kleine Absenzen

Ana, Thursday, 25.10.2012, 21:26 (vor 5043 Tagen)

Hey alle zusammen! Ich bin noch ganz frisch auf dem Forum und hoffe hier nicht eine Frage zu stellen, die ihr schon tausend Mal hattet.
Seit einiger Zeit ertappe ich mich nähmlich immer wieder dabei, wie ich plötzlich stehen bleibe und keinen Plan mehr habe, was ich eigentlich tun wollte und über was ich gerade nachgedacht habe. Das ist dann nicht so, wie wenn man ab und zu kurz den Faden verliert, was man gerade tun wollte, sondern alles ist wie aus dem Gedächtnis gewischt mitten in der Handlung. Hat das vielleicht mit den Medikamenten zu tun? Oder reagiere ich über?
Ich habe circa seit vier Jahren Epilepsie und nehme seit ich Schicht-Arbeit mache, dreimal täglich 1000 mg Keppra.

Würde mich über ein paar Antworten sehr freuen :)

Ana

kleine Absenzen

Tablettenschlucker, Freiburg, Friday, 26.10.2012, 00:04 (vor 5043 Tagen) @ Ana

Hey Ana,

Erstmal natürlich ein herzliches Willkommen in unserem Forum.

also das hört sich schon nach Absencen an. Die können ja auch sehr unterschiedlich ausfallen. Erstens in der Dauer ist von weniger als 1 Sek. bis zu drei Minuten alles drin. In der Erscheinung ist von Schwindel, kurze Gangunsicherheit und motorischen Störungen bis hin zu Gedächtnisaussetzern alles drin.
Außerdem gibt es natürlich auch hier, wie bei allen Epi`s, sehr viele verschiedene Formen. Erste Unterteilung in typische und atypische Absencen. Typische Absencen werden nochmals unterteilt in die seltenen blanden Absencen (etwa 10%) und die häufigen komplexen Absencen (restlichen 90%).

Ich war gerade im Epi-Zentrum in München. Bisher dachte ich immer, dass ich nur eine Aufwach-Epilepsie hätte. Was anderes hat mir bis jetzt auch kein Neurologe oder die Ärzte aus der UNI-Klinik gesagt. Nun sagte man mir in München nach einem EEG, dass ich sehr viele Absencen habe und dadurch eine sehr verlangsamte Reaktionsfähigkeit habe.
Also Absencen sind meistens so kurz das man sie als Betroffener nicht bemerkt, nur in wenigen Fällen bekommt man sie mit. Ich denke das deine Absencen etwas länger dauern, da du sie ja "pürst". Daher würde ich sie auch in die Kategorie atypisch einordnen, diese gehen meist ein bis drei Minuten.
Nebenwirkungen von Medikamenten sollten eigentlich einer gewissen Regelmäßigkeit folgen und nicht mal hier und da aufblitzen, daher gehe ich eher von Absencen denn von Nebenwirkungen aus.

Liebe Grüße
Lukas

kleine Absenzen

mezeg, München, Friday, 26.10.2012, 08:17 (vor 5043 Tagen) @ Tablettenschlucker

Nun sagte man mir in München nach einem EEG, dass ich sehr viele Absencen habe und dadurch eine sehr verlangsamte Reaktionsfähigkeit habe.
Also Absencen sind meistens so kurz das man sie als Betroffener nicht bemerkt, nur in wenigen Fällen bekommt man sie mit.

Hallo Lukas,

bei einem verfeinerten EEG (nicht in Großhadern) wurde festgestellt, daß das Gehirn in der Nähe der OP langsamer reagiert. Könnte es doch Absences heißen??

