Angst vor neuem GM bei Freund
Hallo,
ich bin neu hier und dachte bis vor 5 Tagen noch ich müsste mich nie in so einem Forum anmelden. Ich bin 23 Jahre und seit über 2 Jahren mit meinem Freund (27) zusammen.
Er hat Epilepsie, was ich auch von Anfang an wusste aber er hatte bis vor 5 Tagen 7 Jahre lang keinen Anfall mehr. Bei seinem ersten Anfall nach so langer Zeit war ich live dabei und saß direkt bei ihm. Ich hatte Todesangst um Ihn und dachte es wäre vorbei, weil ich noch nie einen GM miterlebt habe. Zum Glück waren zwei Freunde bei uns zu besuch die für ihn den Rettungswagen geholt haben und eine Nachbarin. Nach vielleicht 3 Minuten war das ganze dann auch schon vorbei und mein Freund lag 3 Tage im Krankenhaus. Alle Untersuchungen waren unauffällig und er soll nun auf Lamotrigin eingestellt werden zunächst mal auf 150mg.
Insgesammt hatte er in seinem Leben 3 GM den ersten mit 17-18 dann zwei Jahre später und nun eben 7 Jahre später nach 4 Jahren ohne Tabeltten. Alle Anfälle traten morgens auf maximal 2 3 Stunden nach dem Aufstehen und zwei davon nach eine langen Nacht mit Alkohol und Party.
Nun zum eigentlichen. Ich bin total traumatisiert von dem Anfall und habe jeden Morgen und auch tagsüber einfach nur Angst das er wieder einen Anfall hat. Mein Herz rast bei jedem Zucken und bei jedem kleinsten Geräusch. Ich weiß das ich bei einem Anfall ruhig bleiben muss und am besten nen Notarzt rufen soll und seinen Kopf schützen. Aber der Gedanke allein mit ihm zu sein während er wieder so einen Anfall bekommt jagt mir eine riesen Angst ein. Ich sage mir immer hm er hatte erst 3 Anfälle und immer nen ewig langen Abstand da passiert jetzt nichts mehr, aber man weiß ja nie und so wirklich helfen tut mir das nichts zumal es noch 4 Wochen dauert bis er bei der eventuell ausreichenden Dosis angekomen ist. Außerdem hab ich Angst ihn mit meiner Angst anzustecke, so dass er am Ende einfach nen Anfall bekommt aus der Panik heraus einen zu bekommen.
Ich hoffe ich finde hier im Forum gleichgesinnte und Menschen, die mir sagen können wie man diese Panik besiegt und bei einem neuen Anfall nicht selbst noch nen Herzschlag oder sowas bekommt.
Viele Grüße,
Linchen
Angst vor neuem GM bei Freund
Nun zum eigentlichen. Ich bin total traumatisiert von dem Anfall und habe jeden Morgen und auch tagsüber einfach nur Angst das er wieder einen Anfall hat. Mein Herz rast bei jedem Zucken und bei jedem kleinsten Geräusch.
Das gibt sich schon wieder mit der Zeit und ist nur menschlich, im ersten Moment das alles erst einmal verarbeiten zu müssen. Du kannst ja mit Deinem Freund drüber reden - das tut sicherlich Euch beiden gut.
Ich weiß das ich bei einem Anfall ruhig bleiben muss und am besten nen Notarzt rufen soll und seinen Kopf schützen.
Das ist was, worüber Du mit Deinem Freund - und der auch mit seinen Ärzten - sprechen solltest, was er denn gerne hätte, denn nicht immer muss wegen eines Anfalls gleich ein Notarzt her. Wenn seine bisherigen immer so im Rahmen von drei Minuten lagen und bei ihm nix medizinisches dagegen spricht, könnte es ihm ja lieber sein, wenn Du die drei Minuten erst abwartest, ob der Anfall in denen aufhört und ggf. erst danach einen Notarzt rufst. Ob man sich im Krankenhaus erholt oder zu Hause, das macht für viele keinen großen Unterschied - abgesehen davon, dass man zu Hause besser durchschlafen kann, weil nicht alle paar Stunden ein Pfleger im Zimmer vorbeischaut. Mich - meine Anfälle dauern auch nicht länger - haben sie, nachdem die Epi bekannt war, sowieso immer noch am selben Tag wieder heimgeschickt. Da ist es entspannter, gleich am nächsten Tag zum Neurologen zu gehen.
