Ausbildung Rettungsdienst
shennig, Friday, 24.05.2013, 13:36 (vor 4832 Tagen)
Hallo an alle hier im Forum,
ich "spiele" mit dem Gedanken eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin / Rettungsassistentin zu machen.
Meine Frage: Was denkt ihr, ist dies trotz Fotoepilepsie möglich?
Würdet Ihr mit einer Kollegin einen Einsatz fahren wollen, die Fotoepilepsie hat?
Was ratet Ihr mir?
Ich bin Medikamentös gut eingestellt. Meinen letzten Anfall hatte ich allerdings im Februar 2013. Ursache war eine Magen-Darm-Grippe. Bis Februar 2013 hatte ich 5 Jahre keine Anfälle.
Vielen Dank für eure Antworten und eure Hilfe.
LG Susann
Ausbildung Rettungsdienst
mezeg, München, Friday, 24.05.2013, 15:10 (vor 4832 Tagen) @
shennig
bearbeitet von mezeg, Friday, 24.05.2013, 15:25
ich "spiele" mit dem Gedanken eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin / Rettungsassistentin zu machen.
Hallo Susann,
Tochter und Schwiegersohn sind Rettungssanitäter, von deren Einsätzen habe ich etliches gehört. Auch wenn es Dir nicht gefallen wird: Vergiß es! Es sind viele "normale" Einsätze, einfach nur ein Transport ins Krankenhaus oder an Ort und Stelle versorgen und beruhigen.
Aber es gibt auch die anderen. Manchmal faszinierend: Die Schwangere hatte es zu eilig, meine Tochter stellte fest, daß sie nicht mehr rechtzeitig ins KKH ankommen würde und sie hat selber das Baby im Sanka zur Welt geholt. Dafür muß man einen klaren Kopf behalten. Und die Enttäuschung runterschlucken, wenn Du "Dein" Baby später im Krankenhaus besuchst und Du wirst von den Eltern kühl abgewiesen.
Und der Selbstmörder unter der U-Bahn, als sie Anfängerin war. Wie der Wagen sich wieder im Bewegung setzte und gefährlich nah zum Kopf rollte... Sie hatte Nachtschicht, wir haben uns nur im Treppenhaus gekreuzt und sie wirkte so teilnahmlos. War wohl Schockzustand. Als ich wieder zu Hause war und mich zum Abendessen hinsaß, stand sie auf und begann alles bis ins kleinste Detail zu erzählen. Beste Abmagerungskur: Du schiebst freiwillig den Teller zur Seite!
Noch schlimmer. Ein Mann hatte in seiner Garage etwas löten wollen und alles flieg in die Luft. Als die Sanitäter kamen, war jeder Versuch der Reanimation unmöglich: Er gab noch Lebenszeichen von sich aber der Kopf war nur noch ein Brei... Ja, ich weiß, ich bin kraß aber so ist es eben.
Was würde Dein Kollege machen, wenn Du plötzlich einen Anfall bekommst, während Ihr einen Schwerverletzten auf der Trage eiligst zum KKH trägt? Um Dich kann er sich nicht kümmern!
Es gab so einen Vorfall mit meiner Tochter. Sie hatten einen Kranken zum regulären Transport abgeholt. Sie stieg in den Wagen - war zum Glück nicht ans Steuer - und bekam einen akuten allergischen Anfall, weil sie wohl von einem Insekt gestochen wurde. Ihr Kollege hat Blaulicht und Sirene eingeschaltet - was man normalerweise nur auf Aufforderung der Zentrale machen darf - und schleunigst KKH und Intensivstation angesteuert. Der "eigentliche" Kranke muß sich schon gefragt haben, warum er nicht sofort abgeladen wurde...
Er war aber kein dringender Notfall.
Die ganze Hektik, Nachtschicht, angespanntes gekonntes Fahren, unregelmässige Pausen und Brotzeit - wie oft machen sie den Mund auf, um endlich in den Hamburger zu beißen und dann läutet schon wieder der Funk - , stöhnende oder aggressive Patienten im Sanka, durchgedrehte Umfallzeugen, ein Patient, der vielleicht im Sanka Dir unter den Fingern stirbt? Wie willst Du das durchstehen?
