Depressionen nach dem Anfall

crispy86, Saturday, 29.12.2012, 11:38 (vor 4979 Tagen)

Hallo zusammen,
ich bin 26 Jahre alt und habe seit meinem 12 Lebensjahr Epilepsie. Meine Anfälle sind sehr selten. Insgesamt hatte ich viell. 10 Grand Mal Anfälle und somit jedes Jahr bis jede 2 Jahre einen Anfall. Ein Anfall dauert bei mir nur ein paar Sekunden aber anschließend bin ich für eine halbe bis ganze Stunde fast nicht ansprechbar. Vor ein paar Tagen war es wieder soweit nach fast 2 Jahren. Ich war zu besuch bei meinem Bruder und seiner Familie und habe dort übernachtet und am morgen ist es dann passiert. Meine Familie ist komplett aufgeklärt über meine Krankheit und deswegen bin ich froh, dass es dort passiert ist und nicht in der Ubahn oder Arbeit :) Ich finde es nicht schlimm Epileptiker zu sein. Es ist ein Teil von mir und es macht mich zu dem schönen ganzen, was ich bin. Ich nehme keine Medikamente (Valproinsäure) mehr, weil diese mich verändern und ich das Gefühl habe nicht mehr ganz ich zu sein. Das kann ich aber zum Glück nur machen, weil ich so selten Anfälle habe.
Was mich aber immer wieder aus der Bahn wirft nach jedem Anfall ist dieser Ich -Verlust direkt nach dem Anfall. Also diese Depressieve Phase durch das Verschwinden von Erinnerungen. Dazu kommt, dass ich in dieser Zeit danach Schwierigkeiten habe mich zu konzentrieren und mir Dinge zu merken.
Der Anfall ist jetzt 4 Tage her und ich merke wie es langsam besser wird.
Mich interessiert nun, wie diese Zeit bei euch aussieht und wie ihr mit dieser Zeit umgeht? Was macht ihr um euch aufzumuntern? Wie lange dauert die Zeit?
Freue mich über eure Antworten :-)
Liebe Grüße Crispy

Depressionen nach dem Anfall

Physalis88, Saturday, 29.12.2012, 11:59 (vor 4979 Tagen) @ crispy86

Wenn ich einen GM hatte komm ich mir immer so verloren vor weil ich mich auch an nichts erinnern kann, und fang an zu weinen. Das war bis jetzt bei jedem GM so. Ob das als depressive Phase zählt weis ich nicht, das ist meine Erfahrung nach den Anfällen.

Lg Physalis

Depressionen nach dem Anfall

crispy86, Saturday, 29.12.2012, 16:18 (vor 4978 Tagen) @ Physalis88

Ja, das "sich verloren vorkommen" kenne ich und meine ich auch. Wie lange dauert das bei dir, bis das vorbei geht? Bei mir dauert es schon ne weile aber zeit heilt ja bekanntlich alle Wunden :-)
gibt es Dinge, die dich da wieder aufbauen? Mir ist es dann immer wichtig, dass ich mir etwas Gutes tue, zB etwas sport, aufräumen, shoppen, so Sachen eben.. Is nur immer etwas schwer sich aufzuraffen in so momenten, weils ja immer wieder von vorne los geht..
Lg Crispy

Depressionen nach dem Anfall

jess87, NRW, Saturday, 29.12.2012, 19:34 (vor 4978 Tagen) @ crispy86

hey, also ich war auch mal laaangezeit anfalls frei, und als es dann wieder anfing, fiel ich auch in ein "loch". aber, bei mir wars so, dass ich "gemerkt hatte" dass ich genau diese situation schon kenne, deshalb brauchte ich meine augen nach dem anfall nicht mehr öffnen und war einfach nur am weinen o.O
natürlich habe ich dabei gedacht, warum der mist nach ca 10. Jahre anfallsfrei wieder kommt. tja jedenfalls habe ich mich, als ich bis 2006 meine freie anfallszeit hatte innerhalb von 3 jahren operieren lassen. und seiddem bin ich anfallsfrei

Depressionen nach dem Anfall

Physalis88, Saturday, 29.12.2012, 20:57 (vor 4978 Tagen) @ crispy86

Es ist unterschiedlich wie lange das bei mir dauert aber manchmal wenige Tage, bis ich mich wieder aufgerafft hab. In der Zeit will ich eig nicht wirklich jemand sehen und kapsel mich bissel hab, weil ich das gefühl hab das die "gesunden" Leute das nicht wirklich nachvollziehen können und immer nur solche Standart Sätze los lassen, die es nicht gerade besser machen.

