Biofeedback

Relaia, Tuesday, 19.11.2013, 23:08 (vor 4653 Tagen)

Kennt jemand von euch Biofeedback oder hat schon Erfahrungen damit gemacht?
Da wo ich gerade arbeite wird viel darüber gesprochen und viele sind ganz begeistert davon. Aber es wird hier nicht wirklich angewendet, sondern nur untersucht/erforscht, wie es physiologisch funktioniert und was dabei im Körper/Gehirn passiert.
Ich hab schon öfter davon gehört, dass es auch bei der Vermeidung von Anfällen helfen kann. Aber ich hab das bisher nicht so recht geglaubt. Ich kenn es zwar, dass man, wenn man merkt, da kommt ein Anfall, und sich stark konzentriert den Anfall dann hinauszögern oder abschwächen kann (wegen Deinem Eintrag, podi, ist mir auch eingefallen, dass ich euch das schon lange mal fragen wollte ;-), ich wünsch dir alles Gute, dass kein GM im Anmarsch ist! ); aber kann man einen Anfall ganz verhindern? Ist ja schon ziemlich kompliziert, wenn man eh schon fast das Bewusstsein verliert, sich noch richtig zu konzentrieren.
Hat jemand von euch Biofeedback schon mal ausprobiert? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Kann man es bei allen Arten von Anfällen einsetzen, oder hilft es nur bei bestimmten? Und, kann man damit tatsächlich auch stärkere Anfälle verhindern? Wie und wo kann man das lernen und ist es kompliziert? Dauert es lange?
--- und ja, ich hab schon ein bisschen darüber nachgelesen, aber mich würde eure Meinung, Erfahrungen und ganz praktisches Wissen interessieren. Wenn ihr es mal ausprobiert habt, wo habt ihr es gelernt und wie? Alles was ich darüber finden konnte (wo und wie kann man es lernen kann) ist irgendwie etwas wage.

Würde mich über Antworten sehr freuen!

Liebe Grüße :-)

Biofeedback

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Wednesday, 20.11.2013, 08:41 (vor 4652 Tagen) @ Relaia

Es gibt z.B. einige Epilepsiezentren, die Biofeedback-Training anbieten. Hilft nicht jedem, kann aber helfen. Von der Methodik gibt's da eine ganze Bandbreite, z.B. Atemtechniken, nicht zwingend was, wo man viel Konzentration aufbringen muss.
Da muss im Prinzip jeder das passende für sich finden und los geht's eigentlich nicht damit herauszufinden, was einem hilft und wie man es für sich einsetzen muss, sondern erst einmal damit, ein Gefühl dafür zu bekommen, was denn nun tatsächlich Vorzeichen von Anfällen bei einem sind und was sich nur so ähnlich anfühlt.

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Biofeedback

mathilda, Wednesday, 20.11.2013, 10:53 (vor 4652 Tagen) @ huge88

Hallo,

ausprobiert habe ich es schon mal, da wir im Krankenhaus das Thema durchgesprochen hatten, MOSES-Schulung.
Fand ich ganz gut.
Und bei einigen Patienten klappte es gut. Bei anderen war es so, dass es den Anfall abgeschwächt hatte, später aber der "ganze" Anfall doch kam.
Es kommt natürlich wirklich drauf an, wie gut du deinen Körper kennst und beurteilen kannst. Lernen muss man es.
Bei mir passiert leider das Gegenteil, wo meine Angst aber ne riesen Rolle spielt. Ich merke, wenn was ansteht und dann sagt die Angst: Bitte nicht! Dann bin ich sozusagen auf meinen Körper und die Vorzeichen konzentriert, vergesse aber durch die Angst, dagegen anzugehen und schwups, hatte ich bösen Besuch.
Also ich glaube schon, dass man dagegen angehen kann. Es klappt natürlich nicht, wenn du keine Vorzeichen hast, also per GM einfach umkippst.

LG

Biofeedback

Relaia, Wednesday, 27.11.2013, 23:11 (vor 4645 Tagen) @ mathilda

Vielen Dank für Deine Antwort :-)
Das mit dem Anfall rausschieben kenn ich sehr gut. Kann manchmal ganz hilfreich sein, ist aber trotzdem nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Und danach kommts meistens umso stärker.
Gibt es Anfallsformen bei denen Biofeedback besser funktioniert als bei anderen? Jetzt mal mit Ausnahme von Anfällen, bei denen man gar keine Vorzeichen merkt.
Hat eigentlich schon mal jemand gehört, ob man nen Anfall "aufhalten" kann, also, dass ein komplex fokaler nicht generalisiert, sondern fokal bleibt, auch wenn er gerade dabei war zu generalisieren? Selbst kann man in so einem Moment ja nicht wirklich was tun, aber können andere irgendwas tun?

Biofeedback

Relaia, Wednesday, 27.11.2013, 22:46 (vor 4645 Tagen) @ huge88

Dann geht Biofeedback beim Lernen also schon viel früher los, nicht erst beim "richtigen" Biofeedback, wo es ja eigentlich darum geht, bestimmte vegetative oder zumindest nicht willkürliche Funktionen willentlich zu steueren???
Das ist gut. Aber lernt nicht eh jeder für sich nach und nach die Signale seines Körpers zu verstehen? Erste Anzeichen für einen Anfall usw. Auch ohne dafür extra nen Kurs besuchen zu müssen.

Biofeedback

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Thursday, 28.11.2013, 08:13 (vor 4644 Tagen) @ Relaia

Aber lernt nicht eh jeder für sich nach und nach die Signale seines Körpers zu verstehen? Erste Anzeichen für einen Anfall usw. Auch ohne dafür extra nen Kurs besuchen zu müssen.

Kommt immer drauf an, wie deutlich die Anzeichen sind und ob das solche sind, die auch als solche wahrgenommen werden. Es koennten ja auch Kleinigkeiten sein, die im Alltag und in Anbetracht der ueblichen Verdaechtigen untergehen und dann glaubt man am Ende einen Trigger oder ein Vorzeichen zu kennen, obwohl es am Ende vielleicht bei genauer Betrachtung gar keines ist. Oder es gibt schon Vorzeichen, lange bevor man die einem selbst bekannten wahrnimmt.
Da wird teilweise, nach dem, was ich gelesen habe, recht intensiv mit Tagebuechern gearbeitet, in denen man sein Leben weit ueber die Anfaelle hinaus protokollieren darf.

Und dann darf man nicht vergessen, dass wir Menschen Meister im Selbstbeluegen sind und vielleicht manchmal etwas auch aus persoenlichen Gruenden nicht wahrnehmen wollen und uns erst jemand einmal mit der Nase draufstossen muss.

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Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil