Medikamentenverweigerung - drogenkonsum - einmaliger Anfall

Maria88, Thursday, 31.07.2014, 20:04 (vor 4399 Tagen)

Hallo, ich bin neu hier im Forum und habe auch relativ "neu", vor ugf. einem Monat, die Diagnose Epilepsie bekommen.
Ich habe laut der Meinung der Ärzte eine generalisierte Epilepsie und sie empfehlen mir, Medikamente zu nehmen. Ich bin jedoch eine absolute Medikamentengegnerin und kann mich an den Gedanken, Epilepsie zu haben, nicht gewöhnen.
Ich bin 26 Jahre alt, habe an den Wochenenden immer exzessiv gefeiert, Drogen genommen, Alkohol konsumiert, über 48 Stunden ohne Schlaf verbracht. So auch am 10. Mai diesen Jahres, als ich nach einer Party in einer Wohnung zu Bekannten kam, bei welchen ich mich unwohl fühlte. Zudem stand ich unter Einfluss von LSD, Ecxtasy und Speed. In der Wohnung fühlte ich mich unsicher (da mir die Leute und die Umgebung nicht zusagten), begann zu krampfen und bekam meinen ersten (und bisher einzigen) Anfall.
Seitdem nehme ich weiterhin Drogen und trinke auch, jedoch in Maßen. Ich hatte auch 2-3 Nächte ohne Schlaf, ein weiterer Anfall blieb jedoch aus.
Den Alkoholkonsum möchte ich nun sehr stark einschränken, die Einnahme von Drogen komplett aus meinem Leben streichen.
Außerdem möchte ich keine Medikamente nehmen... Ich kann und will einfach nicht akzeptieren, dass ich Epilepsie habe, da ich nur einen einmaligen Anfall hatte und dieser unter Extrembedingungen ausgelöst wurde.
Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob ich damit einen Fehler mache. Ich habe niemanden mit dem ich mich darüber austauschen kann,...
Ich wäre sehr dankbar, wenn ich hier einige Meinungen von Betroffenen zu meinem Fall hören könnte... da die Ärzte auf meine Frage ob es ein Risiko ist, wenn ich mich gegen eine medikamentöse Behandlung entscheide, nur geantwortet haben: "das ganze Leben ist ein Risiko"
Ich freue mich wirklich über Antworten...
Liebe Grüße

Medikamentenverweigerung - drogenkonsum - einmaliger Anfall

gigi, Thursday, 31.07.2014, 22:41 (vor 4399 Tagen) @ Maria88

Hallo Maria,
Also auch wenn dein Bericht mich erstmal ein wenig schockiert - sorry. Aber du hast ja definitiv schon Ursachen selbst erkannt und kannst auf jeden Fall eine Menge in deinem Leben ändern. Vielleicht hat der Anfall dir deine Grenze gezeigt und du kannst daraus das beste für dich machen?
Falls das nicht ausreicht und du wieder einen Anfall bekommen solltest, denke ich, dass du sicherlich auch deine Einstellung bezüglich der Medikamente auch nochmal überdenken kannst. Man muss ja nicht gleich ja und amen sagen. Aber auf dich achten und einen guten Neurologen suchen solltest du, falls noch nicht vorhanden. Wenn er gut ist wird er deine Bedenken mit dir besprechen und dich ggf. überzeugen.
Lieben Gruß und sei stark
Gigi

Medikamentenverweigerung - drogenkonsum - einmaliger Anfall

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Thursday, 31.07.2014, 23:52 (vor 4399 Tagen) @ Maria88

Achje, also ich denk ja immer wieder, mich kann langsam kaum eine Story hier mehr schocken, aber Du haust mich um.

Seitdem nehme ich weiterhin Drogen und trinke auch, jedoch in Maßen. Ich hatte auch 2-3 Nächte ohne Schlaf, ein weiterer Anfall blieb jedoch aus.
Den Alkoholkonsum möchte ich nun sehr stark einschränken, die Einnahme von Drogen komplett aus meinem Leben streichen.

