Taxifahrer mit Epilepsie???
Gewitter2013, Sunday, 01.06.2014, 21:37 (vor 4459 Tagen)
mein Freund nimmt seine Krankheit nicht ernst. Er redet nicht drüber, also existiert sie nicht. Er hatte innerhalb eines Jahres 3 leichte Anfälle von ca 5 Minuten. Anschliessend war er orientierungslos und hat, auf der Heimfahrt, nicht mal die Strasse erkannt, in der er gearbeitet hat.
Der letzte Anfall war Anfang März 2014, als er gerade ins seinen Lkw steigen wollte. Seltsamerweise hat er es direkt nach dem Anfall geschafft, mich anzurufen. Sein Vorgesetzter hat den Notarzt gerufen und der hat drauf bestanden, ihn im Krankenhaus untersuchen zu lassen. Dort hat er dem Neurologen ein Märchen von Kreislaufproblemen erzählt.Als er direkt auf Epilepsie angesprochen wurde, hat er es abgestritten. Er hat es mit Angst um seinen Job begründet, weil nach mehreren Zeitverträgen, die Festanstellung versprochen wurde. 2 Wochen später hat er seinen Job dann doch verloren. Ich war froh, weil mir die ständige Angst sehr zu schaffen gemacht hat.
Das er gar nicht fahren dürfte, ignoriert er, zum Neurologen geht er auch nicht, er lässt sich die Tabletten vom Hausarzt verschreiben.Er hat sich selbst höher dosiert, weil die letzten beiden Anfälle trotz regelmäßiger Einnahme kamen.( von 1,5 Valproat 500 crono auf 2 nach Blutuntersuchung vom Hausarzt, nach dem letzten Anfall nimmt er einfach 2,5)
Ein Bekannter, aus der Stammkneipe, hat ihm dann geraten, den Taxischein zu machen!!!
Er fand die Idee toll. Nachdem er sich jetzt zur Schulung angemeldet hat und auch hingeht,hab ich nur noch Angst.Reden nutzt Nichts, er WILL das jetzt und ist taub für alle Argumente. Leider wird bei der Beriebsärztlichen Untersuchung für Taxifahrer nur abgefragt, nicht überprüft.
Hat jemand eine Idee? Selbst die Aussicht, das bei einem Unfall sein Führerschein für immer weg wäre, interessiert ihn nicht.
Taxifahrer mit Epilepsie???
keki, Sunday, 01.06.2014, 22:24 (vor 4459 Tagen) @ Gewitter2013
Wenn der Arzt davon weiß, dass jemand, der nicht anfallsfrei ist, trotzdem fährt, darf er das Straßenverkehrsamt informieren. Was Dein Freund tut, ist nicht nur für ihn, sondern für andere lebensgefährlich. Ich weiß nicht, wie Du zu seinem Hausarzt stehst. Vielleicht könntest Du ihn informieren? Vielleicht überdenkt dein Freund auch mal sein Handeln, wenn der Arzt klipp und klar ein Fahrverbot ausspricht?
Eine andere Möglichkeit ist, die Polizei zu informieren, wenn er grade fährt. Vorher dürfen die nichts machen, also solange er noch nicht losgefahren ist. Ich weiß nicht, ob die auch reagieren, wenn man die anonym informiert.
Aber das ist natürlich ein Weg, der nicht gut zu einer ehrlichen und vertrauensvollen Beziehung passt. Andererseits passt sein Handeln auch nicht dazu. Du bist in einer echt schwierigen Situation und ich wünsche Dir Kraft dabei. Hör auf deinen Bauch, der weiß manchmal mehr als der Kopf.
keki
Taxifahrer mit Epilepsie???
Samuel_70, Sunday, 01.06.2014, 23:41 (vor 4459 Tagen) @
Gewitter2013
bearbeitet von Samuel_70, Sunday, 01.06.2014, 23:52
Zum Einen, wenn der Hausarzt weiß das Dein Freund Anfälle hat und Auto fährt, ja sogar fremde Personen chauffiert und somit nicht nur sich selbt sondern auch andere Leute gefährdet ist er eigentlich von seiner Schweigepflicht entbunden und muss Meldung an Polizei und Straßenverkehrsamt machen.
Zu Anderen, frag Deinen Freund wie er sich wohl eines Tages fühlen würde wenn er durch einen Unfall bei einem Anfall Jemanden zu Tode gefahren hat ?!
Ganz schöner Egoist Dein Freund !!
S_70
Taxifahrer mit Epilepsie???
Gewitter2013, Sunday, 01.06.2014, 23:56 (vor 4459 Tagen) @ Samuel_70
ich glaube nicht, das er dem Arzt die Wahrheit gesagt hat und von dem Plan, den Taxischein zu machen, hat er ganz sicher nichts gesagt.In den Unterlagen steht, dass Epileptiker auf keinen Fall Taxi fahren dürfen, auch wenn sie jahrelang keinen Anfall hatten.
