Hilft Sport?

Xandri, Niedersachsen, Sunday, 28.04.2013, 10:45 (vor 4859 Tagen)

Hallöchen.
Ich möchte gerne mal eure Meinung dazu wissen:

Ich hatte anfänglich (ersten 8 Jahre) nur Anfälle in der Aufwachphase.
Seit 2 Jahren treten aber auch Anfälle ca. 2-3 mal im jahr einfach so auf.
Ohne irgendwelche Anzeichen (Vermutung: stressbedingt, immer mit Abfall des Stresslevels).
Ich will mich absolut nicht beklagen, weil einige von euch sicher denken: ach 2-3 mal pro Jahr ist ja lachhaft :D
Aber was ihr ja auch wisst: die "Krankheit" (wie ich es nicht nennen mag) ist unberechenbar. Das ist das, was mich so stört!

Aber zurück zum Thema :D
Ich hatte einen Anfall bei meiner Zwischenprüfung (mit Abgeben der 2. von 3 Klausuren, also wieder mit Abfall eines gewissen Stresslevels).
In 1,5 Wochen habe ich meine Abschlussprüfung. Ich lerne viel und schon lange, habe nun aber auch Angst, dass ich die Prüfung im Herbst wiederholen muss (nur, weil ein Anfall kommt!!)
Ich habe vorher keinen Sport gemacht. Habe mir nun ein paar Hanteln und ein Laufband gekauft und gehe jeden bis jeden zweiten Tag laufen und mache nun diverse Muskelübungen.
Was haltet ihr davon?
Meint ihr, man kann dadurch vllt. Stress oder irgendwas rauslassen, um einen Anfall vllt. sogar zu vermeiden?!

Einen schönen Sonntag wünsche ich Euch!

Hilft Sport?

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Sunday, 28.04.2013, 11:02 (vor 4859 Tagen) @ Xandri

Ich will mich absolut nicht beklagen, weil einige von euch sicher denken: ach 2-3 mal pro Jahr ist ja lachhaft :D

2-3 mal find ich absolut nicht lachhaft. Das wäre für mich so die Zeit, wo ich mir denken würde, so, jetzt hab ich den Letzten wirklich komplett hinter mir gelassen und dann kommt der nächste.

Ich habe vorher keinen Sport gemacht. Habe mir nun ein paar Hanteln und ein Laufband gekauft und gehe jeden bis jeden zweiten Tag laufen und mache nun diverse Muskelübungen. Was haltet ihr davon? Meint ihr, man kann dadurch vllt. Stress oder irgendwas rauslassen, um einen Anfall vllt. sogar zu vermeiden?!

Schau mal hier: http://www.dgfe.info/home/index,aid,767.html
Da steht was von "Verminderung von epilepsiespezifischen Potentialen im EEG unter körperlicher Belastung" drin. :-)

--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Hilft Sport?

Xandri, Niedersachsen, Sunday, 28.04.2013, 11:31 (vor 4859 Tagen) @ huge88

super :)
Das bestärkt mich schon mal, weiter zu machen!
Danke :)

Hilft Sport?

mezeg, München, Sunday, 28.04.2013, 11:42 (vor 4859 Tagen) @ Xandri
bearbeitet von mezeg, Sunday, 28.04.2013, 11:51

Ich habe vorher keinen Sport gemacht. Habe mir nun ein paar Hanteln und ein Laufband gekauft und gehe jeden bis jeden zweiten Tag laufen und mache nun diverse Muskelübungen.
Was haltet ihr davon?
Meint ihr, man kann dadurch vllt. Stress oder irgendwas rauslassen, um einen Anfall vllt. sogar zu vermeiden?!

Hallo,

nach der OP wurde mir eine "überhöhte Streßanfälligkeit" attestiert, die mir auch 3 GM-Anfälle eingebracht hat. Inzwischen bin ich wohl gut eingestellt und meine Reaktionen auf Streß laufen zwar weiterhin "wellenartig" aber nach meinem "natürlichen" Muster, vielleicht nur etwas größeren Phasen.