Ich würde auf jedem Fall zuerst und vor allem den Erst-Helfer-Kurs machen, nicht den 4-Stunden kurzen für den Führerschein aber der richtige (2 Tage lang). Da kannst Du Dich informieren und das Wissen ist sowieso kostbar, wenn Du plötzlich Zeugin eines Unfalls wirst. Meine Erfahrung in solchen Fällen: kühler Kopf behalten, so tun, als ob man alles im Griff hätte, organisieren, Unfall-Sicherung, Notruf, Anwesenden beruhigen und mit Aufgaben ablenken, usw. Schaffst Du das, ohne einen GM-Anfall zu riskieren? Und das desöfteren.
Ich will Dich nicht verletzten, meine aber, es ist besser gleich vom Anfang zu wissen, worauf man sich einläßt.
mezeg
P.S. Meine Rettungsdienst-Tochter will mir sogar partout das Radfahren verbieten, weil ich eben einen GM-Anfall bekommen könnte...
Meint sie - der Neurologe aber nicht.
Und ich noch weniger!

Ausbildung Rettungsdienst
Musica, Friday, 24.05.2013, 15:20 (vor 4832 Tagen) @ shennig
Hallo shennig, ich fasse mich kürzer: Überlege es Dir sehr gut. Du gefährdest Dich selbst und vor allem auch andere. Eigentlich darf unsereiner so einen Job gar nicht ausüben.Liebe Grüße und eine gute Entscheidung,Musica
Ausbildung Rettungsdienst
FantaColaSprite64, Friday, 24.05.2013, 18:30 (vor 4832 Tagen) @ shennig
Hallo Shennig
Ich kann mir gut vorstellen, wie du dich fühlst.
Ich bin Sanitäterin in einer Bereitschaft vom DRK.
Das funktioniert super. Es wissen alle bescheid und es ist noch nie was passiert, obwohl ich immer mal wieder Anfälle habe.
Im offiziellen Rettungsdienst würde ich es dir auf keinen Fall raten. Das ist schon ein sehr stressiger Job und zu viel Stress oder Schlafmangel können auch Auslöser für Anfälle sein.
Was mir viel mehr Sorgen macht ist, dass du die ganze Zeit das Blaulicht siehst. Gerade wen es Nacht ist und ihr fahrt z.B. auf ein anderes Auto mit Blaulich zu, dann wird es glaub ich schon kritisch, wenn du Fotosensibel bist.
Versuche es doch einfach erstmal in einer Bereitschaft oder mach ein FSJ. Dann kannst du es für dich austesten, ohne gleich eine Ausbildung machen zu müssen.
Gruß
Ausbildung Rettungsdienst
shennig, Friday, 24.05.2013, 20:28 (vor 4832 Tagen) @ FantaColaSprite64
Hallo,
wie meinst du das: Das du Sanitäterin in Bereitschaft des DRK bist?
Ich kann mir darunter nix vorstellen.
Wie funktioniert das genau?
Vielen Dank für deine Antwort.
Ausbildung Rettungsdienst
FantaColaSprite64, Saturday, 25.05.2013, 16:35 (vor 4831 Tagen) @ shennig
Hallo Shennig
Also bei mir ist es folgendermaßen.
Unsere Bereitschaft vom DRK mach Sanitätsdienste auf Veranstaltungen z.B. Reitveranstaltungen oder Radrennen oder großen Party und noch viel mehr. Das läuft bei uns so, dass wir alle in Listen mit unseren jeweiligen Ausbildungen, entweder EH (Ersthelfer) oder SanC(Sanitätshelfer) oder RH (Rettungshelfer) oder RS(Rettungssanitäter) oder RA(Rettungsasisstent) eingetragen sind. Wenn da jetzt steht, dass für eine Veranstaltung meinetwegen 2SanC und ein RA benötigt werden, können wir uns dafür eintragen, müssen aber nicht. Wir sind nicht gezwungen, an solchen Diensten teilzunehmen.
Jeden Montag Abend haben wir Dienstabend. Dort treffen wir uns und halten unser Wissen auf dem laufenden und sprechen immer wieder sachen durch wie Kreislauf und was man in welchem Notafall tut oder so. Kling jetzt langweilig ist es aber nicht. Einmal im Monat haben wir dann auch Praxistraining, wo wir die Sachen dann auch praktisch üben. An den Terminen sollte jeder teilnehmen, machen manche allerdings nicht. Ärger bekommt man trotzdem nicht.
