Gefangen im falschen Berufsbild
Noooh, Friday, 30.05.2014, 23:54 (vor 4461 Tagen)
Hallo zusammen,
ist nun schon ne weile her, aber ich dachte ich schau mal wieder rein.
ich bin derzeit in einem berufsförderungswerk und mache dort eine umschulung zum industriekaufmann (eurokaufmann).diese umschulung wurde mir vor etwas länger als einem jahr nahegelegt, da ich nach mehreren GM anfällen auch mit status epilepticus in meinem alten beruf (maurer) nicht mehr arbeiten konnte. ich hatte kaum einwände, war froh etwas tun zu können und dachte das mir dieser beruf auch echt spaß machen könnte. nach mehreren monaten merkte ich, dass dieser beruf die absolut falsche entscheidung war und ich im kaufmännischen beruf völlig falsch bin. diese probleme habe ich dann auch offen angesprochen, aber der wechsel in ein anderes berufsbild wird mir von meinem kostenträger (arbeitsamt) verwehrt,mit den üblichen begründungen!nur kann ich mir später überhaupt nicht vorstellen als kaufmann zu arbeiten und nun steht auch noch bald ein mehrmonatiges praktikum vor der tür.ich hätte viele ideen was ich machen könnte, auch ohne diese leute vom abreitsamt.meine frage ist nur ob ich es auch darf?ich bin seit fast zwei jahren ohne großen anfall, ich habe ab und zu noch absencen alles andere ist jedoch sehr gut unter kontrolle. ich nehme derzeit keppra und apydan extent, das keppra wird allerdings im sommer ausgeschlichen.könnte ich beispielsweise eine ausbildung im sport und fitnessbereich anstreben?oder eine kochausbildung?auch etwas mit kindern würde mich interessieren. in diesem berufsförderungswerk heißt es eben immer nur. geht nicht, weil verletzungsgefahr (koch),geht nicht weil sie verantwortung für andere übernehmen müssen (sozialer bereich) usw. es gibt immer eine begründung warum ich es NICHT machen sollte.ich will mich einfach nicht damit abfinden als kaufmann arbeiten zu müssen...vielleciht weiß ja irgendjemand etwas zu diesem thema oder hat ähnliche erfahrungen 
Gefangen im falschen Berufsbild
pegasus, Saturday, 31.05.2014, 12:55 (vor 4460 Tagen) @ Noooh
Du könntest dich mal erkundigen, bei der Krankenkasse oder der Rentenversicherung, wie es ausschaut mit einer Rehabilitation in Bezug auf Epilepsie. In Bethel gibt es zum Beispiel so etwas
http://www.mara.de/epilepsie-zentrum/rehabilitation.html
Ich habe es seit dem schriftlich, dass ich generell in die Gefährdnungskathegorie B nach BGI585 falle, ausgenommen sind nur solche Arbeitsplätze, die der Bildschirmarbeitsplatzverordnung entsprechen.
Solltest du eventuell auch mal mit deinem Sachbearbeiter beim Arbeitsamt ansprechen und diesen darüber informieren, dass es keine pauschalisierenden Arbeitsverbote bei Epilepsie gibt. Es kommt in erster Linie darauf an, was für Anfälle du hast und wie diese sich äußern und was welche Gefahr du für dich und Dritte darstellst, aufgrund deiner Anfälle.
http://www.arbeitssicherheit.de/de/html/library/document/5004777,1,20070101/?searchTerm...