Gute Entscheidung. Hol Dir dazu unbedingt professionelle Hilfe. Wenn Du nach dem einmaligen Anfall langfristig eine Chance haben willst, in Zukunft ohne Antiepileptika auszukommen, dann verbesserst Du die auf jeden Fall, indem Du regelmäßig ausreichend erholsamen Schlaf bekommst und von für's Hirn schädlichen Substanzen loskommst.

Einmalige Krampfanfälle können durchaus durch "Vergiftung", exzessiven Schlafmangel oder einer Kombi aus allem ausgelöst werden, was aber noch schlimmer ist, man kann sich auch damit das Hirn so schädigen, dass die Anfallsschwelle langfristig sinkt, d.h. sich dadurch dann tatsächlich eine Epilepsie ausbilden kann. Wo Du da stehst, kann keiner von uns Laien hier beurteilen, das müssen die Ärzte auf Grund der Untersuchungen, so weit möglich, tun und da ist wirklich - auch wenn's vielleicht schwer fällt - absolute Ehrlichkeit bzgl. der von Dir genommenen Substanzen und Mengen wichtig.

Außerdem möchte ich keine Medikamente nehmen... Ich kann und will einfach nicht akzeptieren, dass ich Epilepsie habe, da ich nur einen einmaligen Anfall hatte und dieser unter Extrembedingungen ausgelöst wurde.

Das kann ich gut verstehen. Aber sag einmal, einfach um Dich besser zu verstehen, weil ich mit Drogen (abgesehen von Medikamenten, die von manchen ja auch als solche Bezeichnet werden) nie wirklich was am Hut hatte und das für mich eher eine fremde Gedankenwelt ist: Wieso ist es für Dich kein Problem, regelmäßig einen bunten Drogenmix zu nehmen, aber bei Medikamenten schon? Liegt es daran, dass Du Drogen nimmst, um von der Wirklichkeit Abstand zu gewinnen und das Einnehmen dieser Einfordern würden, dass Du Dich eben mehr mit dieser Wirklichkeit auseinandersetzt? Oder bist Du das Einnehmen von Drogen so gewohnt, dass Du die negativen Folgen, die immer in den Medien gepredigt werden, bisher unbewusst ausgeschalten hast und die Aussicht, jeden Tag Medikamente nehmen zu müssen, Dir den Unterschied zu den Drogen unangenehm aufzeigt?

Kann auch sein, dass ich da jetzt blödsinn geschrieben habe und das was ganz anderes bei Dir ist, aber ich glaube, Dich besser zu verstehen, kann uns helfen zu lernen, wie wir Dir hier mental am besten unter die Arme greifen können. Denn dass Du einen langen und harten Weg vor Dir hast, ist ja klar und ich denke, Du wirst hier in der nächsten Zeit noch öfters schreiben.

Drück Dir die Daumen, dass Du von den Drogen komplett loskommst.

Ciao

--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil

Medikamentenverweigerung - drogenkonsum - einmaliger Anfall

Heidi, Friday, 01.08.2014, 10:05 (vor 4398 Tagen) @ Maria88

@Maria,
Wenn Deine Entscheidun wirklich ehrlich gemeint ist, kann ich Dir nur gratulieren. AAAAAAAAber, Du mußt eines bedenken: schlagartiger Entzug kann zum Eigentor werden, denn da ist man auch anfallsgefährdet. Ich würde Dir raten einen Arzt zu Hilfe zu nehmen, der kann professionell die ganze Sucht langsam zusammen mit Dir ausschleichen. Du muss aber wollen und das ganze konsequent durchziehen. Du mußt aber Vertrauen zum Arzt mitbringen. Ich denke auch, dass dies ein provozierter, einmaliger Anfall war. Sei vernünftig und denke an Deine Gesundheit und Dein zukünftiges Leben.
Liebe Grüße
Heidi

