Medikamenteneinstellung

doriskreisbirne, Bremen, Wednesday, 05.02.2014, 17:40 (vor 4575 Tagen)

Nach was werden die Medikamente gegen die Anfälle eigentlich verordnet / eingestellt? Bis man NW bekommt, oder anfallsfrei ist, oder wonach geht es? Kinder bekommen weniger als Erwachsene, große weniger als kleine, dünne weniger als dicke, alte weniger als junge, oder ...?
Die Ärzte verschreiben etwas und versuchen es erstmal, oder wie läuft das genau? Epilepsie ist ja eine Erkrankung bei der der Arzt sich auf die Erzählung des Patienten verlassen muss ... !
Kennt sich jemand damit aus?

Doris

Medikamenteneinstellung

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Wednesday, 05.02.2014, 17:59 (vor 4575 Tagen) @ doriskreisbirne

Naja das ist ein komplexes Thema.

Zuerst schaut man, dass man möglichst gut die Art der Epilepsie bestimmen kann, denn für einige Formen helfen einige Wirkstoffe überdurchschnittlich oft, andere hingegen gar nicht. Dann sollte der Arzt, wie bei allen Medikamentenverordnungen, noch auf andere Faktoren, die den Patienten betreffen, achten, z.B. dass es sinnvoll sein kann, bei jemanden, der eh schon hohe Leberwerte hat, lieber ein Medi zu nehmen, das nicht auf die Leber geht.
Und dann muss man im Prinzip was auswählen, sehen ob's hilft und man es verträgt und wenn nicht was anderes versuchen.

Als messbaren Anhaltspunkt dafür, wie viel jemand tatsächlich Maximal bekommen könnte, sollte im Regelfall der Medikamentenspiegel zusammen mit anderen Blutwerten, die anzeigen, wie z.B. der Stoffwechsel beeinflusst wird, dienen. Es gibt zwar auch immer Hochrechnungen für den Durchschnittsmenschen, um beim Einstellen einen Anhaltspunkt zu haben, aber die Blutbilder können da helfen, das noch etwas individueller einzustellen.
Daneben gibt es natürlich aber auch nur schwer erfassbare größen, wie die Intensität von auftretenden Nebenwirkungen. Denn wenn ein Medi richtig gut hilft ist es natürlich auch ggf. eine Abwägung, wie viel Nebenwirkungen für jemand persönlich erträglich sind und ab wann man sagt, dass der Preis zu hoch ist und man etwas anderes ausprobieren möchte.

Und dann gibt es noch die Maxime, dass man zwar so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich verordnet bekommt. D.h. wenn man schon mit der halben Maximaldosis anfallsfrei ist, kann man zwar ggf. noch einen kleinen "Sicherheitspuffer" draufpacken, wenn's dafür einen Grund gibt und nix dagegen spricht, braucht aber nicht an die obere Grenze zu gehen und kann dafür den Körper schonen.

Das ist auch kein leichtes Thema für die Ärzte. Bei meiner letztes (erfolgreichen) Umstellung, die eine Ewigkeit gedauert hat und von einem Epilepsiezentrum geplant wurde, durfte ich deshalb regelmäßig zum Aderlass.

Frag ruhig einmal Deinen Arzt, weshalb er einen bestimmten Wirkstoff für Dich aussucht und Dir die Dosis vorgibt, die Du bekommst.

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Medikamenteneinstellung

Bepi74, Wednesday, 05.02.2014, 19:22 (vor 4575 Tagen) @ huge88

also bei mir läuft es meistens so,
ich versuch ein neues Medi (oder neue Kombination) und schleich das Zeug ein (hier muss der Arzt sagen, wie schnell) meist bis zu einer geringeren Dosis. Wenn keine Besserung kommt, wird das Zeug erhöht (immer mit Absprachen mit dem Arzt). Das wird so weit erhöht, bis zu strke Nebenwirkungen auftreten.
Dann wird das Medi entweder ein bißchen reduziert, falls es etwas gebracht hat oder wieder ausdosiert, falls es nix bringt.
Das mach ich halt seit über 20 Jahren und so bleiben nicht mehr viele Medis überig...

VG

Medikamenteneinstellung

doriskreisbirne, Bremen, Wednesday, 05.02.2014, 20:23 (vor 4575 Tagen) @ Bepi74

Und wenn ein Medikament erhöht wird, wie laange dauert es i.d. R. bis der Organismus sich an die neue Dosis gewöhnt hat?