Soweit ich es selber beurteilen kann, fühle ich es eher als gelegentlichen "Informationsstau", und brauche dann etwas Zeit, um ihn zu verarbeiten. Langjährige Freunde meinen aber, ich würde nicht langsamer reden als früher :-D :-D :-D :-D. Und auf dem Fahrrad reagiere ich weiterhin sehr schnell auf Probleme. Es hat viel mehr mit heftigem Gespräch zu tun. Sprachzentrum doch etwas beschädigt??

mezeg

P.S. Bin Mitte November in Großhadern allerdings nur zur Kontrolle in der Neuro-Chirurgie

kleine Absenzen

Tablettenschlucker, Freiburg, Monday, 29.10.2012, 16:12 (vor 5040 Tagen) @ mezeg

Hey mezeg,

also während meines EEG`s in Großhadern musste ich in der Konzentrationsphase
immer wenn es piepte auf einen Knopf drücken, dabei hat man festgestellt, das
meine Reaktionsfähigkeit verlangsamt ist. Da ich eine idiopathische Epi habe,
also ohne bestimmten Herd, betrifft es das Reaktionsvermögen des ganzen Hirns.
Du sagst es wurde im Bereich deiner OP (Narbe??) ein vermidertes Reaktionsver-
mögen festgestellt. Ich denke das ist bei jedem anderst. Durch die Epilepsie
alleine, durch verschiedene Medikamente, usw.

Hoffe du schreibst was bei deiner Kontrolle rauskam, bei mir bliebs nur beim
alten. Diagnose bestätigt idiopathische Grand mal-Epilepsie und basta. Anfälle
bis zum Rest des Lebens und fertig. ;-)

Liebe Grüße
Lukas

kleine Absenzen

mezeg, München, Monday, 29.10.2012, 17:46 (vor 5040 Tagen) @ Tablettenschlucker

Hey Lukas,

beim letzten EEG hatte ich nichts zu tun, bis auf betonte Atmung 2 mn lang und dann am Ende allein gelassen. Bei der Bewertung sagte eben der Epileptologe, daß man bereits auf dem EEG sieht, daß ich operiert wurde - wohl auch wenn man davon nichts wußte -, weil das geöffnete Gebiet etwas langsamer reagiert. Nur da, sonst nirgends, keine epileptische Reaktionen. Das Gebiet um die OP hatte sich auch in dem Jahr danach verschlechtert - nicht nur die Narbe selbst, sondern auch das Ödem rundherum - , was mir Radiologin wie Neuro-Chirurg sagten. Sie waren aber nicht davon überrascht und meinten, es müßte dabei bleiben. Übernächste Woche MRT und dann Großhadern, mir ist schon etwas bange. Ich melde mich danach.

Komischerweise ist mir diese "langsamere" Reaktion nicht unangenehm: Geschnipselt wurde im Bereich des Sprachzentrums, ich wurde auch gewarnt, daß es Probleme geben könnte. Das könnte viele meiner "Auras" erklären: Schwierigkeit ein "gefühltes" Wort in Form zu gießen, kurze Lese- oder Verständnisunfähigkeit. Dabei kann ich immer klar denken aber die Verbindung nach "außen" ist gestört. Aber schließlich ist es von sehr kurzer Dauer und ich versuche auch nicht mehr, es zu kaschieren, was viel Energie - meist umsonst - verbrauchte.

Und ein ausführliches Gespräch mit "meinem" Neurologen war äußerst positiv. Er ließ sich die Problemen beschreiben, und schließt epileptische Vorzeichen aus.

Also einerseits kurze Sprachprobleme und hohe Reizbarkeit, wenn ein Gespräch sich im Kreis oder noch schlimmer spiralenförmig dreht, da motzt das Sprachzentrum etwas. Und sonst wohl Nebenwirkungen vom AE, keine Persönlichkeitsänderung "nur" Verstärkung mehrere Charaktereigenschaften.

Weil er mir gesagt hat, daß ich mit Anfällen nicht mehr zu rechnen habe - bin schließlich nun seit 13 Monaten "ohne" - , bin ich unheimlich erleichtert und nicht ständig mißtrauisch beobachtend, was in meinem Kopf passiert. Habe letzte Woche eine aufkommende beunruhigende "verschwommene Erinnerung" erfolgreich zurückgeschoben. Ich bin fast sicher, daß es sich um ein echtes Erlebnis handelt, versuche aber nicht, es zu präzisieren, weil dadurch Unruhe aufkommt. Nichts wichtiges dazu: Es wären mal unheimliche Geräusche mit Metalldosen o.ä. produziert worden, um an Geistern glauben zu lassen. Ich denke, vielleicht ein TV-Film. Ich darf mich allerdings nicht allzusehr darauf konzentrieren.