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keki, Friday, 01.08.2014, 14:01 (vor 4398 Tagen) @ Maria88

Ich denke auch, dass der Entzug unter ärztlicher Kontrolle erfolgen muss, besonders da du ja, so wie du schreibst, einen bunten Mix aus allem über längere Zeit eingeworfen hast. Daher halte ich eine Klinik für sehr sinnvoll. Und anschließend können erfahrene Ärzte raus finden, ob`s "nur" die Drogen waren oder etwas anderes. Hab die Stärke, Hilfe anzunehmen!
keki

Medikamentenverweigerung - drogenkonsum - einmaliger Anfall

Maria88, Wednesday, 06.08.2014, 21:15 (vor 4393 Tagen) @ Maria88

Danke für die vielen Antworten, ich bin nun etwas erleichtert, da eure Meinungen mit den meinen zum größten Teil übereinstimmen.
Ich bin auch der Meinung, dass dieser erste Anfall nur ein provozierter war, die Ärzte sind jedoch der Meinung, dass er zwar provoziert war, ich die Epilepsie jedoch zu hundert Prozent in mir habe, da dies das Ergebnis des EEG und Schlafeeg deutlich anzeigt.
Ich verstehe, dass mein Fall etwas schockierend ist, ich denke jedoch, dass sich mein Fall für Außenstehende schlimmer anhört, als er egtl. ist. Ich bin es zwar gewohnt, hin und wieder und manchmal etwas öfter, Drogen zu konsumieren, bin jedoch nicht süchtig. Das bedeutet für mich, ich kaufe mir seit dem Anfall nichts eigenes mehr, nehme nicht täglich irgendwelche Substanzen zu mir und kann manchmal auch nein sagen. Ich denke, dass meine Drogenkarriere nun nach und nach von allein im Sand verlaufen wird.
Ich sehe Drogen nicht unbedingt als Medikamente, da ich sie wahrscheinlich schon so lange nehme... Ich nehme sie nicht um Abstand aus der Realität zu gewinnen, eher bekomme ich durch die Einnahme Zugang zu anderen Realitäten - spirituellen Sphären. Drogen können meiner Meinung nach, wenn man sie in Maßen und gezielt einsetzt, das Bewusstsein enorm erweitern.
Ich werde also keinen Entzug unter ärztlicher Aufsicht machen, sondern nach und nach die Einnahme reduzieren.
Ich denke und hoffe, dass ich ein sehr gutes Körperbewusstsein habe. Dadurch hoffe ich, meinen Kopf zu verstehen, Auren zu erkennen und Müdigkeit zu respektieren, um einen zweiten Anfall vorbeugen zu können. Natürlich habe ich etwas Angst, mich zu überschätzen und habe wirklich große Angst, einen erneuten Anfall zu bekommen und wirklich Medikamente nehmen zu müssen.
Bestenfalls jedoch habe ich keinen weiteren Anfall und beim nächsten EEG und der anschließenden ärztlichen Visite in ein paar Monaten, können die Ärzte mir Entwarnung geben.
In der Hoffnung, dass ich mich nicht überschätze und mein Ziel nicht nur naives Wunschdenken ist.
Vielen Dank nochmal für eure freundliche Anteilnahme. Eventuell könnt ihr mich ja ein bisschen verstehen :-)
Ganz liebe Grüße Maria

Medikamentenverweigerung - drogenkonsum - einmaliger Anfall

keki, Friday, 08.08.2014, 19:18 (vor 4391 Tagen) @ Maria88

Ich drücke dir die Daumen, dass du es schaffst. Ich habe oft in meinem Leben Drogenkonsumenten und Alkoholiker kennengelernt, die den Grad ihrer Süchtigkeit falsch eingeschätzt haben. Überschätz dich nicht.
keki