Geschichten die Mut machen
Hallo,
hab neulich im Thread von Maribelle eine Geschichte eingetragen, welche einem
Mut in so einer Situation geben sollte. Da kam mir die Idee so ein Thema auf
zumachen und mal von allen zu sammeln.
Vielleicht hilft das dem einen oder anderen.
Liebe Grüße
Lukas
Geschichten die Mut machen
Das Märchen vom stolzen Palmbaum
Es war einmal ein finsterer Mann, namens Ben Sadok. Ben Sadok wanderte
durch die Wüste und kam zu einer Oase. Ben Sadok war so gallig in seinem
Charakter, dass er nichts Gesundes und Schönes sehen konnte, ohne es zu
verderben.
Am Rand der Oase stand ein junger Palmbaum im besten Wachstum. Der
stach dem finsteren Mann in die Augen. Ben Sadok nahm einen schweren
Stein und legte ihn der jungen Palme mitten in die Krone. Mit einem bösen
Lächeln ging er nach dieser Heldentat weiter.
Die junge Palme schüttelte sich und bog sich und versuchte, die Last
abzuschütteln. Vergebens. Zu fest saß der Stein in ihrer Krone. Da krallte
sich der junge Baum tiefer in den Boden und stemmte sich gegen die
steinerne Last. Er senkte seine Wurzeln so tief, dass sie die verborgene
Wasserader der Oase erreichten und stemmte den Stein so hoch, dass die
Krone über jeden Schatten hinausreichte. Wasser aus der Tiefe und
Sonnenglut aus der Höhe machten eine königliche Palme aus dem jungen
Baum.
Nach Jahren kam Ben Sadok wieder, um sich an dem Krüppelbaum zu
freuen, den er verdorben hatte. Er suchte vergebens. Da senkte die stolzeste
Palme ihre Krone, zeigte den Stein und sagte: „Ben Sadok, ich muss dir
danken, deine Last hat mich stark gemacht!“
Geschichten die Mut machen
Der kaputte Krug
Es war einmal ein Wasserträger in Indien.
Auf seinen Schultern ruhte ein schwerer Holzstab, an dem rechts und links je
ein großer Wasserkrug befestigt war. Nun hatte einer der Krüge einen Sprung.
Der andere hingegen war perfekt geformt und mit ihm konnte der Wasserträger
am Ende seines langen Weges vom Fluss zum Haus seines Herren eine volle
Portion Wasser abliefern. In dem kaputten Krug war hingegen immer nur etwa
die Hälfte des Wassers, wenn er am Haus ankam.
Für volle zwei Jahre lieferte der Wasserträger seinem Herren also einen
vollen und einen halbvollen Krug. Der perfekte der beiden Krüge war natürlich
sehr stolz darauf, dass der Wasserträger in ihm immer eine volle Portion
transportieren konnte. Der Krug mit dem Sprung hingegen schämte sich, dass
er durch seinen Makel nur halb so gut war wie der andere Krug.
Nach zwei Jahren Scham hielt der kaputte Krug es nicht mehr aus und sprach
zu seinem Träger: "Ich schäme mich so für mich selbst und ich möchte mich
bei dir entschuldigen."
Der Wasserträger schaute den Krug an und fragte: "Aber wofür denn? Wofür
schämst du dich?""Ich war die ganze Zeit nicht in der Lage, das Wasser zu
halten, so dass du durch mich immer nur die Hälfte zu dem Haus deines
Herren bringen konntest. Du hast die volle Anstrengung, bekommst aber nicht
den vollen Lohn, weil du immer nur anderthalb statt zwei Krüge Wasser ab-
lieferst." sprach der Krug.
Dem Wasserträger tat der alte Krug leid und er wollte ihn trösten. So sprach er:
"Achte gleich einmal, wenn wir zum Haus meines Herren gehen, auf die
wundervollen Wildblumen am Straßenrand." Der Krug konnte daraufhin ein
wenig lächeln und so machten sie sich auf den Weg. Am Ende des Weges
jedoch fühlte sich der Krug wieder ganz elend und entschuldigte sich
erneut zerknirscht bei dem Wasserträger.
Der aber erwiderte: "Hast du die Wildblumen am Straßenrand gesehen? Ist
dir aufgefallen, dass sie nur auf deiner Seite des Weges wachsen, nicht
aber auf der, wo ich den anderen Krug trage? Ich wusste von Beginn an
über deinen Sprung. Und so habe ich einige Wildblumensamen gesammelt und
sie auf Deiner Seite des Weges verstreut. Jedes Mal, wenn wir zum Haus
meines Herren liefen, hast du sie gewässert. Ich habe jeden Tag einige
dieser wundervollen Blumen pflücken können und damit den Tisch meines
Herren dekoriert. Und all diese Schönheit hast du geschaffen."
Geschichten die Mut machen
Hallo Lukas, Deine Geschichten sind wirklich wunderschön. Was hast Du damit gemeint: Ein Thema aufzumachen damit es allen anderen hilft? Lg,Musica
Geschichten die Mut machen
Hallo Musica,
ich fand den Gedanken einfach schön ein Thema aufzumachen, indem man
solche Geschichten lesen kann. Ich selbst war auch schon oft in diesen
Situationen, in denen man einfach ganz unten im Tal ist, nicht mehr
weiter weiß und einfach entmutigt ist. Hiermit wollte ich einfach ein
paar Geschichten sammeln, die einem ein bisschen neue Kraft geben.