Ich lebe seit kurzem vegan und ernähre mich ganz anders als vorher (geregelter, weniger und eben vegan) und habe neuerdings Probleme: mir wird schwindelig nach der Einnahme, hatte ich vorhr nicht :-( ?

Doris

Medikamenteneinstellung

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Thursday, 06.02.2014, 08:09 (vor 4574 Tagen) @ doriskreisbirne

Wie lange der Koerper braucht, sich an etwas zu gewoehnen, haengt stark vom Betroffenen selbst und dem Wirkstoff ab. Da gibt es nix, was man pauschal sagen kann. Bei manchen langen zwei, drei Tage, bei anderen braucht es Wochen.

Wenn Du Dich vegan ernaehrst, musst Du unheimlich aufpassen. Ich empfehle Dir dazu einmal Guenther Kraemers "Epilepsie: Die Krankheit erkennen, verstehen und gut damit leben". Da gibt's auch einen (kleinen) Abschnitt ueber Ernaehrung und worauf man achten sollte.

Es gibt Antiepileptika, die dazu fuehren, dass der Koerper gewisse Stoffe schneller wieder ausscheidet oder einfach mehr davon braucht. Und spezielle Ernaehrungsformen, egal in welcher Form, belasten den Koerper oft, wenn man die nicht so anwendet, dass dem Koerper an nichts mangelt. Und die Anpassung des kompletten Verdauungssystems auf vegan ist fuer den Koerper auch eine kleine Belastung. Wir Menschen sind ja eigentlich auf ein breiteres Spektrum an Nahrung ausgelegt.

Wenn ich mich recht entsinne, nimmst Du ja Oxcarbazepin. Natrium ist eine Sache, die einem da schnell fehlen kann(siehe Beipackzettel). Da solltest Du Dich gerade in Verbindung mit dem veganen unbedingt von einem Arzt beraten und durchchecken lassen.
Natriummangel laesst sich ja oft mit entsprechend gesalzenen Speisen ausgleichen. Schwieriger wird es aber beim Thema Kalium und Calcium. Da wird zwar meines Wissens nicht die Ausscheidungsmenge beeinflusst, aber irgendetwas war da in neueren Studien, was darauf hindeutet, dass Oxcarbazepin und einige andere Antiepileptika die Knochendichte negativ beeinflussen koennen. Ich bin mir nicht ganz ueber den Mechanismus sicher. Ich glaub da ging's um Vitamin-D-Mangel und Medikamente, die Kalium-Antagonisten sind. Und zumindest fuer Kalium und Calcium fallen mir als typische reiche Quellen gerade nur tierische Produkte ein.
Also lass Dich da wirklich einmal gut von einem Arzt und vielleicht auch einer Ernaehrungsberatung beraten, was fuer vegane Kost da fuer Dich geeignet ist, um ggf. was auszugleichen.

Warum lebst Du eigentlich vegan???

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Medikamenteneinstellung

doriskreisbirne, Bremen, Thursday, 06.02.2014, 22:41 (vor 4574 Tagen) @ huge88

Es gibt Tabl die habe ich mir gerade gekauft (Veg1), da soll alles drin sein was fehlen könnte. Ich hatte gerade heute einen Termin bei der Neurologin, aber das Thema Ernährung vollkommen augeklammert, einfach nicht daran gedacht d es wichtig sein könnte (wegen dieser Tbl), aber heute Abend ging es mir wieder so schlecht ...

Warum vegan?

