Bewerbung und Epilepsie
Hallo Ihr,
ich bin neu hier und habe direkt mal eine Frage. Mein letztes Schuljahr ist quasi im Anmarsch, im Frühjahr mach ich Prüfungen und muss mich dann bewerben.
Ich habe total schiss dass ich wegen meiner Epilepsie nichts bekomme. Muss ich wirklich meine Krankheit, auch wenn ich schon länger keinen Anfall mehr hatte erwähnen wenn ich keinen Beruf lernen will in dem das sonderlich wichtig ist?
Ich würde mich einfach gerne erstmal beweisen bevor ich dann meinem Chef erzähle was ich habe, damit ich größere Chancen habe.
Ich will schöne Präsentationsmappen für meine Bewerbung machen um zu beeindrucken und fände es einfach blöde mir alles zu vermiesen indem ich meine Krankheit da mit reinbringe.
Wie seht ihr das? Wie ist das rechtlich?
Grüße
Mombi
Bewerbung und Epilepsie
Solange keine Eigen- bzw. Fremdgefährdung vorliegt musst du das nicht sagen, ABER
Solltest du direkt darauf angesprochen werden, ob du irgendwelche chronische Erkrankungen hast oder im Besitz eines Schwerbehindertenausweises bist musst du wahrheitsgemäß antworten.
Bewerbung und Epilepsie
bei Bewerbungsschreiben, mündlichen Bewerbungen brauchst du es
nicht erwähnen. Wichtig ist nur, wenn es eine Arbeit mit großen Maschienen
wie etwa einer Presse oder ähnlichem oder gefährlichen Werkzeugen ist,
zB. Tischler, oder Koch, wäre es schon ratsam es zu erwähnen. Auch im Sinne
der eigenen Sicherheit.
Bewerbung und Epilepsie
Aus einem Bewerbungsschreiben sollte man das komplett raushalten und da gehört das auch nicht rein. Da will man ja seine Qualifikationen anpreisen.
Sowas ist höchstens was für's persönliche Gespräch. Und solange die Arbeit nix ist, wo Du jemanden oder Dich selbst über das normale Maß hinaus gefährden würdest, würde ich das nicht einmal von mir aus erwähnen. Ich denk, Du wirst Dir ja sicherlich den Beruf auch entsprechend raussuchen.
Die Frage, ob man auf eine Frage im Bewerbungsgespräch wahrheitsgemäß antworten muss, ist noch nicht endgültig höchstricherlich in allen Punkten geklärt. Da hatten wir schon einmal vor einiger Zeit einen Thread mit einem echt guten Link dazu, finde ich gerade aber nicht.
Wahrheitswidrige Angaben können nach meinem Kenntnisstand ein Grund für eine fristlose Kündigung sein. Aber nix anzugeben, ist erst einmal nicht wahrheitswidrig.
Vielleicht ließt Du Dir dazu auch einmal das hier durch: http://www.izepilepsie.de/home/showdoc,id,399,aid,396.html
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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Bewerbung und Epilepsie
Ich habe es in der Vergangenheit so gemacht.
Zu an falls freien zeiten habe ich es keinem erzählt. Warum auch.
So wie jetzt , also wenn man Anfälle hat erwähne ich es im Vorstellungsgespräch auch wenn bei mir beruflich nichts auf der Arbeit passieren kann
Erwähnt man es nicht, findet der Arbeitgeber bestimmt irgendeinen Grund dich später zu kündigen - im schlimmsten Fall aus angeblich betrieblichen gründen.
Oder die kriegen beim Anfall Panik und rufen einen Arzt nur wegen eines Anfalls
Bewerbung und Epilepsie
Oder die kriegen beim Anfall Panik und rufen einen Arzt nur wegen eines Anfalls
Aus reiner Arbeitgebersicht ist das auch absolut vernünftig. Damit kann ihnen im Zweifelsfall niemand eine Vernachlässigung ihrer Fürsorgepflicht gegenüber dem Arbeitnehmer vorwerfen. Bei mir in der Arbeit - da wissen's alle, mit denen ich tagtäglich zu tun hab, auch wenn ich schon länger anfallsfrei bin, als ich dort arbeite - war der einzige Kommentar so ungefähr: "Ich hoffe, es ist ihnen nicht unangenehm, wenn wir im Zweifelsfall dann immer den Notarzt rufen, damit uns am Ende nicht der Arbeitsschutz ankommt und etwas vorwerfen kann."
