beruhigender Albtraum

mezeg, München, Wednesday, 14.11.2012, 10:18 (vor 5024 Tagen)

Hallo,

Albträume bekommen wir alle und mein "Lieblings-Albtraum" ist es, verzweifelt pünktlich ankommen zu wollen und trotz allen Versuchen mich vom Ziel immer mehr zu entfernen. Unangenehm aber "bekannt".

Heute nacht 4:00 eine ganz andere "Gattung" - Ich sollte einen Film o.ä. einem kleinen wohl bekannten Publikum vorführen und konnte aus einem schwarzen "Loch" nicht raus. Als ich mich nur durch diese Linse ausdrücken könnte. Immer verzweifelte Versuche das Objektiv zu öffnen, nur hier und da eine dünne vertikale - und nicht runde - Öffnung zu erreichen.

Habe mich mit unheimlicher Kraft und Mühe selber geweckt (ich habe es einfach so empfunden) und hatte Angst wieder einzuschlafen, wie ich eigentlich wollte. Habe mir Tee ans Bett gebracht und ohne Lust ein Buch weiter gelesen. Hat schon Zeit gebraucht, bis ich BEREIT war, wieder zu schlafen. Mit Musik durch die Kopfhörern und den Kater auf den Füßen konnte ich dann abkippen und ohne weiteren Albtraum erwachen.

Was mich sehr beunruhigt, ist dieser dunkler bodenloser Schlaf von dem ich mich nur so qualvoll befreien konnte. So einen hatte ich vor zwei Jahren erlebt, als ich noch nicht von der Tumor wußte und meine nächtlichen - naßen - Anfälle nicht zuordnen konnte. Bei jenem Anfall schlief ich in einem Gästezimmer und machte als einzige Ausnahme das Bett nicht naß.

War es heute nacht die Ankündigung zu erwartenden nächtlichen Anfällen? Dabei war ich gestern bei MRT und von einer neuen Tumor gibt es keine Spur.

Oder "einfach" die Verarbeitung meiner grunsätzlichen Angst mich nicht mehr nach Außen ausdrücken zu können? Die Angst habe ich seit der OP, als ich mich mehrfach plötzlich nicht artikulieren konnte oder Gelesenes / Gesprochenes nur als "unformiges Brei" aufnehmen konnte. Habe es aber doch nun nur als lästig empfunden, weil es max. ein paar Minuten dauert, und ich dabei vollkommen normal "denken" kann und mich deswegen nicht mehr schäme.

Vielleicht wegen des Tods meiner Mutter vor zwei Wochen. Sie hatte Alzheimer und war seit Monaten "weg" und doch hier und da kurz "aufflackend". Als ich sie im August nach mehreren Monaten besuchte, sagte sie, als ich ankam: "ça par exemple!" also freudiges Erkennen einer angenehmen Person, ich traue es mir nicht präzisierer zu deuten. Einmal stammelte sie auch meinen Vornamen.

War die sehr kurze Öffnung der Linse damit ausgedrückt? Habe natürlich auch Angst an Alzheimer zu erkranken.

Durchdrehen und gleich zum Neurologen zu laufen, will ich noch nicht. Aber wenn der Albtraum sich allzu sehr wiederholt, muß ich was dagegen tun.

Vielleicht nur Blödsinn so viel dabei zu denken, hoffe aber, daß es befreiend ist, es auszudrücken. Und hier kann ich es tun!

mezeg

beruhigender Albtraum

Green, Wednesday, 14.11.2012, 12:15 (vor 5024 Tagen) @ mezeg

Hallo

und was erwartest du dann von dem Neurologen?

Hast du schonmal so eine Mosesschulung gemacht?


Gruss Green

beruhigender Albtraum

mezeg, München, Thursday, 15.11.2012, 10:54 (vor 5023 Tagen) @ Green

Hallo

und was erwartest du dann von dem Neurologen?

Hast du schonmal so eine Mosesschulung gemacht?


Gruss Green

Hallo,

den Neurologen würde ich natürlich nur aufsuchen, wenn diese Art von Albtraum sich wiederholt. Ihm berichten, für den Fall, daß es doch wirklich was andeutet. Nicht physischer Natur (MRT doch o.k.) sondern psychologisch-emotional.

