Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

tartine, Mannheim, Friday, 28.06.2013, 12:18 (vor 4797 Tagen)

Hallo,
ich habe mich hier angemeldet, weil ich bei meinen eigenen Recherchen ( ;) ) immer wieder auf dieses Forum gestoßen bin. Ich bin nicht offiziell Epileptikerin, trage mich aber seit einigen Wochen mit der Sorge, dass da etwas (kleines) sein könnte.
Kurz zu meiner Geschichte: 2010 (Alter 23), während meiner Diplomarbeitsphase, bekam ich plötzlich ab und zu sehr unangenehme "Zustände", plötzlich wurde mir ganz unangenehm, leicht übel und nervös, meine Wahrnehmung hat sich getrübt. Also ich habe noch alles gesehen usw, aber hatte das Gefühl, nicht richtig reagieren zu können. Außerdem "hörte" ich Gespräche, wie aus einem Film, die mir extrem bekannt vorkamen. Praktisch wie ein Hörbuch im Kopf. Mein linker Arm kribbelte stark, schmerzhaft. Nach 10-15 Sekunden war es vorbei, aber ich war extrem niedergeschlagen und benommen danach. Mir hat das Angst gemacht, ich hielt es für eine psychische Reaktion auf meinen Stress. Und tatsächlich: Nach der Abgabe kam es noch einmal und danach nicht mehr. Jetzt, nach mehr als 2 Jahren, hat es wieder angefangen seit 4 Monaten ca. Die Zustände kommen jetzt häufiger (1-2 Mal pro Woche, hin und wieder 2x am Tag), aber ich habe das Gefühl, sie sind nicht mehr so "stark" wie damals. Ich bin danach nicht mehr so lange niedergeschlagen, aber es sind dieselbe "Symptome" (Kribbeln im linken Arm, Hören von vermeintlich bekannten Gesprächen, leicht getrübte Wahrnehmung). Ich war bei der Hausärztin und sie sagte, es seien eventuell "leichte epileptische Absencen". Sie hat mich zum MRT überwiesen (ohne Befund) und zum Neurologen, der Termin ist aber noch. Ich habe jetzt viel gelesen und bin nicht sicher. Was überall über Auren geschrieben wird, passt gut zu meinen Zuständen. Aber eigentlich passiert ansonsten nichts, ich mache keine komischen Sachen, bringe mich nicht in Gefahr oder werd ohnmächtig. Es ist einfach nur unangenehm. Ich weiß, ich sollte meinen Neurologie-Termin abwarten, aber ich bin so unruhig. Ich habe Angst, mit Medikamenten behandelt werden zu müssen. Wenn ich nur diese Auren habe, wird dann auf Medikation verzichtet, falls es überhaupt diese "epileptischen Auren" sind? Oder ist es vielleicht doch psychisch? Kann es sein, dass es schlimmer wird? (Wie gesagt, die Anfälle sind häufiger geworden, aber schwächer, wie ich glaube). Ich würde mich freuen, eine Einschätzung zu hören. Ich habe das Gefühl, mich reinzusteigern, obwohl ich glaube ich keine wirklich schlimmen Probleme habe.
Vielen Dank ! Und liebe Grüße
Tartine

Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

dannie89 ⌂, Bayern, Friday, 28.06.2013, 14:26 (vor 4797 Tagen) @ tartine

Hey,
so komisch es klingen mag es kann beides sein. Ich würde dir raten auf jeden Fall zum Neurologen zu gehen, wobei es so klingt als sei es Epileptischer Natur. Es heißt aber noch lange nicht das du Medikamente nehmen musst. Wenn er bzw sie sagt das es sein kann würde ich dir raten entweder in ein Epilepsieambulanz od zu einem Epileptologen zu gehen. Aber ich würde erst mal abwarten was da rauskommt, evtl ist es ja was ganz harmloses.
lg
Danniela

--
Carpe Diem-Nutze den Tag,

Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

Melusine, Friday, 28.06.2013, 14:50 (vor 4797 Tagen) @ tartine

Hallo,
bei mir war auch lange unklar (2 Jahre) ob es psychisch ist oder Epilepsie. Ich denke auch, dass es beides sein kann, klingt aber eher wie Epilepsie. Musst du denn noch kange warten bis zu deinem Termin beim Neurologen? Mach dich nicht verrückt und versuche so gelassen wie es geht damit umzugehen. es kann ja auch etwas anderes sein.
Gruß

M

Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

tartine, Mannheim, Friday, 28.06.2013, 17:21 (vor 4797 Tagen) @ Melusine

Vielen Dank für die beiden Nachrichten!
Stimmt, ich versuche mich mal nicht weiter verrückt zu machen. Ich erwische mich nur die ganze Zeit beim "Recherchieren" und steigere mich da ein wenig rein. Der Neurologietermin ist in 2 Wochen.
Eigentlich ist es ja nicht wirklich "schlimm", aber ein wenig belastend ist es schon, vor allem wegen des unbeschreiblichen Gefühls von Niedergeschlagenheit, Nervosität, Angst usw.