Ich weiß, hört sich seltsam an, aber mit ein wenig Gewöhnung fällt das eigentlich nicht schwer.
Aber der Gedanke allein mit ihm zu sein während er wieder so einen Anfall bekommt jagt mir eine riesen Angst ein. Ich sage mir immer hm er hatte erst 3 Anfälle und immer nen ewig langen Abstand da passiert jetzt nichts mehr, aber man weiß ja nie und so wirklich helfen tut mir das nichts zumal es noch 4 Wochen dauert bis er bei der eventuell ausreichenden Dosis angekomen ist.
Sieh's mal so: Bei ihm stehen, wie Du ja selbst schreibst, Chancen darauf, dass in absehbarer Zeit kein Anfall mehr kommt, gut. D.h seine Schwelle zu einem Anfall (die hat ja jeder Mensch), scheint ja jetzt nicht so extrem niedrig zu sein. Und wenn die Medis bei ihm anschlagen, kommt da noch ein bisschen auf den Damm drauf. Und wenn Du Dich gut um ihn kümmerst (vielleicht nicht gerade bemuttern, aber halt schauen, dass er z.B. halbwegs ausreichend und regelmäßig Schlaf bekommt, wenn seine bisherigen Anfälle damit einhergingen - Schlafentzug ist so einer der klassischen Provokazionsfaktoren), kommen da nochmal ein paar Backsteine oben auf den Damm. Dann wird schon alles irgendwie werden.
Außerdem hab ich Angst ihn mit meiner Angst anzustecke, so dass er am Ende einfach nen Anfall bekommt aus der Panik heraus einen zu bekommen.
Wie gesagt, sprecht miteinander. Er wird sich gerade vermutlich nach dem neuen Anfall auch nicht super toll fühlen und dann könnt ihr Euch gegenseitig etwas aufbauen.
--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
Angst vor neuem GM bei Freund
Hallo Linchen,
"Zuschauer" war ich nur vor etlichen Jahren, als für mich Epilepsie noch ein Fremdwort war. Es erfolgte bei einer Weihnachtsfeier im Kreis Rotkreuzhelfer! Eigentlich die beste Gelegenheit zu sehen, was passiert, was man machen soll. Der Mann fiel zu Boden, seine Kollegen knieten neben ihm, ohne ihn in keinster Weise zu halten / berühren. Ein Sanka wurde gerufen. Davon ist mir die Grundregel eingeprägt worden: Ruhig bleiben, nicht festhalten, mögliche Verletzungsobjetke aus dem Weg nehmen.
Nun zu mir. Die Anfälle vor der OP erfolgten nachts. Meine Bettpartner - zwei Katzen...
- haben jegliche Aussage verweigert. So dauerte es lange, bis das Wort Epilepsie überhaupt verwendet wurde.
Sechs Monate nach der OP fing es nach Absetzen von Keppra wieder an. Aber nun tagsüber. Jedesmal in meiner Wohnung, sozusagen "wann ich es mir leisten kann." Es ging mir wie eine elektrische Welle von rechts nach links durch den Kopf... und ich wachte etwa eine Stunde danach verblüfft aber eigentlich entspannt und erholt im Bett. Wie ich dahin gekommen bin, weiß ich nicht.
Das dritte und letzte Mal aber war ich nicht alleine, spielte Karten mit einer Tochter am Balkon. Sie hat also alles miterlebt. Daß ich zuerst kompletten Unsinn sprach und dann krampfte. Drehte zwar nicht durch, war aber irgendwie hilflos: versuchte mich am Zungenbiss zu hindern, indem sie mir zuerst zwei Finger (!!! aïe, aïe, aïe!!) dann einen Holzstab in den Mund steckte. Die Nummer des Rettungsdiensts nicht im Kopf. Weil der Sanka nicht kam, läutete sie bei der Nachbarin - die panisch reagierte. Und weil der Sanka immer noch nicht kam, rief sie ihre Schwester - eigentlich Rettungssanitäterin - die kurz nach ihren Sanka-Kollegen ankam und im aufgeregten Befehlston alles dirigieren wollte.
Ich war sehr müde, wollte eigentlich nur ins Bett gehen, wußte, daß ich eben die vom Neurologen ausdrücklich empfohlene AE-Erhöhung am gleichen Abend anpacken müßte - und wollte - und ihn am darauffolgenden Tag aufsuchen.