Nein, Moses-Schulung habe ich noch nie gemacht. Habe mir gerade deren Seite angeschaut, weiß aber nicht, ob es für mich das Richtige sei. Bin doch eine eigenwillige Einzelgängerin und will es alleine schaffen - solange ich mich nicht geschlagen geben muß natürlich!

Was dem schriftlichen Wissen angeht, glaube ich gut informiert zu sein: Internet (deutsch und französisch), Bücher, Artikel und das Forum hier.

Mich "öffentlich" und persönlich zu offenbaren geht mir gegen den Strich, bin eben ziemlich kratzbürstig, so was wie ein "chat écorché", gehäutete Katze. Habe aber angefangen, darüber zu reden aber nur mit einzelnen von mir gewählten Personen. Deren Reaktionen waren so gut wie immer positiv, was mir zu mehr Offenheit ermutigt. Ich richte mich in der Situation immer bequemer ein, es kostet zwar Zeit, ist dafür umso solider.

Ich will einfach alleine auf weiter See segeln, brauche aber dafür einen sicheren Hafen, wo ich beim Sturm Schutz finden kann. Und das ist der Neurologe. Nur in Sicht der Küste bleiben würde mir die Lebenslust nehmen.

Vielleicht war der Albtraum nur Ausdruck einer Ur-Angst, vollkommen von der Epilepsie unabhängig, mein "Not-Akku" hat mich mit Mühe davon rausgeholt. Schließlich gab es bei jedem Anfall eine automatisch positive Reaktion.

Ich bleibe halt auf der Lauer und versuche den Vorfall nicht zu überwerten.

LG

mezeg

beruhigender Albtraum

Musica, Thursday, 15.11.2012, 16:57 (vor 5023 Tagen) @ mezeg

Ich würde auch sagen, dass Du ein wenig übertreibst. Jeder schlechte Traum ist schlimm. Steigere Dich nicht weiter hinein und schlaf gut, lg,Musica

beruhigender Albtraum

Green, Thursday, 15.11.2012, 21:54 (vor 5022 Tagen) @ mezeg

Hallo

okay ja jeder nimmt seinen Weg . Wenn man den Hafen will muss man aber auch auf passen das der " Hafenbesitzer" nicht irgendwann mal sagt wenn Sie meinen Sie müssten immer in den Sturm segeln anstatt in ruhiger Fahrwasser mit hilfe zu gehen
müssen Sie sich einen anderen Hafen suchen.
Das fällt mir so spontan dazu ein.

Alles gute Green

beruhigender Albtraum

mezeg, München, Saturday, 17.11.2012, 19:43 (vor 5020 Tagen) @ Green

Hallo

okay ja jeder nimmt seinen Weg . Wenn man den Hafen will muss man aber auch auf passen das der " Hafenbesitzer" nicht irgendwann mal sagt wenn Sie meinen Sie müssten immer in den Sturm segeln anstatt in ruhiger Fahrwasser mit hilfe zu gehen
müssen Sie sich einen anderen Hafen suchen.
Das fällt mir so spontan dazu ein.

Alles gute Green

Hallo

das empfinde ich nicht so. Der Sturm kommt gleich, egal ob man sich auf hoher See oder in Küstennähe befindet. Kommt dann nur darauf, wie man dann reagiert. Auf hoher See hat man u.U. keine gefährliche Hindernisse im Weg. Die Vorzeichen sind manchmal auch leichter zu analysieren. Wenn man weißt, wo sich der sichere Hafen befindet, kann man ihn direkt ansteuern.

In Küstennähe muß man mit Klippen, Untiefen und unbekannten Strömungen rechnen. Und wenn man nicht weißt, wo man einen zumindest einigermassen brauchbaren Hafen findet, was dann? Welche Richtung nehmen, welche Entscheidung treffen? Wie kann man dann die Panik zügeln?

Habe auf mehrtätige Radtouren oft andere Radler getroffen, die ihre Unterkunft nicht im Voraus buchen. Ab 16:00 fangen sie an mit dem Handy hier und her zu telefonieren und müssen manchmal mit sehr widriger Unterbringung auskommen. Ich buche meine Unterkünfte immer bei der Planung, die Entfernung von einer zur anderen nicht allzu lang, so habe ich viele Möglichkeiten offen je nach Wetter, Lust, Sehenswürdigkeiten, spontanen Treffen.

