Wann Medis absetzen?

Julia27, Thursday, 23.05.2013, 09:30 (vor 4834 Tagen)

Hallo!
Ich bin neu hier und habe mal eine Frage wie lange es Sinn macht Medikamente zu nehmen. Ich hatte als Kind Absencen und dann als Jugendliche eine Operation am Temporallappen. Die Operation war erfolgreich und ich hatte 10 Jahre keine Anfälle mehr und nahm auch keine Medikamente mehr.

Nach 10 Jahren jedoch hatte ich unter besonderen Umständen wieder einen Anfall und dann noch einen zweiten ca. 1 Jahr später. Seit dem 2. Anfall nehme ich Lamotrigin 150-0-150mg. Die Anfälle waren bei mir beide eine Folge von psychischen Problemen (sehr starke Ängste und damit einhergehende Derealisation) welche ich nun aber nicht mehr habe.

Dies ist nun über 5 Jahre her. Ich frage mich nun natürlich, ob ich die Medis weiterhin nehmen soll. Mein Epileptologe meint man könne sie absetzen, andere Neurologen sehen das aber anders. Wie seht ihr das denn? Nehmt ihr auch weiterhin die Medis, obwohl der letzte Anfall schon lange zurückliegt und rational betrachtet die Wahrscheinlichkeit einen weiteren Anfall zu bekommen gering ist?

Danke schon mal im voraus!!

Wann Medis absetzen?

FantaColaSprite64, Thursday, 23.05.2013, 11:24 (vor 4834 Tagen) @ Julia27

Hallo Julia

Ich habe zwar erst gestern meine Medis hochdosiert, aber kann dir mal sagen, was ich in deiner Situtaion machen würde.

Ich würde es so versuchen, erstmal morgens un dabends jeweils die 50mg wegzunehmen. Damit dann so zwei bis drei Monate und dann das ganze noch mal weiter runter dosieren. Ich würde es ganz langsam machen. Dann kann sich der Körper dran gewöhnen und es ist keine große Umstellung. Wenn dann doch was passieren sollte, was ich in deinem Fall aber nicht glaube, dann kannst du es leicht wieder hochdosieren.

Alles gute!

Wann Medis absetzen?

Anton, Thursday, 23.05.2013, 20:41 (vor 4833 Tagen) @ FantaColaSprite64

Hallo Julia,

ich würde die Medikation auf keinen Fall verändern. Eine Reduktion von über 30 % halte ich für wagemutig. Du gehörst zu den Glücklichen, die mit realtiv geringer Tablettenmenge anfallsfrei sind. Ein Ziel, das nicht jeder erreicht.

Ich bin Patient und medizinischer Laie. Wie und in welcher Höhe eine Reduzierung des Lamotrigins erfolgen könnte, darf nur der Neurologe entscheiden. Auch er nicht alleine, sondern es muss mit dir besprochen werden.

Solltest Du ihn bisher permanent um ein Herunterfahren der Tablettenmenge gebeten haben, würde er dir zustimmen. Für dich unehrlich, er hätte seine Ruhe und Du liefest Gefahr, erneut Anfälle zu bekommen. In diesem Fall würdest Du den Kürzeren ziehen.

Epilepsie gehört wie Diabetes, Alkoholkrankheit und Parkinson zu den unheilbaren Erkrankungen. So wie ein Alkoholkranker nie wieder Alkohol trinken darf, sollte ein Epilepsiekranker dauerhaft Vorsicht walten lassen und ein maßvolles Leben führen.

Die Wahrscheinlichkeit, erneut Anfälle zu bekommen, ist um ein Wesentlichliches größer als bei einem Gesunden. Durch medizinische Errungenschaften ist es weitestgehend gelungen, störende Symptome bei Epilepsie auszuschalten.

Obwohl ich postoperativ seit 7 Jahren anfalls- und aurenfrei bin, wird es eine Reduzierung der Medikation mit mir vorerst nicht geben, obwohl alle EEG unauffällig sind. Der Alltag, das Arbeitsleben ist härter geworden, mit Pillen fühle ich mich sicherer.

