So macht leben keinen Spaß mehr

Phoenix, Magdeburg, Saturday, 29.03.2014, 19:50 (vor 4523 Tagen)
bearbeitet von Phoenix, Saturday, 29.03.2014, 22:41

Hallo allerseits,

vielleicht kann sich ja der ein oder andere noch an meinen bericht vor so ziemlich genau einem jahr erinnern, als ich im anfall aus dem fenster gesprungen bin und mir beide hände gebrochen hatte. naja...die hände sind wieder recht gut verheilt. merke nur manchmal beim klavierspielen noch leichte nachwirkungen. aber es hat mir trotzdem angst gemacht. nun wurde meine damalige WG leider aufgelöst. darum wohne ich nun allein, aber in einer erdgeschosswohnung.

so...nun war ich ja nach dem fenstersprung lange zeit (anfang märz bis ende juni 2013) krankgeschrieben. und mein damaliger arbeitsvertrag ging bis mitte juli. und ich wurde natürlich nicht fest angestellt, und auch nicht verlängert...sie wollten mich nichtmehr haben. mit der begründung, dass ich zu langsam bin und mir der überblick fehlt (bin erzieher und hab in einem hort gearbeitet).
somit war ich dann arbeitslos.
hab natürlich gleich neue bewerbungen geschrieben, diesmal bei kitas. habe auch eine stelle bekommen. im oktober durfte ich dann anfangen. hat auch spass gemacht, auch wenn ich es als springer, der ständig von gruppe zu gruppe springt, doch etwas schwerer hatte, da ich mir von sämtlichen gruppen die namen der kinder, die angewohnheiten der mitarbeiter, wo was steht, wer was nicht essen darf...merken musste. aber nach und nach ging es, auch wenn es recht lange gedauert hat. waren immerhin 100 kinder. nun wurde ich schon im dezember nochmal zu einem gespräch mit der chefin geholt, wo ich (malwieder) darauf hingewiesen wurde, dass ich noch etwas schneller und blickiger arbeiten soll (obwohl ich sie schon beim bewerbungsgespräch auf die epi hingewiesen hatte, auch dass ich einen SB-Ausweis habe). ich hab versucht die hinweise in die tat umzusetzen. hab mir die größte mühe gegeben, aber es hat nicht geklappt. somit habe ich anfang märz eine kündigung bekommen. da ich ja noch in der probezeit war, konnte ich nichts dagegen machen.

und nun bin ich ab dem 1.4. schon wieder arbeitslos.

anfälle habe ich auch seit letztem sommer wieder relativ häufig, etwa im 10-tage-rhythmus. auch wenn sie nur im schlaf sind, ist es doch sehr belastend, wegen meinen trancephasen nach dem anfall. beim letzten habe ich mir total den rücken aufgekratzt, habe aber keine ahnung wie. ich schließe mich ja zum schlafen schon immer im zimmer ein, baue die türklinke jede nacht ab und verstecke sie, und verschließe die fenster, damit ich auf jeden fall im zimmer bleibe, und mich nicht wieder ausschließe o.ä. bin ja nun auf mich allein gestellt.

und das schlimmste für mich ist, dass ich meine arbeit als erzieher nun wohl ganz aufgeben kann, da ich nun schon insgesamt drei mal aus so ziemlich ein und dem selben grund nicht weiterhin erwünscht war. und ich hab keine ahnung was ich ansonsten machen sollte. würde ja gern in der sozialen schine bleiben, aber da muss man ja immer schnell sein. und ich bin wegen der epi und der medis eben etwas gehandicapt und kann nicht 120% arbeiten, wie es immer erwartet wird sondern eher nur so 85%. und das will wohl kein arbeitgeber sehen.

