Anfall "gesehen" und musste weinen

jess87, NRW, Friday, 22.02.2013, 20:03 (vor 4923 Tagen)

Hallöchen.
ich habe heute eine alte Frau beim Einkaufen gesehen, aufeinmal lag die auf dem Boden und war nicht mehr anzusprechen. Sie fiel in einem kurzen einschlaf kurz danach war sie aber ansprechbar. Natürlich sehr durcheinander.
Ich musste den Weg dann weggehen, weil mir meine Tränen liefen, ohne dass ich weiß warum. Zum Glück war meine Mutter dabei, die dann bei der Frau geblieben ist. Nur sehr kurze Zeit danach, bin ich natürlich wieder hin. Habe mir gedacht: "So Jess, jetzt reisse dich zusammen und geh zu ihr hin. Sie wird dir danken dafür." Das habe ich dann auch gemacht, habe dann auch die Hand der Dame genommen. Naja, wieso ich allerdings weinen musste weiß ich echt nicht. Irgendwie komisch, oder nicht. Immerhin kenne ich mich mit der Krankheit super gut aus. Aber seit meiner OP bin ich irgendwie sehr nahe ans Wasser gebaut worden :-) , gerade wenn es um sowas geht empfinde ich.

wie ist das bei euch, wenn ihr andere Menschen seht?

LG Jess

Anfall "gesehen" und musste weinen

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Saturday, 23.02.2013, 10:06 (vor 4923 Tagen) @ jess87

Bei uns hat vor zwei Jahren vorm Beginn vom Weihnachtsgottesdienst eine alte Frau einmal einen Kreislaufkollaps gehabt, direkt in der Reihe vor uns. Ich empfand die Situation damals vor allem als stressig, weil wir dabei geholfen haben - die um mich herum sind's ja eher als ich gewohnt, bei so etwas ruhig zu bleiben - die ganzen Gaffer und vor Schreck gelähmten erst einmal zur Seite zu bekommen, damit unsere Dorfärzte, die auch da waren, erst einmal zu Ihr durchkamen. War eh eine schreckliche Atmosphäre in dem Raum, mit den ganzen Kerzen und recht stickig obendrein. War froh, als ich danach einmal kurz die kalte Luft draußen einatmen konnte.
Hab mir damals - auch wenn ich weiß, dass es nicht richtig und irgendwie schon ein bisschen grausam ist und obendrein das zu Weihnachten und weiß Gott, ich wünsch sowas ja wirklich niemanden - nur gedacht "zum Glück passiert nicht nur mir so ein Sch...".

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Anfall "gesehen" und musste weinen

Sipahix, Saturday, 23.02.2013, 15:36 (vor 4922 Tagen) @ jess87

Bei mir ist es so wenn ich irgendein junge Person sehe bsp. ohne Arm, oder Hand, oder blind ist wird mir sofort schwindel, bzw verlier irgendwie die Sprache. Nach einem Op in Uni war ich in einem Kinderreha für zwei monate und da waren viele kleine Kinder die eine Behinderung hatten und des hat mich immer mitgenommen. Aber tag für tag baut sich wieder es ab. Ich fühl mich immer mehr stärker wenn ich so etwas sehe, schließlich geht es ja der Person nicht besser, wenn sie dir leid tut. Ganz im Gegenteil ich respektiere solche Leute die trotz ihre Behinderung ihre Leben in Griff haben.

Nebenbei wollte ich noch etwas sagen und zwar hab mal gehört, dass man früher Leute die grad einen Krampfanfall bekamen zusammen geschlagen hat, weil es hilft oder also ohrfeigen gegeben hat.

Oder einmal wo ich Krampfanfall bekam bzw. Aura und die einzelne Symptome spürte "Schlechte Geruch" riechte gab mir meine Oma ne Zwiebel weil es früher bei einem Person das Krampfanfall hinderte. Und es hat auch wirklich geholfen. Bzw Der komische Geruch war weg. Hatte den Symtom ausgetricks, dies hilfte mir wiederum die Reize besser in der Kontrolle zu halten, denn man fühlt sich reizbar, wenn man plötzlich Reize spürt, die man nur meist dann hat wenn man unter Krampfanfall leidet.

Anfall "gesehen" und musste weinen

Julyy, Monday, 25.02.2013, 22:52 (vor 4920 Tagen) @ jess87

Hallo,

ja ich finde es auch immer wieder schrecklich, wobei ich jetzt noch niemand auf offener Strasse gesehen habe. Ich knnen "nur" Fieberkräpfe live!

