Qualitätsurteil Neurologe - was sollte er leisten?

Heidi 45, Sunday, 15.06.2014, 16:23 (vor 4445 Tagen)

Hallo,

was sollte ein guter Neurologe verstehen und können, damit er ein wirklich guter Epileptologe ist, damit ich davon ausgehen kann, daß er eine Epilepsie in den Griff bekommt und ich nicht beim falschen bin. Die blosse Erfüllung und Umsetzung der medizinischen Richtlinien und Leitlinien macht für mich noch nicht einen qualitativ-guten Neurologen aus.Das ist meine Meinung und lt. freier Meinungsäußerung (Grundgesetz) darf man das noch sagen. Gerade in einer Zeit wie heute, wo nur noch die medizinische Abwicklung von Prozeduren erfolgen kann, ist es sehr schwierig einen Neurologen zu finden, der ganzheitlich denkt und persönlich handelt und interveniert.
Es ist die große Frage akkurat aufgrund der interdisziplinären Arbeit, wie eine Gesamtschau der verschiedenen Disziplinen möglich sein kann. Das ist eine hohes Postulat und ob dem oft gerecht entgegengekommen wird, da bin ich mir nicht so sicher.
Ich habe es erfahren, daß meistens symptomorientiert vorgegangen wird und weniger die kausalen Ursachen angegangen werden. Der zunehmende Stress macht auch Neurologen zu schaffen. Die "Götter in Weiß" wie das so schön in der Redensart heißt sind längst keine Götter mehr und normalerweise müßte man vernünftig und kritisch mit den Epileptologen kommunizieren können. Und wie sieht die Realität aus? Man bekommt einen Termin frühestens in 4 Wochen, aufgeklärt wird wenig bis kaum und man selbst weiß im Grunde genommen kaum etwas wie man dran ist. Trotzdem schluckt man die Pillen und ich glaube gar nicht, daß es allein die medikamentöse Therapie ausmacht, die epileptische Anfälle verhindern, sondern es gehören viele andere Dinge dazu wie ausreichender Schlaf, kein Alkohol, kein Rauch, kein Streß, mehr Bewegung und Ausgeglichenheit, Ernährung, kein oder wenig Fernsehen bzw. Computer und andere sinnliche Reizzustände.
Tja, welcher Mensch ist perfekt und hat sich dermaßen diszipliniert im Griff, frage ich mich da nur. Gäbe es einen Rollentausch und die Neurologen müßten einmal die Patienten spielen, dann würden sie das sicher auch nicht alles erfüllen, was sie aber selbst von einem erwarten. Seine Meinung darf man ja noch sagen, denke ich.
Tja und was macht jetzt einen wirklich guten Neurologen aus?
Er müßte mehr menschlich denken, glaube ich und sich in die Rolle eines Patienten hineinversetzen und endlich aufhören mit seinen Absolutismusverboten, vielleicht würde dann mehr erreicht werden. Wer weiß mir einen guten Neurologen, mit dem man sich wirklich gut unterhalten, pro und contra diskutieren kann, der Sachverstand und viel Erfahrung hat, der evtl. Forschungs- und Pioniersarbeit geleistet hat und der "durchblickt", daß ein Leben mit Epilepsie auch etwas mit Lebensqualität zu tun hat?
Für Tipps und Erfahrungen wäre ich Ihnen recht dankbar.
MfG
Heidi 45

Qualitätsurteil Neurologe - was sollte er leisten?

pegasus, Sunday, 15.06.2014, 20:53 (vor 4445 Tagen) @ Heidi 45

Du musst doch wissen, was du von deinem Neurologen erwartest und was nicht. Wenn du nicht mit ihm zufrieden bist, dann solltest du diesen Wechseln oder dir einmal einen Termin in einer Fachklinik besorgen.

Und zum Grundgesetz:

Das Grundgesetz gilt zum Schutze der Bürger gegen den Staat. Das heißt, du darfst deine freie Meinung gegenüber dem Staat sagen.

Mir als Privatperson, zum Beispiel, kannst du versuchen deine Meinung zu sagen, ich muss sie mir aber weder anhören, noch akzeptieren oder sonst irgendetwas.

(ist nichts gegen dich, aber wenn man schon mit dem Grundgesetz kommt, sollte man sich auch darüber im klaren sein wofür dieses gedacht ist).

Qualitätsurteil Neurologe - was sollte er leisten?

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Tuesday, 17.06.2014, 17:37 (vor 4443 Tagen) @ Heidi 45

was sollte ein guter Neurologe verstehen und können, damit er ein wirklich guter Epileptologe ist, damit ich davon ausgehen kann, daß er eine Epilepsie in den Griff bekommt und ich nicht beim falschen bin. Die blosse Erfüllung und Umsetzung der medizinischen Richtlinien und Leitlinien macht für mich noch nicht einen qualitativ-guten Neurologen aus.

Das kommt drauf an. Dazu muesste man erst einmal die Frage beantworten, ob die Masse der Neurologen sich wirklich an die Richt- und Leitlinien haellt. Koennte doch auch sein, dass das Problem einiger Neurologen ist, dass sie sich nicht daran halten und dies das Problem ist? Ich mein wenn Du siehst, wie es in den grossen Epizentren zugeht, dann sind dort die Vorgaenge ja teilweise extrem genormt und trotzdem oder gerade/auch deswegen arbeiten die erfolgreich.

Trotzdem schluckt man die Pillen und ich glaube gar nicht, daß es allein die medikamentöse Therapie ausmacht, die epileptische Anfälle verhindern, sondern es gehören viele andere Dinge dazu wie ausreichender Schlaf, kein Alkohol, kein Rauch, kein Streß, mehr Bewegung und Ausgeglichenheit, Ernährung, kein oder wenig Fernsehen bzw. Computer und andere sinnliche Reizzustände.

