Zuviel Angst !

moquai, Saturday, 12.10.2013, 21:51 (vor 4691 Tagen)

Hallo,

wie bekomm ich bloß die Angst um meinen Mann in den Griff.
Ich hab dauernd Angst, daß ein Anfall kommt und ihm was passiert. Geh deshalb Abends wenn er zu Hause ist gar nicht mehr weg. Nun ist nächste Woche Elternabend wo ich hin müßte und ich weiß einfach nicht was ich tun soll.
Es nervt mich schon selbst!! Die Angst ist aber auch erst so groß, seitdem er sich mal bei einem Anfall schwer verletzt hat.
Hat jemand einen Tipp für mich. Ich dreh bald durch !!!!

Liebe Grüße Annette

Zuviel Angst !

Musica, Saturday, 12.10.2013, 22:13 (vor 4691 Tagen) @ moquai

Hallo moquai, kannst Du mit Deinem Mann auch über Deine Ängste sprechen? Möglicherweise ist ein offener Umgang damit leichter für Dich. Ich würde mich wahrscheinlich versichern, ob er die Medi´s genommen hat und zum Elternabend gehen. Ihr könntet auch einen Babysitter organisieren und einfach beide gehen. LG, Muisca

Zuviel Angst !

moquai, Saturday, 12.10.2013, 22:33 (vor 4691 Tagen) @ Musica

Hallo Musica !

Ja, das mit dem Babysitter machen wir tatsächlich ab und an mal. Nur will mein Mann nicht mit zu diesem Elternabend, was ich auch verstehen kann.
Er nimmt schon recht zuverlässig seine Medis aber die Anfälle kommen trotzdem hin und wieder durch.
Wir können schon darüber reden und er versteht mich auch, nur nicht er hat ein Problem damit, sondern ich.... klingt irre, oder ??

Annette

Zuviel Angst !

Musica, Sunday, 13.10.2013, 16:38 (vor 4690 Tagen) @ moquai

Hallo moguai, klingt gar nicht irre. Es ist eben so, dass man auch als Angehöriger erst den richtigen Umgang mit der Krankheit finden muß. Das dauert schon seine Zeit. Ich erinnere mich , dass mein Mann mich zu Beginn der Krankheit damals ständig beobachtet hat. Den kleinsten Muckser und schon dieser Blick. Das war sehr lästig und ich habe mich oft auch irgendwie bevormundet gefühlt. Es kam auch zu Auseinandersetzungen deshalb.
Männer gehen sowieso nicht gerne zu Elternabenden:-D. ;-) Liebe Grüsse,Musica

Zuviel Angst !

lyrella, Saturday, 12.10.2013, 22:35 (vor 4691 Tagen) @ Musica

eine andere option wäre ein sogenannter hausnotruf oder ein spezieller sturzmelder, wenn ein großer anfall kommt. im ernstfall wäre dann schnell hilfe da...oder du involvierst bekannte oder freunde, vielleicht können sie in der zeit mit deinem mann etwas unternehmen- sei es nur sich zu unterhalten- dann wäre er nicht allein, hätte trotzdem jemand, mit dem er reden kann und du könntest einigermaßen beruhigt zum elternabend gehen...

Zuviel Angst !

moquai, Saturday, 12.10.2013, 22:54 (vor 4691 Tagen) @ lyrella

Hallo lyrella !

Sturzmelder...? was ist denn das ?
Hab ich noch nicht gehört.
Wenn jemand bei meinem Mann wäre wenn ich weg bin, wäre mir tatsächlich am liebsten aber das ist vielleicht etwas übertrieben. Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus aber da weiß eigentlich keiner über die Krankheit meines Mannes bescheid. Will es auch meinem Mann nicht "antun", daß ich praktisch für ihn und nicht für die Kinder einen Babysitter besorge.

LG Annette

Zuviel Angst !

lyrella, Saturday, 12.10.2013, 23:08 (vor 4691 Tagen) @ moquai

das mit dem sturzmelder hab ich mal gelesen. wenn dein mann bei einem anfall umfällt, ist an dem sturzmelder, den er am körper trägt, ein sensor, der den aufprall registriert und dann wird direkt ein angehöriger/arzt benachrichtigt.

du kannst ja mit deinem mann darüber sprechen, wie es mit deiner angst aussieht- denn du machst dir sorgen und das zeigt ihm auch, das er dir wichtig ist. du kannst ja sagen, das es nicht direkt ein "babysitter" sein soll, sondern nur, das ein paar kumpels von ihm vorbeikommen und sich mit ihm befassen- er freut sich sicher wenn seine kumpels da sind. - dann seid ihr beide beruhigt.

Zuviel Angst !

moquai, Saturday, 12.10.2013, 23:36 (vor 4691 Tagen) @ lyrella

Leider hat er keine Kumpels in unserer Umgebung. Seine Freunde wohnen weiter weg und ich hab auch niemand außer ihm, mitdem ich mein Problem mal besprechen könnte.
Versuch das immer alles mit mir selbst auszumachen.

Zuviel Angst !