Danke für Eure Einschätzungen!

Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

Marathon, LK Weilheim-Schongau, Sunday, 30.06.2013, 09:08 (vor 4796 Tagen) @ tartine

Hallo tartine.

Als ich deinen Beitrag gelesen habe, musste ich sofort an mich denken. Beziehungsweise daran, wie sich diese Aura bei dir darstellt. Denn genau so ist sie auch bei mir, diese akustischen Halluzinationen habe ich u.a. auch. Auch sind die unregelmäßigen Abstände bei mir so gewesen, bis ich dann einen Grand Mal hatte.

Bei einer MRT kam bei mir auch nichts raus, auch ein erstes EEG war negativ. Zwischen den Auren vergingen teilweise auch mehrere Monate, bis sie dann ein paar mal gehäuft auftraten, dann wieder längere Pausen.

LG
Marathon

Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

tartine, Mannheim, Sunday, 30.06.2013, 12:18 (vor 4795 Tagen) @ Marathon

genau das habe ich auch gedacht als ich deine beschreibung in einem anderen beitrag gelesen habe...
meine angst ist halt auch, dass die diagnose "stress" oder "einbildung" lautet und dann irgendwann - wie bei dir - mal was größeres kommt. ich finde die diagnose die dein neurologe wegen unauffälligem eeg gestellt hat unverantwortlich. ist doch beschissen dass man teilweise monate auf nen termin beim neurologen warten muss und dann an so einen scharlatan gerät... ich hoffe du hast jetzt jemand anderes ;)
aber vielleicht ist es bei mir ja tatsächlich nichts epileptisches und bleibt auch für immer bei diesen "zuständen" ... wahrscheinlich gewöhnt man sich dran - hier im forum sind ja alle glücklich und zufrieden wenn es bei medikamentöser behandlung nur noch zu den auren kommt wegen denen ich hier rumjammer :D

Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

Marathon, LK Weilheim-Schongau, Sunday, 30.06.2013, 13:22 (vor 4795 Tagen) @ tartine

Meine Hausärztin hat dem auch nen gehörigen Text gepresst, weil gerade ER als Neurologe hätte anhand meiner Schilderungen darauf kommen müssen, das es sich zumindest um Epilepsie handeln könnte. Den Termin bei ihm hab ich recht schnell bekommen.

Darum würde ich es so machen, wenn ich du wäre: Suche dir einen Neurologen, wo du auch kurzfristig erscheinen kannst. Wenn du mal wieder eine Aura hast, das du dich direkt im Anschluss zu ihm begeben kannst wegen einem EEG. Denn: Auch als die Diagnose definitiv war, war ein weiteres EEG Monate später (anderer Neurologe) ebenfalls negativ. Ein ergebnisloses EEG muss also nicht zwangsweise Epilepsie ausschließen. Das einzige EEG, welches positiv war, war eben das was wenige Stunden nach meinem Anfall gemacht wurde.

Wegen den Medikamenten musst du dir auch keine grundlegende Angst machen. Ich bekomme das klassische Lamotrigin und habe seit meiner Dosis 200-0-200 auch keine Auren mehr gehabt. Die Blutwerte sind auch normal geblieben.

Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

mezeg, München, Sunday, 30.06.2013, 10:27 (vor 4796 Tagen) @ tartine

Hallo Tartine,

bei mir sind es auch ähnliche Erlebnisse, die in meinem Fall eindeutig Epilepsie zuzuschreiben sind, diese durch eine gutartige Hirnhauttumor iniziert. Nach OP muß ich doch AE nehmen, weil ich 3 GM-Anfälle bekommen hatte. Es ist aber eine niedrige Dosis, bald kann ich das "2-jähriges ohne" feiern.

Auren bekomme ich noch aber wie bei Dir immer seltener und blasser: "verschwommene Erinnerungen", Sprachblokaden, Unwohlsein, Übelkeit, überhöhte Anfälligkeit auf emotionalen Streß. Situationsstreß, wo ich selber "am Steuer" bin, gehört nicht dazu.