Ich höre in der Zeit meistens viel Musik und das hilft mir eig ganz gut. Aber das shoppen funktioniert bei mir auch ;-) Ich hab nach einem Anfall lieber meine Ruhe anstatt mich ins Getümmel zu stürzen.

Depressionen nach dem Anfall

DARKON34, Leipzig, Saturday, 29.12.2012, 21:28 (vor 4978 Tagen) @ crispy86

kenne das bin derzeit in einer phase von mehreren GM-Anfällen-ging Weihnachten los-und naja denke das es langsam zu ende mit "dieser Phase" geht,kenne auch das verloren/alleine sein obwohl ich viel unterstützung habe/bekomme.
Was meine Muntermacher sind ist ganz wichtig viel musik,malen und das was mir spontan im kopf einfällt nieder zuschreiben und daraus entstehen recht interessante Kurzgeschichten

Depressionen nach dem Anfall

Green, Saturday, 29.12.2012, 22:27 (vor 4978 Tagen) @ crispy86

Hallo

muss mich auch öfter suchen nach den anfällen passiert mir aber leider manchmal 2-3 die woche........so ein 2 Jahresrythmus wäre schon klasse.

Oft wenn ich mich halb habe knallt es neu.......wünsch mir manchmal eine cd die ich rein schieb damit das alles schneller geht mit dem wieder finden.

Gruss green

Depressionen nach dem Anfall

Physalis88, Saturday, 29.12.2012, 22:33 (vor 4978 Tagen) @ Green

Das kann ich zum Teil auch nachvollziehen, man fängt sich wieder und kaum geht es einem wieder gut kommt das nächste. Also leicht ist das nicht. Irgendwo brauch man schon "dickes Fell" um das wegzustecken, einigermaßen.

Depressionen nach dem Anfall

Green, Saturday, 29.12.2012, 22:35 (vor 4978 Tagen) @ Physalis88

Hallo Physalis88

ja und das weg stecken geht gerade gar nicht gut bei mir ....

Gruss green

Depressionen nach dem Anfall

kucka, Saturday, 29.12.2012, 22:49 (vor 4978 Tagen) @ Green

Hallo

..wünsch mir manchmal eine cd die ich rein schieb damit das alles schneller geht mit dem wieder finden.

Gruss green

hallo Green
versuchs mal mit einer Demenz-Entspannungs CD

grüsse kucka

Depressionen nach dem Anfall

Green, Saturday, 29.12.2012, 22:58 (vor 4978 Tagen) @ kucka

Hakko Kucka

und wo ist an meinem Körper bitte die Cd-spieler öffnung ?????

Green

Depressionen nach dem Anfall

kucka, Saturday, 29.12.2012, 23:16 (vor 4978 Tagen) @ Green

Hakko Kucka

und wo ist an meinem Körper bitte die Cd-spieler öffnung ?????

Green

sorry
wollte nur helfen

Depressionen nach dem Anfall

Green, Saturday, 29.12.2012, 23:18 (vor 4978 Tagen) @ kucka

Hallo
passt schon haätte ja auch schreiben können eine cd- bei mir am körper einlegen wie am pc.
green

Depressionen nach dem Anfall

Physalis88, Sunday, 30.12.2012, 09:59 (vor 4978 Tagen) @ Green

Hallo ihr 2,

ich denke vlt sollte man es mit der musik versuchen die man am liebsten hört, das klappt zumindest bei mir ganz gut.

Depressionen nach dem Anfall

Gittala, Hallstadt, Sunday, 30.12.2012, 14:13 (vor 4978 Tagen) @ Physalis88

hallo zusammen,

ich habe keine Epilepsie, aber wenn es meiner Tochter schlecht geht wie an den Feiertagen( 11 Anfälle in 2 Tagen) dann gehts mir auch schlecht. Man fragt sich wieso es einem jungen Menschen so schlecht geht, denn sie hat doch nichts verbrochen?? Leider kann sie nicht wie viele hier, schildern was in ihr vorgeht, deswegen lese ich hier viel, was ihr schreibt wie es Euch nach einem Anfall geht....ich kann nur zusehen und mitleiden. Da kann man auch als Aussenstehender in Depressionen verfallen, wenn man es zulässt. Ich würde zu gern wissen wie sich meine Tochter fühlt, doch leider kann sie es nicht beschreiben, ausser sie sagt mir geht es nicht gut. Jetzt ist die Anfallszeit vorbei( bis zum nächsten Mal)und alles ist wieder im Lot.....Was ich damit sagen wollte, ich nutze diese Zeit zum Erholen.....
Wünsche allen ein gutes anfallsfreies neues Jahr.....