ach man...ich weiß im moment echt nicht wohin mit mir. fühle mich völlig überflüssig. bekomme ja auch oft von irgendwelchen leuten an den kopf geknallt, dass ich einen kopf wie ein sieb habe. leider ist das auch war. oder dass ich schwer von begriff bin. die einzigen die immer hinter mir stehen, sind meine eltern, aber mit 25 jahren will man ja auch nichtmehr bei den eltern wohnen, sondern sein eigenes leben führen. aber welches "leben"??? mir machts derzeit zumindest keinen spaß mehr. ich kann meinen wunschberuf nicht ausführen, kann meine träume nicht erfüllen, verletzte mich ständig ohne etwas mitzubekommen und wie es aussieht kann ich nichtmal alleine wohnen. und das alles nur wegen dieser scheiß epilepsie. ich würde echt gern weinen aber das habe ich wohl verlernt. das letzte mal dass ich geweint habe ist schon 12 jahre her.

danke fürs zuhören/lesen
Der Tommy

So macht leben keinen Spaß mehr

Green, Saturday, 29.03.2014, 20:20 (vor 4523 Tagen) @ Phoenix

Hallo
ja da hast du recht so macht leben keinen spass mehr. man gibt alles und verliert doch.

Du baust die klinken ab was ist den wenn es brennt....wie kommst du dann raus.
Sorry viele worte die mut machen habe ich nicht.....wünsche dir das du vielleicht ein wohngruppe findest..........wo jemand nachts auf die aufpasst und du selbstständig tags über leben kannst.

Gruesse Green

So macht leben keinen Spaß mehr

Jenny1699, Alzey, Saturday, 29.03.2014, 23:47 (vor 4523 Tagen) @ Phoenix

Hallo Tommy,

gib nie die Hoffnung auf! Du bist erst 25 und niemand weiß was die Zukunft bringt? Vielleicht einen tollen neuen Job? Eine WG mit tollen neuen Leuten oder Medizinischer Fortschritt? :)
Mach dich nicht fertig.
Anscheinend ist immoment wirklich gerade alles nicht sooo gut aber irgendwann wird das auch wieder und du kannst dein Leben genießen! Wenn es nicht anders geht, ist es doch keine Schande bei seinen Eltern zu wohnen, im Gegenteil bis etwas neues gefunden kannst du einfach mal ein bisschen Schöne Zeit mit deiner Familie verbringen :)
Und mit den sozialen Berufen. Wenn das so nicht geht dann solltest du dich in eine neue Richtung orientieren :(
Du kannst ja immernoch evtl. freiwillig im Kindergarten oder Altersheim usw. arbeiten, aber bis das irgendwie besser wird sollte ein fester Ausbildungsplatz? Beruf? her.
Viel Glück und Gute Besserung ❤

So macht leben keinen Spaß mehr

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Sunday, 30.03.2014, 10:56 (vor 4522 Tagen) @ Phoenix

Also an Deiner Stelle würde ich die Probleme der Reihe nach anpacken.

Bei Deinen regelmäßigen Anfällen in der Stärke, solltest Du die Zeit der Arbeitslosigkeit - wenn sie auch nicht schön ist - erst einmal nutzen, um das Grundproblem besser in den Griff zu bekommen, also ab zum Arzt und am besten in eine Epilepsieambulanz überweisen lassen. Deine Anfälle hören sich ja wirklich krass an und auch wenn's kein einfacher Weg ist, ggf. muss man da halt solange mit verschiedenen Wirkstoffkombinationen herumtesten, bis man das passende für Dich findet.

Wenn Deine Anfälle ungefähr im 10 Tage-Rythmus auftreten, kannst Du am besten auch gleich einmal anfangen, einen Anfallskalender für Deine Ärzte zu führen. Und was Du einmal bei den Ärzten ansprechen könntest, wäre, ob bei Dir eine Überweisung zu einem Endokrinologen sinnvoll wäre. Musste da selbst mehrmals einmal hin, weil die Epilepsieambulanz auf Grund eines anderen Befundes überlegt hatte, ob die Anfälle durch irgendwelche Hormonschwankungen induziert werden könnten, auch wenn sich solche Epilepsien im Vergleich zu meiner eher durch regelmäßige periodische Anfälle auszeichnen.

