56Jahre und nun Epilepsie

schutzengel, Monday, 27.01.2014, 14:36 (vor 4584 Tagen)

Hey,heute Morgen bin ich durch langes hin und her lesen auf diese Seite gestoßen.
Nachdem ich nun 3x in den letzten Monaten ,währen der Arbeit umgefallen bin (hervorgegangen durch starke Vewirrtheit,unscharfe Orientierung und Ängste.)
haben die Ärzte im Krankenhaus mich mit der Diagnose :
Grand mal Anfälle kryptogener Genese; all so. Epilepsie ohne Ursache
entlassen.
Nun bin ich krankgeschrieben und auf der suche nach Informationen.
-ist es ratsam erst einmal zur Ruhe zu kommen und nicht arbeiten zu gehen Ich selber bin Erzieherin im Kindergarten.
- wie gehe ich mit meinen Medikamenten um?
- ist der empfohlen de Fahrverbot (1Jahr) rechtskräftig?
- soll ich wirklich einen Antrag für einen Schwerbindertenausweis stellen?
- ist eine psychosomatische Rehabilitation sinnvoll?
Ihr seht viele,viele Fragen und das fast 24Stunden.
Wer kann mir ein wenig helfen?
Ich sage jetzt schon einmal Danke fürs lesen und Deine Teilnahme.
Gruß
Schutzengel

56Jahre und nun Epilepsie

Hape, Monday, 27.01.2014, 15:05 (vor 4584 Tagen) @ schutzengel
bearbeitet von Hape, Monday, 27.01.2014, 15:14

Hallo Schutzengel das mit dem Fahrverbot stimmt schon es wäre viel zu gefährlich Auto zu fahren so lange du Anfälle hast,wurde bei dir schon ein Mrt des Kopfes gemacht?Ein EEG? etwas Ruhe wird dir sicher gut tun hattest du Stress oder andere starke Belastungen in letzter Zeit ?sollst du Medikamente nehmen? versuch dich ein wenig zu entspannen geh spazieren lenk dich ab mach Sachen die dir Spass bereiten und nicht zu sehr anstrengen such nach einer Epilepsieberatung in deiner Nähe die können dir gute Tipps geben während der Aufdosierung und Einstellung der Medikamente würde ich schon zu Hause bleiben bis sich der Körper an die Medis gewöhnt hat regelmäßige Schlafenszeiten und ausreichende Erholungsphasen würden nicht schaden und Kopfhoch die meisten Epilepsien lassen sich mit Medikamenten in Griff bekommen Hape

56Jahre und nun Epilepsie

lordcosmic, Monday, 27.01.2014, 15:19 (vor 4584 Tagen) @ schutzengel

Hallo Schutzengel,
kann gut nachvollziehen wie es Dir im Moment geht.Auch ich hatte in den letzten drei Monaten 2 Grand Mal Anfälle allerdings aus dem Schlaf heraus. Wurde auch auf Medis eingestellt. Bei mir sind sich die Ärzte aber nicht wirklich sicher ob man von Epilepsie sprechen kann. Beide Anfälle sind immer dann gewesen als ich zuvor viel zu kurz und sehr unruhig geschlafen habe. Ist denn deinen Anfällen irgendwas vorausgegangen? Stress, schlechter Schlaf etc...? Welche Medikamente musst du nehmen und in welcher Dosis? Wurden schon verschiedene EEGS und ein MRT gemacht? Vielleicht können wir uns mal per PN austauschen. Wünsche Dir alles Gute. Gönn Dir Ruhe und lenk dich ab so gut es geht. LG

56Jahre und nun Epilepsie

mezeg, München, Monday, 27.01.2014, 15:23 (vor 4584 Tagen) @ schutzengel

Hi, Kollegin!

... mich hat es mit 63 Jahren vollkommen überraschend getroffen... ;-) ;-)

Ich hatte das Gefühl in eine fremde Welt einzutreten. Am Anfang war ich zu sehr mit den Prioritäten befasst - sofort OP, der Übeltäter war eine gutartige aber walnußgroße Hirnhauttumor. Das Gehirn protestierte heftig dagegen.