ABER:

bin weiterhin begeisterte Radlerin. Nicht Rennradlerin, nur aus Freude. Ich habe das Glück in der Nähe einem schönen Stadtwald zu wohnen, keinen Autoverkehr - also keine besondere Aufmerksamkeit nötig. Schöne Landschaft, die sich immer ändert, Entdeckungen unterwegs - der Fuchs, der sich blitzschnell davonschleicht, Eichelhäher, "meinen" ersten Wiesel, die Katze am Waldhaus, die für Zusatzstreicheln immer zu haben ist. Wenn ich eine Aura aufkommen spürt, kann ich mich immer auf dem Fahrrad ablenken und sie zurückdrängen.

Als ich noch berufstätig - und nicht epileptisch - war, fuhr ich auch auf dem Rad zur Arbeit auf einer schönen, meist autofreien Strecke am Fluß entlang. Kein Zeitdruck, Landschaft, frische Luft. Kollegen ist damals aufgefallen, daß ich gerade für knifflige Probleme gezielte Lösungen auf dem Fahrrad entwickelte. Durch die richtigen Komponente: keinen Streß, schöne Bilder, viel Sauerstoff im Blut - und daher im Gehirn -, gut funktionierenden Kreislauf.

Ärzte begrüßen alle mein Radfahren: der Kardiologe und Internist - Jahrgang 1946, fährt selber täglich mit dem Rad zur Arbeit -, die Hausärztin, der Gynecologe - fragt nie nach meinem Befinden sondern nach meiner KM-Zahl -, der Neurologe und - "cerise sur le gâteau" - der Neuro-Chirurg, der mich operiert hatte. Ich zitiere: "In Ihrem Fall meldet sich den Anfall über den Magen, das Risiko ist minimal, Radfahren ist gesund, die Rolle der Lebensqualität darf nicht unterschätzt werden. Den Wald grüßen Sie für mich!".

Ich will Dich nicht partout zum Radfahren überreden. Meine nur, daß Sport als wirksamster Antistreß-Medikation funktioniert, wenn er nicht unter Leistungsdruck - in meinem Fall kein Rennrad, die Durchschnittsgeschwindigkeit fleißig ignoriert -, an der frischen Luft, möglichst ohne Trubel und Verkehr, idealerweise auch in Landschaft, wo sich das Auge freut. Wohl auch Jogging, Nording-Walking, Wandern usw. Ich weiß nicht, ob es in geschlossenen Räumen so wirksam sein kann.

Auf jedem Fall beste Wünsche für Deine Prüfung

mezeg

P.S bin vor zwei Wochen bei einer geführten Tour mitgeradelt, schönes Wetter, viele altbekannte Köpfe, viele Gespräche, viel entgegengebrachte Freude, daß ich nach der OP wieder dabei bin, wie es mir geht usw. Gemeinsames Mittagsessen im Biergarten. Tiefe Freude, kostbarer als der beste Champagner, ohne Kater und mit Langzeit-Wirkung.

Und gestern beim besonderen Geburtstag eines langjährigen Radlerfreundes nicht nur längst bekannten Verwandten und Freuden seinerseits und seiner Freundin sondern viele Radler mit vieles zu reden, bekam noch die Einladung zu einer Tour in besonders schönen Landschaft mit Übernachtung in deren Haus, Vorschlag der Schwester vom Geburtstagskind zum gemeinsamen Biergarten, usw. Alles wegen Radfahren nicht nur allein sondern mit bekannter Gruppe. Also auch soziale Komponente

Hilft Sport?

Xandri, Niedersachsen, Sunday, 28.04.2013, 12:21 (vor 4859 Tagen) @ mezeg

Was für ein schöner Beitrag! :)
Das klingt richtig entspannt und "genussvoll".
Man merkt beim Lesen, dass du alle deine Sinne voll und ganz nutzt und dich das auch zu entspannen scheint.
Und was ich daraus entnehmen kann: ich sollte die Komponente Sauerstoff & Frische Luft wohl nicht vernachlässigen.
Danke für den schönen Text :)

Hilft Sport?