Da könnte ich jetzt einen Roman drüber schreiben (wobei ich wirklich niemanden missionieren möchte. Der eine engagiert sich für Umweltschutz, der andere für Asyl usw. Ich für Tierschutz):
Ich bin ein absoluter Tier- und Menschenfreund, wie natürlich viele Menschen. Meine geliebte Hündin ist vor 1 1/2 Jahren leider gestorben (eingeschläfert worden). In der Zeit (16 Jahre) die wir zusammen waren, habe ich mal eine Karte bekommen von "PETA" darauf stand: "Würden Sie Ihren Hund essen, nur weil er nach Schwein schmeckt?" Diese Karte hat ihren Zweck erfüllt und mich wirklich umdenken lassen, zum Vegetarismus
Und je mehr ich/ man sich mit diesem Thema beschäftigt, gibt es einfach keine Argumente die den Verzehr von Fleisch, Milch etc. rechtfertigen, gegenüber dem Leid was wir den Tieren zufügen. Es gibt einen sehr bekannten Film "Earthlings", den kann man kaum ansehen, so grauenvoll wird dort ungeschönt gezeigt wie wir mit den Tieren umgehen (auch BIO ist kein Argument).
Der Fleischhunger des Menschen scheint so unersättlich, wie seine Respektlosigkeit gegnüber dem Tier grenzenlos ist. In D gilt für viele: "Hauptsache viel Fleich, für wenig Geld!"
Die meisten Tiere, die wir uns einverleiben, werden heute küsntlich erzeugt, maschinell gemästet und am Fließband geschlachtet. "Artgerechte" Tierhaltung ist zwar in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben, doch Millionen Tiere werden auch in D geboren, gefoltert und getötet für "ökonomische Sachzwänge". Die meisten Hühner und Schweine kennen nur diesen Lebensrhythmus: aufstehen, fressen, hinlegen, aufstehen ... sterben.
Wir sind heute menschenversessen und tiervergessen. Doch das englische Wort animal kommt von Anima, die Seele. Unsere Seele, unsere Anima haben wir mit den Tieren gemeinsam. Alles was lebt ist beseelt. Das ist der göttliche Kern in jedem Lebewesen.
"Der Mensch im Mittelpunkt" Unser Umgang mit Tieren ist ein legalisiertes Verbrechen. (Vogelgrippe: Statt zu impfen, wurden die Vögel massenhaft getötet. Bei Menschen würde diesen Grundsatz niemand akzeptieren: Töten statt impfen)
Graugänse trauern Jahrelang, wenn sie ihren Lebenspartner verlieren, Seelöwen heulen schrecklich, wenn ihr Baby geraubt wurde. Elefanten können sogar weinen und pflegen ihre verwundeten Verwandten.
Wenn Tiere reden könnten, würde uns vermutlich schnell klar: Durch Misshandlungen verletzen wir nicht nur die Würde der Tiere, sondern unsere eigene.
Im Markusevangelium sagt Jesus zu seinen Freunden: "Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur!" (bedeutet ja nicht nur mit Worten, sondern auch in Taten) Fran v Asissi hat das wörtlich genommen. Vielleicht werden wir eines Tages niederknien und Tiere um Verzeihung bitten müssen.

"In den Tierfabriken werden die Tiere wie Maschinen behandelt. Nur ein paar Tage nach der Geburt zum Beispiel wird Hühnern mit einer scharfen Klinge der Schnabel gekürzt. Männliche Rinder und Schweine werden ohne Schmerzmittel kastriert. All diese Tiere verbringen ihr kurzes Leben in überfüllter und nach Ammoniak stinkender Umgebung, und viele von ihnen sind so dicht zusammengedrängt, dass sie sich noch nicht einmal umdrehen oder die Flügel spreizen können. Viele können kein einziges Mal frische Luft atmen, bis sie für eine albtraumhafte Fahrt zum Schlachthof in Transporter gestoßen und gezwängt werden, oft unter extremen klimatischen Bedingungen und immer ohne Futter und Wasser. Die Tiere werden kopfüber aufgehängt und bekommen, oft noch bei vollem Bewusstsein, die Kehle aufgeschlitzt." (PETA)

Umweltschutz spielt natürlich auch eine Rolle. Für meine eigene Gesundheit habe ich es weniger getan, mein Hauptgrund sind die Tiere. siehe auch:
http://www.peta.de/web/warum_vegan.71.html

Doris

Medikamenteneinstellung

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Friday, 07.02.2014, 18:08 (vor 4573 Tagen) @ doriskreisbirne

Es gibt Tabl die habe ich mir gerade gekauft (Veg1), da soll alles drin sein was fehlen könnte.

Solche Tabletten helfen aber auch nur dann, wenn sie das Abdecken, wo ein Mangel entsteht. Da muss erst einmal ärztlich geschaut werden, ob und wo ein Bedarf besteht. Ich mein es kann einem durch die Medis ja auch mal was fehlen, was solche Tabletten nicht abdecken. Du solltest Dich da wirklich einfach einmal ärztlich beraten lassen.

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Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

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Lerche, Friday, 07.02.2014, 19:01 (vor 4573 Tagen) @ doriskreisbirne

Es gibt Tabl die habe ich mir gerade gekauft (Veg1), da soll alles drin sein was fehlen könnte.

Dann achte bitte auch darauf, dass für die Entwicklung all deiner Tabletten keine Tierversuche stattgefunden haben.

Medikamenteneinstellung

doriskreisbirne, Bremen, Friday, 07.02.2014, 20:46 (vor 4573 Tagen) @ Lerche
bearbeitet von doriskreisbirne, Friday, 07.02.2014, 21:15

Hunderprozentig vegan zu leben, ist in unserer Gesellschaft schier unmöglich (z. B. Filmmaterial, Farben etc.).