Weil aber ständig auf mich eingeredet wurde, daß ich ins Krankenhaus gehen muß - besonders seitens der Sanka-Tochter - gab ich schließlich auf, mußte noch erleben, daß diese Tochter mich daran hinderte, eine kleine Ration an AE mitzunehmen.
Die Fahrt dauerte lange, im Krankenhaus wollten sie mich behalten und es dauerte sehr lange, bis sie mich nach Hause entließen, die Sanka-Tochter wollte mich mit dem Auto abholen, ließ sich viel Zeit, forderte während der Fahrt äußerst aggressiv, ich sollte mein Fahrrad aufgeben. Ich war nah dran während der Fahrt aus dem Auto zu springen!
Wäre ich alleine gewesen, hätte ich mich erholt im Bett wieder gefunden.
Möchte einfach sagen, daß ein GM-Anfall für Augenzeugen sehr belastend erscheint. Aber für den Epileptiker ist Ausgeglichenheit und ruhiges Verhalten unheimlich wertvoll.
Die anwesende Tochter blieb eine ganze Weile auf der Hut, jede Bewegung beobachtend, immer etwas dramatisch auswertend: mir ein Stückpapier vom Küchentisch unter die Augen halten "Hast Du das geschrieben???" Ja, ich amüsiere mich mit der linken Hand das Schreiben zu üben!
Oder in der U-Bahn, weil ich auf eine Bemerkung nicht sofort reagierte: "Bist Du doch noch da??" Ja, meine Aufmerksamkeit war gerade auf etwas anderes gesetzt.
Es hat Zeit gebracht, bis sie mich wieder "natürlich-normal" empfunden hat. Ein Rest-Verdacht bleibt aber wohl unterschwellig...
Versuche Dich zu informieren, was gerade für Deinen Freund gut ist, wie er bei einem GM reagiert, was Du machen kannst oder ebe nicht solltest.
Ich wurde auch auf Lamotrigin eingestellt, emotional widerwillig, obwohl ich rational wußte, es muß sein. Etwas rauf und runter. Nun nehme ich seit 2 Jahren 125 - 0 - 100mgr. Die Nebenwirkungen inwischen weitgehendst abgeschwächt, seit bald 2 Jahren keine GM mehr, nur hier und da nach starkem emotionalen Streß Aura oder "speech arrest". Ich nehme es nicht mehr tragisch, erwarte aber, daß man akzeptiert, wie ich bin.
Viele soziale Kontakte sind durch die Epilepsie schon verloren gegangen. Wohl den Spreu vom Weizen trennen... Für Deinen Freund ist esunheimlich wichtig, wenn gerade Du Ruhe bewährst und für ihn den bekannten "Fels in der Brandung" bist!
Alles Gute
mezeg
Angst vor neuem GM bei Freund
Hallo Linchen,
ich bin zwar selbst der Patient aber ich kann Dir aus den Erzählungen von meinem Mann berichten.
Der erste Anfall ist bestimmt nicht schön mit anzusehen, aber das Einzige was Du machen kannst ist für ihn da zu sein.
Wenn mein Mann es sieht versucht er meinen Kopf zu schützen.
Zunge mit Keil schützen soll man ja nicht mehr machen ABER er macht es !
Und dafür bin ich dankbar!
Dieser Zungenbiss erinnert noch eine Woche an den Anfall.
Aber nicht auf Deine kosten!!! Also bloß nicht die Finger in den Mund stecken!!!!!
Hatte jetzt auch ganz lange keinen Anfall mehr gehabt.
Den letzten Anfall hatte ich im stehen, er hat mich ins Bett gezogen und lag dann neben mir als ich aufwachte. Das war aber diesmal einfach nur Glück.
Sonst fallen Betroffene/ich auf den Boden.
Ich denke es ist am wichtigsten das der Kopf geschützt ist / wird.
Und versuche ruhig zu bleiben.
Leichter gesagt als getan, ich weiß.
Vielleicht bekommt ihr das mit dem Lamictal ja in den Griff und es passiert gar nichts mehr!
Ich war 4 Jahre Anfallsfrei!
Hoffe ich konnte Dir ein bisschen helfen.
LG SR.STEFFI
Angst vor neuem GM bei Freund
Vielen Dank für diese schöne Darstellung! Am liebsten mag ich wachte etwa eine Stunde danach verblüfft aber eigentlich entspannt und erholt im Bett auf, denn so ähnlich gings mir auch, irritierenderweise. Vielleicht ist das ja gar keine Krankheit?!?
Viele Grüße
Matze