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

So macht leben keinen Spaß mehr

keki, Sunday, 30.03.2014, 11:15 (vor 4522 Tagen) @ Phoenix

Lieber Tommy!
Huge hat Recht, man muss die Probleme eins nach dem anderen angehen. Dass Du nicht heulen kannst, ist nicht so gut, denn es reinigt und befreit. Bei mir funktioniert das meistens und ich hab echt Erfahrung mit Weinen... Psychologische Hilfe wird übrigens auch von den Kassen übernommen. Jemand, der zuhört, ist viel wert und hat mir sehr geholfen, Dinge klar zu sehen und aus einem tiefen Loch heraus zu kommen.
Auch wenn vielleicht alle damit nerve, möchte ich schon wieder aufs Integrationsamt hinweisen. Da Du einen GdB hast, helfen die auf jeden Fall weiter. Die haben Ideen, auf die man so gar nicht kommt und kennen Adressen und Hilfemöglichkeiten. Gibt es kleinere KiTas in Deiner Nähe? Oder heilpädagogische Einrichtungen, die ja eh kleinere Gruppen mit einem höheren Personalschlüssel haben? Waldorf-Einrichtungen? Ganz ehrlich: 100 Kinder würden mich auch überfordern!
keki

So macht leben keinen Spaß mehr

Mondenkind, Sunday, 30.03.2014, 15:54 (vor 4522 Tagen) @ Phoenix

Hallo Phoenix,

vielleicht meldest du dich mal beim Netzwerk Epilepsie und Arbeit. Hier geht es zwar eher darum, eine Arbeit zu erhalten, vielleicht haben sie aber auch noch Tipps für dich, wie du die nächste Stelle erhalten kannst. Es gibt im übrigen eine Leitstelle beim Integrationsamt Magdeburg, da hättest du dann zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen (Keki hatte dich je schon darauf hingewiesen, dich mal beim Integrationsamt zu melden). Hier die Infos für Sachsen-Anhalt.

Lieben Gruß
Mondenkind

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"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)

So macht leben keinen Spaß mehr

Green, Sunday, 30.03.2014, 16:17 (vor 4522 Tagen) @ Phoenix

Hallo
und wir haben glaube ich schonmal drüber geschrieben.........schlafwandeln wird auch im schlaflabor behandelt.wende dich doch auch mal daran..........anstrengend ich weis aber verspricht eventuell hilfe.
Gruss Green

So macht leben keinen Spaß mehr

sandra79, Monday, 31.03.2014, 18:06 (vor 4521 Tagen) @ Phoenix

Hallo Tommy,

ich habe deinen früheren Eintrag jetzt nicht mehr rausgesucht, kann mich aber noch gut daran erinnern.;-)

Normalerweise bin ich ein Sturkopf, so nach dem Motto Jetzt erst Recht!, durch diese Einstellung hab ich schon vieles überwunden, aber leider auch nicht alles:-( . Nachdem dass mit meinem Freund in die Brüche gegangen ist hatte ich auch eine eigene Wohnung, ich fand´s einfach nur super! Bis ich irgendwann im "benebelten" Zustand vom Fenster auf das Dach vom Wintergarten geklettert bin und von da aus runter gesprungen bin = ein 3facher Kniescheibenbruch. Danach bin ich erstmal wieder zu meinen Eltern gezogen, wegen mir und wegen meinem Vater, der zu der Zeit sehr krank geworden ist und wir ihn zu hause gepflegt haben.

Mit der Arbeit häng ich auch seit Sommer 2012 hier rum. Am Anfang hab ich es noch erwähnt, mittlerweile sag ich gar nichts mehr dazu, wenn nicht ausdrücklich danach gefragt wird. Ob das so rechtlich ist weiß ich auch nicht. Fakt ist leider, dass uns keiner will... wenn ich es bei Bewerbungsgesprächen gesagt habe konnte ich praktisch direkt wieder gehen:-(. Diese sogenannten geschuldeten und gebildeten Leute kommen nicht einmal auf die Idee Fragen zu stellen... Wie sich das bei mir auswirkt, oder so! Mit Diabethes, was jeder kennt, wären wir leichter dran:-D

Mach auf jedenfall keine Dummheiten! Diese Löcher kennen wir wohl alle und sind auch alle wieder rauskrabbeln können. Die Idee dir profisionelle Hilfe zu holen find ich sehr gut :) Da brauchst du dich auch nicht für zu schämen, im Gegenteil, du packst deine Probleme an und sichst nicht so vor dir her. Wer das nicht versteht, tut mir leid - brauchst es aber auch nicht jeden auf die Nase binden, dass bleibt dir ja überlassen.