Und nach der OP sechs Monaten unter AE. Glaubte, danach ist alles wieder normal, der Übeltäter ist doch weg!

Nach vorsichtigem Absetzen Abgrund der Enttäuschung: Doch Epilepsie, nun tagsüber und nicht mehr nachts. Tumor weg aber die innere Narbe kitzelt wohl zu sehr. Also doch AE und diesmal ohne Hoffnung je davon freikommen zu können.

Dann kam die Wut-, Trotz-, Verzweiflung-, Hilflosigkeitsphase. Rauf und runter, etliches umstellen, umdenken, das Medikament nicht nur zuverlässig sondern peu à peu nicht mehr so widerwillig nehmen. Und jetzt fast dankbar!

Man muß sich schließlich "einrichten". Soziale Kontakte gehen verloren aber es sind gewiß nicht die Besten! Risikofaktoren erkennen und möglichst aus dem Weg gehen, sich nicht verstecken usw. je nach Menschentyp und Umständen.

Kostet Zeit und Kraft. Aber es lohnt sich! Inzwischen (drei Jahre später) nehme ich nur noch die AE-Einnahme und für mich geltende Verhaltensregeln wahr.

Das Verbot zum Autofahren würde ich sehr ernst nehmen, zumindest bis Du nichts anderes hörst. Nicht nur aus eigener Vorsicht. Wie könnte man noch in Frieden leben, wenn man durch einen Anfall am Steuer jemand (ein Kind!) verletzt - oder gar schlimmer - hätte. Habe dabei leicht reden: Das Verbot wurde mir ausgesprochen, den Führerschein hatte ich aber nie gemacht.:-D :-D :-D

Ich radle weiter, dies wurde mir nicht verboten, es wurde nur auf die Notwendigkeit von Helm und Vermeidung stark gefahrener Straßen... was ich sowieso "davor" tat. Und ich könnte nur mich gefährden. Mein "Auslöser" ist eine überhöhte Reaktion auf emotionalen Streß und Radfahren ist eben Entspannung und Genuß.

Schwimmen darf ich auch nicht. Mache ich aber trotzdem aber nur wenn ich richtig Lust dazu spüre. Es ist für mich auch hochgradig entspannend und das minimale Risiko nehme ich in Anspruch. Habe Angehörigen informiert, daß der Neurologe mich entsprechend gewarnt hatte und nicht belästigt werden darf.

Dir wird wohl alles Mögliches / Unmögliches durch den Kopf wirbeln. Nimm Dir Zeit, informiere Dich hier und da - habe hier sehr viel gelernt und viel positives / ermutigendes erlebt, versuche auch zu überlegen, ob irgend etwas die Anfälle verursacht hat, Streß, Schlafmangel, Ernährungsfehler oder wer weiss was. Gönne Dir auch eben jetzt ein paar schöne Sachen: schönes Essen mit Freunden, Ausflug in die Natur, eine CD, einfach was Dir gefällt.

Und warte auch, was die Neurologen sagen und untersuchen. Vielleicht läßt sich eine klare Ursache feststellen.

Alles Gute!

mezeg

56Jahre und nun Epilepsie

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Monday, 27.01.2014, 15:33 (vor 4584 Tagen) @ schutzengel

Hallo erst einmal!

Ich versuche einmal einen Schnelldurchlauf zu Deinen Fragen, bevor meine naechste Vorlesung beginnt.

ist es ratsam erst einmal zur Ruhe zu kommen und nicht arbeiten zu gehen Ich selber bin Erzieherin im Kindergarten.