Hatte mich auch nach der plötzlichen vollkommen unerwarteten Diagnose seitens der Hausärztin im Internet informiert. Am gleichen Tag, obwohl ich einen Termin bereits 4 Tage später bekommen hatte. Und weiter als er die Epilepsie-Diagnose bestätigt hatte und mich zur MRT schickte, weiter als ich erfuhr, daß eine OP unumgänglich ist.

Es ist zwar beim ersten Blick beunruhigend aber für mich war es wichtig: Ich wußte einigermassen, wo ich stand. Hatte auch mehr Wissen, um mit dem Neurologen zu sprechen und ihn zu verstehen.

Dann habe ich mich nicht mehr so "blind" durch Internet gewühlt und langsam angefangen, mich in der neuen Situation "einzurichten". Dazu gehört auch dieses Forum.

Auch an die AE habe ich mich gewöhnt und sie akzeptiert. Zuerste kindliche emotionale Ablehnung: Um sie in einem Kaffeelöffel aufzulösen, suchte ich den scheußlichsten Löffel in der Schublade :-( :-( :-( . Irgendwann den schönsten Löffel, als Versuch mit dem AE "Frieden zu schließen". Inzwischen greife ich nach dem erstbesten Löffel, AE nehmen ist nun wie Zähneputzen: morgens und abends, unerläßlich aber reine Routine. :-) :-) :-)

Und ich entspanne mich immer mehr, weiß auch welche Auslöser in Frage kommen und gehe denen bestmöglichst aus dem Weg. Hier und da noch ein Problem, wie eine Sprachblockade letzten Sonntag. Aber dazwischen vergesse ich immer mehr, daß ich Epilepsie habe. Das Leben läuft normal weiter, mit kleinen Änderungen zwar, wie in einer geänderten Welt. Keineswegs schlechter, nur eben ein Bißchen anders.

Warte möglichst entspannt bis zum Termin. Woran man ist wissen, bringt schon unheimlich Erleichterung. Einem Problem kann man erst angehen, wenn man ihn kennt. Vielleicht brauchst Du auch keine Medikamente, nur Entspannung und Ablehnung. Und wenn Du welche nehmen sollst, heißt es lange nicht, daß es immer dabei bleiben wird. Vielleicht nur um eine schlechtere Phase zu überbrücken.

mezeg

P.S. Hast Du Dein Pseudonym aus dem Lied gewählt?

"Il était une Dame Tartine,
Dans un beau palais de beurre frais..."

Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

tartine, Mannheim, Sunday, 30.06.2013, 12:30 (vor 4795 Tagen) @ mezeg

Hallo Mezeg, danke für deinen Bericht! Schön dass die OP und die Medikamente so gut bei dir angeschlagen haben. "Hörst" du auch Dinge bei deinen Auren? Ich weiß bei mir gar nicht ob man das als Halluzination bezeichnen kann. Mir ist in dem Moment schon bewusst dass die Gespräche/Musik nicht wirklich da sind, ich höre das im Kopf, kann es aber nicht steuern, sondern nur passiv "zuhören".
Zu dem "Rechercheverhalten" - ich glaube eigentlich auch dass es gut ist, sich selbst zu informieren, auch um besser zu verstehen worum es geht, wenn der Arzt etwas erklärt. Bei dir war es natürlich "gut" dass du zuerst die Diagnose hattest und daraufhin dich zielgerichtet informiert hast. Andersrum kann das glaube ich schnell ausarten, wie bei mir: Man liest und liest und denkt "Das klingt so nach meinen Erlebnissen, das MUSS einfach die Ursache sein", so dass man sich total drauf versteift und reinsteigert. Deshalb habe ich jetzt hier im Forum das mal geschildert und prompt: Ihr seid alle der Meinung, dass es sein KANN aber nicht MUSS - das bringt mich wieder ein bisschen auf den Teppich ;)
Falls es die Diagnose geben sollte und ich Medikamente nehmen muss, werde ich mich damit arrangieren - natürlich, ich will schließlich wenn möglich verhindern, irgendwann doch mal umzufallen. Aber jeden Tag so einen Chemiehammer einzuwerfen ist schon hart :( Natürlich auch Jammern auf hohem Niveau. Ich entschuldige mich dafür ;)

PS. Nein das Lied kenne ich nicht :D Ich finde das Wort für "Butterbrot" einfach nur edel ;)

Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

mezeg, München, Monday, 01.07.2013, 21:54 (vor 4794 Tagen) @ tartine

Hallo Tartine,

nein, bei den Auren höre ich nicht gezielt etwas. Ich "erinnere" mich an einer - vielleicht effektiv erfolgten - Situation und kann den Text des Gesprächs nicht "scharf stellen", alles vage. Natürlich geistern mir des öfteren Lieder im Kopf, die ich aber gerade in der letzten Zeit oft gehört habe. Das würde ich aber nicht als Aura betrachten.

