Müssen wir

mezeg, München, Friday, 23.11.2012, 10:55 (vor 5015 Tagen) @ Musica

Ich bin gar nicht in trauriger Verfassung, trotzdem meine Frage, ob wir im Durchschnitt früher sterben als Nicht-Epi´s? Die Medi´s vergiften immerhin unsere Körper. LG,Musica

Hallo Monica,

irgendwann habe ich gelesen, daß Epileptiker eine kürzere Lebenserwartung haben. Falls es wirklich so ist, werden deren Unfälle und Selbstmorde mitgezählt? Und wieviel sterben bloß, weil sie ihre Medis einfach nicht nehmen??

Der Neuro-Chirurg hatte betont, daß die Rolle der Lebensqualität nicht unterschätzt werden darf. Ins Wasser darf ich nicht aber ich schwimme doch so gern in der Weite... Also bin ich letzten Sommer im Atlantik geschwommen, im vollen Bewußtsein, daß ein Risiko - m. E. minimal, da Anti-Stress-Mittel - bestand, Familie informiert, daß sie sich deswegen keine Gedanken machen sollten. Und was ist passiert? Eine sonnige Erinnerung :-) :-) :-) an der ich heute bei dem trüben Wetter so gerne denkt. Warum hätte ich zögern sollen??

Es zählt sowieso nicht die Quantität sondern der Qualität. Vorgestern hätte mein Vater Geburtstag gefeiert. Er starb mit 73 Jahren an Krebs aber ohne Einschränkung der geistigen Fähigkeiten. Meine Mutter starb vor kurzem. Aber geistig war sie schon lange tot - Alzheimer! Bei ihr mehr Lebenslänge, bei meinem Vater kürzer aber in voller Intelligenz.

Vorgestern hatte ich sein Bild von der Wand runtergeholt, Ehrenplatz im Wohnzimmer, allerlei Kerzen davor, die Insignien seiner Marine-Einheiten, Marine-Panzerdivision, Minensuchboot, das Fähnchen der Reederei, wo er so lange und so gerne gearbeitet hatte. Das Bild als junger Marine-Leutnant, frisch verheiratet, so gut und glücklich aussehend. Darauf in Dauermodus das Lied immer gespielt, worauf sich meine Eltern verlobt hatten: "Over the Rainbow". Das Lied wurde auch am Ende der Beerdigung meiner Mutter gespielt.

Die Stimmung kannst Du Dich vorstellen. Verzweifelt heulend bis zur Selbstmordgedanken... Und dann kam langsam ein sonderbare Frieden, vielleicht von oben...

Und gestern holte ich wieder das Mädchen, dessen Betreuung ich aufgegeben hatte, weil ihre Mutter mich mit ihren unverschämten Forderungen eine ganze Reihe von Auras eingebracht hatte. Der Projektleiterin meine Bedingungen dargestellt: Ich gestalte das Erlebnis-Programm und will die Mutter nicht sehen. Sie hat es der Mutter beigebracht, wohl weil sie meine Beziehung zum Mädchen befürwortet.

Die Kleine hat sich riesig gefreut, mich wieder zu sehen. Wir haben Plätzchen gebacken und "getestet", sie hat ein Bild für ihre Lehrerin gemalt/geklebt und dann meine Kiste mit Weihnachtsdeko mit Begeisterung durchgewühlt, um das Wohnzimmer zu dekorieren... Nicht unbedingt alles nach meinem Geschmack aber ihre Freude war so herzwärmend. :-) :-)

Und jetzt habe ich etwas Schwierigkeit zu Tippen, weil der Kater sich schnurrend auf meinem Arm gelegt hat. ;-)

Vor zwei Tagen weinen und an Selbstmord denken. Am nächsten Tag so viel Freude mit dem Mädchen, heute mit meinem Kater...

Was sollen wir über eine unbekannte Zukunft so grübeln? Was geplant werden kann/soll, natürlich im Voraus planen. Sonst einfach in dem heutigen Tag leben: die kleinen Freuden genießen und einsaugen, die schlechteren Erlebnisse falls nicht vermeidbar akzeptieren, aus der Kraft der früheren schönen Erinnerungen und in der Sicherheit, daß schöne Momente wieder kommen werden. Also schön lateinisch: Carpe Diem! Oder französisch: "Après la pluie" - wie heute - "le beau temps" - bald... -

mezeg


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