Allerdings: Tabletten? Ich nehme nur eine und ein Generikum dazu!
(VEG1 habe ich noch nicht eingenommen)

Besser so weit es geht vegan leben als gar nicht!


http://derlernendeveganer.blogspot.de/2012/08/tierversuche-fur-medikamente.html

Und außerdem: dass praktisch alle Medikamente an Tieren erprobt wurden, ist
kein Argument dafür, dass es diese Medikamente ohne Tierversuche nicht gäbe
und dass wir womöglich ohne Tierversuche alle an schrecklichen Krankheiten
dahinsiechen würden oder wir Operationen ohne Narkose ertragen müssten, wie
gern behauptet wird. Im Gegenteil, ich bin der Überzeugung, dass ohne
Tierversuche die Medizin schon viel weiter wäre, denn Tierversuche halten,
wegen der falschen Ergebnisse, die sie liefern, den medizinischen
Fortschritt nur auf. Andere Methoden (z.B. im In-vitro-Bereich), klinische
Forschung sowie Prävention von Krankheiten würden wahrscheinlich - wenn
Tierversuche verboten wären - im Vordergrund stehen, was zu einer
Verbesserung der Gesundheitslage führen würde.

Um die forschenden, tierexperimentell arbeitenden Firmen möglichst nicht zu
unterstützen, kann man auf so genannte "Generika"-Präparate zurückgreifen.
Die von Ihnen genannten Medikamente sind alle schon seit vielen Jahrzehnten
auf dem Markt und damit als Generika erhältlich. Medikamente können nach
Ablauf einer Patentfrist von 20 Jahren von anderen Firmen hergestellt
werden. Diese Generika-Firmen (z.B. Ratiopharm, Durachemie, Stada)
produzieren dann diese Medikamente, meist zu sehr viel günstigerem Preis.
Wenn man auf diese Nachahmerpräparate ausweicht, hat man zwei Vorteile: man
unterstützt die forschenden Firmen nicht und man verwendet Medikamente, die
schon in einem langjährigen "Menschenversuch" waren. Unliebsame
Überraschungen, wie schwere Nebenwirkungen, sind bei diesen also nicht so
wahrscheinlich. Dennoch - die Medikamente, die die Generika-Firmen
vertreiben, sind früher auch irgendwann einmal im Tierversuch getestet
worden. Außerdem gehören viele Generika-Firmen zu den forschenden
Pharmaunternehmen, z.B. Hexal zu Novartis.

Mit anderen Worten, lassen Sie sich ruhig eine Narkose geben und nehmen Sie
die Medikamente ein. Es würde keinem einzigen Tier helfen, darauf zu
verzichten. Wir würden uns freuen, wenn Sie unsere Arbeit gegen Tierversuche
und für eine tierversuchsfreie Medizin und Forschung unterstützen würden.
(Link: s. o.)

Hier findest Du noch etwas dazu:

http://vegane-lebensweise.org/ethik/corinna-gericke-uber-tierversuche/

Medikamenteneinstellung

doriskreisbirne, Bremen, Friday, 07.02.2014, 09:25 (vor 4573 Tagen) @ huge88

In der Tablette müsste eigentlich alles enthalten sein:

Vitamin B2 - 1.6mg (114%)
Vitamin B6 - 2mg (143%)
Folsäure - 200µg (100%)
Vitamin B12 - 10µg (400%)
Vitamin D - 10µg (200%)
Jod - 150µg (100%)
Selen - 60µg (109%)


Ich habe heute Morgen z. B keinen Schwindel usw., aber gestern am Abend ja auch wieder so schlimm, dabei nehme ich ja die Tablette morgens nüchtern. Und vor 4 Wochen nach der Erhöhung war nichts, alles gut.
VG

Doris

Medikamenteneinstellung

mathilda, Thursday, 06.02.2014, 11:15 (vor 4574 Tagen) @ doriskreisbirne

Hallo Doris,

hast du denn gerade jetzt erst auch erhöht? Und dein Essen umgestellt?
Vielleicht solltest du beim Arzt deinen Medikamentenspiegel (Blutspiegel) messen lassen. Auch der könnte sich durch deine Essensumstellung verändern.
Doch wenn du gerade erhöht hast, würde ich den Schwindel darauf schieben, der hoffentlich nach ein paar Tagen verschwindet. Falls nicht, frage deinen Neurologen.

Gute Besserung!