Lerche, Sunday, 28.04.2013, 15:54 (vor 4858 Tagen) @ Xandri

Ich stimme mezeg voll und ganz zu. War das Radeln früher für mich eher ein „event“, ist es heute Alltag (außer im Winter, da laufe [nicht joggen] ich lieber).
Einen positiven Nebeneffekt hat Sport / Bewegung außerdem noch: Man bleibt fit und nimmt ab, oder wenigstens nicht zu. Ich weiß noch, wie anstrengend es nach dem letzten GM, der einen Fußgelenkbruch zur Folge hatte, war, den schweren, untrainierten Körper mittels Krücken fortzubewegen. Das fiel mir nach der Hüft-OP vor 2 Jahren mit 40 kg weniger um einiges leichter...
VG Uwe

Hilft Sport?

mezeg, München, Monday, 29.04.2013, 17:01 (vor 4857 Tagen) @ Xandri

Freut mich, wenn ich Dir irgendwie helfen kann. Ja, ich bin eigentlich ein Genießertyp. Habe aber die Gnade bekommen, bereits aus kleineren Ereignissen tiefe Zufriedenheit zu "inhalieren": Kaviar brauche ich nicht, ein gutes, frischgebackenes Brot mit Butter schmeckt doch bereits herrlich. Und schöne Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Schnittlauch... Zum Glück radle ich eben gerne, es korrigiert gewiße Eßsünden... :-D :-D :-D

Kann mir also einen Rausch bereits mit einer Runde im Wald holen. Möchte Dich allerdings nicht um jeden Preis zum Radfahren "missionieren", jeder hat seinen Weg. Bei Schnee und Glatteis bleibt das Rad in der Garage, ich gehe zu Fuß, kein Jogging aber schneller Schritt. Tut auch gut.

Für Entspannung durch Sport gibt es für mich wichtige Komponente: frische Luft - und Tageslicht! -, schöne Umgebung - das schafft schöne Erinnerungen -, Ausdauer viel mehr als Schnelligkeit und das Wichtigste - wenigstens für mich: Bloß keinen Leistungsdruck! Da geht die Entspannung baden. Sich nicht etwas beweisen wollen aber spielerisch anpacken.

Fehlt mir gerade eine Erinnerung ein. Mein Schwager wollte eine kleine Radtour mit Echt-/Stiefenkelinnen (;-) ;-) Patchwork-Familie) unternehmen, überschätzte aber deren Möglichkeiten. Sie stiegen heulend und maulend vom Rad und wir mußten zu Fuß zurück. Nicht unmöglich weit, aber sie hatten keine Lust mehr. Mir ist ein kleines Lied eingefallen, ein Reim mit Elefanten, die man bei jeder Wiederholung aufzählt, leicht zu lernen und mit günstigem Rhythmus. Also haben wir die Elefanten gezählt. Wenn sie mich fragten, wie weit es noch sei, habe ich gesagt, daß wir noch etwa 8 Elefanten brauchen. Und als wir ankamen, stürmte die eigentlich kratzbürstige Jeanne zu ihrer Mutter: "Mama, wir haben 23 Elefanten gezählt!"

Am gleichen Nachtmittag, als wir zum eigentlich nahen Strand gingen, kam sie zu mir: "Singst Du das Elefantenlied? Damit kann man doch viel leichter gehen!" Das als lästig empfundene Gehen wurde zum Spiel.

Wie Lerche es bereits gesagt hat, hat Ausdauersport außerdem eine sehr positive Wirkung auf die rein physische Gesundheit. Bei der OP-Vorbereitung sagte mir der Kardiologe, mein Herz ist nicht 100% gesund, sondern 200%, ich sei der Traum jedes Anesthesists... Und taufrisch bin ich seit lange nicht mehr...:-D :-D

Viel Spaß beim Radeln, flott gehen, Joggen, Nordic Walking, Langlauf... euh, letzteres vielleicht momentan nicht so aktuell... :-D :-D :-D

mezeg