Ich meine ebenfalls nicht kopflos "auf weiter See", Vorteile und Risiken müssen gut überlegt werden. Ich will doch nicht ständig wieder in den Hafen einlaufen, nur wenn es sich definitiv nicht mehr vermeiden läßt. Sonst nur regulär um Proviant (Medi-Rezept..) zu holen und den Kurs manchmal zu besprechen / ändern.

Habe wirklich nicht das Gefühl, daß der Hafenmeister mich los werden will. Die Route wird besprochen und dann braucht er sich nicht mehr um mich zu kümmern. Ich soll jedes Jahr zur MRT? Ich kümmere mich um die Termine. Ich soll nun zweimal im Jahr einen Lamotrigin-Spiegel machen lassen und die Hausärztin hat "nur" ein normales Blutbild gemacht? Er erklärt mir, wie es gemacht werden soll und weißt, daß er die erforderlichen erwarteten Ergebnisse zum richtigen Termin bekommen wird.

Ich habe immer erlebt, daß die Ärzte mich nach gründlicher Besprechung meinen Weg gerne laufen lassen - bis auf Ausnahmen, die übrigens von anderen Patienten auch abgelehnt wurden...

VG

mezeg

beruhigender Albtraum

knuddel, Sunday, 18.11.2012, 15:50 (vor 5020 Tagen) @ mezeg

Hallo mezeg,
du hast in deinem Leben offensichtlich schon sehr viel Negatives erlebt. Insbesondere deine Erkrankung und die Erkrankung deiner Mutter. Ein Mensch kann dies nicht immer so einfach verkraften. Er wird durch diese traurigen Erlebnisse geprägt. Manchmal ist es einem selbst gar nicht so bewusst. In Träumen wird dann das Unterbewusstsein aktiviert und meldet sich zu Wort. Gerade wenn Träume häufiger auftreten oder wenn sie uns tagsüber belasten, sollte man sich professionelle Hilfe suchen z.B. eine Psychotherapie. Ich persönlich finde diese Form der Hilfestellung gut, da ich auch lerne mit Ängsten, was die Erkrankung betrifft und den Umgang mit anderen Menschen lerne und daran arbeiten kann. Ich war auch lange Zeit eine Einzelgängerin, was mir früher egal war, in der Therapie habe ich erkannt - jeder braucht Mitmenschen, mit denen er Freud und Leid teilt. In deinem Traum wolltest du ja auch vor einem wohlbekannten Publikum auftreten...
Nur eine Idee, die mir zu deinem Traum und Erlebten so spontan einfallen...
Alles Gute und LG

beruhigender Albtraum

mezeg, München, Tuesday, 20.11.2012, 17:01 (vor 5018 Tagen) @ knuddel

Hallo Knuddel,

ja, es war nicht immer einfach im Leben. Aber schließlich habe ich es doch immer geschafft und es gibt Selbstvertrauen. Deswegen will ich mich noch nicht geschlagen geben und zum Psychologe gehen. Mehrere Faktoren waren zusammen gekommen, eben zur Epilepsie, Alzheimer und Tod meiner Mutter. Dazu ein Buch ("le voci intorno"), das mich sehr beeindruckt hat: das Empfinden einer 18jährigen, die durch einen Unfall im Koma liegt, ihre Umgebung wahrnimmt aber keine Möglichkeit sich irgendwie auszudrücken, einfach in Kontaktlosigkeit gefangen. Meine eigene Angst.

Wenn ich noch nicht zum Psychologen gehe - und immerhin auch gerne alleine bin - ist mir die Wichtigkeit von menschlichen Kontakten bewußt. Reden mit alten Freunden, nicht unbedingt über Epilepsie aber bei Bedarf doch. Oder spontane Kontakte. War letztes Wochenende bei einem Sing-Kurs, keine Mozart- oder Brahmslieder, nur "normale", Kinderlieder inbegriffen. Eine sehr nette freundliche Gruppe, einfach offen für Spaß und Freude. Das Lied "Diggedidag, der Tausenfüßler..." haben wir gesungen und getanzt und wir Erwachsenen uns so gefreut wie Kinder! Das Lied möchte ich nun meinen Großneffen und den Nachbarskindern beibringen, damit wir zusammen singen und tanzen können...

Und nächste Woche treffe ich meine hier angesiedelte Nichte mit ihrem kleinen Sohn und dem gerade frischgebackenen neuen Großneffen. Mit solchen Glücksjuwelen kann man böse Träume besser vertreiben!

Dir danke für Deine nette Worte! :-P :-P

mezeg