Julyy

Anfall "gesehen" und musste weinen

mezeg, München, Tuesday, 26.02.2013, 11:42 (vor 4920 Tagen) @ jess87

einen Epileptischen-Anfall habe ich nur erlebt, lange bevor ich davon befallen wurde und in Anwesenheit von Erst-Helfern, die sich um ihn kümmerte.

Bei akuten Notfällen schaltet sich mein Gehirn selbständig auf kühle Rationalität, schlapp mache ich nur, wenn nichts mehr zu handeln gibt. Erfolgte so z.B. als meine 18-jährige Tochter wegen Hyperventilation ins Krankenhaus kam und die Ärzte plötzlich sagten "Sie atmet nicht mehr!" Erstes Gedanke: "Das darf nicht sein!" und dann nur kühl kalkuliert "Wir sind im KKH, der Kreislauf funktioniert, sie hat sowieso zuviel Sauerstoff im Blut, sie werden sie schon an irgendeine Maschine anschließen" Dabei reichte ein einfacher Griff unter dem Brustkorb. Als wir aber wieder zu Hause waren, war ich nicht mehr zu gebrauchen.

Also epileptische Anfälle habe ich nicht mehr erlebt, allerdings als Tourenleiterin oder Privatradlerin mehrere Unfälle miterlebt. Erste-Hilfe-Kurs hatte ich natürlich gemacht, meine Erfahrung ist eher, daß nüchternes Management am wichtigsten ist:
- Unfallstelle absichern (lassen)
- Notruf absetzen (lassen)
- Zeugen eine Aufgabe erteilen, sie bleiben nicht mehr durchgedreht störend an der Stelle und können dadurch sich oft als sehr nützlich erweisen.

- und am wichtigsten Ruhe bewahren und so tun, als man alles im Griff hätte, auch wenn es wirklich nicht der Fall ist. Betroffener wie Anwesenden entspannen sich und fühlen sich betreut. Bin sogar mal gefragt, ob ich Ärztin sei... :-D :-D :-D

Vielleicht könntest Du im Kopf den Ablauf der notwendigen Maßnahmen regelmässig durchdenken. Wenn es wirklich zu einem Notfall kommt, dann kannst Du es viel leichter abspulen.

Habe ich sowas doch nicht schon irgendwann geschrieben???

mezeg

Anfall "gesehen" und musste weinen

Musica, Tuesday, 26.02.2013, 15:41 (vor 4919 Tagen) @ jess87

Hallo jess87, ich habe neulich bei meiner Zimmer-Nachbarin beim Monitoring zum 1. Mal einen Anfall gesehen. Seither kann ich mich besser in Leute versetzen, die einen Anfall mitbekommen.Na danke habe ich gedacht, sieht wirklich ziemlich blöd aus...Da hilft kein "Schönreden". LG,Musica

Anfall "gesehen" und musste weinen

Lerche, Tuesday, 26.02.2013, 17:48 (vor 4919 Tagen) @ Musica

ich habe neulich bei meiner Zimmer-Nachbarin beim Monitoring zum 1. Mal einen Anfall gesehen.

Bei mir war’s auch der Zimmer-Nachbar im Epizentrum. Das ist nun schon 15 Jahre her, ich hab inzwischen so viel vergessen, aber diese Bilder krieg ich einfach nicht gelöscht…

Seither kann ich mich besser in Leute versetzen, die einen Anfall mitbekommen.

Geht mir auch so. Erst wenn wir selbst sehen, was die Anderen sehen, verstehen wir besser, warum sie so reagieren, wie sie reagieren.

Na danke habe ich gedacht, sieht wirklich ziemlich blöd aus...Da hilft kein "Schönreden"

Stimmt Musica, schön ist anders… bin ein klein wenig… bescheidener(?) geworden in diesem Epizentrum…

VG Uwe

Anfall "gesehen" und musste weinen

Britta, Wednesday, 13.03.2013, 13:08 (vor 4905 Tagen) @ jess87

Liebe Jess,
Du bist ein MENSCH!! Das ist völlig normal, dass Dich das aus der Bahn wirft. Ich habe das vor vielen Jahren an der U-Bahn erlebt; da lag einer mit 'offenem Kopf- gestürzt o.ä. '- das Bild werde ich für immer in meinem Kopf haben.
Du scheinst ein sehr guter Mensch zu sein- Schön, dass es das noch gibt.
Mach weiterso und lass Dich nicht beirren.