Erst einmal zur Ruhe zu kommen ist sicherlich nicht verkehrt. Die Einstellung auf die Medikamente kann einem am Anfang z.B. schlapp und muede machen. Ausserdem stellt sich bei Dir die Frage - dazu koennen noch andere, die damit schon persoenliche Erfahrungen gesammelt haben, mehr schreiben - wie's bei Dir beruflich weitergeht. Ist nicht ganz einfach, damit in einem Kindergarten taetig zu sein und ich denke, dass in dem Fall der Arbeitgeber ein Recht hat, von der Erkrankung zu erfahren.

wie gehe ich mit meinen Medikamenten um?

Da gibt's im wesentlichen drei Punkte:
- Bloss nicht von den moeglichen Nebenwirkungen auf dem Beipackzettel verunsichern lassen. Das sieht wirklich schlimmer aus, als es tatsaechlich ist. (Ich persoenlich merk unter meinem Medi gar nix). Am Anfang treten typischerweise ein paar Dinge wie z.B. Muedigkeit sehr stark auf, aber das gibt sich i.d.R. auch mit der Gewoehnung an ein Antiepileptikum.
- Pass auf, dass Du immer das gleiche Praeparat bekommst. Damit meine ich nicht den Wirkstoff selbst, sondern auch vom gleichen Hersteller. Die Sache ist naemlich die, dass die Generika zwar Wirkstoffidentisch sind, aber untereinander sich in ihrer Bioaequivalenz(im Prinzip wie schnell sie aufgenommen werden, um nicht zu sehr auszuschweifen) unterscheiden duerfen. Da reagieren manche auf Schwankungen sensibel. Daher am besten drauf achten, dass Du immer ein Rezept mit klarem Praeparatenamen und aut-idem-Kreuz bekommst, damit die in der Apotheke Dir auch das geben muessen und nicht irgendetwas anderes, wenn sich die Rabattvertraege zwischen Herstellern und Krankenkassen mal wieder aendern.
- Regelmaessig einnehmen und niemals selbst was an der Dosis aendern. Gerade fuer den Anfang kann es hilfreich sein, sich z.B. einen Handyalarm zu stellen, um an die Einnahme zu denken. Finde - wenn keine explizite aerztliche Anweisung dagegen spricht - heraus, ob Du Dein Medi besser vertraegst, wenn Du direkt vorher etwas gegessen hast oder wenn Du nuechtern bist.
Wenn der Wunsch aus irgendeinem Grund da waere, immer mit dem Arzt sprechen, dass der dann die Umdosierung/Umstellung plant. Zu schnelle Aufdosierungen koennen die Gefahr des Auftretens von Nebenwirkungen erhoehen, zu schnelle Abdosierungen das Auftreten von Anfaellen beguenstigen.

ist der empfohlen de Fahrverbot (1Jahr) rechtskräftig?

Aertzliche Fahrverbote sind Verbote, wegen denen allein Dir zwar erst einmal niemand den Fuehrerschein wegnehmen kann, aber es sind immer noch Verbote, die auf sogenannten Gutachterleitlinien basieren. Wenn Du nicht dementsprechend handelst - also im Prinzip die Grundregel, dass man nur Auto faehrt, wenn man gesundheitlich dazu in der Lage ist - verletzt und irgendwas passiert und eine Versicherung dahinter kommt, dann kann es sein, dass die nicht zahlen bzw. Dich in Regress nehmen. Mehr Informationen dazu unter folgendem Link(bitte Leerzeichen rausloeschen; der Filter hier laesst den enthaltenen Sportartikelhersteller nicht zu): http://www.medizin.uni-tuebingen.de/uktmedia/EINRICHTUNGEN/Kli ni ke n/Neurologie/PDF_Archiv/Abt_+Epileptologie/epilepsie_und_fuehrerschein.pdf
Ach ja - Aerzte haben durchaus das Recht ihre aertzliche Schweigepflicht zu brechen, wenn sie glauben, dass ein Patient sich nicht an die Weisung haelt und zum Schutz der Allgemeinheit das den zustaendigen Aemtern zu melden.

soll ich wirklich einen Antrag für einen Schwerbindertenausweis stellen?