Gefangen im falschen Berufsbild
Noooh, Saturday, 31.05.2014, 14:34 (vor 4460 Tagen) @ pegasus
Danke erstmal für deine antwort, ich mache derzeit eine berufliche rehabilitation in einer einrichtung in heidelberg.diese ganzen tests usw. habe ich bereits hinter mir, ich habe aber damals viele falsche netscheidungen getroffen, die ich nun bereue und wollte wissen in wie weit ich noch andere berufe ausüben/ erlernen darf.danke für den link, der hilf mir schon ein wenig weiter.
gruß
Gefangen im falschen Berufsbild
pegasus, Saturday, 31.05.2014, 16:08 (vor 4460 Tagen) @ Noooh
Okay von Anfang an. Ich hatte auch zu erst eine Umschulung begonnen, welche ich dann Abbrechen musste aufgrund eines vermehrten Auftreten von Anfällen. Heute weiß ich, dass es mit den Lichtverhältnissen in der Umschulungseinrichtung zusammenhing.
Dann hatte ich nochmals eine Umschulung begonnen, mit dem Erfolg, dass ich diese nochmals abbrechen musste und diesesmal wegen einer Medikamentenumstellung, denn eine Aufdosierung von Topamax brachte die Nebenwirkungen so richtig heftig zum Vorschein und beim anschließenden Medikamentenwechsel kam es zu massiven Wechselwirkungen, so dass sich diese knappe 6 Monate hingezogen hat.
Dann kam ich in eine Berufsfindungsmaßnahme und hier wurde vorgeschlagen, dass ich nach Bethel in die Reha gehen solle, was ich auch tat.
Der Unterschied zwischen den berufsvorbereitenden Maßnahmen, egal um welche es sich dabei handelt, ist so klein und doch gravierend.
Bei den allgemeinen berufsvorbereitenden Maßnahmen kennt man nur die allgemeinen Einschränkungen für Menschen mit Epilepsie. Das heißt, die können dir nur sagen, dass du keinen Schichtdienst machen darfst, nicht an schweren Maschinen usw usw usw (dürfte dir alles bekannt sein).
Der Unterschied zu einer Einrichtung wie Bethel besteht daher darin, dass hier genauer auf deine Form der Epilepsie geschaut wird und was wirklich machbar ist. Denn ein Industriekaufmann sitzt zum Beispiel nicht zwangsläufig im Büro, denn wenn du zum Beispiel für den Einkauf von Rohstoffen zuständig bist, musst du diese Rohstoffe auch kontrollieren und bei einem Stahlwerk wäre es Fatal, wenn du dann auf einmal dort einen Anfall bekommst. Gleiches wäre es, wenn du ab und an mal in einem Labor sein müsstest, um hier irgendetwas zu testen oder sonstiges (das sind beides persönliche Erfahrungen aus meiner Ausbildungssuche von vor über 15 Jahren und hier wollte ich selbst das Risiko nicht eingehen).
Fakt ist, der Industriekaufmann ist zwar ein höherwertiger und guter Job, aber mit der Erkrankung Epilepsie kannst du diesen Beruf nicht überall ausüben.
Und so kannst du am Ende auch das Arbeitsamt davon überzeugen, dass dieser Beruf nicht mit deiner Erkrankung vereinbar ist, aber hierfür brauchst du eben eine fachärztliche Einschätzung und eine solche bekommst du nur aus einer medizinischen Rehabilitationeinrichtung wie in Bethel, denn die Amtsärzte haben davon, meiner persönlichen Erfahrung nach, nicht die geringste Ahnung, was es da alles zu beachten gibt bei Epileptikern.
Gefangen im falschen Berufsbild
Noooh, Saturday, 31.05.2014, 23:10 (vor 4460 Tagen) @ pegasus
wow...vielen dank mal für die tollen informationen, genau so etwas habe ich gesucht,informationen die nur betroffene selber kennen und nicht das gequatsche von irgendwelchen beratern. vielleicht sollte ich doch mal nach dieser maßnahme in bethel schauen, denn ich wollte immer gerne eine ausbildung zum koch machen,vielleicht geht es ja doch irgendwie.oder doch in den sportbereich oder was mit kindern oder menschen. denn vor solchen berufen wurde mir immer dringend abgeraten!
