Geschichten die Mut machen - Die mutige Ameise...

mezeg, München, Monday, 10.09.2012, 21:34 (vor 5088 Tagen) @ Tablettenschlucker

ich versuche es auch...

Es gab ein Land, das nur zwei Jahreszeiten kannte: Frühling, frisch und bunt, und Sommer, so heiß und ausgetrocknet wie die Sahara. Kam der Sommer, flohen alle Tiere zu anderen Gegenden, wo sie Wasser und Futter fanden.
Pflanzen und Blumen konnten allerdings nicht wandern und trockneten auf der Stelle.
In dieser Öde blieb nur ein Ameisenvolk. Sie hatten gelernt, daß Blätter einer besonderen Pflanze Flüssigkeit und Nahrung speichern konnten und sich Monate frisch hielten. Also sammelten sie den ganzen Frühling lang diese Blätter und konnten so den Sommer in ihrem Bau verbringen, tanzend, singend, essend, das Leben genießedn halt. Tagsüber kamen sie nie raus, um nicht von der glühenden Hitze geröstet zu werden, nachts war die Luft aber frisch.
Eines Jahres verirrte sich ein LKW nachts in diesem Gebiet. Eine Karte hätte nichts genützt, der Fahrer orientierte sich nach den Sternen - GPS gab es damals noch nicht...
Und weil er zum Himmel schaute, merkte er den Ameisenbau natürlich nicht, das Hinterrad seines schweren LKW zerstörte die Speisekammer der Ameisen vollständig. Und es war nur der Anfang der Dürre...

Die Ameisen hielten Rat. Als einzige Hoffnung hatten sie nur den Versuch, solche Blätter irgendwo noch in Reichweite zu finden und sie gingen mit einem dicken Rucksack alle los.

Bald kamen sie aber vollkommen erschöpft zurück, gefunden hatten sie nichts.

Aber eine junge Ameise ging noch weiter und weiter. Es war ihre erste "Erntesaison" und sie wollte noch nicht aufgeben. Sie schleppte sich nur noch, der Schweiß lief ihr über das ganze Gesicht und machte sie fast blind...

Und Peng! Sie schlug sich den Kopf an einem harten Gegenstand an. "Aua" stöhnte sie... "Aua" kam vom oben... Sie hob den Kopf und sah, daß sie gegen den Stiel eines fast ausgetrockneten Gänseblümchen gerannt war. Sie entschuldigte sich artig und erzählte, warum sie unterwegs war.

Das Gänseblümchen kratzte sich mit einem Blatt am Kopf und sagte plötzlich: "Steig auf mich herauf!".

Die Ameise wäre gerne am Boden geblieben, sie war doch so müde! Und doch mühte sie sich auf das Gänseblümchen... von oben sah sie plötzlich, was sie so verzweifelt suchte: einen "saftigen" Fluß und an deren Ufer so viel frische Pflanzen und Blumen! So viel zu essen und zu trinken!

"Bleib jetzt in meinem Schatten, um Dich auszuruhen" sagte das Gänseblümchen "und kehre erst nachts heim."

Am nächsten Tag war das Gänseblümchen nur noch ein Schatten seines selbst, ausgetrocknet, kraftlos, bereits fast verwelkt. Sie freute sich trotzdem die Kolonne der Ameisen noch zu erblicken, die mit Säcken und Schaufeln zum Proviant defilierten. Plötzlich fühlte es, wie es geschüttelt und bewegt wurde und schloß aus Entsetzen die Augen mit ihren Blättern zu... bis sie erfrischende, berauschende Frische spürte: Ein Kommando der Ameisen hatte sie aus Dank für ihre Hilfe ausgegraben und am Ufer des Flußes wieder eingepflanzt!

Seit diesem Tag fürchten die Ameisen nicht mehr, daß ihr Proviant zerstört werden könnte: Sie wissen ja, wo sie Nachschub finden können. Und die junge Ameise geht oft nachts zu ihrem Freund, dem Gänseblümchen am Flußufer, um mit ihm schöne Zeiten zu verbringen.

mezeg


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