Ausbildung Rettungsdienst

mezeg, München, Friday, 24.05.2013, 15:10 (vor 4832 Tagen) @ shennig
bearbeitet von mezeg, Friday, 24.05.2013, 15:25


ich "spiele" mit dem Gedanken eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin / Rettungsassistentin zu machen.

Hallo Susann,

Tochter und Schwiegersohn sind Rettungssanitäter, von deren Einsätzen habe ich etliches gehört. Auch wenn es Dir nicht gefallen wird: Vergiß es! Es sind viele "normale" Einsätze, einfach nur ein Transport ins Krankenhaus oder an Ort und Stelle versorgen und beruhigen.

Aber es gibt auch die anderen. Manchmal faszinierend: Die Schwangere hatte es zu eilig, meine Tochter stellte fest, daß sie nicht mehr rechtzeitig ins KKH ankommen würde und sie hat selber das Baby im Sanka zur Welt geholt. Dafür muß man einen klaren Kopf behalten. Und die Enttäuschung runterschlucken, wenn Du "Dein" Baby später im Krankenhaus besuchst und Du wirst von den Eltern kühl abgewiesen.

Und der Selbstmörder unter der U-Bahn, als sie Anfängerin war. Wie der Wagen sich wieder im Bewegung setzte und gefährlich nah zum Kopf rollte... Sie hatte Nachtschicht, wir haben uns nur im Treppenhaus gekreuzt und sie wirkte so teilnahmlos. War wohl Schockzustand. Als ich wieder zu Hause war und mich zum Abendessen hinsaß, stand sie auf und begann alles bis ins kleinste Detail zu erzählen. Beste Abmagerungskur: Du schiebst freiwillig den Teller zur Seite!

Noch schlimmer. Ein Mann hatte in seiner Garage etwas löten wollen und alles flieg in die Luft. Als die Sanitäter kamen, war jeder Versuch der Reanimation unmöglich: Er gab noch Lebenszeichen von sich aber der Kopf war nur noch ein Brei... Ja, ich weiß, ich bin kraß aber so ist es eben.

Was würde Dein Kollege machen, wenn Du plötzlich einen Anfall bekommst, während Ihr einen Schwerverletzten auf der Trage eiligst zum KKH trägt? Um Dich kann er sich nicht kümmern!

Es gab so einen Vorfall mit meiner Tochter. Sie hatten einen Kranken zum regulären Transport abgeholt. Sie stieg in den Wagen - war zum Glück nicht ans Steuer - und bekam einen akuten allergischen Anfall, weil sie wohl von einem Insekt gestochen wurde. Ihr Kollege hat Blaulicht und Sirene eingeschaltet - was man normalerweise nur auf Aufforderung der Zentrale machen darf - und schleunigst KKH und Intensivstation angesteuert. Der "eigentliche" Kranke muß sich schon gefragt haben, warum er nicht sofort abgeladen wurde... ;-) ;-) Er war aber kein dringender Notfall.

Die ganze Hektik, Nachtschicht, angespanntes gekonntes Fahren, unregelmässige Pausen und Brotzeit - wie oft machen sie den Mund auf, um endlich in den Hamburger zu beißen und dann läutet schon wieder der Funk - , stöhnende oder aggressive Patienten im Sanka, durchgedrehte Umfallzeugen, ein Patient, der vielleicht im Sanka Dir unter den Fingern stirbt? Wie willst Du das durchstehen?

Ich würde auf jedem Fall zuerst und vor allem den Erst-Helfer-Kurs machen, nicht den 4-Stunden kurzen für den Führerschein aber der richtige (2 Tage lang). Da kannst Du Dich informieren und das Wissen ist sowieso kostbar, wenn Du plötzlich Zeugin eines Unfalls wirst. Meine Erfahrung in solchen Fällen: kühler Kopf behalten, so tun, als ob man alles im Griff hätte, organisieren, Unfall-Sicherung, Notruf, Anwesenden beruhigen und mit Aufgaben ablenken, usw. Schaffst Du das, ohne einen GM-Anfall zu riskieren? Und das desöfteren.

Ich will Dich nicht verletzten, meine aber, es ist besser gleich vom Anfang zu wissen, worauf man sich einläßt.

mezeg

P.S. Meine Rettungsdienst-Tochter will mir sogar partout das Radfahren verbieten, weil ich eben einen GM-Anfall bekommen könnte...:-( :-( :-(

Meint sie - der Neurologe aber nicht.

Und ich noch weniger! :-D :-D


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