lieben Gruß

Brigitte

Depressionen nach dem Anfall

podi, Sunday, 30.12.2012, 15:27 (vor 4978 Tagen) @ Physalis88

ich habe relativ viele Absencen (5 am Fr.) Und auch etwa 2GM im Jahr. Aber ich glaube nicht, das ich nach einem
GM sonderlich Depressiv bin. Dazu bin ich viel zu fertig. (muss aber sagen, das mich die Medikamente generell etwas Depressiv machen.

Depressionen nach dem Anfall

Physalis88, Sunday, 30.12.2012, 15:47 (vor 4978 Tagen) @ Gittala

Hallo Brigitte,

meiner mutter ging es auch so als sie mal bei einem meiner GM anfälle dabei war. Sie wollte auch wissen wie es mir geht oder was vorgeht, aber mir persönlich viel es schwer es zu umschreiben das es aussenstehende verstehen können.

Aber das du hier in dem Forum dabei bist um deine Tochter verstehen zu können finde ich gut :-)

Lieber Gruß
Physalis

Depressionen nach dem Anfall

crispy86, Sunday, 30.12.2012, 18:00 (vor 4977 Tagen) @ Physalis88

Es ist wirklich schwierig zu beschreiben, was in einem vor geht. Für mich persönlich ist es eine Zeit die nicht schön ist und die ich auch keinem wünsche aber ich weiß jedes mal, dass sie vorbei geht und es wieder gut wird, jedes mal und das beruhigt mich. Die Krankheit hat für mich auch positive Seiten. Sie lässt mich schätzen wie schön das Leben ist und wie kurz es sein kann... Ob das fair ist weiß ich nicht aber jeder der solche Anfälle durch macht und das auch noch regelmässig ist schon sehr stark in meinen Augen und vollbringt eine aussergewöhnliche Leistung...

Depressionen nach dem Anfall

crispy86, Sunday, 30.12.2012, 18:07 (vor 4977 Tagen) @ Physalis88

Hey Phisalis,

ja Musik ist schon ne sehr wichtige Sache, das hab ich dieses mal auch wieder gemerkt.
Was hörst denn du so? Höre dieses Mal viel The xx und The Lumineers, wirklich sehr gut zum nach vorne schauen und weiter machen :-)
Cheers^^

Depressionen nach dem Anfall

crispy86, Sunday, 30.12.2012, 18:13 (vor 4977 Tagen) @ podi

Ja die lieben Medikamente,
hatte immer das gefühl etwas matschig in der Birne zu sein durch die Tabletten und habe diese auch nach etlichen jahren deswegen abgesetzt. Irgendwie unkonzentriert und vergesslich noch dazu. Ich glaube ich verzichte lieber mein ganzes Leben auf alkohol und riskiere dennoch jedes Jahr nen Anfall, als nicht mehr ich zu sein. Hab die dinger echt gehasst, schrecklich..

Depressionen nach dem Anfall

Physalis88, Sunday, 30.12.2012, 23:17 (vor 4977 Tagen) @ crispy86

Hey Crispy

also ich höre am meisten Within Temptation ansonsten alles so in die ähnliche richtung :-)

Depressionen nach dem Anfall

Physalis88, Sunday, 30.12.2012, 23:21 (vor 4977 Tagen) @ crispy86

Das hast du sehr schön geschrieben muss ich mal sagen, und gebe dir da auch recht. Meine anfälle kommen auch regelmäßig aber so habe ich es noch nicht wirklich gesehn. Aber es mal so zu lesen leutet einem (also mir) ein ;-)

Depressionen nach dem Anfall

DARKON34, Leipzig, Monday, 31.12.2012, 08:45 (vor 4977 Tagen) @ Physalis88

BLUTENGEL u.ä.