Ich bin nicht bereit, ein Risiko einzugehen, auch weil es zahlreiche Beispiele gibt, wo es schiefgegangen ist. Leider musstest auch Du die Erfahrung machen. Wünsche ein glückliches Händchen und für die Zukunft alles Gute.

Viele Grüße

Anton

voraussichtliche postoperative Entwicklung
http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/neurologie/?full=2525

--
Die Informationen ersetzen auf keinen Fall die Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Bitte wenden Sie sich an ihren Neurologen!

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Wann Medis absetzen?

Dori, Tuesday, 04.06.2013, 16:31 (vor 4821 Tagen) @ Anton

Hallo Julia, ich rate Dir dir Medikamente auf keinen Fall abzusetzen! Ich hab damals in der Neuroligeschen eine Patienten kennengelernt die eine sehr hohe Dosis genommen hat. Sie hat gedacht das sie schon lange anfallsfrei ist und hat sie einfach von sich aus runtergesetzt u. sie hatte wieder ein Anfall. Rede mit deinem Arzt oder Ärztin erst drüber! Lg

Wann Medis absetzen?

mezeg, München, Thursday, 23.05.2013, 23:02 (vor 4833 Tagen) @ FantaColaSprite64

Ich würde es so versuchen, erstmal morgens un dabends jeweils die 50mg wegzunehmen.

Hallo

bei der Aufdosierung geht es nur 25 mgr-weise pro zwei Wochen. Und bei der Reduzierung wohl auch. Es scheint mir sehr gefährlich zu sein, die Dosis schlagartig um ein Drittel zu reduzieren. Ohne den Neurologen zu fragen.

mezeg

Wann Medis absetzen?

Mondenkind, Thursday, 23.05.2013, 12:29 (vor 4833 Tagen) @ Julia27

Hallo Julia & Herzlich Willkommen,

Ich bin neu hier und habe mal eine Frage wie lange es Sinn macht Medikamente zu nehmen. Ich hatte als Kind Absencen und dann als Jugendliche eine Operation am Temporallappen. Die Operation war erfolgreich und ich hatte 10 Jahre keine Anfälle mehr und nahm auch keine Medikamente mehr.

Ich hatte auch eine OP am Temporallappen, genauer gesagt am Hippocampus (vor ca.5 Jahren) aber da sie bei mir den Hippocampus nicht zu 100 % entfernen konnten (das Sehzentrum hätte sonst beeinträchtigt werden können) ist es besser (nach heutigem medizinischen Wissensstand), wenn ich bis an mein Lebensende noch Antiepileptika (Carbamazepin 400-0-400) einnehme.

Dies ist nun über 5 Jahre her. Ich frage mich nun natürlich, ob ich die Medis weiterhin nehmen soll. Mein Epileptologe meint man könne sie absetzen, andere Neurologen sehen das aber anders. Wie seht ihr das denn? Nehmt ihr auch weiterhin die Medis, obwohl der letzte Anfall schon lange zurückliegt und rational betrachtet die Wahrscheinlichkeit einen weiteren Anfall zu bekommen gering ist?

Wie schon geschrieben, werde ich meine Medikamente noch einige Zeit einnehmen und ich werde auch nie versuchen, sie abzusetzen. Es ist mir einfach zu gefährlich - und ich weiß, dass mein Neurologe es genauso sieht. Ich kann Auto fahren, muss im Alltag (habe eine einjährige Tochter) keine Sorgen haben, dass ein Anfall kommt und auch wenn ich mal wieder Arbeiten gehe, brauche ich nicht darüber zu diskutieren, ob ich es dem Arbeitgeber sage oder nicht.

Ich kenne aber einige, die es genauso sehen. Sie sind jahrelang (z.T. jahrzehntelang) nach einer OP oder durch Medikamente anfallsfrei und ihnen ist es einfach zu gefährlich, dass sich ihr aktuelles Anfallspensum (nämlich 0) erhöhen könnte. Andere wiederum haben die Medikamente abgesetzt und es ist gut gegangen.
Ich kenne aber auch welche, bei denen wieder Anfälle aufgetreten sind.

