Bin ich bekloppt ??

Frank, Monday, 30.09.2013, 21:11 (vor 4703 Tagen) @ Roxy96

Hallo Roxy,

erstmal: Nachträglich alles gute zum 17. Geburtstag. :-)

Nein, du bist nicht bekloppt. Obschon ich "nur" fokale Anfälle habe, hatte ich lange Zeit Angst und fühlte mich unsicher und komisch. Unmittelbar gefährlich sind meine Anfälle nicht, dafür hypermotorisch, was sie mittelbar gefährlich macht. Ich bin bereits in der Dusche ausgerutscht und durchs Badezimmer gefallen, ca. 1cm am Waschbecken vorbei. Meine Frau saß danach weinend im Wohnzimmer weil sie realisierte, dass sie beinahe Witwe geworden wäre.

Ich hatte lange Angst, meine kleine 1,5 Jahre alte Tochter auf den Arm zu nehmen. Und ich hatte lange Zeit Angst mit ihr alleine zu sein. Ich malte mir die schlimmsten Dinge aus; z.B. dass ich sie fallen lasse oder so. Ich erzähle das nur, damit du nachvollziehen kannst, dass ich deine Sorgen verstehe.

Ich habe meine Frau zu jedem Termin beim Neurologen oder bei der Uniklinik Bonn mitgenommen. Zum einen, weil sie von meinen Anfällen besser berichten kann als ich selbst und zum anderen, weil sie alle Fragen an die "Experten" direkt stellen konnte. So wusste sie, was sie im Fall eines Falles tun muss und die Sorge ist weg.

Die Sorgen um mich und meine Tochter haben wir besprochen und entsprechende Vorkehrungen getroffen. Zum Beispiel ist der Boden gepolstert und ich halte mich mit meiner Tochter nur auf dem Boden auf. Solange ich mich an die Regel "alles auf dem Boden" halte, kann ich sie füttern, wickeln und auch mit ihr alleine bleiben.

Mit Aggression habe ich auch zu tun (was eine NW sein kann; da bin ich noch unsicher). Um das nicht dauernd an meiner Frau auslassen zu müssen, gehe ich ins Fitnessstudio und powere mich da aus.

Was ich sagen will (lange Rede kurzer Sinn): Auch mit Epilepsie kann man ein schönes, ausgefülltes Leben führen und fast alles machen. Wichtig ist, vor die Frage ob man etwas machen kann die Frage, WIE man etwas machen kann, zu stellen. Ich habe es mit Hilfe meiner Frau so gemacht (zum Glück ist meine Frau in der Hinsicht streng :-).

Erst wenn man auf die Frage "Wie...?" keine Antwort findet, muss man sich fragen, "Ob...". Bei mir ist dies ziemlich selten passiert. Irgendwann setzt sich die Erkenntnis durch, das man ein fast normales Leben führen kann. Bei mir ist die Depression vergangen, als ich dies erkannte.

Die Müdigkeit hatte ich zu Beginn der Medikation auch; bei mir hat sie sich im Laufe der Zeit gelegt. Im ersten Moment (in den ersten Wochen) ist es für den Körper eine enorme Umstellung. Es kann sein, dass die Müdigkeit besser wird, wenn dein Körper sich an die Medikamente gewöhnt hat.

Eine Einschränkung im Leben gestehe ich mir ein, die aber nicht wirklich schlimm ist: Ich versuche, nichts alleine zu machen. Positiv daran ist, dass sich mein Verhältnis zur Familie meiner Frau deutlich verbessert hat. Sie kennen meine Krankheit und es stört sie nicht. "Gebraucht" habe ich sie noch nicht.

Unklar ist für mich, wieso dein Arzt zu dieser Aussage kam. Die Liste der potentiellen Nebenwirkungen ist bei fast jedem AE, insbesondere bei Keppra, enorm lang. Traurigkeit und Depression (bis hin zu Selbstmordgedanken) sind definitiv dabei. Wenn du das Gefühl hast, an NW zu leiden, denke ich, dass er das nicht so einfach abtun sollte.

Hast du in deiner Nähe eine Epileptologie? In meiner Nähe sind die Uniklinik Bonn und Bethel aus Bielefeld. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man dort (meiner Meinung nach) besser aufgehoben ist. Mit niedergelassenen Neurologen habe ich leider keine guten Erfahrungen gemacht. Der erste hat die Krankheit nicht mal erkannt und der zweite hat (überspitzt ausgedrückt) nur sein Budget im Kopf.


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