Depressionen nach dem Anfall

Physalis88, Monday, 31.12.2012, 10:58 (vor 4977 Tagen) @ DARKON34

klingt gut ;-)

Depressionen nach dem Anfall

knuddel, Sunday, 06.01.2013, 17:20 (vor 4970 Tagen) @ crispy86

Hallo,
oh ja depressive Episoden nach einem oder mehreren GM- Anfällen, das kenne ich auch nur allzu gut.
Ich denke es hat nicht unmittelbar etwas mit dem Anfall an sich zu tun, sondern man fragt eher "warum gerade ich, hab ich mich falsch verhalten?" Was anderes , welches bei mir diese tiefe Traurigkeit auslöst, ist die Ohnmacht und der Verlust der Kontrolle über den eigenen Körper und den Geist.
Andererseits weiß ich das Depressionen bei vielen chron. Erkrankungen vorkommen, besonders wenn man diese Erkrankung noch nicht richtig akzeptiert hat.Dann heißt es daran arbeiten in SHG und wenn nötig psychotherapeutisch.Das gibt Kraft und hilft.
Ich wünsche dir alles Gute.
LG ;-)

Depressionen nach dem Anfall

crispy86, Monday, 07.01.2013, 09:10 (vor 4970 Tagen) @ knuddel

Ich glaube dieses "Down" nach dem Anfall ist völlig normal und lässt sich nicht vermeiden, egal wie sehr man diese Krankheit akzeptiert :) Was die Psyche bei und kurz nach so einem Anfall verkraften muss ist eine starke Leistung und ein Stimmungstief ist eine ganz normale menschliche Folge. Ich verliere Erinnerungen, welche teilweise erst recht spät wiederkommen. Ich bin hilflos wie ein Kind in der kurzen Zeit nach dem Anfall obwohl ich mitten im Leben stehe. Ich hab Beulen an die ich mich nicht erinnere und Geschichten die auch nich immer sexy sind :) Ich bin Mensch grade auch weil ich traurig bin. Für mich ist es völlig normal in eine depressive Phase nach einem Anfall zu kommen und wichtig für mich ist wie ich mit so einer Zeit umgehe. Wenn ich mich in dieser Zeit fallen lasse, mir die Zeit nehme und mich völlig drauf einlasse kann es teilweise eine schöne Zeit sein. Ich bin sehr nachdenklich und ruhiger in dieser Zeit und allgemein sehe ich die Welt komplett anders als sonst. Irgendwie melancholischer. Einfach eine andere Perspektive. Es entstehen auch eigentlich jedes mal ziemlich coole Ideen :) Eine ganz wichtige Sache ist bei mir jedoch, das ich weiß/glaube dass es eben vorbei geht und das es eben nur eine Phase ist.. Ich habe da keinen Knopf der das abstellt nur den Prozess :-)

Depressionen nach dem Anfall

Lerche, Monday, 07.01.2013, 13:38 (vor 4970 Tagen) @ crispy86

Auch wenn der letzte GM schon ne ganze Weile her ist und die Erinnerungen langsam verblassen - so ungefähr wars bei mir auch. Gut geschrieben, crispy:-).

Depressionen nach dem Anfall

baerli3333, Monday, 07.01.2013, 19:25 (vor 4969 Tagen) @ crispy86

Hallo
eine wirklich gute Schilderung deiner Verfassung nach so einem Anfall.
Bei mir sieht es so aus : erstmal ein paar min. sammeln, dann nehm ich mir ein Blatt Papier, zerknüll es und werfe es über die Schulter nach hinten weg. (bildlich gesprochen)

und weiter gehts im Text, - life goes on - , wie man so schön sagt.

Was soll ich mich denn in die Ecke stellen und anfangen zu heulen, davon werde ich auch nicht wieder gesund.
ist passiert und vorbei, und jetzt heissts weitermachen.
die paar Begleitscherscheinungen, Beule Kratzer Kopfweh usw., die gehen auch wieder vorbei.

bedenkt man, dass dich jede Viertelstunde `down sein` ganze 15 min deines glücklichen Lebens kosten, dann ist die Zeit doch einfach zu kostbar um sowas überhaupt in Betracht zu ziehen.
Die Krankheit ist nunmal ein Teil von unserem Leben, aber das Leben ist nicht Teil unserer Krankheit.

LG
Uwe

p.s. bei mir ist bestimmt ein kleines Quäntchen Schaupielerei und Selbstbetrug dabei, aber es hilft ungemein