Es kann dir also keiner sagen "Mach´s" oder "Mach´s nicht". Es ist allein deine Entscheidung, und du musst damit leben, mit allen Konsequenzen, die ggf. dann auf dich zukommen könnten.

Lieben Gruß
Mondenkind

--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

Wann Medis absetzen?

mezeg, München, Thursday, 23.05.2013, 23:19 (vor 4833 Tagen) @ Julia27

Hallo Julia,

wurde auch temporal operiert. Danach 6 Monate mit Keppra und nach erfolgloser Ausschleichung nun mit Lamotrigin. Seit 15 Monaten 125 - 0 - 100.

Die Aufdosierung erfolgte immer 25 mgr-weise jede zweite Woche, keineswegs schneller.

Der Neurologe sagte mir, daß etwa 50% der Operierten doch mit Epilepsie zu rechnen haben und die Hoffnung in diesem Fall doch eines Tages ohne Medikamente auszukommen sei so gut wie Null. Kann sein, daß er den Prozentsatz etwas erhöht hat, um mir zu zeigen, daß ich nicht alleine davon betroffen bin. Aber die Wahrscheinlichkeit ist bestimmt hoch.

Ich würde auf jedem Fall zuerst mit dem Neurologen reden. Mit seiner verschriebene Aufdosierung war ich eine Weile auf halber Strecke geblieben und ihn darüber informiert, was ihn nicht begeisterte. Nach 2 GM-Anfällen war jede Diskussion überflüssig.

Reduziert habe ich "eigenhändig" nur um 25 mgr abends, weil ich mit Schlaflosigkeit (Nebenwirkung!) nicht mehr klar kam und annahm, auf ein anderes Medikament umgestellt zu werden. Und so die Ausschleichung am Abend angefangen, wollte am nächsten Tag zum Neurologen gehen. Weil die Nacht aber "weniger schlecht" war, wollte ich sicher sein, daß es an die Reduzierung lag und nicht an den Zufall. Und so ist es geblieben. Der Neurolge sagt nun: "Keine Beschwerde abgesehen von gelegentlichen Aphasien? Damit können Sie umgehen? Es bleibt bei der Medikation".

Und man gewöhnt sich doch dran. Am Anfang war ich emotional so dagegen, daß ich die Tabletten in dem scheußlichsten Kaffeelöffel auflöste, den ich in meinem Besteck fand. Dann zur "Besserung" der Akzeptanz den schönsten Löffel... Inzwischen nehme ich den ersten, der mir unter den Fingern kommt. Lamotrigin nehmen ist wie Zähneputzen: morgens und abends, unerläßlich aber reine Routine. Gibt schlimmeres!

Frag ihn doch!

mezeg

Wann Medis absetzen?

Julia27, Monday, 17.06.2013, 15:50 (vor 4808 Tagen) @ mezeg

Hallo!
Vielen Dank für Eure Antworten! Ich wollte die Medis auch nicht ohne den Arzt absetzen. Wie einige schreiben, ist es eben immer ein gewisses erhöhtes Risiko, wenn man die Medis absetzt. Deswegen ist die Entscheidung dafür oder dagegen natürlich nicht ganz einfach.. Aber ich möchte auch nicht unbedingt mein Leben lang Medikamente nehmen, wenn ich sie eigentlich gar nicht bräuchte und bei mir die Anfälle ohnehin psychische Ursachen haben.
Na ja, ich nehme nun seit kurzem die Lamotrigin Heumann, da meine KK die Lamotrigin Ratiopharm nicht mehr bezahlt ..vielleicht eine gute Möglichkeit um mich mental auf eine Reduzierung vorzubereiten

Wann Medis absetzen?

Mondenkind, Monday, 17.06.2013, 20:41 (vor 4808 Tagen) @ Julia27

Hallo Julia,

Na ja, ich nehme nun seit kurzem die Lamotrigin Heumann, da meine KK die Lamotrigin Ratiopharm nicht mehr bezahlt ..vielleicht eine gute Möglichkeit um mich mental auf eine Reduzierung vorzubereiten

Wenn dein Arzt aut idem angekreuzt hätte, wäre auch das kein Problem gewesen.

Lieben Gruß
Mondenkind

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"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)