weiß nur nicht wie ich an die sache rangehen soll?das gespräch mit dem kostenträger suchen?einfach abbrechen will ich nicht...sonst stehe ich wieder ohne alles da,obwohl mich diese ausbildung dermaßen nervt...na ja, muss wohl erst einmal das gespräch mit dem berater suchen!
gruß
Gefangen im falschen Berufsbild
Mondenkind, Sunday, 01.06.2014, 10:55 (vor 4459 Tagen) @ Noooh
Hallo Nooh,
so eine BvB (Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme) geht meines Wissens nur bei Menschen unter 25 und auch nur wenn sie noch kein(e) Ausbildung / Studium abgeschlossen haben.
Und eine Reha ist keine Maßnahme. Reha (oder früher auch Kur genannt) dauert meist 3 - 6 Wochen und in dieser Zeit sollst du dann getestet und untersucht werden, inwieweit du noch für den Alltag und den Beruf tauglich bist.
Lieben Gruß
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Gefangen im falschen Berufsbild
pegasus, Sunday, 01.06.2014, 18:04 (vor 4459 Tagen) @
Noooh
bearbeitet von pegasus, Sunday, 01.06.2014, 18:08
Das was Mondenkind schrieb ist Nonsens. Es gibt auch berufsvorbereitende Maßnahmen für angehende Umschüler.
Und ich würde zuerst das Gespräch mit dem Sachbearbeiter suchen, sollte dieser weiterhin keinen Handlungsbedarf sehen, solltest du mit deinem Neurologen einmal darüber sprechen, dass er das anleiert, dich in eine solche medizinische Rehabilitation zu schicken und grundsätzlich kannst du den Antrag dafür auch selbst ausfüllen bei deiner Rentenversicherung ( medizinische Reha ) was eigentlich immer vorgehen sollte, meiner persönlichen Meinung und bisherigen Erfahrungen nach, aber die von der Agentur für Arbeit und die Jobcenter sind hierfür halt nicht zuständig und wollen dich einfach nur so schnell wie möglich in den Arbeitsmarkt vermitteln, egal wie sinnlos es ist.
(im übrigen, sollte die Rentenversicherung nicht zuständig sein, wird dein Antrag an deine Krankenkasse weitergeleitet und dort dann überprüft und bearbeitet)
Gefangen im falschen Berufsbild
Mondenkind, Tuesday, 03.06.2014, 00:00 (vor 4458 Tagen) @ pegasus
Das was Mondenkind schrieb ist Nonsens. Es gibt auch berufsvorbereitende Maßnahmen für angehende Umschüler.
Man lernt nicht aus...
Ich wusste nicht, dass das auch als eine Berufsvorbereitende Maßnahme zählt.
LG
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Gefangen im falschen Berufsbild
Samuel_70, Saturday, 31.05.2014, 22:43 (vor 4460 Tagen) @ Noooh
Was gefällt Dir am "Kaufmann" nicht ?
Bist Du kein Bürohocker, oder kein Freund vieler Zahlen ?
Kaufmännische Ausbildung und Einsatzmöglichkeiten sind sehr sehr variabel und flexibel.
Klar sind nicht alle Fächer interessant und passend. (Ich z.B. würde nie in eine Personal- bzw Lohnverwaltung eines mittleren/größeren Betriebes gehen, Aber Rechnungswesen/Kalkulation bzw Disposition liegt mir immer) Solch kleine Unterschiede können es aber schon sein die zu Einem passen und viel od. garkeinen Spaß machen.
Die Ausbildungsthemen die Ihr bisher im Unterricht hattet, müssen ja später nicht Alle, immer und überall auszuführen sein.