Ich weiß auch weder den Namen des Arztes, noch wo die Praxis ist.
Ich kann meinen Freund doch nicht bei der Behörde anschwärzen.
Taxifahrer mit Epilepsie???
pegasus, Monday, 02.06.2014, 01:32 (vor 4459 Tagen) @ Gewitter2013
Epileptiker dürfen nicht einmal Autofahren, solange sie nicht Anfallsfrei für mindestens 6 Monate sind.
Ich würde daher an deiner Stelle schlicht und ergreifend die Polizei darüber informieren und diesen mitteilen, dass der "Freund" hier Medikamente nimmt, welche im Blut nachgewiesen werden können und dann muss dein Freund hier eine plausiblere Erklärung finden als das was er einem Neurologen erzählt.
Taxifahrer mit Epilepsie???
keki, Monday, 02.06.2014, 11:01 (vor 4458 Tagen) @ Gewitter2013
Würdest Du ihn fahren lassen, wenn er Alkohol getrunken hätte?
Und hast Du jemals einen Menschen gesehen, der bei einem Autounfall schwer verletzt ins Krankenhaus kam? Ich mein jetzt nicht, schön ärztlich versorgt mit sauberem Verband und so, sondern so, wie er/sie auf der Straße liegt? Ich schon. Das vergisst du nie.
Er handelt unverantwortlich und riskiert auch dein Leben, wenn du mit ihm fährst.
keki
Taxifahrer mit Epilepsie???
Gewitter2013, Monday, 02.06.2014, 22:45 (vor 4458 Tagen) @ keki
hat er früher gemacht, der Führerschein war schon 2 mal weg. Seit wir uns kennen, läßt er mich fahren, oder nimmt ein Taxi.
Ja, ich habe Unfallopfer gesehen, ich war viele Jahre Taxifahrerin und oft als erste am Unfallort.
Taxifahrer mit Epilepsie???
huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Monday, 02.06.2014, 19:49 (vor 4458 Tagen) @ Gewitter2013
Also das mit dem Autofahren - ich mein, für Berufskraftfahrer gelten ja obendrein noch strengere Bestimmungen als für den Rest - ist leichtsinnig. Weiß er eigentlich, dass er nicht nur seinen Führerschein los wäre, sondern vor allem, wenn was passiert, wegen grober Fahrlässigkeit obendrein schnell ohne jeglichen Versicherungsschutz da stünde bzw. die ihn für jeden Cent in Regress nehmen könnte? Mit sowas kann man auch sein Leben sprichwörtlich gegen die Wand fahren.
Weiß sein Arzt denn, dass er regelmäßig Auto fährt? Denn wenn nicht, wäre die vorgeschlagene Lösung, mit dem einmal ein vertrauensvolles Gespräch zu suchen, sinnvoll. Eigentlich sollte dem ja auch so auffallen/es spanisch vorkommen, dass er auf einmal eine höhere Dosierung nimmt - heißt ja schließlich auch, dass er öfters ein Rezept braucht. Der Arzt braucht ihn nur einmal drauf ansprechen, ein spontanes Blutbild vor einem Rezept fordern, feststellen, dass der Spiegel nicht mit der Dosis übereinstimmt und dann direkt zum Neuro zu schicken, damit der ggf. etwas anderes ausprobiert oder ihn in eine Epilepsieambulanz überweist.
Ich meine Neurologen sind nur der Anfang und nicht das Ende der Fahnenstange und es gibt eine ganz breite Palette von Antiepileptika, die man ausprobieren kann. Irgendeines wird sich da auch mit etwas Zeit und Geduld für ihn finden lassen.
Valproat in Überdosierungen - sollte man Deinem Freund vielleicht einmal erzählen, vielleicht lässt er ja dann die eigenmächtigen Dosisänderungen - kann zum vermehrten Auftreten von Krampfanfällen führen.
Ein Bekannter, aus der Stammkneipe, hat ihm dann geraten, den Taxischein zu machen!!! Er fand die Idee toll. Nachdem er sich jetzt zur Schulung angemeldet hat und auch hingeht,hab ich nur noch Angst.Reden nutzt Nichts, er WILL das jetzt und ist taub für alle Argumente. Leider wird bei der Beriebsärztlichen Untersuchung für Taxifahrer nur abgefragt, nicht überprüft.
Sicher, dass da nur abgefragt wird? Also ich hab jetzt mal verschiedene Taxiunternehmen etc. im Internet abgeklappert und diese Untersuchung bei Taxi-Betriebsärzten hört sich für mich nach einer günstigeren, abgespeckten MPU-Version an, inklusive Blutbild, Urinprobe und Drogenschnelltest. Also alles Dinge, wo die Chance besteht, zumindest festzustellen, dass er etwas nimmt, wenn zunächst auch nicht, was genau.
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Taxifahrer mit Epilepsie???
Gewitter2013, Monday, 02.06.2014, 22:39 (vor 4458 Tagen) @ huge88
bei der Untersuchung für Taxifahrer gibt es nur eine Liste zum Ankreuzen, kontrolliert wird NICHTS.