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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Bewerbung und Epilepsie
Man kann aber nicht bei jedem Anfall den Notarzt rufen. Bis der da ist, ist ein Anfall in der Regel schon vorbei. Ich habe meinem chef gesagt, dass man nur einen Arzt brauch wenn nach 5-10 Minuten immer noch keinerlei Bewusstsein da ist. Es zu einem status kommt, dass das aber ziemlich unwahrscheinlich ist.
Also erstmal kühlen Kopf bewahren und Epileptiker bzw Umgebung sichern, z.b. Schraubendreher oder Messer weg nehmen, irgendwo hinsetzen auch ohne bewustsein. Bei komplex-fokalen anfällen geht das ja, zumindest bei mir.
Bewerbung und Epilepsie
Mein Chef war klasse. Er wollte wissen, was im Falle eines Falles zu tun wäre und dass ich bestimmen kann, mit wem er darüber sprechen darf. Allerdings war ich schon fast 4 Jahre dort beschäftigt, bevor die Epi diagnostiziert wurde und wir haben uns damals schon geduzt. Da ist das Vertrauensverhältnis natürlich ganz anders.
Bewerbung und Epilepsie
Hi Mombi,
ich verstehe was du meinst und ich war mal in so einer Bewerbungsmaßnahme in der wir gelernt hatten Präsentationsmappen zu erstellen etc.
Mir wurde eingebläut dass ich angeben muss, spätestens beim Vorstellungsgespräch, dass ich Epilepsie habe.
Je nach Anfallshäufigkeit denke ich schon dass das wichtig ist.
Ich würde es auch auf keinen Fall in die Präsentationsmappen packen aber je nach Sympathie beim VS Gespräch sagen, damit es später und vor allem während der bei AZUBIS doch langen Probezeit nicht zu bösen Überraschungen kommt. Ich meine es bringt dir ja auch nix wenn du es deinem Chef verheimlichst und dann nach 2 Monaten nen Anfall bekommst und vor Ende der Probezeit rausgeworfen wirst nur weil du nichts von deiner Epi erzählt hast. Das wäre kontraproduktiv!
Maruk
Bewerbung und Epilepsie
Also ich habe eine Verwandte, die hat Seminare zum Thema Bewerbungen abgehalten und ich glaube, sie sollte es wissen: sie sagt, es geht den Arbeitgeber nicht das Geringste an, was für Krankheiten man hat. Er DARF gar nicht danach fragen und wenn er es doch tut, kann man antworten: "Das dürfen Sie mich gar nicht fragen." Ich weiß, das klingt dann schon, als hätte man etwas zu verbergen. Aber in dem Fall ist es keine Lüge, wenn man sagt, man ist gesund. Und im Falle eines Anfalles kannst du immer noch sagen, das sei das erste Mal. Somit kann dich keiner Lügen strafen.
Es gibt nämlich nicht nur verständige Kollegen und Arbeitgeber, wie Ihr alle geschrieben habt, leider. Meine Erfahrung: ich hatte auf dem Heimweg von der Arbeit einen epileptischen Anfall (zum Glück ist nichts weiter passiert), aber ein anderer Verkehrsteilnehmer/Helfer hat natürlich gleich den Arzt gerufen, ich landete im KKH und konnte demzufolge am nächsten Tag nicht zur Arbeit. Meine neugierige Kollegin hat herausgefunden, was ich habe und seitdem behandelte sie mich, als hätte ich einen psychischen Schaden: kommandierte mich wie eine Mutter ihr kleines Kind, redete mit mir, als würde ich zu doof sein, um etwas zu kappieren....ich empfand das als Mobbing. Jetzt habe ich gekündigt, da ich eine neue Arbeit gefunden habe. Auch hier habe ich nichts von meiner Epilepsie erwähnt, nicht in der Bewerbung, nicht beim Gespräch, gar nicht. Denn es gibt wirklich Arbeitgeber, die dich deswegen nicht einstellen, weil sie überhaupt nicht wissen, dass die Krankheit im Prinzip nichts Gefährliches ist und man psychisch völlig normal ist. Ich lass jetzt alles auf mich zukommen, ändern kann ich es sowieso nicht.
Du darfst eben keinen gefährlichen Beruf ausüben, aber ich sitze "nur" hinterm Schreibtisch, da sollte die Gefahr gerinststmöglich ausfallen. Alle Gute und viel Erfolg zum richtigen Beruf!