Wenn Dir Sport-Fitness zusagt da gibt es den Beruf Sport-Fitnesskaufmann, das sind Solche die in Sport u. Fitnessorten Leitung und Organisation, Planung und Abrechnung übernehmen können. Einen Trainerschein oder Weiterbildung für entsprechende Wartungsarbeiten dazu und bist in einem Fitnessstudio od. Bad od. Sportstätten sehr gut einsetzbar und musst nicht nur im Büro hocken. Hast praktische Arbeit (z.B. Trainerarbeit bzw Wartung) und etwas Büroarbeiten.
Waren/Lagerdisponent: PC und Schreibarbeiten, Warenannahme von Lieferungen, Leitung vom Lager od. Verteilung mit dem Hubwagen o.Ä.
Verkauf/Beratung für Fachwaren: Mit Deinen Kenntnissen vom Bau bist Du dann auch im Baustoffhandel gut einsetzbar.
Personalverwaltung: Leitung von Personal und Organisation
Kalkulation: Planung und Rechnerei
und, und, und.
Kommt dann eben auch immer drauf an wie groß/klein die Firma ist in der Du arbeitest.
Ich hab ja auch keine Ahnung was Dir überhaupt liegt.
Bist du eher Einer fürs "Handwerk" oder "Kreatives"?
z.B Werbegestalter (Auf Banner, Autos, Proschüren), Fotograf.
S_70
Gefangen im falschen Berufsbild
Noooh, Saturday, 31.05.2014, 23:22 (vor 4460 Tagen) @ Samuel_70
hi
ich hab für mich festgestellt, dass ich überhaupt kein büromensch bin, ich kann nicht den ganzen tag auf dem hosenboden sitzen und die ganze rechnerei macht mich irre!
ich habe sehr gute noten, aber mir macht das einfach null spaß, ich hab überhaupt keinen bezug dazu. das einzigste was mir etwas freude bereitet sind die sprachen, denn die mache ich noch als zusatz zum späteren eurokaufmann (industriekaufmann + 2 sprachen). ich hoffe das mich mein businessenglisch und französisch dann etwas weiter bringt.
ich bin ansonsten eigentlich lieber der, der was mit seinen händen arbeitet,was erschafft. ich kann nicht den ganzen tag mit zahlen jonglieren und papier schwarz machen.
auf den sport und fitnesskaufmann wollte ich umsatteln, wurde mir aber verwährt!und alle anderen vorschläge die ich gebracht habe,wurden abgeblockt mit den verschiedensten begründungen. ich habe schon überlegt,einfach verschiedenste arbeitgeber persönlich zu besuchen, meine situation zu schildern und mich interessant zu machen. ich würde mich sehr interessieren für eine ausbildung als koch, im sport und fitnessbereich oder ein sozialer beruf.
aber das mit dem fotograf hört sich auch gut an, sollte ich mir auch mal näher anschauen.fest steht, dass ich was anderes machen muss,nur wie?
Gefangen im falschen Berufsbild
Mondenkind, Sunday, 01.06.2014, 11:02 (vor 4459 Tagen) @ Noooh
Hallo Nooh,
ich nochmal
.
Ich rate dir die Ausbildung auf jeden Fall durchzustehen. Was du danach (daraus) machst liegt ja bei dir.
Und rede mal mit deiner Beraterin bei der Arbeitsagentur, was du für Chancen hast, eine weitere Umschulung zu bekommen, falls du doch abbrechen solltest...
Lieben Gruß
Mondenkind
--
"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Gefangen im falschen Berufsbild
sandytimmy, Sunday, 01.06.2014, 00:27 (vor 4460 Tagen) @ Noooh
Ich habe nach dem Erziehungsurlaub, also drei Jahre nach der Geburt meiner Zwillinge, den Versuch gestartet eine zweite Ausbildung zu machen, zur Krankenschwester. Bin dann finanziell aufgestockt worden auf ALG 2. Ist nicht viel Geld aber es geht. Ist nicht so dramatisch wenig Geld wie es in den Medien dargestellt wird.
Die Option hat man eigentlich immer
Große Sprünge sind in der Zeit halt nicht drin