Kommt drauf an. Da solltest Du mal eine Beratungsstelle aufsuchen. Da muss man im Einzelfall - vor allem angesichts Deines Berufes und Alters - ein paar Dinge abwaegen.

ist eine psychosomatische Rehabilitation sinnvoll?

Naja, das kommt ganz drauf an, wie sehr Dir das jetzt psychisch zu schaffen macht, weil Epilepsie selbst ja keine psychische Erkrankung ist. Muesste halt dann schon was epilepsiespezifischeres sein. Vielleicht koenntest Du ja auch einmal eine sogenannte Moses(hat nix mit der Bibel zu tun) bzw. Famoses Schulung besuchen, ja nachdem, wie Deine familiaere Situation aussieht: http://www.famoses.de/ http://www.moses-schulung.de/

So, zum Abschluss aus Interesse noch zwei Fragen von mir:
- Was wurde bei Dir eigentlich alles untersucht?
- Auf was fuer ein Medikament/Wirkstoff wirst Du eingestellt?

--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

56Jahre und nun Epilepsie

sigi1955, Monday, 10.02.2014, 18:10 (vor 4570 Tagen) @ schutzengel

Hallo! Ich bin erst heute auf diese Seite gestoßen. Ich kann dein Schicksal teilen, denn bei mir fing es ähnlich an. Seit 2006 habe ich Grand mal Anfalle ohne orgaische Ursache. Bei mir liegt es wohl an Stress und Schlafentzug, denn seit 2010 bin ich Anfallsfrei. Ich nehme seit dem Lamotrigin 200mg = 400 mg morgens, Zonegran 100mg = 300mg abends + Cymbalta 30mg abends gegen meine Depressionen. Ich würde dir auch erstmal vorschlagen zur Ruhe zu kommen. Setze dich mit der Erkrankung auseinander.
Hol dir Profezionele Hilfe. Ich habe fast 100 Std. Pychotherapie bekommen. Das hat mir sehr geholfen. Nehme regelmäßig und genau nach Vorschrift deine Medikamente. Auch wenn sie die erste Zeit sehr müde machen. Ich weis ja nicht wo du wohnst, aber es gibt viele Spezialkrankenhäuser für Epilepsie. Ich bin Altenpflegerin das ist auch Stress pur. Den hast du bestimmt auch gehabt.

56Jahre und nun Epilepsie

sigi1955, Monday, 10.02.2014, 18:19 (vor 4570 Tagen) @ huge88

Hallo! Ich habe deine Antwort auf Schutzengel erst heute gelesen. Ich habe in etwa das gleiche wie Schutzengel.
Auch ich habe die ersten Jahre auf das Fahrverbot der Ärzte nicht gehört, und bin weitergefahren. Ich kann nur von Glück sagen das ich keinen Unfall mit Personenschaden hatte. Es war nur ein Gartenzaun.
das was die Ärtze als Maß vorgeben von einem Jahr stimmt auch nicht, den jeder Anfall schieb das Auto fahren wieder weiter nach hinten. Mir haben sie nach dem Unfall für 15 Mon. den Führerschein abgenommen. Ich muß jetzt einmal im Jahr ein ärztliches Artest hinschicken um zu beweisen das ich anfallsfrei bin.

56Jahre und nun Epilepsie

sandytimmy, Monday, 10.02.2014, 20:44 (vor 4570 Tagen) @ schutzengel

Ein Schwerbehindertenausweis hätte den Vorteil des besonderen Kündigungsschutzes. Als Erzieherin bist du ja nicht berufs unfähig durch die Anfälle. Sorry, versteh es bitte nicht falsch, aber besonders in deinem alter is besonderer Kündigungsschutz viel wert. Zudem haben viele Leute aus Unwissenheit Angst vor dieser Krankheit.
Ansonsten hat es finanzielle Vorteile, es geht aber auch ohne, ist keine Pflicht.
Ich habe auch meinen heiß erst nach über dreißig Jahren mir angeschafft. Und auch nur damit man hier und da günstiger eintritt zahlt, usw. Also eigentlich mehr oder weniger Spielzeug ;-)