Dass Schlafmangel etc. die Anfallsbereitschaft erhoehen kann (was genau, kommt immer auf die Person an) ist ja nix neues. Medis packen ja nur was auf den persoenlichen Schutzwall vor Krampfanfaellen drauf, reichen aber alleine nicht bei jedem aus.

Ich habe es erfahren, daß meistens symptomorientiert vorgegangen wird und weniger die kausalen Ursachen angegangen werden.

Abgesehen davon, dass man bei nur wenigen Faellen von Epilepsie tatsaechlich komplett Ursaechlich behandeln kann (heist fuer gewoehnlich dann Gehirn-OP), kommt es darauf an, wie man Ursache definiert. Wenn man die Ursache bei den fehlerhaften Synapsen sieht, dann sind die Medis ziemlich ursaechlich. Viele potentielle Provokationsursachen kann aber Dein Arzt schlecht behandeln - kann Dir ja schlecht staendig nachkontrollieren, ob Du z.B. viel oder wenig schlaefst (was eh sehr persoenlich unterschiedlich ist). Wenn Du da aber Probleme hast - z.B. regelmaessig einzuschlafen, obwohl Du muede bist - dann ist es an uns Patienten, den Aerzten davon zu erzaehlen, damit sie etwas machen koennen. Ein ganzes Stueck weit tragen auch wir Verantwortung fuer unsere Behandlung.

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Qualitätsurteil Neurologe - was sollte er leisten?

Heidi 45, Monday, 13.10.2014, 14:59 (vor 4325 Tagen) @ huge88

Hallo huge88,

herzlichen Dank für Deine kompetente Antwort: sachlich, klar und kritisch. Fand ich die beste Antwort von allen. Leider konnte ich lange Zeit nicht mehr hierher kommen und ist mittlerweile einige Zeit verstrichen. Aber ich hoffe, daß ich Dich trotzalledem noch erreichen kann (spätestens beim Christkindlsmarkt, schmunzel).
Leider habe ich bis dato noch immer keinen erfahrenen Spezialisten gefunden, weil ich eben kein Vertrauen mehr habe zu Ärzten diesbezüglich. Für alle anderen Krankheiten schon, aber im Falle "Epi" nicht, denn ich habe nur Ärzte kennengelernt, die ein wenig höherdosieren, mal wieder umstellen und was Neues ausprobieren, aber nicht das Ziel der Anfallsfreiheit und den gesamten Funktionskreislauf, das Zusammenwirken und die Wechselwirkungen der Medis untereinander eruiriert haben, den Weg dorthin wie sie das erreichen wollen und der Wirkmechanismus eines Medikamentes mir auch nicht aufgezeigt haben bzw. warum sie etwas verschreiben und wie das wirken sollte. Jeder kleine Volksschullehrer muß heutzutage Feinziele formulieren und danach evaluieren, ob er sie erreicht hat oder nicht bzw. einmal eine Bilanz ziehen.

Aus den Gründen wie der geringen Einflußnahme der Medis auf die Anfallsverhinderung, dem Gleichgültigkeitsgefühl der Ärzte gegenüber dem Patienten, dem David:Goliath-Einflußverhältnis und Machtspiel, der gesetzlich-inaktzeptablen und völlig benachteiligenden Vorgaben und juristischen Normen (!!) (z.B. berufl. Einstellungs-nachteile, Führerschein und ganz vieles mehr) und der gesellschaftlichen Intoleranz gegenüber der Epi, wird einem auch ein Stück "Wert" vermittelt, der besagt: als Epileptiker ist man ein Idiot, eine Marionette, nichts wert und gestraft für sein ganzes Leben! Woran sollte man da noch glauben? An Wunder?

Qualitätsurteil Neurologe - was sollte er leisten?

Chey, Monday, 07.07.2014, 18:10 (vor 4423 Tagen) @ Heidi 45

Hallo Heidi 45

Was sollte er leisten? & Was " kann" er leisten? So betrachte ich die Situation und bin von daher mit meinem Neurologen sehr zufrieden. Er gibt mir nicht das Gefühl "über mir zu stehen", oder was immer du meinst mit > Götter in Weiß <, doch es ist fachlich definitiv der Fall. Das ist auch gut so, denn an wen sollte ich mich sonst wenden? Ich habe in den Jahren die Erfahrung gemacht, das ich vieles was mich anbelangt "glaubte" objektiv beurteilen zu können, sich aber dennoch oft mehrmals als mir lieb war ein Wunschdenken dazu gesellte welches ich einfach nicht wahrhaben wollte. Genau da leitete er dann je nachdem die Schritte ein die wichtig und im Nachhinein auch in der Mehrheit immer Richtig waren.

Gute Zusammenarbeit ist wichtig, nicht mehr und nicht weniger.

Viele Grüße
Chey

Qualitätsurteil Neurologe - was sollte er leisten?

Bepi74, Tuesday, 08.07.2014, 16:55 (vor 4422 Tagen) @ Heidi 45

Hallo Heidi,

ich habe lange gebraucht, bis ich einen Arzt gefunden habe, der sich mit Epi auskennt. Meine ersten Neurologen hatten meist von Epilepsie weniger Ahnung als ich (so kam mir es jedenfalls vor)
Ich kam dann zu einer größeren Gemeinschaftspraxis, bei denen der Neurologe meine Fragen öfter nicht beantworten konnte. Aber: Er gab das zu (Respekt!!!) und sagte, "da muss ich einen Experten fragen". Als das öfter passierte, wurde ich automatisch zu dem Experten geschickt, der Epileptologe ist und der erste Arzt war, der mir auch neues über Epi erzählen konnte.....

Das hat bei mir aber weit über zehn Jahre gedauert......