Green, Sunday, 13.10.2013, 07:00 (vor 4691 Tagen) @ moquai

Hallo
Schau dir doch die Seiten www.moses.-schulung.de mal an.
Gruss Green

Zuviel Angst !

Tanni, Varel, Sunday, 13.10.2013, 12:26 (vor 4690 Tagen) @ moquai

Hey,
meine Kids haben ja leider auch die Epi, von mir. Die Jahrelange Angst die sie um mich hatten, kann ich jetzt, da ich die Angst um sie habe verstehen... Hat gedauert aber da unser Sohn schon zwei GM hatte, vergeht nicht ein Tag ohne Angst um ihn. Rufumleitung aufs Handy das ich immer erreichbar bin gehört seit einem Jahr dazu. Unsere Tochter hat die leicht Form der Epi bis jetzt ohne GM. Angst ist auch um sie vorhanden. Als ich in Bethel war habe ich gelernt das es eben so ist wie es ist: Was kann im schlimmsten Fall passieren? Er kann Fallen, er Krampft, ein Notfall Medi geben und lernen damit zu Leben...
Hört sich eventuell Doof an aber das musste ich lernen und meine beiden Kids müssen das leider auch! 13 und 15 Jahre alt. Meine Psychotherapie hilft mir auch.
Lernen damit zu Leben!
Du musst es auch lernen und glaub mir - es wird leichter. Mit der Zeit.
Und: Reden, reden, reden auch das hilft:-D

Ich wünsch Dir viel Kraft. Und glaub mir, für mich ist es auch heute noch sehr oft schwer.;-)
Liebe Grüße,
Tanni

--
Ich lebe jetzt und heute!

Zuviel Angst !

sandytimmy, Sunday, 13.10.2013, 14:20 (vor 4690 Tagen) @ moquai

Du must lernen damit zu leben.
Ihn wird es auch bestimmt irgendwann nerven, über behütet zu werden. Auch als Epileptiker mochte man nicht wie ein kleines Kind oder geistig behinderter behandelt werden.
Auch mit anfallen darf man sich nicht einsperren oder einsperren lassen.
Ich geh ganz normal durch das leben, bin zum teil allein unterwegs oder mach mit meinen Söhnen eine Radtour usw.

Das ist ein selbst geschaffener Käfig der zudem stress für jeden ist

Zuviel Angst !

Tanni, Varel, Tuesday, 15.10.2013, 09:49 (vor 4688 Tagen) @ sandytimmy

Hey Sandytimmy,
das war auf keinen Fall so gemeint das man in einen Käfig gesperrt werden soll oder ähnlichen, aber da ich das Gefühl kenne wollte ich Ihr nur sagen das ich weiss wie es ist! Mehr nicht:-P
Tanni

--
Ich lebe jetzt und heute!

Zuviel Angst !

mezeg, München, Tuesday, 15.10.2013, 11:40 (vor 4688 Tagen) @ moquai

Hallo Annette,

wurde mit Epilepsie in (sehr) reifen Jahren konfrontiert, Meningeom operativ sauber entfernt. Nach starkem Stress verursacht aber die Narbe eine andere Form, tagsüber anstatt nachts.

Inzwischen mit etwas Lamotrigin auf minimalste Störung unterdrückt.

Am Anfang der Situation haben meine beide längst erwachsenen Töchter für mich sehr unangenehm darauf reagiert. Die Ältere (im medizinischen Nebenbereich) wollte mir autoritär das Radfahren verbieten, das von Neurologen immer akzeptiert und von einem sogar ausdrücklich empfohlen wurde. Und wer weiß was noch verbieten: den Enkel nur unter "Aufsicht" zu sehen, fern und herablassend von Geselligkeiten gehalten.

Die Jüngere machte sich Sorgen und "paßte" auf mich auf. Sie entdeckte mal am Küchentisch einen Zettel mit etwas unbeholfener Schrift und fragte mich entsetzt: "Hast DU es geschrieben????" Ich drückte ihr als Antwort einen Stift in die LINKE Hand - ich schreibe zwar rechts, amüsiere mich neuerdings die linke Hand nicht nur für Kreuzworträtsel zu benützen (der Kater legt sich genüßlich auf den rechten Arm), sondern auch um die Schrift zu üben. Sollte ich mir einmal die rechte Hand verstauchen, kann ich etwas krackelig aber deutlich lesbar schreiben.

Und dann unterwegs. Wir waren mal in einer U-Bahn-Station und meine Aufmerksamkeit wurde kurz auf etwas anderes gezogen: eine Werbung, ein komisches Kleid oder wer weiß was sonstiges "normales". Sie fragte sofort: "Bist Du noch da??", weil sie eine "Absence" fürchtete.

Auch wenn sie es gut meinte, war es für mich sehr lästig, mich so unter Aufsicht zu fühlen. Um so mehr lästig, weil sie es gut meinte und aufmerksam und liebevoll diese neue Situation akzeptierte: Ich konnte sie daher nicht zum Teufel schicken, wie meine erste Reaktion normal gewesen wäre.

Wie wäre es mit dem Versuch, alleine, mit ihm und mit dem Neurologe Verursacher wie Konsequenzen aufzulisten. Ermitteln, welche Risiken man vermindert oder vielleicht gar so gut wie ausschalten kann, welche Konsequenzen zu erwarten sind und wie man sich entsprechend benimmt.