Meine ganz große Hoffnung ist, das der Arzt sich wundert, das er keine Kniebeugen machen kann und auch nicht auf einem Bein stehen. Ausserdem wird ein "Wiener Determinationstest" gemacht, bei dem man zB Agression, Reaktion ect testet.
Ich habe alle Argumente "durch". Die Taxizentrale, bei der er grade in der Schulung ist, zu informieren bringt auch nichts. Es gibt einfach zu viele Andere. Da die alle verfeindet sind, "gönnen" die einander natürlich alles Schlimme.
Nach seinem Verhalten steht ein neuer Anfall an ( Unruhe, Gereiztheit, Magenprobleme, Agressivität. Ich hab sogar allen Ernstes überlegt, am Abend vor der nächsten Schulung, seine Tabletten gegen Ibuprofen auszutauschen ( die sehen genauso aus)
Ich kenne den Hausarzt nicht, weiss aber das er sehr viel zu tun hat. Es wird also lange dauern, bis ihm auffällt, das die Abstände zwischen den Rezepten kleiner werden.
Taxifahrer mit Epilepsie???
Mondenkind, Tuesday, 03.06.2014, 20:26 (vor 4457 Tagen) @ Gewitter2013
Hallo,
man muss noch nicht mal ein ärztliches Untersuchungszeugnis abgeben, dass man gesund ist?? Das halte ich für das Mindeste...
Vielleicht solltest du deinem Freund mal folgenden Artikel vorlegen:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/tod-von-hamburger-prominenten-unfallfahrer-...
Lieben Gruß
Mondenkind
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"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)
Taxifahrer mit Epilepsie???
Gewitter2013, Wednesday, 04.06.2014, 08:59 (vor 4456 Tagen) @ Mondenkind
man wird von einem Arbeitsmediziener untersucht. Dabei muss man auf einer Liste ankreuzen, was man alles nicht hat (zB Epilepsie). Man geht davon aus, das man das wahrheitsgemäß ankreuzt, kontrolliert wird das nicht. Es werden noch einfache Tests (Kniebeugen, auf einem Bein stehen usw) gemacht und natürlich ein Sehtest.
Benunruhigend ist auch, das es der selbe Test ist, den Piloten machen müssen.
Taxifahrer mit Epilepsie???
gigi, Monday, 16.06.2014, 22:13 (vor 4444 Tagen) @ Gewitter2013
Hallo,
Ich bin neu hier und durch Zufall über diesen Beitrag gestolpert.
Bitte deinen Freund nicht so dumm zu sein, solchen Quatsch zu machen! Er gefährdet sich und andere damit!
Autofahren kann Spaß machen, aber mit so einem Auto kann man auch soviel Schaden anrichten. Manchen Schaden kann man nicht finanziell ausgleichen! Menschenleben ist unbezahlbar!
Ich habe selber Epilepsie und nicht mit 18 sondern erst später meinen Führerschein gemacht. Man kann auch andere Jobs erledigen...und was mich stutzig macht: wieso hat dein Freund den Tipp mit dem Taxischein in der Kneipe bekommen? Hat er vielleicht noch ein anderes Problem?
Sei ehrlich zu dir und ziehe im Zweifel für dich die Konsequenz...Wenn jemand süchtig ist, braucht er Hilfe und keine Co-Abhängigkeit. Wenn er von sich nicht auf die Idee kommt, bringe ihn auf die Idee. Also hilf dir, damit du ihm helfen kannst. Wenn er nicht will, ziehe im Notfall die Reissleine und trenne dich, weil du sonst mit drauf gehst.
Entschuldige, wenn ich falsch liege, ansonsten nimm mit was gut für dich ist. :)
LG gigi
Taxifahrer mit Epilepsie???
Gewitter2013, Tuesday, 24.06.2014, 11:45 (vor 4436 Tagen) @ gigi
in einer Kneipe gibt es nicht nur Alkohol, falls du das meinst. Es ist einfach nur schwierig, mit 20-30 Bekannten, in einer 2 Zimmerwohnung Fußball zu gucken. Sicher trinkt er mal was, aber nach dem 1. Drink, bekomme ich den Autoschlüssel, oder wir fahren mit dem Taxi nach Hause.
Heute morgen war die Untersuchung beim Arzt. Er hat alle Tests, ohne Probleme bestanden. Damit ist leider klar, was so ein Test wert ist... NICHTS.
Wahrscheinlich hat er gestern seine Tabletten nicht genommen, also wird er in den nächsten Stunden einen Anfall haben. Er ist mit dem Fahrrad unterwegs zum Strassenverkehrsamt, um die Papiere abzugeben.
Er ignoriert seine Krankheit, will nicht drüber nachdenken und schon gar nicht drüber reden.
Den Bericht über den schweren Unfall letztes Jahr, hat er natürlich mitbekommen, es war ja hier um die Ecke.