Seit zwei Wochen bin ich auch ohne diese Vorzeichen - oder Auras - , obwohl in der Zeit heftige Probleme erfolgten. Ich versuche mich nicht mehr so scharf zu beobachten, wenn es lt. Neurologe doch nicht zu Anfällen führen soll, warum daran denken?

Ich weiß, mich hat es nur gestreift, die OP hat nur noch Probleme-Bröseln hinterlassen. Und ich richte mich ein: akzeptieren und nicht mehr versuchen, mich zu verstecken, dazu stehen und sogar in die Offensive gehen und darüber sprechen. Ich wünsche, Du könntest in einer ähnlichen entspannten Stimmung kommen!

mezeg

kleine Absenzen

Ana, Friday, 26.10.2012, 19:33 (vor 5042 Tagen) @ Tablettenschlucker

Vielen Dank für eure Antworten.Ich hätte nicht gedacht, das ich so schnell welche bekommen würde. Vermutlich habe ich tatsächlich diese kleinen Absenzen. Aussenstehende bekommen in der Regel nicht mit, wenn ich z.B. vor einer geschlossenen Tür plötzlich stehen bleibe und es einige Sekunden dauert, bis ich schliesslich wieder weiss, dass ich ja eigentlich gerade die Hand zur Klinke führen wollte ;)
Ich denke nicht, das ich deswegen zum Neurologen gehen werde, solange die kleinen Absenzen auch "klein" bleiben. Vermutlich würde er mich gleich wieder zum EEG schicken, man würde wieder dasselbe feststellen und über die Dosierung verhandeln...nein, das lass ich mal lieber.
Nochmals vielen Dank. Es geht mir besser, wenn ich weiss womit ich es zu tun habe.

Ana

kleine Absenzen

Tablettenschlucker, Freiburg, Saturday, 27.10.2012, 11:31 (vor 5042 Tagen) @ Ana

Hey Ana,

Ich würde dir trotzdem raten zu deinem Neurologen zu gehen. Egal woher
es jetzt kommt oder was es ist. Er muss es wissen um die richtige Dosis
zu finden. Rede auch mal mit deinem Neurologen über das Thema Schicht-
Arbeit. In der Zeit meiner Schicht-Arbeit hatte ich auch unverändert
Anfälle, jetzt habe ich einen neuen Job und ich habe das Gefühl es hilft
so langsam ein bisschen.
Wenn du nicht zu deinem Neurologen willst weil der immer nur Medis erhöht
usw., dann such dir einen neuen. Aber die richtige Dosis sowie Medikamente
zu finden ist schwierig, ich habe seit 11 Jahren Grand Mal-Epilepsie und
stehe mehr oder weniger immer noch im Wald.
Also Kopf hoch und weiter machen, auch wenn man meint man dreht sich
immer nur im Kreis.

Liebe Grüße
Lukas

kleine Absenzen

lola4, Friday, 26.10.2012, 15:29 (vor 5043 Tagen) @ Ana

Hallo Ana,

ich würde sagen, dass es von den Medikamenten kommt.

Ich habe eine Broschüre die heißt:

"Was Epilepsie ist" von www.Epilepsie-gut-behandeln.de
(Hotline 0800/1825613)

und da steht es auch nochmal drin,wenn man Medikamente über einen längeren Zeitraum einnimmt, das folgende Nebenwirkungen auftreten können, wie z. B.:

- schlechtes Gedächtnis,

- Konzentrationsschwäche,

- langsame Denk- und Sprechweise,

- geschwollenes Zahnfleisch, Akne,

- Gewichtszunahme/Gewichtsverlust,

- Haarausfall.

Du solltest darüber deinem Neurologen informiern.

LG Lola

kleine Absenzen

podi, Monday, 29.10.2012, 17:13 (vor 5040 Tagen) @ Ana

das kenn ich, habs auch hin und wieder.
und oft ist es so, das ich Sekunden später nicht mehr weis, ob ichs gemacht hab oder nicht.