Wortfindungsstörung nach Anfall

mezeg, München, Friday, 15.03.2013, 17:24 (vor 4902 Tagen) @ Musica

Hallo Musica,

ich versuche Deine Fragen in der richtigen Reihe zu beantworten.

Vor der OP hatte ich nur die meines Alters normale kleine Erinnerungslücke, meist Namen. Wie für einen Sänger zur Zeit meiner Eltern: Ich "sah" sein Gesicht, hörte seine Lieder, wußte den Namen seiner Freundin, wo er geboren wurde... aber den Namen??? Flashte spontan etwa zwei Wochen später, als ich in ganz anderen Gedanken war. Nichts lebenwichtiges, wohl im Außenspeicher.

Manchmal auch das gewünschte Wort nicht in der gewünschten Sprache gefunden, fand z.B. ein Wort in englisch, dann deutsch aber nicht sofort in französisch. In italienisch kannte ich es sowieso nicht. Es kann im Gespräch zwischen deutsch und französisch auch passieren, daß ich nicht immer merke, welche Sprache ich gerade verwende, nur wenn der Gegenüber plötzlich komisch schaut... Mit Bekannten passiert es nicht, weil deren Sprachen-Code wohl festgebrannt ist. Das betrachte ich auch als normal.

Die komische Sprachblockaden, oft mit Wellen, hatte ich auch eine gewiße Zeit vor der OP. Wie lange aber das Mistvieh sich bereits auf meinem Gehirn gemütlich gemacht hatte, läßt sich nachträglich aber nicht mehr abschätzen. Zeitlich würde es gut passen.

Bei einer "normalen Epilepsie" hätte ich mich von den Ärzten gründlich und präzis informieren lassen. Dann Vor- und Nachteile sorgfältig abgewogen und danach gehandelt. Aber nicht um nachher zu grübeln: "Ich hätte es anders machen sollen!" Nützt nichts und wenn ich mir die Mühe gemacht habe, die Entscheidung nüchtern-logisch zu treffen, warum jammern? Umkehren kann man es nicht mehr.

Die Worte nicht zu finden - besser gesagt Sprachblockade - hat mit der Mehrsprachigkeit nichts zu tun. Ich denke nicht: "Wie ist doch die Nuance, die ich brauche? Paßt dies ersatzweise?" u.ä. , ich denke überhaupt nicht in Worten, alles ist formlos. Wenn ich es aussprechen wollte, finde ich sie nach der Blockade. Ging es um Gesprochenes oder Gelesenes ist es weg, keine Ahnung, was gesagt wurde, was ich gerade gelesen habe. Seit ich es nun hinnehme und warte, bis es wieder funktioniert - und es funktioniert IMMER wieder - nehme ich es gelassener. Ich schiebe es allerdings viel lieber auf die OP als auf den Verdacht wie meine Mutter an Alzheimer erkrankt zu sein!

Ich bin im Rentenalter wenn aber mit vielen Hobbys, Kontakten und Ehrenämtern beschäftigt. Arbeite gerade an einem Vortrag über die Maler der Bretagne, Schwerpunkt die "Schule von Pont-Aven"...

mezeg


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