Sich immer beängstigt beobachtet fühlen, ist sehr belastend und man neigt zur Reizbarkeit. Ich zumindest...

Darüber zu reden, hier und / oder bei einer Hilfegruppe oder mit "echten" Freunden hilft sehr viel.

In meiner Umgebung gibt es inzwischen mehrere Leute, die es irgendwie erfahren haben. Meine Katzen wurden in meiner Abwesenheit von Nachbarn liebevoll versorgt, als ich aber nach einer akuten Stresssituation bei der Rückfahrt mich bedanken wollte, hatte ich eine kurze Sprachblockade und konnte Worten weder aussprechen noch selber im Kopf "sehen". Habe sie gestern gefragt, ob ich etwas unsinniges gesagt hätte: "Nein, ich fand Worte nicht und es war sonderbar wenn auch kurz." In der Familie habe ich einen Leidensgenossen: deren Hund hat sich neuerdings als Epileptiker rausgestellt und muß Medikamente nehmen... :-D :-D :-D

Die Tierärztin fragt mich auch, während sie meine Katze untersucht, wie es meinem Kopf geht. Ich bin nicht nur Patientin - pardon, meine Katzen :-D :-D :-D -, ihr Bruder leidet auch unter Epilepsie.

Beim Planen eines kleinen Fest in einem Restaurant, blieb mir auch die Spucke kurz weg. Weil ich nicht wußte, was ich wohl gesagt hatte - für hundert Gäste reserviert... :-D :-D - machte ich lieber Klarschiff. Mein undeutliches Reden wurde als "französisch" beurteilt und weil sie in der Wirtschaft mit einem GM-Anfall bei einem Gast konfrontiert und vom Notarzt über Maßnahmen aufgeklärt wurden, wurde es zum menschlich-freundlichen Gespräch. Fast: "Machen Sie uns die Freude dann einen GM-Anfall zu bekommen, damit wir Ihnen und den anderen Gästen zeigen können, wie gezielt-fachmännisch wir darauf reagieren können!" Zugegeben etwas übertrieben interpretiert... :-D :-D :-D Die kleine Feier erfolgte in freundlicher gelöster Atmosphäre.

Nach einer Zeit des Rückzugs nach der Diagnose, habe ich langsam gelernt, Leute zu informieren, in desser Anwesenheit und bestimmten Umständen einen Anfall passieren könnte. Habe immer mehr die Erfahrung gemacht, daß sie es durch Information und "Gebrauchsanweisung" schnell assimilieren und zum bekannten Umgang zurückkommen. Dadurch erleichtert es mir die Akzeptanz, ich werde doch nicht deswegen abgelehnt. Epilepsie ist nur noch ein Aspekt meiner Biografie, ist aber nicht mehr am Steuer.

Alles Gute

mezeg

Zuviel Angst !

stepl, Tuesday, 15.10.2013, 22:36 (vor 4688 Tagen) @ moquai

"Ich geh bald kaputt"

Das zeigt, dass du einen Fehler machst.

Er hat das Recht auf eine eigene Persönlichkeit. Er muss lernen selbst mit seiner Krankheit fertig zu werden.

So wie es dich kaputt macht, machst du ihn auch kaputt, wenn du ihn zu sehr bedrängst.

"Mensch ärgere dich nicht." Irgendwie wurden auch mal Szenen gezeigt, wie bei Spielen sich locker dabei unterhalten wird. Wege der lockeren Unterhaltung suchen. Dabei kommt das eine oder andere ans Licht.


guß stepl

Zuviel Angst !

moquai, Wednesday, 16.10.2013, 14:27 (vor 4687 Tagen) @ stepl

Hallo Stepl !!

Ich bedränge meinen Mann nicht und er fühlt sich auch in keinster Weise bedrängt.
Mein Mann kann mit seiner Krankheit gut leben, für ihn ist es ja schon seit 35 Jahren so. Ich bin diejenige, der das alles so zu Herzen geht. Ich sehe meinen Mann da liegen wenn er einen Anfall hat und das ist, glaube ich, für alle Angehörigen nicht einfach.
Daß ich mir so große Sorgen mache ist aber schlicht und ergreifend deshalb, weil ich ihn über alles liebe und ich nicht möchte, daß ihm was passiert.
Er kann mich sogar gut verstehen und versucht mir auch zu helfen aber diese Ungewissheit " Wann kommt der nächste Anfall??? " bleibt immer bestehen.

Gruß Annette

Zuviel Angst !

Musica, Wednesday, 16.10.2013, 21:33 (vor 4687 Tagen) @ moquai

Hallo moquai, es wäre wahrscheinlich richtig, wenn Du für Dich selbst Hilfe in Anspruch nimmst. Ich empfehle gerne eine Angehörigenberatung in einer Epilepsieberatungsstelle. In jedem Fall wäre es gut, wenn Du mit jemand über Deine Ängste sprechen könntest. Das würde wahrscheinlich Deinen Mann auch entlasten. LG,Musica