nach steht eine Depression bei uns Epileptikern oft auch sehr eng im Zusammenhang mit Ängsten, welche z.B. eine von der Gesellschaft isolierende Wirkung haben (wenn ich auf aktuellem Stand bin, kann man ja davon ausgehen, dass statistisch doppelt so viele von uns Epileptikern eine Angststörung als eine Depression entwickeln; entschuldigen Sie bitte, dass mir zur Schnittmenge gerade keine Zahlen vorliegen). In wie fern geht Ihre Studie und das Deprexissystem denn auf diesen Punkt ein?
In meinen Augen wäre in solchen Fällen nämlich zumindest eine begleitende Therapie der Ängste ebenso wichtig, wie die der eigentlichen Depression.
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Korellation von Depression und Ängsten
Steffen_Moritz, Sunday, 12.08.2012, 13:35 (vor 5118 Tagen) @ huge88
Hallo huge88,
danke für die Nachfragen. Ich werde mich bemühen, diese so gut es geht zu beantworten. Gerne nachfragen, wenn etwas unklar geblieben ist. Ich bitte ebenfalls um Verständnis, wenn es mal 1-2 Tage dauert, bis eine Antwort kommt.
"So wie ich das verstehe, zielt das Programm ja auf eine Hilfestellung für von Depression betroffene ab und zwar nicht nur mit dem Ziel den Kreis von nicht direkt in Behandlung befindlicher Patienten abzudecken, sondern auch, damit sich diesen die Möglichkeit bietet, darüber ihre Hemmschwelle, sich zu einem Arzt zu begeben, abzusenken."
deprexis und andere online Programme sind als erste Stufe sog. (gesundheitspolitischer) stepped care Programme zu sehen, bei denen je nach Störungsgrad Selbsthilfe bis hin zu stationärer Therapie angeraten wird. Es wird Personen geben, denen Selbsthilfe reicht, bei vielen anderen nicht und hier kann Selbsthilfe einen Betrag liefern u.a. Vorbehalte gegen personalisierte Therapie abzubauen. online Therapie genauso wie Gesundsheitsratgeber sind aber sicher nicht als Köder zu betrachten.
"Auf die Frage, ob und in wie weit bei Deprexis von Ärzten vorgetäuschte Teilnehmer verwendet werden können, um über gruppendynamische Effekte jemanden zu überreden, sich in professionelle Behandlung zu begeben, erwarte ich keine Antwort von Ihnen, wenn sie denken, dass eine solche zum derzeitigen Standpunkt eine Beeinflussung der Studienergebnisse mit sich ziehen könnten."
Ich sehe diese Gefahr nicht. Wir haben eine krasse Unterversorgung psychischer Störungen in Deutschland und anderen westlichen Ländern. In Schwellen- oder Entwicklungsländern ist die Situation noch dramatischer. Therapeuten können sich kaum retten vor Anfragen und Wartelisten sind meist 6 Monate oder länger. Künstlicher Bedarf muss hier nicht geschaffen werden. Die Verschreibung eines solchen Programms ist zudem nicht lukrativ und wird von etlichen Behandlern auch eher als unliebsame Konkurrenz gesehen.
"Was mich jedoch interessieren würde ist, in wie weit man sich bereits Gedanken darüber gemacht hat, wie möglichst sicher gestellt werden kann, dass über solche digitalen Angebote nicht von Ärzten gesellschaftliche oder kurzfristig persönliche Verunsicherung ausgenutzt werden können, um eigentlich nicht behandlungsbedürftige Menschen zu "überreden", eine Behandlung zu benötigen, was auf Kosten der eigentlich Behandlungsbedürftigen ginge (z.B. ist ja eine gewisse depressionsähnliche, wenn auch zeitlich begrenzte, Phase nach z.B. dem Tod eines nahestehenden Menschens vollkommen normal)."
Diese Frage hoffe ich oben bereits beantwortet zu haben. In früheren Studien waren wir außerdem recht streng mit den Einschlusskriterien und haben sowohl Probanden ausgeschlossen, die definitive Suizidabsichten äußerten (hier wurden Notfallnummern übermittelt) als Probanden mit nur geringen (grenzwertig normalen) Depressionsausprägungen. Das Programm vermittelt Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie, die die meisten gesunden Personen bewusst oder auch automatisch anwenden. Bei einem Nicht-Depressiven werden also schlimmstenfalls "Eulen nach Athen" getragen.
"In wie weit sehen sie das Programm eigentlich auch als einen Zustatz zu einer konventionellen Therapie, um Patienten im Bedarfsfall möglicherweise so eine Art zusätzlichen 24h/7days Zusatzansprechpartner anbieten zu können?"
Ja, das wird auch bereits so gehandhabt. In einer weiteren Studie, die vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird, vergleichen wir und Kollegen guided (gestützte) versus unguided self-help, um zu schauen, ob durch personalisierten Unterstützung ein Mehrwert entfaltet wird.
"Meiner Einschätzung und persönlichen Erfahrung nach steht eine Depression bei uns Epileptikern oft auch sehr eng im Zusammenhang mit Ängsten, welche z.B. eine von der Gesellschaft isolierende Wirkung haben (wenn ich auf aktuellem Stand bin, kann man ja davon ausgehen, dass statistisch doppelt so viele von uns Epileptikern eine Angststörung als eine Depression entwickeln; entschuldigen Sie bitte, dass mir zur Schnittmenge gerade keine Zahlen vorliegen). In wie fern geht Ihre Studie und das Deprexissystem denn auf diesen Punkt ein? In meinen Augen wäre in solchen Fällen nämlich zumindest eine begleitende Therapie der Ängste ebenso wichtig, wie die der eigentlichen Depression."
Ich stimme Ihnen voll zu. Angst und Depression sind häufig miteinander vergesellschaftet, auch bei primärer Depression im übrigen. So haben viele Menschen mit Depression gleichzeitig Zukunftsängste (nur so nebenbei, dafür haben die Amerikaner unser Wort "angst" übernommen) und soziale Ängste. Sollte der Pilotversuch glücken, so wäre für die Zukunft zu überlegen, wie online Angebote wie deprexis oder andere noch besser auf bestimmte Störungsbilder (wie depressive Störungen bei neurologischen Erkrankungen) abgestimmt werden könnten.
Herzlichen Gruß, Steffen Moritz
Korellation von Depression und Ängsten
beatmeup, Tuesday, 14.08.2012, 03:10 (vor 5116 Tagen) @
Steffen_Moritz
bearbeitet von beatmeup, Tuesday, 14.08.2012, 03:46
was ist denn für SIE ne depression ? *ganz nüchtern*