Andersrum kann das glaube ich schnell ausarten, wie bei mir: Man liest und liest und denkt "Das klingt so nach meinen Erlebnissen, das MUSS einfach die Ursache sein", so dass man sich total drauf versteift und reinsteigert. Deshalb habe ich jetzt hier im Forum das mal geschildert und prompt: Ihr seid alle der Meinung, dass es sein KANN aber nicht MUSS - das bringt mich wieder ein bisschen auf den Teppich ;)

Aber alle mögliche - und unmögliche - Karten aufdecken und dann möglichst sachlich sortieren, was definitiv nicht möglich ist, was sei könnte, was es wohl ist, ist doch positiv! Du gibst Dich nicht geschlagen und ergibst Dir der noch nicht gesicherten Diagnose, Du überlegst Möglichkeiten und Strategien: Wenn es dies wäre, müßte ich / könnte ich so reagieren. Wenn es jenes, etc. Dann hast Du bereits eine Auswahl an Lösungen parat. Und Du warst aktiv dabei!

Falls es die Diagnose geben sollte und ich Medikamente nehmen muss, werde ich mich damit arrangieren - natürlich, ich will schließlich wenn möglich verhindern, irgendwann doch mal umzufallen. Aber jeden Tag so einen Chemiehammer einzuwerfen ist schon hart

Muß doch gar nicht ein Chemiehammer sein. Habe mich auch selber dagegen gewährt, als ich glaubte, mit der OP ist alles vorbei. Und jetzt macht es mir nichts mehr aus. Von den Nebenwirkungen bleiben nur kleine, wogegen man etwas machen kann (Trockener Mund => Durstgefühl, also Wasserflasche parat halten, leichte Aggressivität und die Unsitte einen kleinen Vorfall als gärende Gefahr zu betrachten, hier sich selbst rügen: "So ein Blödsin, warte bis effektiv was geschieht", etc.)

Eine Nebenwirkung scheint nun nachzulassen... eine leichte Bremsung des Appetits. Schade... hatte dadurch 5 kg verloren (Youpiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeee) und jetzt bleibe ich auf der Hut.

( Natürlich auch Jammern auf hohem Niveau. Ich entschuldige mich dafür ;)

Das ist das Gute hier im Forum: Wir können uns ausheulen, man wird nicht ausgelacht sondern getröstet, manchmal sogar zum Lachen gebracht. Dann fühlt man sich leichter!

mezeg


PS. Nein das Lied kenne ich nicht :D Ich finde das Wort für "Butterbrot" einfach nur edel ;)


P.S. "Dame Tartine" ist ein Kinderlied, daß Palast und Gesellschaft beschreibt. Alles aus Butter, Krokant, Waffeln, Pralinen, etc.
Am Ende des Lieds die Moral: "Eltern, seht Ihr, wie wichtig Süßigkeiten für ihre Kinder sind? Also gründlich damit versorgen!"

(Wurde möglicherweise von einem Zahnarzt getextet... :-D :-D :-D )

P.P.S. Tartine ist - bei uns - eine Brotscheibe, die mit etwas gestrichen wurde. (verbe "tartiner" - kann auch für ungeschicktes Streichen von Farben u.ä. verwendet werden :-D :-D :-D )

Kann natürlich auch tartine de miel (Honig), confiture, pâté bedeuten....
Ich glaube, ich muß jetzt doch an den Kühlschrank... :-D :-D :-D

Ist es eine Epilepsie? Muss das behandelt werden?

seba, Dresden, Tuesday, 02.07.2013, 09:14 (vor 4794 Tagen) @ tartine

Hey Tartine,

ohne einer Arztbewertung vorzugreifen - bei mir gab es ähnliche Auffälligkeiten während meines BurnOut´s.
Ich saß z.B. in der belebten Fussgängerzone mit jeder menge Menschen um mich herum in einer Kneipe und verstand, was sich 2 Leute ca. 5 Tische entfernt sagten. Dass hat mir Angst gemacht. Weil "das geht doch gar nicht". Und doch. Das Kribbeln die Benommenheit, anschließend Angst. Fast alles ist heute weg. Also denke ich, warte mal den Neuro-Termin ab und steck Dich nicht heute schon in eine Krankheitsschublade.

Gruss Sebastian