Gewiss kann man durch so eine Geschichte nicht gleich aus dem Tal auf
den Berg, aber vielleicht gibt es manchmal den Anstoß dazu.
Liebe Grüße
Lukas
Geschichten die Mut machen
Hallo Lucas, Du hast recht. Solche tiefsinnigen Geschichten und schöne Worte beflügeln die Seele und spenden Trost. Das ist wie mit der Musik. Ich sammle auch Gedichte und halte solche Geschichten wie Deine fest. In mancher Stimmung schreibe ich selbst. Aber mit der Hand und einem wunderschönen alten Füller mit goldener Feder. Wünsche Dir einen schönen Abend, lieben Gruß, Musica
Geschichten die Mut machen
Hallo ihr Lieben,
hab euch ne tolle Geschichte.
Googelt mal das „Desiderata“
das heißt Übersetzt „Wünschenswertes“
das finde ich eine schöne Lebensweisheit.
Viel Spaß
Gaius
Geschichten die Mut machen - Die mutige Ameise...
ich versuche es auch...
Es gab ein Land, das nur zwei Jahreszeiten kannte: Frühling, frisch und bunt, und Sommer, so heiß und ausgetrocknet wie die Sahara. Kam der Sommer, flohen alle Tiere zu anderen Gegenden, wo sie Wasser und Futter fanden.
Pflanzen und Blumen konnten allerdings nicht wandern und trockneten auf der Stelle.
In dieser Öde blieb nur ein Ameisenvolk. Sie hatten gelernt, daß Blätter einer besonderen Pflanze Flüssigkeit und Nahrung speichern konnten und sich Monate frisch hielten. Also sammelten sie den ganzen Frühling lang diese Blätter und konnten so den Sommer in ihrem Bau verbringen, tanzend, singend, essend, das Leben genießedn halt. Tagsüber kamen sie nie raus, um nicht von der glühenden Hitze geröstet zu werden, nachts war die Luft aber frisch.
Eines Jahres verirrte sich ein LKW nachts in diesem Gebiet. Eine Karte hätte nichts genützt, der Fahrer orientierte sich nach den Sternen - GPS gab es damals noch nicht...
Und weil er zum Himmel schaute, merkte er den Ameisenbau natürlich nicht, das Hinterrad seines schweren LKW zerstörte die Speisekammer der Ameisen vollständig. Und es war nur der Anfang der Dürre...
Die Ameisen hielten Rat. Als einzige Hoffnung hatten sie nur den Versuch, solche Blätter irgendwo noch in Reichweite zu finden und sie gingen mit einem dicken Rucksack alle los.
Bald kamen sie aber vollkommen erschöpft zurück, gefunden hatten sie nichts.
Aber eine junge Ameise ging noch weiter und weiter. Es war ihre erste "Erntesaison" und sie wollte noch nicht aufgeben. Sie schleppte sich nur noch, der Schweiß lief ihr über das ganze Gesicht und machte sie fast blind...
Und Peng! Sie schlug sich den Kopf an einem harten Gegenstand an. "Aua" stöhnte sie... "Aua" kam vom oben... Sie hob den Kopf und sah, daß sie gegen den Stiel eines fast ausgetrockneten Gänseblümchen gerannt war. Sie entschuldigte sich artig und erzählte, warum sie unterwegs war.
Das Gänseblümchen kratzte sich mit einem Blatt am Kopf und sagte plötzlich: "Steig auf mich herauf!".
Die Ameise wäre gerne am Boden geblieben, sie war doch so müde! Und doch mühte sie sich auf das Gänseblümchen... von oben sah sie plötzlich, was sie so verzweifelt suchte: einen "saftigen" Fluß und an deren Ufer so viel frische Pflanzen und Blumen! So viel zu essen und zu trinken!
"Bleib jetzt in meinem Schatten, um Dich auszuruhen" sagte das Gänseblümchen "und kehre erst nachts heim."
Am nächsten Tag war das Gänseblümchen nur noch ein Schatten seines selbst, ausgetrocknet, kraftlos, bereits fast verwelkt. Sie freute sich trotzdem die Kolonne der Ameisen noch zu erblicken, die mit Säcken und Schaufeln zum Proviant defilierten. Plötzlich fühlte es, wie es geschüttelt und bewegt wurde und schloß aus Entsetzen die Augen mit ihren Blättern zu... bis sie erfrischende, berauschende Frische spürte: Ein Kommando der Ameisen hatte sie aus Dank für ihre Hilfe ausgegraben und am Ufer des Flußes wieder eingepflanzt!
Seit diesem Tag fürchten die Ameisen nicht mehr, daß ihr Proviant zerstört werden könnte: Sie wissen ja, wo sie Nachschub finden können. Und die junge Ameise geht oft nachts zu ihrem Freund, dem Gänseblümchen am Flußufer, um mit ihm schöne Zeiten zu verbringen.
mezeg