Ich hoffe, bald mal was schöneres von dir zu hören.

LG
Sandra

So macht leben keinen Spaß mehr

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Monday, 31.03.2014, 19:22 (vor 4521 Tagen) @ sandra79

Mit der Arbeit häng ich auch seit Sommer 2012 hier rum. Am Anfang hab ich es noch erwähnt, mittlerweile sag ich gar nichts mehr dazu, wenn nicht ausdrücklich danach gefragt wird. Ob das so rechtlich ist weiß ich auch nicht. Fakt ist leider, dass uns keiner will...

Kopf hoch. Bei mir ist die Epi bei Chef und Co. bekannt und ich hab wegen nem Knicks in meinem Lebenslauf nicht einmal die Chance gehabt, meine Erkrankung komplett im Bewerbungsgespräch zu verbergen und trotzdem die Stelle bekommen. Man muss nur lange genug nach dem richtigen Betrieb suchen.

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So macht leben keinen Spaß mehr

sandytimmy, Monday, 31.03.2014, 23:29 (vor 4521 Tagen) @ Phoenix

Du bist also Erzieher, ich bin bzw war Augenoptikerin,
Was macht denn der rest hier im forum? Interessiert mich jetzt mal. Gerade im Hinblick auf eine umschulung.
Eine Idee wäre Zahntechnik erin? Was haltet ihr von der Idee

Deine Situation erinnert mich nämlich an meine, nur dass ich schon 36 bin ;-) und schon alle Therapien durch habe

So macht leben keinen Spaß mehr

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Tuesday, 01.04.2014, 18:05 (vor 4520 Tagen) @ sandytimmy

Bin zwar noch Master-Student, aber mit meinem ja bereits erhaltenen Bachelor-Abschluss und meinem Werkstudentenjob trifft Softwareingenieur wohl am Besten zu.

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So macht leben keinen Spaß mehr

Mondenkind, Tuesday, 01.04.2014, 19:41 (vor 4520 Tagen) @ sandytimmy

Hallo,

ich bin Diplom-Sozialpädagogin und betreue noch bis Ende Juni Teilnehmer (ca. 16 - 25 Jahre) einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme als Bildungsbegleiter (halbe Stelle)

Lieben Gruß
Mondenkind

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So macht leben keinen Spaß mehr

keki, Tuesday, 01.04.2014, 20:03 (vor 4520 Tagen) @ Mondenkind

Ich bin Altentherapeutin und arbeite mit Menschen mit Demenz. Ich liebe diese Arbeit, denn sie ist nicht leistungsorientiert und das Arbeitstempo wird nicht vom Chef, sondern von dem dementen Menschen vorgegeben.

So macht leben keinen Spaß mehr

Green, Tuesday, 01.04.2014, 20:11 (vor 4520 Tagen) @ sandytimmy

Hallo sanndytime
ist nicht augenoptik und zahntechnik nicht ähnlich...wie wird es dann mit deinem vergessen ?
Also versaubeutelte Brillengläser kann man neu bestellen...aber bei zahnersatz wird das dann nicht teuerer.oder im anfall den bohrer beim patient im mund....stell ich mir auch nicht so klasse vor.
Du findest bestimmt was womit du zufrieden bist.
Gruss Green

So macht leben keinen Spaß mehr

sandytimmy, Tuesday, 01.04.2014, 21:48 (vor 4520 Tagen) @ Green

Zahntechni ker arbeiten in der zahntechnischen Werkstatt/ labor haben keinen Kontakt mit Patienten. Sie stellen die dritten Zähne her den Rest machen Zahnärzte. Vergleichbar mit einer reinen Werkstatt - Arbeit in der augenoptik , es sind halt Feinmechanik er

Dieses nicht akzeptierte Wort"n i k e " nervt hier im forum

So macht leben keinen Spaß mehr

Green, Tuesday, 01.04.2014, 22:16 (vor 4520 Tagen) @ sandytimmy

Hallo
Ach so sorry das wusste ich nicht danke fuer die Info.
Gruss Green