Bereitschaft bedeutet in diesem Sinne, dass wir bei Katasstrophen, die bei uns in der Nähe passieren Frankfurt oder Kassel oder so, dazu alamiert werden. Das ist sehr selten jedoch der Fall. Nur wenn es mal soweit kommen sollte, dann müssen wir ausrücken.
Das ist ein Ehrenamt, wir bekommen kein Geld dafür, brauchen auch nur das machen, was wir machen wollen. Natürlich wenn wir nix machen, wird es auch nicht gerne gesehen. Wir müssen aber auch keinen Mitgliederbeitrag bezahlen.
Ich bin jetzt in dieser Bereitschaft und bekomme von der auch meine Ausbildung zum Sanitätshelferin bezahlt.
Man braucht ja eine gewisse Qualifikation, um an den Einsätzen teilnehmen zu dürfen. Und diese Ausbildungen werden, außer RA, bezahlt.
Wenn du noch fragen hast, dann frag einfach.
Ausbildung Rettungsdienst
mezeg, München, Saturday, 25.05.2013, 19:27 (vor 4831 Tagen) @ FantaColaSprite64
Hallo,
Deine Erfahrung mit der Bereitschaft hat meine Tochter auch gemacht, bevor sie zum Rettungsdienst ging. Damals gab es übrigens keine "feste" Ausbildung, sie war aber bereits im medizinischen Sektor.
Wie trainiert und "funktionsfähig" die Leute der Bereitschaft sind, konnte ich bei einer Weihnachtsfeier deren Gruppe, zu der ich miteingeladen wurde. Damals habe ich erlebt, wie einer der Mannschaft plötzlich einen epileptischen Anfall bekam und zu Boden fiel. Wie trainiert und selbstverständlich sachlich seine Kollegen reagierten. Ich wußte damals nichts von Epilepsie aber die Ruhe der Helfer hatte mich schwer beeindruckt.
mezeg
P.S. Also hoch auf den Bereitschaftsdienst!
Ausbildung Rettungsdienst
knuddel, Friday, 24.05.2013, 20:02 (vor 4832 Tagen) @ shennig
Hallo shennig,
ich kann deinen Berufswunsch sehr gut nachvollziehen!
Es ist schön Menschen zu helfen und aus extremen Notlagen zu befreien.
Aber : Ich bin mir sicher, dass dies auf Dauer nicht gut geht. Du musst vorher zu einem Arzt (Betriebsarzt oder
Amtsarzt). Es ist höchstwahrscheinlich, dass du "ausgemustert" wirst. Außer du bekommst ein Attest von deinem behandelnden Neurologen, du bist fit für den Job.
Ich war Krankenschwester. ...wollte es werden....Attest erhalten nach Bitten und Betteln ( war auch damals 5 Jahre anfallsfrei). Irgendwann kamen die Anfälle zurück und die Arbeit war weg, zudem berufsunfähig.
Wie auch die anderen, rate ich dir diesbezüglich ab.
Alles Gute
Ausbildung Rettungsdienst
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Saturday, 25.05.2013, 10:10 (vor 4832 Tagen) @ shennig
Ich bin ganz offen und ehrlich:
Lass es besser. Immerhin kann das Leben von anderen davon abhängen, dass Du in einer extrem stressigen Situation Blaulicht und anderen "agressiveren" optischen Reizen ausgesetzt bist und trotzdem keinen Anfall bekommst.
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Ausbildung Rettungsdienst
Xandri, Niedersachsen, Saturday, 25.05.2013, 13:50 (vor 4831 Tagen) @ shennig
soweit ich weiß, ist die Ausbildung recht teuer.
Der Verdienst ist für die krasse Leistung, die erbracht werden muss, meines Erachtens nach, zu gering.
Der Schichtwechsel wird dir sicher nicht gut tun.
Und sobald du die Ausbildung absolviert hast, ist die Frage, welcher Arbeitgeber das "Risiko" eingehen wird, einen Epileptiker einzustellen. Arbeitgeberfürsorge wird hier denke ich ziemlich groß geschrieben. Und auch die Verantwortung der Patienten.
Überleg es dir wirklich sehr genau!